Tag-Archiv für 'religion'

„We in Africa …“

Der christliche Bekannte eines Freundes (oder so ähnlich), begründet seinen Glauben mal mit sehr einfachen Worten. Mir ist nicht klar ist, wie er auf die Idee kommt so selbstverständlich für einen kompletten Kontinent zu sprechen:

In africa, we don‘t have social security. But we have spiritism, and all kinds of religion!

Hinter der Verkürzung steht …

München, 4.10, Kundgebung gegen den 1000 Kreuze Marsch und für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. In einem Redebeitrag heisst es (Hervorhebung von mir):

Gender ist, neben race und dem was mensch verkürzt als Klasse bezeichnen könnte

Andererseits wurden Flugblätter verteilt, auf denen zu lesen war:

Hinter Nation und Gott stehen die Interessen der reaktionärsten und konservativsten Teile des Kapitals

Between a rock and a hard place: Die einen fürchten sich davor, das Kind beim Namen zu nennen. Was spricht denn gegen den Begriff Klasse? Und warum ist der kürzer (verkürzter?) als gender, oder gar race? Problematisch ist es nicht, von Klassen zu reden, sondern den Klassenbegriff auf bestimmte Segmente einzuengen, oder kultisch zu überhöhen. Darüber muss sich mensch mit denen streiten, die diese Fehler machen, anstatt sich zu weigern eine bestimmte Analysekategorie herzunehmen weil andere damit vielleicht Unfug anstellen.
Die anderen sehen im Glauben an das eine oder andere höh‘re Wesen ihrer Klassenkamerad_innen nicht eine nicht unbedingt bewusste, aber aktive Entscheidung eben dieser, nicht das Seufzen der bedrängten Kreatur, die dazu viel Grund hat, sondern nur wie weit diese Entscheidung die Interessen bestimmter Kapitalfraktionen bedient.

Wir sind keine Jesus-Fans, wir sind Frauen Hooligans!

Yay, das war ein gutes Wochenende … der Aufmarsch von christlicher Fundis und Münchner Nazis wurde durchgehend massiv gestört. Einen guten Bericht findet ihr auf indymedia und der Seite des asab_m, die Crew von Luzi-M ist sich uneins, ob sie die Aktionen und Mobilisierung erfolgreich oder eher gescheitert findet. Angesichts dieser Fülle an Berichten spare ich mir die chronologischer Erzählung und zitiere hier ein paar Highlights aus Berichten und Kommentaren.

muc-218

Nachdem die Fundis, wohl wegen der unübersichtlichen Szenerie am Marienplatz auf die Holzkreuze verzichtet hatten konnten sie nur noch einige wenige Pappschilder, so wie ein großes hölzernes Portrait der “Jungfrau Maria” tragen. Dies allerdings zunächst nicht all zu weit, da plötzlich zwei Männer direkt vor dem Holzportrait anfingen, sich zu küssen. Dies ekelte die Christ_innen so sehr, dass sie sich weigerten, die “Jungfrau Maria” an dieser Szene vorbei zu tragen. Statt dessen zogen sie einem der Küsser die Gottesmutter über den Schädel, bis das Paar den Weg frei machte.

Ein autonomer Antichrist findet auf indymedia:

die Mobilisierung gegen diesen 1000-Kreuze-Marsch war auch in dem Sinne ein Erfolg, als dass die linke Szene in München mit einem (durchaus sensiblen) Thema konfrontiert werden konnte, OHNE dass es zu den in der linken Szene in Deutschland leider üblichen Reibereien auf eingefahrenen Schienen a la „PC-Faschisten“ vs „Antifa-Macker“ gekommen ist.

Als alte Meckerziege muss ich natürlich schon anmerken, dass eine Auseinandersetzung mit Sexismus leichter fällt, wenn sich der in absurden Gebetszügen manifestiert, und nicht in den eigenen Binnenstrukturen, Arbeitsteilungen, Beziehungen … trotzdem ist dem Antichristen zuzustimmen – durch die Mobilisierung wurde eine Diskussion aufgemacht, ohne gleichzeitig Gräben aufzuwerfen.
Auf indymedia verteilt ein alter Hase Props:

Bei den actione waren sauviele Leute dabei, die ich sonst nie auf Demos sehe – allein dass ist schonmal cool. Und ganz viele waren von Start bis Ende dabei, aber mit vollem Elan. Trotz Einschüchterungsversuchen und Übergriffen der Cops, trotz dem dass alles lange ging (fast 6 Stunden), und so weiter.
Gerade von Leuten, die sich nicht mit schnöder Regelmässigkeit mit Bullen anlegen, finde ich dass um so beachtlicher. Mad Props to all of you!

Dem will ich mich mal anschliessen.

Und nun zur Wette. Im*moment*vorbei beweist Sportsgeist, und erkennt neidlos an das München mehr gerockt hat. Ich finds gut, dass dieser sportliche Wettkampf nicht in einem nervigem Hickhack endet, und freue mich deshalb ganz besonders über diese Fairness.
Die Wette verloren hat auch nicht Berlin – die gewinnen eher schicke Aufkleber – sondern die Abtreibungsgegner_innen, die sich ernsthaft überlegt hatten ihren Marsch abzublasen, die massivst geärgert wurden und die damit rechnen müssen dass ihre öffentlichen Aktionen öfters von linker Seite gestört werden.

Diverses gegen 1000 Kreuze

In Berlin hat sich mittlerweile ein Bündnis gegen den dortigen 1000 Kreuze Marsch gebildet – no 218, no fundis!
Auch wenn es für meine Wette mit im*moment*vorbei nichts gutes verheisst, ist es doch schön unter so einem Aufruf eine so erkleckliche Unterstützer_innenliste zu sehen.
Auf indymedia ist ein Bericht erschienen, in dem detailierter darauf eingegangen wird wie weit rechts viele Abtreibungsgegner_innen stehen. Da wundert es auch nicht, dass sich Münchner Nazis am 1000 Kreuze Marsch beteiligen wollen.
Auch die Maedchenmannschaft will gegen ein Abtreibungsverbot mobil machen. Hier wird der Zusammenhang zwischen der einheitlichen Richtlinie, die die EU-Staaten anstreben und den vermehrten Aktivitäten der anti-choice Aktivist_innen gezogen.

Wie Bevölkerungspolitik in Deutschland aussieht, beleuchten zwei Artikel im Mädchenblog: Zum einen über spezielle Tamagotschis, die den Unterschichtsfrauen das Kinderkriegen ausreden sollen, zum anderem über die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln für Hartz vierer_innen.

Actions gegen Lebenschützer_innen

Ein Bekannter schilderte seinen Werdegang mal so: „Erst war ich Ministrant, dann Satanist. Dann habe ich gemerkt, das beides der gleiche Mist ist, und wurde Punk.“ Recht hatte er, aber manchmal macht es einfach Sinn, oder auch einfach Spass, ein bisschen auf Antichrist_in zu machen – zum Beispiel, wenn es gegen christlichen Lebenschützer_innen geht.
Die rosa Antifa Wien (RAW) dokumentiert einen Bericht, nach dem (als Powerpuffgirls vermummte) Aktivist_innen Lebenschützer_innen dazu zwangen, unter einem Hochtranspi mit der Aufschrift „Hölle“ durchzugehen. Was unspektakulär klingt, nervte die Christ_innen mächtig, wie mensch an dem Kreuz.net Artikel Teuflische Dunkelmänner gegen die Kinder des Lichtes (und den Kommentaren darunter) sehen kann.
Vor Jahren war in einer Abolishing the Borders from Below ein Bericht über Aktion in Brno (den ich leider nicht online gefunden habe). Demnach wurde eine Demo oder Prozession von christlichen Abtreibungsgegner_innen, darunter auch viele Nonnen, von Anarchist_innen gestört, die sich als Teufel verkleidet hatten. Die Nonnen wehrten sich dagegen, indem sie die „Teufel“ mit Weihwasser bespritzten.
Für Leute, die sich auf diese christliche Symbolik nicht einlassen wollen, gibt es natürlich auch noch normale Aktionsformen, z.B. in Saalveranstaltungen reinrockern und dem Referenten das Mikro klauen.

Berlin stinkt ab! – Wer wettet mit?

Im September (am Samstag, den 20.09.) marschieren christliche Abtreibungsgegner_innen durch Berlin, ein sog. „1000 Kreuze für das Leben“ Marsch. Ich wette, dass die schnöseligen Hauptstadtlinken weniger Gegenaktivitäten gebacken kriegen als wir im beschaulichen München, wenn wir vom heiligen Geist heimgesucht werden (2 wochen später, am 4. 10.). Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen dass die Genoss_innen in Salzburg mehr auf die Reihe gekriegt haben, als es die Berliner_innen tun werden.
Stellt sich Berlin dieser Herausforderung? Und um was für Einsätze können anonyme blogs wetten? Oder traut sich eh niemand, die Wette anzunehmen – in der Gewissheit das die Berliner Zusammenhänge besseres zu tun haben werden (sich streiten, Spätzle schaben) und der Weg von Friedrichshain nach Mitte zu weit ist?

Eine soziale Bewegung

Die Popularität gewinnt der Islamismus primär als soziale und nicht als religiöse Bewegung.“ schreibt die Antifa AK in ihrem Aufruf für die Aktivittäten gegen den anti-Islam Kongress im Herbst. Damit beschreiben sie kein Alleinstellungsmerkmal des politischen Islam:

Der abgrundtiefe Hass der chinesischen Bauern und Arbeiter auf die korrupt-despotischen Behörden verbindet sich ganz offensichtlich mit volksreligiösen Vorstelluingen, die den Weg zur sozialen Befreiung in eine säkularisierte Variante der buddhistisch-taoistischen Inkarnationslehre entrückt haben (Falun Gong). In Indien führen die drei wichtigsten Sozialbewegungen – Die Bewegung der „Unberührbaren“ (dalit), die Frauenbewegung und die „Kasten“-Bewegung der Naxaliten – einen erbitterten Kampf gegen den religiösen Fundamentalismus der Hindus (hindutva) und den in den Slum-Gürteln Bombays verankerten ethnopolitishcen Säuberungswahn der neofaschistischen Shiv-Sena-Bewegung. Wandern wir in den Slum Cities des Südens etwas weiter nach Westen, dann stossen wir auf die Hochburgen des islamischen Fundamentalismus, der die kommunistischen Traditionen der inzwischen weitgehend vom Land vertriebenen Fellachen und Handwerker marginalisiert hat. Vieles, was on dort zu uns dringt, klingt wohl vertraut, und aus den islamisch religiös verbrämten Strukturen von sozialer Selbsthilfe liessen sich sehr wohl emanzipatorische Perspektiven ableiten – wenn sie nicht mit den barbarischen Körperstrafen der Sharia und einer archaischen Erniedrigung der Frauen kombiniert wären, die Subsistenzarbeit als gefangene Haussklavinnen ihrer Männer und Söhne verrichten müssten.
Wandern wir noch ein Stück weiter, um einen möglichst vollständigen Überblick zu gewinnen, der auch die proletarischen Bewusstseinskonstellationen ausserhalb Ost-, Süd- und Westasieans berücksichtigt. Dabei stossen wir bald auf die weltweit grösste soziale Selbstorganisation der neuen Unterklassen, die allein in Lateinamerika und im subsaharischen Afrika über 100 millionen Anhänger hat: Die Pfingstgemeinden. Auch sie praktizieren Solidarität und Selbsthilfe im alltäglichen Überlebenskampf und bewahren ihre Kinder vor den traumatisierenden Folgen des Vegetierens auf der Strasse. Zusätzlich erlangen die getthoisierten und und erniedrigten Menschen in den adventistischen Riten ihre Würde wieder, un in religiöser Verzückung warten sie auf den Tag am Ende der geschichtlichen Zeit, wo derr heilige Geist seine tausendjährige Herrschafft errichtet und das soziale Elend aus der Welt schafft.
Damit sind wir schon fast am Ende unseres Rundgangs durch die Tempel der neuen Heilshüter der globalen Unterklassen angelangt. Wir sollten aber nicht zu erwähnen vergessen, dass auch die polnischen Bergleute und Eisenbahner noch immer tief von ihrer nbationalen Katholizität durchdrungen sind und gerade deshalb nicht zu begreifen vermögen, warum sie von den postsozialistisch gewendeten Eliten ein zweites Mal verhöhnt werden.

Aus: Karl Heinz Roth, Der Zustand der Welt, Gegen-Perpsektiven. S. 67 der Printausgabe.

Salzburg: „Linke Milizionäre“ gegen Lebenschützer_innen

Wie schon mal erwähnt, findet am 4.10 in München ein sog. „1000 Kreuze für das Leben“ Marsch christlicher Abtreibungsgegner_innen statt. Vergangene Woche war so ein Marsch in Salzburg, hier sieht mensch schon mal was München so erwartet:

Wie in England oder Berlin „erwartete man tausende Lebensschützer“, gekommen sind dann nur 100-120 Leute, was aber auch nicht wenig ist und doch auffiel. Dazu muss man allerdings sagen, dass sie ne Menge Leute aus Deutschland, vornehmlich aus München wo zuvor auch schon ne Gebetspause stattfand (hxxp://www.kostbare-kinder.de/files/gebetszug_flyer_1.pdf), mit Bussen herangekarrt hatten.
[…]
Jedenfalls sind sie mit viel Brimborium und geschulterten Kreuzen vom Domplatz weg, durch die Innenstadt, rauf zum Landeskrankenhaus wo Abbrüche stattfinden, dort dann ein erstes Kniegebet hinlegten, weiter über die Salzach hin zur Staatsbrücke wos dann wieder auf die Knie sind, dann Blumen für jedes „ermordete Kind“ in den Fluss warfen und dabei nen Vornamen aufsagten (völlig irre!!).
[…]
Entlang ihrer Route waren auch noch Plakate angebracht, die Laun mit einem Pandabären mit rosa Armreifen zeigen, der dem predigenden Wicht einen in die Eier haut…drauf stehen tut: „AbtreibungsgegnerInnen wegschubsen!“ und informiert über das gruselige Happening jeden ersten Samstag eines Monats vor dem LKH (Kniegebet einmal im Monat). Die Mitverantwortlichen versuchten dann auch gleich sie runterzukratzen (siehe Bild). Scheint also, dass das Plakat ganz gut bei denen ankommt :) Was auch gut einschlug war ein großes Transpi, dass mensch in ansehnlicher Höhe quer über den Müllnersteg spannte. Drauf stand: „HÖLLE der Vernunft“ und unten durch gelatscht mit Kreuzen ist die Meute dann auch….hahahahahaha. Am anderen Ende der Brücke wurden sie dann mit dem bereits beliebten Transpi „Hätte Maria abgetrieben wärt ihr uns erspart geblieben“ empfangen was mancheR augenscheinlich den Rest gegeben hat: „Das meint ihr also mit Vernunft wenn man nicht mal ne vernünftige Antwort auf eine Frage bekommt“ -> blickt auf das „Maria-Transpi“ -> blickt auf grinsende TranspihalterInnen -> Gesicht fällt zusammen, geradezu bleich wurde es und geht weg ohne Worte.

Wir werden am 4.10 also viel Spass haben können. Die Wirkung auf die Christenfundis war wohl ganz gut, in einem Videobeitrag (xxxx://xxx.gloria.tv/?video=oibei1udb4fxsfufllte) heisst es:

Ferner spannten die Vertreter der Kultur des Todes auf dem Weg der Beter ein Transparent mit der Aufschrift „Hölle der Vernunft“ auf. Sie zwangen die Beter, unter dem handgeschmierten Plakat durchzulaufen. Bei einem späteren, zweiten Versuch, die Gläubigen unter ihr Banner zu zwingen, blieb der Gebetszug stehen. Erst als Polizisten anmarschierten, rückte die linken Milizionäre ab.

Die Christenfundis sind ein leichtes Ziel für allerlei derbe Spässe, warum sollten wir das nicht auch am 4.10 nutzen?

Nachtrag: Fast hätte ich das tolle Plakat vergessen. Go Panda!
Abtreibungsgegner_innen wegschubsen