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Soziale Kämpfe in München

Wie konnte ich nur so lange vergessen, die Veranstaltungsreihe und den Organisierungsansatz zu sozialen Kämpfen zu hypen?
Los ging das ganze letzten Herbst mit 2 Veranstaltungen. Ein Vertreter der Gruppe Blauer Montag au Hamburg referierte zu der Frage, wann sich Kämpfe entzünden und auch kurz zur Krise. Bei der nächsten Veranstaltung standen Stadtteilkämpfe in Hamburg im Zentrum: Der Film Empire Sankt Pauli wurde gezeigt, ein Aktivist aus Recht auf Stadt & Es regnet Kaviar berichtete von den dort gemachten Erfahrungen. Aus der Einladung zu den Veranstaltungen:

Unsere Veranstaltungsreihe, die wir mit zwei Abenden im November beginnen und Anfang nächsten Jahres fortsetzen wollen, fokussiert verschiedene Bereiche kapitalistischer Arbeits- und Lebensverhältnisse. Dabei geht es uns nicht darum, die Verschärfung der Zustände fatalistisch zu konstatieren, sondern um die Analyse von Herrschaftspraktiken, das Aufspüren gesellschaftlicher Widersprüchen, den Austausch von Erfahrungen und die gemeinsame Entwicklung sozialer Kämpfe. In der Debatte mit Genoss_innen aus anderen Städten und Aktivist_innen aus München wollen wir einen lokalen Diskussionsprozess über mögliche Formen von sozialem Protest und Widerstand anstoßen. Am Ende des ersten Teils der Reihe haben wir ein Treffen angesetzt, zu dem wir alle einladen, die an einer gemeinsamen Debatte über linke Perspektiven und Interventionsmöglichkeiten gegen den kapitalistischen Normalzustand, sowie an einer Vernetzung der verschiedenen Kämpfe interessiert sind.

Seither trafen sich 2 mal Genoss_innen in einer grösseren Runde, um zusammen Handlungsmöglichkeiten auszuloten. Das nächste, für Gruppen wie Einzelpersonen offene, Treffen ist am Donnerstag, den 18.2, um 19:00 in der Ligsalzstr. 8. Vielleicht bringt wer einen Namen mit, der weniger sperrig ist als „Plenum zu sozialen Kämpfen in München.“

„Heldengedenken“ – Nachlese

Der letzte Samstag war frustig für Antifas, die Münchner Polizei hat sich wohl dafür rächen wollen dass ihnen die Situation am 13.6 etwas entglitten ist. Damals demonstrierten Nazis gegen das Kafe Marat, Antifaschist_innen und Anwohner_innen reagierten auf diese Provo wurde mit der gebührenden Aggressivität. Die Presse schwieg diesen Aufmarsch im Vorfeld eher tot, im Nachhinein war von „Flaschenwürfen zwischen Jugendlichen“ zu lesen – 5 Monate später sind die Vorfälle auf einmal schlimme „Ausschreitungen“, und der Grund für einen Polizeieinsatz, der sogar für Münchner Verhältnisse einfach nur noch meschugge war.
Ein erste Sammlung an Berichten zu den Vorfällen findet sich unter diesem indymedia-Artikel (der eigentlich nur darauf hingewiesen hatte, dass der Marsch nach anfänglichem Verbot erlaubt ist). Luzi-M bietet eine gute Zusamenfassung des Tages, etwas ausführlicher ist ein weiterer indy-Artikel.
Beide letztgenannten Artikel sind sich einig, dass die bürgerliche Mobilisierung eher enttäuschend war, und das Bullenaufgebot jenseitig. Die Schlussfolgerungen daraus sind aber unterschiedlich.
Luzi-M bemängelt eine mangelnde Entschlossenheit und Flexibilität bei den Antifaschist_innen, und schlägt vor von den bürgerlichen Bündnispartner_innen das nächste mal mehr als nur Lippenbekenntnisse zu fordern. Die Schreiberlinge auf indymedia plädieren eher gegen breite, bürgerlich geprägte Bündnisse die dann doch niemanden auf die Strasse bringen, und regen an Nazis dann anzugehen wenn sie mal keine 1000+ Bullen um sich rum haben, die entsprechenden Adressen seien ja bekannt. Möglicherweise denken die Autor_innen da an Aktionen wie den Farbanschlag auf die Nazikneipe Fanarena in der Woche vor dem Aufmarsch.
Wie auch immer mensch zu den einzelnen Vorschlägen für eine weitere Praxis steht, entscheidend ist die Matchtfrage – wer machts? Solange es in München so unglaublich wenige organisierte Zusammenhänge gibt, die mobilisieren, auf der Strasse Akzente setzen oder auch des Nachts um die Häuser ziehen, solange schweben all die taktischen und politischen Überlegeungen etwas im luftleeren Raum. In diesem Sinne: Bildet Banden!