Tag-Archiv für 'praxis'

Auf zur Autonomen Sonntagsschule!

Die Autonome Sonntagsschule versucht einen festen Rahmen zu bieten für Workshops und Kurse, auf dem Programm stehen:

Sozialgesetzbuch für Hartzende
Computer schlachten für Anfänger_innen
Erste Hilfe für alle
Jeder kann singen! Tontechnikworkshop mit Fokus auf den Kompressor
Geschichtswerkstatt zu kokaler Antifa

„Each one teach one“, „Bildet euch – bilded andere – bildet Banden“ – Dass sind schöne Losungen die leider viel zu selten mit Leben gefüllt werden. Aber warum nicht heute damit anfangen? Es ist nicht so, dass garkeine Wissensvermittlung in autonomen oder zeckigen Zusammenhängen stattfindet. Es gibt bike kitchens, es gibt Kongresse mit dicht getakteten Seminar Programmen und es gibt dann und wann workshops bei festivals oder den Gitarrenmittwoch. Mehr davon!

Aber all diese Möglichkeiten zum lernen und austauschen hängen an bestimmten Bedingungen: Eine Bike Kitchen braucht eine Fahrradsubkultur um zu laufen. Kongresse (Buko, Ladyfest …) widmen sich bestimmten Themen oder Blickwinkeln, häufig orientiert an laufenden Kampagnen. Für die Themen und skills die dabei hinten runterfallen will die autonome Sonntagsschule einen Rahmen bilden. Wenn regelmäßig Workshops stattfinden haben sie auch eine größere Sichtbarkeit. Es gibt einen Rahmen in dem mensch sich austauschen kann was eigentlich gute Methoden sind Wissen zu vermitteln und wie das gehen kann ohne zusätzliche Hierarchieberge aufzutürmen.

Wir glauben dass es viele Dinge gibt, für die wie wir nicht weit in die Ferne schauen müssen um Menschen zu finden. die uns etwas zeigen können. Sei es aus dem Lehrberuf, aus einem Hobby oder von sonstwo. Wir hatten auch oft diese Momente im Gespräch wo eine sagt „Dazu hätt ich gern mal ne Veranstaltung, das will ich genauer wissen“ – und dann wieder vergisst weil es nicht den Rahmen gab oder den Anlass oder weil das alleine organisieren auch öde ist. Wir glauben aber, wenn es die Autonome Sonntagsschule als regelmäßigen Termin gibt, dann verlaufen solche Überlegeungen nicht so oft im Sande.

Die Sonntagsschule organisiert sich dabei ganz klassisch autonom: Ein Kern von Menschen kümmert sich um Raum, mobilisierung etc., vor allem um Kontinuität Wer einen bestimmten Workshop haben will hilft mit bei Referent_innen auftreiben, Vor- und Nachbereitung. Und wer zum Kurs kommt bringt Kekse und Birnen mit und hilft beim Aufräumen.

Eigenlob stinkt nicht und die Autonome Sonntagsschule ist eine grandioses Sache: Wir treffen uns ohne Freizeit oder Kampagnenstress. Wir tun was füreinander. Wir stärken uns als Szene/Bewegung/Amöbenartiges Gewucher wenn wir mehr, auf mehr Ebenen, miteinander zu tun haben. Wir gehen schlauer nach Hause.

Der einzige wirkliche Haken: Es gibt diese Sonntagsschule noch nicht, und aus tausend Gründen kann ich sie nicht anleihern. Aber du! Kannst netten Menschen diesen Text zeigen und ihr könnt euch überlegen ob ihr die Idee gut findet und umsetzen wollt. Und ich bin wirklich gespannt: Welchen workshop/Kurs/Seminar hättest du gerne mal gehabt, am liebsten in einem linken Kontext, aber es gab nie die richtige Gelegenheit?

Falschparker in Dresden

Ein paar erinnern sich ja noch an den Antifa-Actionday in München: Am Ende der Demo begegneten einige Antifas dem lokalen Nazikader Roland Wuttke, der planlos mit seinem Auto in der Häberlstrasse herumkurvte. Auto wie Nazi wurden leicht lädiert, was eine lustigen Domino-Effekt auslöste: Der Fahrer des Fascholautis wollte ohne richtigen Polizeischutz nicht zum Auftaktort weiterfahren, weshalb ich der Lauti um Stunden verspätete. Das verschob den Start der Demo so weit nach hinten, dass sie ihre komplette Route in der angemeldeten Zeit nicht laufen konnten, und abbrechen mussten. Immerhin: Ihre Vitamine konnten sich die Faschos unterwegs noch abholen. Wir merken uns: Als erkennbarer Nazi in der Nähe von Antifas parken wollen führt zu Lack- und Personenschäden.

Was hat das mit Dresden zu tun? Wuttke hat sich nichts gemerkt:
Gute kurvenlage
Bildquelle: Recherche Nord. Ein Bild weiter sind Flyer zu erkennen die im Auto waren, und an denen die Faschokarre vermutlich als solche erkannt wurde.
Wuttke hat, wie er auf Altermedia schrieb, Dresdens Polizeichef angezeigt. Der hat den Aufruf zur Menschenkette unterstützt, und soll damit zu den Krawallen beigetragen haben. Der notorische Falschparker Wuttke zeigt ich so einmal mehr als beleidigte Leberwurst. Aus dem Text der Anzeige:

So wurde mein Fahrzeug Kennzeichen AIC-YA492, abgestellt in der Friedenstraße etwa 50 m von Polizeieinsatzfahrzeugen (Kennzeichen u.a. LSA-48921 und MD-30017) entfernt, „entglast“ und umgeworfen. Anwohner berichteten, daß die Polizeikräfte keine Anstalten machten, dagegen einzuschreiten.

Wuttke wäre nicht Wuttke, würde er nicht überall eine Verschwörung gegen sich wittern. Er wäre aber auch nicht er selbst, wenn er einen Brief an die Staatsanwaltschaft ohne Putschdrohung schreiben würde:

Der Strafantrag wir öffentlich gemacht. Er wird weiter betrieben, auch wenn die Staatsanwaltschaft die Aufnahme von Ermittlungen verweigern sollte. Dies hat zur Folge, daß das Strafverfahren gegen den Beschuldigten, ggf. nach Wiederherstellung rechtsstaatlicher Bedingungen, fortgesetzt wird.

Getroffene Hunde bellen und sorgen so für Unterhaltungswert. Und eine reelle Drohkulisse gegen Faschos schwächt deren Mobilisierungsfähigkeit – ein ganz pragmatischer Grund für Antifaschist_innen, auch in Zukunft beim Einparken zu helfen.

Erster Nachtrag zur Münchner Perspektivdisskussion

Bei der gestrigen Diskussion über den Stand und die Perspektiven der Münchner Linken wurden wichtige Fragen aufgeworfen: Szene oder Bewegung? Mit welcher Sprache, mit welchen Ausdrucksformen können wir Menschen erreichen? Wie stehen wir in Bündnissen? Andere wichtige Fragen, z.B. was wir eigentlich 2010 anstellen wollen, und mit welchen Schuhwerk, wurden noch nicht gestellt. Auf diese drängenden Fragen gibt es nur eine Antwort: Die Münchner Linke muss sich so bald wie sinnvoll möglich heftigst gegenseitig mit Schneebällen bewerfen.
Letztes Jahr hat sich der Georg Freundorfer Platz bewährt, und sollte wieder verwendet werden. Die kurzfristige Mobilisierung via Telefonketten und ähnliches würde ich dieses Jahr um öffentliche Ankündigungen ergänzen. Wegen der Schnarchnasigkeit der Nachbarschaft wurde nichts aus „alle gegen Westend“, deshalb schlage ich für dieses Jahr „Kommies gegen Anarach@s“ vor. Diese ganz normale Spaltung hatten wir schon lange nicht mehr, ausserdem würde ich den lokalen Ums Ganze! Fanclub gerne mal in Aktion sehen, Seit an Seit mit der SDAJ.

Was tun mit dem Aufwind?

Die autonome Linke in München ist mal wieder etwas besser aufgestellt – mehr Gruppen, mehr Aktionen die gut klappen. Zeit, darüber zu reden was wir dieses Jahr noch so alles aushecken wollen, Zeit sich über Perspektiven auszutauschen. Findet jedefalls die Antifa NT, und lädt am Do., 7.1. zur

Diskussionsveranstaltung zu Perspektiven antifaschistischer und linksradikaler Praxis in München
Das letzte Jahr lief nicht unbedingt schlecht für die radikale Linke in München, vielmehr gab es im Rückblick betrachtet eine Vielzahl von Aktionen, Diskussionen, Mobilisierungen zu verschiedensten gesellschaftlichen und politischen Ereignissen und Entwicklungen. Um nur einiges zu nennen: Eine große und kraftvolle Demonstration gegen die SiKo, eine gemeinsame Mobilisierung gegen den Nato-Gipfel in Strasbourg, Gegenaktionen gegen drei Naziaufmärsche und eine Vielzahl anderer Naziaktivitäten, wie etwa Kundgebungen, Mahnwachen, Infostände etc., die Antifademo zum 8.Mai, zudem noch eine, vor allem anfangs starke, Teilnahme an den aktuellen Student_innenprotesten oder etwa auch die Aktionen gegen fundamentalistische Christ_innen und Abtreibungsgegner_innen.
Wir glauben, dass es mit der radikalen Linken in München aufwärts geht, dass mehr Menschen erreicht werden können, dass Inhalte und Ziele besser vermittelt werden, dass sich mehr Menschen organisieren und eigenständig aktiv werden. Allerdings und da dürfen wir uns nichts vormachen ist die radikale Linke nach wie vor gesellschaftlich marginal. Dies gilt es zu ändern.Wir wollen mit euch die Ereignisse und Entwicklungen, Stärken und Schwächen, Bewegungen und Stillstände, vor allem aber über Perspektiven linksradikaler Poltik in München diskutieren. Dazu wird es ein kurzes Inputreferat geben, in dem wir eine kurze Chronologie geben wollen und einige Thesen vorstellen, um danach mit euch in die Diskussion einzusteigen.
Darüber hinaus gibt`s wie immer Antifa-News, kühle Getränke und den offenen Antifa-Stammtisch. In der Küche zaubert das Kulinariat. Beginn ca 21 Uhr. Offen ab 20 Uhr, Kafe Marat, Thalkirchnerstr. 104 (Aufgang 2)

Die Auflistung an Aktionen ist natürlich nicht komplett, eines fällt aber auf: Pessimistisch gesehen hat die autonome Linke Münchens drei Themen (Antimilitarimus, Antifa, pro choice), dazu haben sich Genoss_innen in die Studiproteste eingebracht. Für eine autonome Linke, die sich stark über Antifa definiert ist das nicht schlecht. Aber wir wollen mehr, und darin sehe ich eine grosse Chance an einer Veranstaltung, bei der über Gruppen- und Teilbereichsgrenzen hinweg diskutiert wird: Ausloten, in welche gesellschaftliche Bereiche wir uns noch einmischen wollen, gucken welche Politikformen wir uns jenseits von Kampagnenpolitik vorstellen können und darüber reden wie wir unsere nächsten Aktionen grösser, verückter, gemeiner und offener hinkriegen. Ich freu mich drauf.

antifa-action day nachbereitung

Einige aus dem Vorbereitungskreis der Aktionen gegen das Nazi-Heldegdenken haben eine ausführliche Nachbereitung veröffentlicht. Fazit: Auch in München kann was gehn, Arbeit in der Vorbereitung zahlt sich auf der Strasse aus, es ist gelungen über die üblichen Verdächtigen hinaus zu mobilisieren. P.s., fürs nächste Mal: No camera, no problem.

„Heldengedenken“ – Nachlese

Der letzte Samstag war frustig für Antifas, die Münchner Polizei hat sich wohl dafür rächen wollen dass ihnen die Situation am 13.6 etwas entglitten ist. Damals demonstrierten Nazis gegen das Kafe Marat, Antifaschist_innen und Anwohner_innen reagierten auf diese Provo wurde mit der gebührenden Aggressivität. Die Presse schwieg diesen Aufmarsch im Vorfeld eher tot, im Nachhinein war von „Flaschenwürfen zwischen Jugendlichen“ zu lesen – 5 Monate später sind die Vorfälle auf einmal schlimme „Ausschreitungen“, und der Grund für einen Polizeieinsatz, der sogar für Münchner Verhältnisse einfach nur noch meschugge war.
Ein erste Sammlung an Berichten zu den Vorfällen findet sich unter diesem indymedia-Artikel (der eigentlich nur darauf hingewiesen hatte, dass der Marsch nach anfänglichem Verbot erlaubt ist). Luzi-M bietet eine gute Zusamenfassung des Tages, etwas ausführlicher ist ein weiterer indy-Artikel.
Beide letztgenannten Artikel sind sich einig, dass die bürgerliche Mobilisierung eher enttäuschend war, und das Bullenaufgebot jenseitig. Die Schlussfolgerungen daraus sind aber unterschiedlich.
Luzi-M bemängelt eine mangelnde Entschlossenheit und Flexibilität bei den Antifaschist_innen, und schlägt vor von den bürgerlichen Bündnispartner_innen das nächste mal mehr als nur Lippenbekenntnisse zu fordern. Die Schreiberlinge auf indymedia plädieren eher gegen breite, bürgerlich geprägte Bündnisse die dann doch niemanden auf die Strasse bringen, und regen an Nazis dann anzugehen wenn sie mal keine 1000+ Bullen um sich rum haben, die entsprechenden Adressen seien ja bekannt. Möglicherweise denken die Autor_innen da an Aktionen wie den Farbanschlag auf die Nazikneipe Fanarena in der Woche vor dem Aufmarsch.
Wie auch immer mensch zu den einzelnen Vorschlägen für eine weitere Praxis steht, entscheidend ist die Matchtfrage – wer machts? Solange es in München so unglaublich wenige organisierte Zusammenhänge gibt, die mobilisieren, auf der Strasse Akzente setzen oder auch des Nachts um die Häuser ziehen, solange schweben all die taktischen und politischen Überlegeungen etwas im luftleeren Raum. In diesem Sinne: Bildet Banden!

Support your local Bildungsprotest!

Subjektiv war es auf der heutigen Demo gegen Studiengebühren grandios. Nicht weil die Demo einen besonders tollen Ausdruck hatte, auch nicht weil sie verhältnismässig gross war, das hat nur reingespielt. Aber es macht einfach Spass, zusammen mit einer kleinen lautstarken crew so eine Demo mitzuprägen, und am meisten Spass wenn mensch die Demo dabei nicht eben ernst nimmt. Und besonders ernstnehmbar war die Demo nicht. Klar, der Anlass ist schon richtig. 585 € im Semester, fast ein Hunni im Monat, uns allen fiele besseres ein als dieses Geld den Unis zu schenken.
Aber ein paar Sachen, die da so geäussert wurden waren einfach mal bescheuert. Mein Favorit ist fast der Sprechchor „Das Ergebnis dieser Wahlen, wir wollen nicht für Bildung zahlen.“ Die letzten Wahlen waren ein Erfolg für die FDP, die ist zwar gegen das Rauchverbot, aber sicher nicht gegen Studiengebühren. Inhaltlich katastrophal, aber immerhin nur von wenigen getragen, war das Transpi mit der Aufschrift „Elite = Hartz IV?“. Davon abgesehen, dass „Elite“ in dieser Gesellschaft den Anspruch ausdrückt besonders konkurrenzgeil und rücksichtslos zu sein, impliziert das Transpi auch, dass ALG II für die nicht-Elite durchaus OK und angemessen ist.
Sauer an der Demomoderation sind mir vor allem die Situationen vor der Staatskanzlei und bei der Abschlusskundgebung aufgestossen: Ein Vorredner plärrt via Mikro immer wieder „Auf die Knie! Auf die Knie!“, was die meisten der Studis auch machten. Das ganze sollte eine Synchron-Aufsteh-Choreografie einleiten. Egal zu welchem Zweck, dass sich 2-3000 Leute auf Befehl vor die Staatskanzlei knien spricht nicht für ihre Intelligenz, und etwas vergleichbares habe ich davor bei Demos auch noch nicht erlebt.
Aber, wie gesagt, es ist durchaus gelungen, die Demo ein Stück weit mitzuprägen, und vielleicht ein paar Studis auch etwas zu vermitteln: Es wird zwar selten (ausser von Zecken wie uns) ausgesprochen, aber Studieren hat ausser bei ganz grossen Streber_innen immer auch den Zweck, die Mühlen der Lohnarbeit ein wenig später zu betreten – absolut legitim, und vor diesem Hintergrund sind auch Parolen wie „Für Deutschland keinen Finger krumm! 60 Semester Minimum!“ oder „Wir bleiben unserm Motte treu – Asozial und arbeitscheu!“ auf eine gewisse, nicht immer nur positive, Resonanz bei den Studis gestossen. Wenn Schule oder Studium als eine teilweise Auszeit von einer Vollzeit-Lohnarbeit gesehen wird, macht es übrigens auch Sinn sich darüber Gedanken zu machen wie diese Auszeit konkret aussieht – G8 oder Gesamtschule, Magister- oder Bachelorstudiengang, um jetzt mal bei den ganz gebildeten zu bleiben.
Unter den inhaltlichen Inputs von linksradikaler Seite wurde aber die altbewährte Parole „Bildung für alle, sonst gibts Krawalle!“ am besten aufgegriffen. Durchaus logisch, auf einer Demo unter dem Motte „Kick it like Hessen!“ Dort haben die Studis kluge Dinge getan, wie Bundesstrassen, Autobahnen oder Univerwaltungen besetzen. Der so aufgebaute öffentliche Druck hat in der Auseinandersetzung sicher nicht geschadet.
Aber zurück nach München – wir hatten durchaus Spass, und haben auch als Mini-haufen ein bisschen was rübergebracht. Die nächste Gelegenheit dazu kommt bald – am 12.11 ist Bundesweiter Schulstreik, auch in München sind Aktionen geplant. Nichts wie hin!

Wir sind keine Jesus-Fans, wir sind Frauen Hooligans!

Yay, das war ein gutes Wochenende … der Aufmarsch von christlicher Fundis und Münchner Nazis wurde durchgehend massiv gestört. Einen guten Bericht findet ihr auf indymedia und der Seite des asab_m, die Crew von Luzi-M ist sich uneins, ob sie die Aktionen und Mobilisierung erfolgreich oder eher gescheitert findet. Angesichts dieser Fülle an Berichten spare ich mir die chronologischer Erzählung und zitiere hier ein paar Highlights aus Berichten und Kommentaren.

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Nachdem die Fundis, wohl wegen der unübersichtlichen Szenerie am Marienplatz auf die Holzkreuze verzichtet hatten konnten sie nur noch einige wenige Pappschilder, so wie ein großes hölzernes Portrait der “Jungfrau Maria” tragen. Dies allerdings zunächst nicht all zu weit, da plötzlich zwei Männer direkt vor dem Holzportrait anfingen, sich zu küssen. Dies ekelte die Christ_innen so sehr, dass sie sich weigerten, die “Jungfrau Maria” an dieser Szene vorbei zu tragen. Statt dessen zogen sie einem der Küsser die Gottesmutter über den Schädel, bis das Paar den Weg frei machte.

Ein autonomer Antichrist findet auf indymedia:

die Mobilisierung gegen diesen 1000-Kreuze-Marsch war auch in dem Sinne ein Erfolg, als dass die linke Szene in München mit einem (durchaus sensiblen) Thema konfrontiert werden konnte, OHNE dass es zu den in der linken Szene in Deutschland leider üblichen Reibereien auf eingefahrenen Schienen a la „PC-Faschisten“ vs „Antifa-Macker“ gekommen ist.

Als alte Meckerziege muss ich natürlich schon anmerken, dass eine Auseinandersetzung mit Sexismus leichter fällt, wenn sich der in absurden Gebetszügen manifestiert, und nicht in den eigenen Binnenstrukturen, Arbeitsteilungen, Beziehungen … trotzdem ist dem Antichristen zuzustimmen – durch die Mobilisierung wurde eine Diskussion aufgemacht, ohne gleichzeitig Gräben aufzuwerfen.
Auf indymedia verteilt ein alter Hase Props:

Bei den actione waren sauviele Leute dabei, die ich sonst nie auf Demos sehe – allein dass ist schonmal cool. Und ganz viele waren von Start bis Ende dabei, aber mit vollem Elan. Trotz Einschüchterungsversuchen und Übergriffen der Cops, trotz dem dass alles lange ging (fast 6 Stunden), und so weiter.
Gerade von Leuten, die sich nicht mit schnöder Regelmässigkeit mit Bullen anlegen, finde ich dass um so beachtlicher. Mad Props to all of you!

Dem will ich mich mal anschliessen.

Und nun zur Wette. Im*moment*vorbei beweist Sportsgeist, und erkennt neidlos an das München mehr gerockt hat. Ich finds gut, dass dieser sportliche Wettkampf nicht in einem nervigem Hickhack endet, und freue mich deshalb ganz besonders über diese Fairness.
Die Wette verloren hat auch nicht Berlin – die gewinnen eher schicke Aufkleber – sondern die Abtreibungsgegner_innen, die sich ernsthaft überlegt hatten ihren Marsch abzublasen, die massivst geärgert wurden und die damit rechnen müssen dass ihre öffentlichen Aktionen öfters von linker Seite gestört werden.

Actions gegen Lebenschützer_innen

Ein Bekannter schilderte seinen Werdegang mal so: „Erst war ich Ministrant, dann Satanist. Dann habe ich gemerkt, das beides der gleiche Mist ist, und wurde Punk.“ Recht hatte er, aber manchmal macht es einfach Sinn, oder auch einfach Spass, ein bisschen auf Antichrist_in zu machen – zum Beispiel, wenn es gegen christlichen Lebenschützer_innen geht.
Die rosa Antifa Wien (RAW) dokumentiert einen Bericht, nach dem (als Powerpuffgirls vermummte) Aktivist_innen Lebenschützer_innen dazu zwangen, unter einem Hochtranspi mit der Aufschrift „Hölle“ durchzugehen. Was unspektakulär klingt, nervte die Christ_innen mächtig, wie mensch an dem Kreuz.net Artikel Teuflische Dunkelmänner gegen die Kinder des Lichtes (und den Kommentaren darunter) sehen kann.
Vor Jahren war in einer Abolishing the Borders from Below ein Bericht über Aktion in Brno (den ich leider nicht online gefunden habe). Demnach wurde eine Demo oder Prozession von christlichen Abtreibungsgegner_innen, darunter auch viele Nonnen, von Anarchist_innen gestört, die sich als Teufel verkleidet hatten. Die Nonnen wehrten sich dagegen, indem sie die „Teufel“ mit Weihwasser bespritzten.
Für Leute, die sich auf diese christliche Symbolik nicht einlassen wollen, gibt es natürlich auch noch normale Aktionsformen, z.B. in Saalveranstaltungen reinrockern und dem Referenten das Mikro klauen.

Salzburg: „Linke Milizionäre“ gegen Lebenschützer_innen

Wie schon mal erwähnt, findet am 4.10 in München ein sog. „1000 Kreuze für das Leben“ Marsch christlicher Abtreibungsgegner_innen statt. Vergangene Woche war so ein Marsch in Salzburg, hier sieht mensch schon mal was München so erwartet:

Wie in England oder Berlin „erwartete man tausende Lebensschützer“, gekommen sind dann nur 100-120 Leute, was aber auch nicht wenig ist und doch auffiel. Dazu muss man allerdings sagen, dass sie ne Menge Leute aus Deutschland, vornehmlich aus München wo zuvor auch schon ne Gebetspause stattfand (hxxp://www.kostbare-kinder.de/files/gebetszug_flyer_1.pdf), mit Bussen herangekarrt hatten.
[…]
Jedenfalls sind sie mit viel Brimborium und geschulterten Kreuzen vom Domplatz weg, durch die Innenstadt, rauf zum Landeskrankenhaus wo Abbrüche stattfinden, dort dann ein erstes Kniegebet hinlegten, weiter über die Salzach hin zur Staatsbrücke wos dann wieder auf die Knie sind, dann Blumen für jedes „ermordete Kind“ in den Fluss warfen und dabei nen Vornamen aufsagten (völlig irre!!).
[…]
Entlang ihrer Route waren auch noch Plakate angebracht, die Laun mit einem Pandabären mit rosa Armreifen zeigen, der dem predigenden Wicht einen in die Eier haut…drauf stehen tut: „AbtreibungsgegnerInnen wegschubsen!“ und informiert über das gruselige Happening jeden ersten Samstag eines Monats vor dem LKH (Kniegebet einmal im Monat). Die Mitverantwortlichen versuchten dann auch gleich sie runterzukratzen (siehe Bild). Scheint also, dass das Plakat ganz gut bei denen ankommt :) Was auch gut einschlug war ein großes Transpi, dass mensch in ansehnlicher Höhe quer über den Müllnersteg spannte. Drauf stand: „HÖLLE der Vernunft“ und unten durch gelatscht mit Kreuzen ist die Meute dann auch….hahahahahaha. Am anderen Ende der Brücke wurden sie dann mit dem bereits beliebten Transpi „Hätte Maria abgetrieben wärt ihr uns erspart geblieben“ empfangen was mancheR augenscheinlich den Rest gegeben hat: „Das meint ihr also mit Vernunft wenn man nicht mal ne vernünftige Antwort auf eine Frage bekommt“ -> blickt auf das „Maria-Transpi“ -> blickt auf grinsende TranspihalterInnen -> Gesicht fällt zusammen, geradezu bleich wurde es und geht weg ohne Worte.

Wir werden am 4.10 also viel Spass haben können. Die Wirkung auf die Christenfundis war wohl ganz gut, in einem Videobeitrag (xxxx://xxx.gloria.tv/?video=oibei1udb4fxsfufllte) heisst es:

Ferner spannten die Vertreter der Kultur des Todes auf dem Weg der Beter ein Transparent mit der Aufschrift „Hölle der Vernunft“ auf. Sie zwangen die Beter, unter dem handgeschmierten Plakat durchzulaufen. Bei einem späteren, zweiten Versuch, die Gläubigen unter ihr Banner zu zwingen, blieb der Gebetszug stehen. Erst als Polizisten anmarschierten, rückte die linken Milizionäre ab.

Die Christenfundis sind ein leichtes Ziel für allerlei derbe Spässe, warum sollten wir das nicht auch am 4.10 nutzen?

Nachtrag: Fast hätte ich das tolle Plakat vergessen. Go Panda!
Abtreibungsgegner_innen wegschubsen