Tag-Archiv für 'weggehen'

Ladyfest!

Kommendes Wochenende ist, zwei Jahre nach dem ersten, das zweite Ladyfest in München. Einen Überblick und eine Einstimmung findet ihr bei Luzi-M, deshalb fasse ich mich hier kurz. Gut finde ich, dass mehr inhaltliche Veranstaltungen ihren Weg ins workshopprogramm gefunden haben als das letzte mal. Die Ausstellungen habe ich noch nicht gesehen – bis auf die vielen coolen neuen Aufkleber, mit denen jemand das Marat zugebombt hat. Was das Musikprogramm angeht – hört selbst, hier gibt es einen kleinen Player zum reinschnuppern. Bis in ein paar Tagen!

Balestrini in der Black Box

Am kommenden Dienstag ist eine Abendveranstaltung mit dem Autor Nanni Balestrini im Gasteig. Zu meiner grossen Überraschung gibts Genoss_innen, denen der Name nichts sagt, deshalb in aller Kürze: Balestrini hat 68 in Italien die Gruppe Potere Operaio mitgegründet und musste 79 nach Frankreich ins Exil, da ihm die Mitgliedschaft in den Brigate Rosse vorgeworfen wurde. Zusammen mit Primo Moroni schrieb er „Die goldene Horde“, meines Wissens nach das Standardwerk über die Autonomia. In seinen Romanen geht es um verschiedene soziale und politische Bewegungen – „Wir wollen alles“ behandelt die grossen Streiks bei Fiat, das Hooligan-Epos „I Furiosi“ (Die Wütenden) beschreibt die Fankultur des AC-Milan und das kleinkriminelle Milieu darum. Am bekanntesten dürfte „Die Unsichtbaren“ (Gli Invisibli) sein, dass der Generation 77 – der ersten Welle Autonomer Politik in Italien – ein Denkmal setzt. Ein kurzer Auszug:

unser Zentrum war mitten in der STadtund das ganze umliegende Viertel war praktisch von uns besetzt die Leute der Szene schweiften dort umher auf den Bänken des kleinen Parks lagerten den ganzen Tag über Genossen etwa zweihundert Meter entfernt war ein Kaufhaus das tagtäglich von Gruppen von Genossen heimgesucht wurde irgendwann beschloss die Geschäftsleitung gegen diese täglichen schamlosen Raubzüge etwas zu unternehmen und stellte massenhaft Wärter auf die rannten eines Tages hinter ein paar Genossen her die Lebensmittel geklaut hatten rannten auch noch draußen auf der Strasse hinter ihnen her und die Genossen rannten zum Zentrum und schrien laut einen Augenblick lang herrschte Großalarm alle rannten hinaus mit den Fahnen die in Wirklichkeit Spatenstiele waren mit einem roten Stofffetzen dran

auf so etwas waren die Wächter nicht gefasst sie machten vor den ersten roten Fahnen Halt kehrten um und rannten zurück sie hatten jedoch den Namen einer Genossin rausgefunden und zeigten sie an und aus Angst vor unserer Reaktion foderten sie zwei Auto mit Bullen an die von nun an vor dem Eingang standen daraufhin ließen sich die Genossinnen eine schöne Aktion einfallen sie zogen sich alle elegant an und gingen zu zwanzig dreißig ins Kaufhaus und als sie drin waren schlenderten sie mit Rasierklingen durch die Bekleidungsabteilung und ritsch ratsch Jacken Pullover Röcke Hoen Mäntel Capes es war verheerend Schäden in Millionenhöhe und dann gingen sie selenruhig wieder hinaus keiner hatte etwas gemerkt die Polizeiautos standen noch zwei Wochen vor dem Eingang und währenddessen gingen die Leute in einen anderen Supermarkt klauen und dann ging hier wieder alles von vorne an

[…]

In der Zwischenzeit war jedoch ein anderes Problem aufgetaucht das uns plötzlich zu schaffen machte das war das Heroinproblem das immer weitere Kreise zog und auch in die Bewegung einzudringen begann tagelang diskutierten und diskutierten wir darüber ist ja klar das denen an der Macht diese Situation gerade recht kommt die schon einen Haufen Tote gefordert und viele zu Zombies gemacht hat die nun mit Spritze und Löffel an den Brunnen auf den Plätzen herumhängen klar das dem Heroin am ehesten diejenigen verfallen die das System am meisten ablehnen und es nicht mehr ertragen können das Heroin bietet uns ein individualistisches und selbstzerstörerisches Ventil für unseren Wunsch nach Veränderung für die Wut die wir in uns haben

Backstage: Zeit für Reue

Das Backstage hats nicht leicht. Immer wieder wird der Club kritisiert, weil dort Künstler_innen wie Frei Wild oder Sizzla auftreten. Am letzten Freitag reagierte der Gebeutelte Club endlich auf die Kritik mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Homophobie, im Anschluss ein Konzert von T.O.K..
Das Blog Medium, polemisch wie immer, fragte im Vorfeld wieviel Bullshit eigentlich Backstgebetreiber Hans Georg Stocker gefrühstückt hat: Nach der Diskussion spielte eine Band, die für Texte wie „Jeder Schwule sollte tot auf dem Boden liegen“ bekannt ist. Schlimm, wie mit anonymer Hetze aus dem Internet mit freier Meinungsäusserung umgegangen wurde. Jetzt, da endlich mal darüber geredet wurde, ist ja alles geklärt. Medium jedenfalls entschuldigt sich für die Gemeine Hetze:

Liebe Backstage-Besucher,
Liebe Backstage-Betreiber,

hiermit möchte ich mich öffentlich und in aller Form entschuldigen. Ich habe einen Fehler gemacht, nein, ich habe sogar viele Fehler gemacht, als ich dem Backstage unterstellt habe, dass dort homophobe, sexistische und gelegentlich auch rechtsoffene Bands auftreten und als ich diesen Bands vorgeworfen habe sie wären homophob, sexistisch und/oder rechtsoffen.

Die Öffentliche und mit der kleinen Notiz auf eurer Homepage total gut beworbene Diskussionsveranstaltung „Homophobie in der Reggae-Musik“ hat mich überzeugt, dass ihr es alle nur gut meint, und niemand homophob oder irgendwie anders doof ist, und dass der differenzierte und freundschaftliche Dialog unglaublich wichtig ist, und das wir uns alle doch einfach lieb haben sollten und uns über unsere Deutsche Meinungsfreiheit freuen sollten, weil sonst wär ja alles wie so um 1940 oder wann das war.

[…]

Lieber Zündfunk- und Podiumsdiskussionsmoderator,
Danke! Danke dass du nicht den einfachen und so langweilig wie gängigen Weg als neutraler Moderator gewählt hast, sondern uns einen Einblick gewährt hast in die große kulturelle Kenntnis, die du bei deinen Urlaubsreisen in Jamaika gewonnen hast.
Danke, dass du uns deutlich erörtert hast, dass die Jamaikanische Gesellschaft, nein, dass der Jamaikaner an sich halt einfach etwas homophob ist, und das dieser eindeutige kulturelle Umstand halt mal dazu führen kann, dass dem einen oder anderen Musiker aus der Region mal so ein homophober Song so aus Versehen rausrutschen kann.

Weiterlesen.

Könnte doch was auch immer sein

Einer der DJs des Department of Volxvergnuegen wurde hier, vollkommen zu Recht, von mir gedisst. Die sich anschliessende Diskussion hat dem Dept. auf alle Fälle ein paar Stichworte geliefert:

Volxvergnuegen-Anzeige aus der aktuellen Hinterland

Ich bin mir noch nicht sicher, ob dieser Umgang souverän und humorvoll, oder doch eher eingeschnappt ist, oder eine Mischung. Ist letztendlich auch egal, die Kommentarspaltendiskussion damals hat genug Material für ein paar Werbetexte hergegeben. Ich hab da mal was vorbereitet:

Sehr viel Input bietet uns Lurchi:

Dept. of Volxvergnuegen. Endlich normale Leute.

Nicht die Schmusedecke der Subkultur, sondern das wahre Leben. (Fast) Jeden ersten Samstag im Monat in der Glockenbachwerkstatt.

Auch Helga legte sich mächtig ins Zeug, eigenartig ist hier nur die Gewissheit dass die Kritiker_innen des VV immer da hingehen:

Elektronische Musik für alle Leute denen offensichtlich oft langweilig ist, die ein bißchen enttäuscht wegen irgendwas sind, vielleicht auch die Parties schlecht finden aber trotzdem immer wieder dorthin gehen.

Volxvergnügen – so schlecht können die Parties nicht sein.

Ein echter winner ist aber Theodor W. Adonis:

Lektionen in Kultur könnten doch auch selbstironie, eine homage oder was auch immer sein.

Postlinke Popdeppen

68 und die daraus entstandenen linken Bewegungen zu bashen ist derzeit mainstream, da will auch ein Benno, DJ beim Dept. of Volxvergnügen, nicht hintanstehen – und schreibt sich als DJ „Benno ohne Sorge“ auf aktuelle Flyer und Plakate. Was er damit aussagen will ist mir schleierhaft, faktisch sagt er „Morde durch die Bullen muss ich nicht so ernst nehmen wie meine Selbstdarstellung!“

Ein langer Tag, ein bisschen Text?

Am Samstag ist in Berlin der lange Tag des Antimilitarismus, mit einem recht spannendem Programm. Wenn ein paar Leute da hingehen und hinterher etwas zu den einzelnen Veranstaltungen schreiben, fände ich das super. Also macht mal.

Jessica Fasel – eine Münchner Oi!-Kariere

Jessica Fasel ist Sängerin in der Münchner Oi!-Band „Arglistige Toischung“, zwischen 2002 und 2003 war sie Kaderin der „Kameradschaft Süd“, die unter anderem einen Bombenanschlag auf die Grundsteinlegung des jüdischen Gemeindezentrums in München geplant hatte. Weil es immer wieder Diskussionen darüber gibt, ob jemand mit so einer Geschichte etwas in linken Räumen verloren hat, und weil diese Diskussionen zum Teil von ziemlich haarsträubenden Gerüchten geprägt sind, schreibe ich hier mal ein paar überprüfbare Fakten zusammen, ein bisschen was zur Aussteiger_innen-Problematik und zu Überläufer_innen in die Nazi-Szene. Ich bin weder die Antifa, noch Aida, noch das Marat, und schreibe auch nicht in deren Namen. Die Infos über iher Fascho Karriere habe ich grösstenteils aus der Aida-Broschüre „Sprengstoff für München
(mehr…)

14 – 20.05

16.05 Infoveranstaltung über Globalisierungskritk von rechts und den Faschoaufmarsch in Schwerin, Im Marat.
17.05 Tierlinkskafe im Marat
18.05 Anti-G8 soli-konzi im Marat: Irie Invaders & Raggabund.
19.05 Auftaktdemo der Bundesweiten Karawanetour.
20.05 Demo gegen das Annabergedenken in Schliersee.

Wochenplan

Schlimm, schlimm schlimm: indynews gibt es zur Zeit nicht, die Seite vom Marat ist offline. Wo sollt ihr, werte Leser_innen aus Hamburg und Buxtehude erfahren was die Woche so in München los ist? Hier:

Mi, 25.04
Fascho-Mahnwache – Treffpunkt 18:00, Marienplatz
Alle Jahre wieder gedenken die Müncher Faschos Reinhold Elstner – ein Altnazi, der sich irgendwann angezünde hatte um „mit seinem Tod ein Fanal zu setzen, gegen die unendliche Verteufelung eines ganzen Volkes.“ Der in den letzten Jahren so beliebte Spruch unsereseits (Zitat) „Reinhold Elstner, dumm wie stroh, drumm brannte er auch lichterloh“ soll heuer scheinbar wegen „Verunglimpfung der Totenruhe“ oder „Störung des Andenkens Verstorbener“ strafrechtlich verfolgt werden. Die Münchner Bullen ziehen sowas auch durch, letztes Jahr gab es zum gleichem Anlass Verhaftungen wegen „BRD, Bullenstaat“
Mittwochscafe (Marat)
Infoveranstaltung der Kampagne „Block G8″

Do, 27.04
Queercafe (Marat)

Fr, 27.04
Freitagskafe (Marat)
Das Freitagskafe lädt zum „Kampffreitag der Arbeiterklasse.“ Auf den ersten Mai wird mit einem kurzen Vortrag zur Geschichte desselben eingestimmt. Das sonstige Programm: Ska und Oi! im grossen Raum, im Stübchen wird der Film „Fist!“ über einen korrupten Gewerkschaftsboss gezeigt, anschliessend gibt es crustenbewusste Musik aus der Konserve.

Sa, 28.04
Antifademo in Erding
Demo gegen Nazistrukturen in Erding. Demobeginn: 28.04.07 14:00 Uhr am Bahnhofsvorplatz Erding (S2) Treffpunkt München: 28.04.07 12:50 am Fischbrunnen (Marienplatz) Aufruf ist hier.
Veranstaltung über Klassenkampf im Kulturladen Westend, mit Karl Reitter, 20:00 Uhr
Aus dem Flyer: „Es soll gezeigt werden, dass Klasse keimeswegs mit bestimmten soziologischen Schichten, etwa der Industriearbeiterschaft, und Klassenkampf mit Streben nach mehr Lohn oder besseren Arbeitsbedingungen gleichgesetzt werden kann. Klassenkampf ist mehr und auch anderes: es ist die Opposition gegen das zur Klasse gemacht werden.“
Warum ich glaube dass die Veranstaltung gut wird schreibe ich vielleicht nochmal separat, wenn ich die Zeit finde.

Adressen:
Marat – Thalkirchenerstr. 104, Aufgang 2, nähe U3 / U6 Goethplatz.
Kulturladen Westend – Ligsalzstr. 44, U4 / U5 Schwanthalerhöhe.

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EDIT die Kafeseite ist nach wie vor putt, aber der Link wäre auch falsch gewesen. jetzt zeigt er auf die richtige, kaputte Seite. Danke an Helferchen für den Hinweis.

Solitour für Antifas in Russland

Ich war gestern beim Konzert von What we feel und Tackleberry im Sunny red, und ich kann allen nur empfehlen zu einem Termin der Tour in eurer Nähe zu gehen:

Mar 13 2007 Öttinger Villa/Darmstadt (DE) +Tackleberry
Mar 14 2007 AK44/Giessen (DE) +Tackleberry
Mar 15 2007 Besetztes Haus/Erfurt (DE) +Tackleberry
Mar 16 2007 Liwi/Leipzig (DE) + Tackleberry
Mar 17 2007 Kombi/Nünchritz (DE) + Tackleberry, Something Inside, Abenteuer Auftauen, Irgendwie

Die Einnahmen der Tout gehen an Antifastrukturen in Russland, in denen wwf auch selber aktiv sind. Infos dazu gibt es bei Nu Pogodi, Nazi.
Mit Bandbeschreibungen tue ich mich immer schwer, ich würde würde die Musik beider Bands einfach mal als guten Hardcore bezeichnen, krachig, aber nicht metalig, der peinliche-tough-guy- faktor ist bei beiden Bands gering. Tackleberry kommen recht locker und symphatisch rüber. What we feel bringen bei ihrem Auftritt ziemlich klar rüber, dass es ihnen mit ihrer Musik und in ihrer Szene um etwas geht, vor fast jedem Lied gab es eine kurze inhaltliche Ansage. Wwf brachten, zumindest für mich, auch eine gewisse Power rüber. In München gab es vor dem Konzert keine Infoveranstaltung zur Situation von Antifaschist_innen in Russland, wie scheinbar in anderen Städten, hier war diese am Mittwoch vorher im Marat gewesen. Wenn in eurer Stadt noch Veranstaltung ist dann lohnt es sich auf alle Fälle früher hinzugehen und die auch noch mitzunehmen.