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Jessica Fasel, Balls‘n Boobs und andere Fragwürdigkeiten

Oireszene befasst sich mit dem „Fuck off Grauzone“ Festival, sowie ein paar fragwürdigen Bands und Personen in der Münchner Punk und Skin Szene. Dieser Link hat zwischenzeitlich auf eine leere Seite gezeigt, ist jetzt repariert. Wer nochmal genaueres zu einer Ex-Nazikaderin, jetzt Sängerin der Band „Balls n Boobs“ (ex. Arglistige Toischung) wissen will, sei auf meinen älteren Artikel „Jessica Fasel – eine Münchner Oi-Karriere“ verwiesen.

Zur Wahrnehmung von Fascho-aktivistinnen

„Lange Zeit wurden extrem rechte Frauen – auch von antifaschistischen Gruppen – nicht als eigenständige Akteurinnen wahrgenommen“ schreibt die Lotta #28. Ein konkretes Beispiel dafür ist meiner Meinung nach die Art und Weise, wie über die „Überläufer_innen“ Alexander Maetzing und Kathrin Q. in Münchner Szenekreisen geredet wurde. Beide bewegten sich in Münchens Skin-Szene und bezeichneten sich selbst als unpolitisch (wobei die rechte Vergangenheit Maetzings kein Geheimnis war), besuchten aber auch bisweilen linke Orte wie den Infoladen oder das Kafe Marat. Im Herbst 2002 schlossen sich beide der Kameradschaft Süd um Martin Wiese an, gleich bei ihrer ersten Aktion, einer Mahnwache gegen die Wehrmachtsaustellung, waren beide organisatorisch eingebunden: Alexander Maetzing als Ordner, Kathrin Q. besorgte bei der Feier danach den Bierausschank. Maetzing war dann ab Frühjahr 2003 Stellvertreter Wieses, Q. leitete eine Zeitlang die Anti-Antifa AG der Kameradschaft. Wegen des (vom inneren Kreis der KS Süd) geplanten Bombenanschlags auf die Grundsteinlegung für das jüdische Zentrum Münchens wurde Maetzing zu 5 Jahren und 9 Monaten verknackt. Das steht alles genauer in der aida-Broschüre „Sprengstoff in München“ (die zurzeit nicht online ist), und zum Teil in meinem Artikel über Jessica Fasel.
Worauf ich aber hinauswill, ist folgendes – als Maetzing und Q. das erste Mal öffentlich als Nazis auftraten, machte das sehr schnell die Runde. Viele linke Punks und Skins, die sonst nicht gegen jeden Nazi-infostand auf die Strasse gingen, waren bei den Aktionen gegen die damals wöchentlichen Nazi-mahnwachen präsent: Weil sie sich mit eigenen Augen überzeugen wollten, dass einer den mensch mindestens von Sehen kannte, plötzlich auf der anderen Seite stand, und weil viele auf Maetzing extra sauer waren. Im Winter 2002/2003 wurde über die beiden etwa so diskutiert: Maetzing war der verräterische Überläufer, Hassobjekt und ein echtes Argument dafür Leuten mit rechter Vergangenheit gegenüber misstrauischer zu sein. Q. wurde entweder nicht erwähnt, oder war halt mit ihm mit ins Fascho-Lager gewechselt,. Verschiedene Leute (in meiner Erinnerung keine einzige Frau), eher Punks als explizit politische Menschen, wärmten Geschichten auf, nach denen Queisser mal in einem Pornofilm mitgespielt hatte. Die Erzählungen konzentrierten sich darauf, dass sie scheinbar eine erniedrigte Rolle spielte1. Die Art wie über dieses Detail gesprochen wurde hatte in meiner Wahrnehmung nichts mit sinnvoller Agression gegen eine politische Gegnerin zu tun. Aber viel mit männerbündlerischer Belustigung darüber, dass jemand die mann eh Scheisse findet öffentlich und sexistisch erniedrigt wurde.
Weil hier über zwei Faschos mit sehr ähnlichen Karrieren geredet wurde, lassen sich aus dem Vergleich einige Schlüsse ziehen. Erstens, an Teilen einer diffus linken Punk-Szene sind antisexistische Basics komplett vorbeigegangen, beim Gejohle über Porno-rollen sind einige Punks auf CSU-Niveau. Bei Naziaktivistinnen wird bereitwilliger unterstelt, dass sie nicht aus komplett eigener Entscheidung bei dem Scheiss mitmachen. Grosse Fascho-Skins werden – als Bedrohung, und als mögliches Ziel eigener Aktionen – eher ernst genommen als nicht ganz so grosse Fascho-Renees. Das wären ein paar Denkfehler, die nicht wenige Leute vor 5 Jahren gemacht haben. Es gibt keinen Grund sie zu wiederholen.

  1. Ich habe den Film nie gesehen, die Erzählungen waren recht explizit. Ich fände es aber verkehrt die Darstellung hier zu reproduzieren. [zurück]

Jessica Fasel – eine Münchner Oi!-Kariere

Jessica Fasel ist Sängerin in der Münchner Oi!-Band „Arglistige Toischung“, zwischen 2002 und 2003 war sie Kaderin der „Kameradschaft Süd“, die unter anderem einen Bombenanschlag auf die Grundsteinlegung des jüdischen Gemeindezentrums in München geplant hatte. Weil es immer wieder Diskussionen darüber gibt, ob jemand mit so einer Geschichte etwas in linken Räumen verloren hat, und weil diese Diskussionen zum Teil von ziemlich haarsträubenden Gerüchten geprägt sind, schreibe ich hier mal ein paar überprüfbare Fakten zusammen, ein bisschen was zur Aussteiger_innen-Problematik und zu Überläufer_innen in die Nazi-Szene. Ich bin weder die Antifa, noch Aida, noch das Marat, und schreibe auch nicht in deren Namen. Die Infos über iher Fascho Karriere habe ich grösstenteils aus der Aida-Broschüre „Sprengstoff für München
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