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Mixed picks #4

Via schatten kontrastieren bin ich auf ein Gespräch mit Avanti und der Gruppe soziale Kämpfe über die Interventionistische Linke gestossen.

Ein indymedia Artikel beschreibt, wie die rassistische Kampagne gegen einen Moscheebau in Berlin langsam verebbt. Vor über einem Jahr hatte ich spekuliert, dass die geplante Moschee in München Sendling eines der heisseren Themen im Kommunalwahlkampf werden würde. Tatsächlich waren dann die Schlägerei in der U-Bahn das dominierende Thema der rechten, und brachte auch den Faschos letztendlich einen Sitz im Stadtrat ein. Mittlerweile ist sich nicht einmal die CSU sicher, ob sie jetzt so richtig gegen die Moschee ist, oder nur ein bisschen.

Sendlinger Kreuzritter

Eine der bizzareren Gruppen, die gegen die geplante Moschee in Sendling in München hetzen ist wohl „deus vult“ (hxxp://deusvult.info), der Name ist das Motto eines Kreuzzuges. Angeführt wird die Rittertruppe (die wohl grade mal 3 Leute umfasst) von Stefan Ullrich, laut SZ Vorstandsmitglied der Harlachinger CSU. Inhaltlich hebt „Deus Vult“ darauf ab, dass Islam und Grundgesetz unvereinbar seihen, gleichzeitig sind sie fundamentalistische Christen. Ein paar Häppchen von ihrer Homepage, die durchaus Unterhaltungswert hat.
(hxxp://deusvult.info, die wenigen Unterseiten sind leicht zu finden, deshalb erspare ich mir eine genauere Verlinkung)

In einem ersten SZ Artikel über die Combo wurde erwähnt, dass Ullrich im Kreuzritterkostüm aud der Startseite posiert. Dieses Bild führte zu der besorgten Zuschrift, die rät „Deutlichen Bezug zu den Kreuzzügen bitte zurückstellen. Erstens ist das „Ritterkostüm“ abschreckend und pseudowitzig; es verkörpert Gewalt…“, ein andere schrieb „Als Werbeprofi möchte ich aber anregen, das Kreuzritterbild wegzunehmen. Dieses wirkt lächerlich und erinnert an Faschingsumzüge in München“. Das mit der Gewalt ist vielleicht gewollt, in ihrer Erklärung schreiben Deus vult „DV distanziert sich ausdrücklich von jeglicher unlegitimierter Gewalt“ und lassen damit durchaus Spielraum, und „fungiert dabei das „Kreuzritter-Image“ nur als erster Blickfang für die Seite und „DeusVult!“ als Aufruf zur Verteidigung unserer Rechtsordnung und christlichen Werte im übertragenen Sinne bzw. mit den Mitteln des demokratischen Rechtsstaats.“ Also ein Eiertanz aus Rechtsstaatlichkeit und Gewaltdrohungen – dass der Zusatz „mit den Mitteln des demokratischen Rechtstaates“ bei einigen ihrer Fans unter den Tisch fallen dürfte, erschliesst sich aus den Kommentaren die sie veröffentlichen (Es gibt keine Kommentarfunktion, aber eine Seite mit Ausschnitten aus e-mails die bei der Addresse 007@deusvult.info eingingen). Hier wird in klarer Fascho-Sprache beklagt dass „wir schon, vom demographischen Ansatz her gesehen, keine großen Chancen mehr haben“ oder „wurde das deutsche Volk seit Kriegsende permanent einer Gehirnwäsche unterzogen“. Andere bieten einfach an, die „Weltnetzseitenadresse“ witer zu verbreiten. Auch die Tradition der Kinderkreuzzüge ist nicht ausgestorben, eine Fan schreibt über sich: „bin 16 Jahre alt […] widme mein Leben dem Kampf für Gott und Vaterland gegen den Islam“
Das die Propaganda dieser Freaks solche Leute zieht, ist kein Wunder, neben den guten, alten, Eropäischen Werten bietet DV auch verquaste Verschwörungstheorien und Sozialdarwinismus:
„Warum schauen die MEDIEN zu? […] weil viele von ihnen bereits islamische Brötchengeber im Hintergrund haben bzw. sogar ihre Redaktionen schon von Islamkonvertiten unterwandert sind etc. etc.“ „Eine Gesellschaft aber, der alles egal ist, ist auch sich selbst egal – womit sie nicht nur die Substanz und den eigenen Willen, sich selbst (inkl. ihrer Werte) zu verteidigen, sondern tatsächlich auch die Berechtigung zum Leben auf diesem Planeten an sich verliert!“

Die Liste der Absurditäten, vor allem aber der Ekligkeiten liesse sich fortsetzen – DV sind in vielerlei Hinsicht genuin Rechts, sie sind nur zu klug um sich zu klassischen Themen der Rechten jenseits der Islamophobie zu äussern. Der Subtext ist jedoch da: das Abendland ist zu verweichlicht, von „Auschwitz-Keulen“ schwingenden „Alt 68-ern“ unterwandert und überhaupt viel zu PC, um sich der „globalen Gefahr Islam“ zu stellen. Hier wird eifrig am Schreckgespenst Islam gezimmert, und nach mehr Härte im Umgang mitdemselben verlangt – ob sich als praktische Antwort darauf die CSU, die NPD mit ihrer „Tarn“Liste Pro München oder wer auch immer profiliert bleibt ab zu warten.

Moscheebau & Faschowahlkampf in München

Die geplante Moschee in Sendling wird vermutlich ein wichtiger Teil des Fascho-Wahlkampfes in München 2008, bei dem auch die Fascho-Liste „pro München“1 antritt. Dabei könnte es interessant sein, einen Blick nach Berlin zu werfen, auf die Auseinandersetzungen in Heinersdorf. Um Fragen bezüglich antiislamischen Rassismus kommen wir vermutlich kaum rum. Die gestrige Veranstaltung im fernen Berlin zum Thema dürfte interessant sein. Mischnitte sind angkündigt, und scheinbar wars gut.

  1. hxxp://www.promuenchen.com/index.html [zurück]