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Neue Städtewette?

Vergangenen Samstag gab es in München eine kleine Aktion gegen die Statist_innensuche für Militärmanöver. Die US-Armee sucht für Übungen in Hohenfels Statisten, die afghanische Bäuer_innen spielen, während die Soldat_innen angeblich lernen, beim Kämpfe die Zivilbevölkerung zu schonen. Anders gesagt: Es geht um direkte Mitwirkung an dem Krieg, den die NATO-Staaten in Afghanistan führen. Infos, Termine, etc. findet mensch auf der Seite der Vermittlungsfirma.

Genug politische Hintergründe, nun zur Städtewette: Die gleiche Veranstaltung läuft kommendes Wochenende in Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Stuttgart. Vier Städte, vier lokale Szenen – wer stellt die coolste, subversivste, fetteste Action auf die Beine?
Ich muss gestehen, diesmal hat München ein wenig enttäuscht. Die Veranstaltung wurde gestört, nicht abgebrochen, immerhin gab es wohl ganz gute Diskussionen mit angehenden Statist_innen. Kassel hat ganz gut vorgelegt, Berlin hat die Chance verpasst – da war die Anwerbung am 20.2.

Die Firma Optronic, die die Statist_innen vermittelt, machte übrigens auch mal ganz andere Schlagzeilen. 2003 versuchte die Firma Teile, die für die Anreicherung waffenfähigen Urans geeignet sind, nach Nordkorea zu verkaufen. (Abi Bild 1 // Abi Bild 2)
Das nur nebenbei, um mal ein Schlaglicht auf den berühmten Mittelstand zu werfen.

Also, 4 Städte, 4 mal die Chance, der Firma einen realitätsnahen Eindruck vom hiesigen Krisengebiet zu verschaffen, 4 mal die Chance öffentlich Druck auf den Militärzulieferer und die Veranstaltungsorte (Hotels) zu machen, die einmalige Chance in den sportlichen Wettkampf zu treten, welche Stadt die fieseste, coolste, effektivste, beste Aktion hinbringt. Also los!

p.s. Eine vorherige Anmeldung für die Spiele ist nicht erforderlich, ein posiger indy Artikel genügt.

Wir sind keine Jesus-Fans, wir sind Frauen Hooligans!

Yay, das war ein gutes Wochenende … der Aufmarsch von christlicher Fundis und Münchner Nazis wurde durchgehend massiv gestört. Einen guten Bericht findet ihr auf indymedia und der Seite des asab_m, die Crew von Luzi-M ist sich uneins, ob sie die Aktionen und Mobilisierung erfolgreich oder eher gescheitert findet. Angesichts dieser Fülle an Berichten spare ich mir die chronologischer Erzählung und zitiere hier ein paar Highlights aus Berichten und Kommentaren.

muc-218

Nachdem die Fundis, wohl wegen der unübersichtlichen Szenerie am Marienplatz auf die Holzkreuze verzichtet hatten konnten sie nur noch einige wenige Pappschilder, so wie ein großes hölzernes Portrait der “Jungfrau Maria” tragen. Dies allerdings zunächst nicht all zu weit, da plötzlich zwei Männer direkt vor dem Holzportrait anfingen, sich zu küssen. Dies ekelte die Christ_innen so sehr, dass sie sich weigerten, die “Jungfrau Maria” an dieser Szene vorbei zu tragen. Statt dessen zogen sie einem der Küsser die Gottesmutter über den Schädel, bis das Paar den Weg frei machte.

Ein autonomer Antichrist findet auf indymedia:

die Mobilisierung gegen diesen 1000-Kreuze-Marsch war auch in dem Sinne ein Erfolg, als dass die linke Szene in München mit einem (durchaus sensiblen) Thema konfrontiert werden konnte, OHNE dass es zu den in der linken Szene in Deutschland leider üblichen Reibereien auf eingefahrenen Schienen a la „PC-Faschisten“ vs „Antifa-Macker“ gekommen ist.

Als alte Meckerziege muss ich natürlich schon anmerken, dass eine Auseinandersetzung mit Sexismus leichter fällt, wenn sich der in absurden Gebetszügen manifestiert, und nicht in den eigenen Binnenstrukturen, Arbeitsteilungen, Beziehungen … trotzdem ist dem Antichristen zuzustimmen – durch die Mobilisierung wurde eine Diskussion aufgemacht, ohne gleichzeitig Gräben aufzuwerfen.
Auf indymedia verteilt ein alter Hase Props:

Bei den actione waren sauviele Leute dabei, die ich sonst nie auf Demos sehe – allein dass ist schonmal cool. Und ganz viele waren von Start bis Ende dabei, aber mit vollem Elan. Trotz Einschüchterungsversuchen und Übergriffen der Cops, trotz dem dass alles lange ging (fast 6 Stunden), und so weiter.
Gerade von Leuten, die sich nicht mit schnöder Regelmässigkeit mit Bullen anlegen, finde ich dass um so beachtlicher. Mad Props to all of you!

Dem will ich mich mal anschliessen.

Und nun zur Wette. Im*moment*vorbei beweist Sportsgeist, und erkennt neidlos an das München mehr gerockt hat. Ich finds gut, dass dieser sportliche Wettkampf nicht in einem nervigem Hickhack endet, und freue mich deshalb ganz besonders über diese Fairness.
Die Wette verloren hat auch nicht Berlin – die gewinnen eher schicke Aufkleber – sondern die Abtreibungsgegner_innen, die sich ernsthaft überlegt hatten ihren Marsch abzublasen, die massivst geärgert wurden und die damit rechnen müssen dass ihre öffentlichen Aktionen öfters von linker Seite gestört werden.

Knocked out in the first round?

Bislang steht es für die Wette gegen Berlin nicht schlecht. Der Laden der LebensschützerInnen wurde entglast, ca. 30 Menschen störten einen Gottesdienst der absurden Fundis. Und die eigentlichen Aktionen kommen erst noch – 14:00 Geschwister Scholl Platz, den Rest erfahrt ihr hier.

Bin ja mal gespannt …

Die Wette zwischen mir und im*moment*vorbei läuft, die Frage ist ob in München oder Berlin die fetteren Aktionen gegen den 1000-Kreuze Marsch christlicher Abtreibungsgegner_innen laufen werden. Nach einer inhaltlichen Veranstaltung am vergangenen Mittwoch legen die Berliner_innen morgen auch actionmässig vor, schade dabei dass sich die Aktionen in Berlin zeitlich mit der Demo gegen den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr überschneiden. Trotzdem freue ich mich jetzt schon auf die indy-Berichte über die vielfältigen Aktionen, die morgen sicher laufen werden.
Ein von linker Seite lange vernachlässigtes Thema hat wieder eine gewisse Präsenz. Egal, wie die Städtewette ausgeht, ein 2:0 gegen die Reaktion dürfte uns sicher sein.

Diverses gegen 1000 Kreuze

In Berlin hat sich mittlerweile ein Bündnis gegen den dortigen 1000 Kreuze Marsch gebildet – no 218, no fundis!
Auch wenn es für meine Wette mit im*moment*vorbei nichts gutes verheisst, ist es doch schön unter so einem Aufruf eine so erkleckliche Unterstützer_innenliste zu sehen.
Auf indymedia ist ein Bericht erschienen, in dem detailierter darauf eingegangen wird wie weit rechts viele Abtreibungsgegner_innen stehen. Da wundert es auch nicht, dass sich Münchner Nazis am 1000 Kreuze Marsch beteiligen wollen.
Auch die Maedchenmannschaft will gegen ein Abtreibungsverbot mobil machen. Hier wird der Zusammenhang zwischen der einheitlichen Richtlinie, die die EU-Staaten anstreben und den vermehrten Aktivitäten der anti-choice Aktivist_innen gezogen.

Wie Bevölkerungspolitik in Deutschland aussieht, beleuchten zwei Artikel im Mädchenblog: Zum einen über spezielle Tamagotschis, die den Unterschichtsfrauen das Kinderkriegen ausreden sollen, zum anderem über die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln für Hartz vierer_innen.

Berlin stinkt ab! – Wer wettet mit?

Im September (am Samstag, den 20.09.) marschieren christliche Abtreibungsgegner_innen durch Berlin, ein sog. „1000 Kreuze für das Leben“ Marsch. Ich wette, dass die schnöseligen Hauptstadtlinken weniger Gegenaktivitäten gebacken kriegen als wir im beschaulichen München, wenn wir vom heiligen Geist heimgesucht werden (2 wochen später, am 4. 10.). Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen dass die Genoss_innen in Salzburg mehr auf die Reihe gekriegt haben, als es die Berliner_innen tun werden.
Stellt sich Berlin dieser Herausforderung? Und um was für Einsätze können anonyme blogs wetten? Oder traut sich eh niemand, die Wette anzunehmen – in der Gewissheit das die Berliner Zusammenhänge besseres zu tun haben werden (sich streiten, Spätzle schaben) und der Weg von Friedrichshain nach Mitte zu weit ist?