Tag-Archiv für 'nazis'

Nazi-Soap

Die Geschichte der Beate Zschäpe wurde gar zur Projektionsfläche für ostdeutsche Opferdiskurse. Die Schriftstellerin Jana Hensel mutmaßte emphatisch, Zschäpes neonazistische Sozialisation ausklammernd, über deren Werdegang: Wenn diese nicht ihre Ausbildung abgebrochen hätte und die gesellschaftlichen Umstände der Nachwendezeit nicht so tiefgreifend gewesen wären, dann hätte es den NSU-Terror vielleicht nicht gegeben … Ähnlich Einfühlsames war über die Opfer und ihre Angehörigen nur am Tag der Trauerfeier im Berliner Schauspielhaus zu lesen. Danach dominierten Verfassungsschutzskandale und Politikerstatements die mediale Gemengelage zum Thema NSU.

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Nicht einfach so weiter!

Aus dem Aufruf der Antifa NT zum NSU Prozess:

Die Rolle, die dieser Prozess für uns als antifaschistische Linke spielt, ist ambivalent. Einerseits gibt es die Hoffnung, dass sich im, durch und während des Prozesses noch einiges über den NSU, seine Taten und die Verstrickungen der Sicherheitsbehörden durch Vertreter_innen der Opfer und Angehörigen sowie der kritischen Öffentlichkeit aufklären lässt. Andererseits – und dieser Aspekt überwiegt deutlich – wäre es naiv und gefährlich, sich allzu viel vom Prozess zu erwarten. Gegenstand des Verfahrens werden die strafrechtlich relevanten, nicht-verjährten Taten eines kleinen Teils des NSU bzw. dessen Umfeld sein. Die Fragen nach logistischer und ideologischer Einbindung in die gesamte deutsche Naziszene, die Fragen nach der Rolle der Verfassungsschutzämter und vor allem die Frage nach dem Rassismus, der den Morden zugrunde liegt, werden dort kaum oder gar nicht thematisiert werden. Genau diese stellt sich aber in Bezug auf den NSU. Der Beginn des NSU-Prozesses ist für uns daher nicht Anlass ans Gericht zu appellieren, sondern die Fragen zu stellen, die sich strafrechtlich gar nicht beantworten lassen, sondern nur politisch und gesellschaftlich.
Die Mordserie des NSU bedeutet für die antifaschistische Linke eine Zäsur, einen Bruch, nach dem es nicht einfach so weiter gehen kann. Der Prozess kann nur ein Anlass sein gegen Naziterror, staatlichen und alltäglichen Rassismus zu demonstrieren und den Opfern und ihren Angehörigen gegenüber Empathie und Solidarität auszudrücken. Ein Anlass unter unendlich vielen. Der Schock, den das Bekanntwerden des NSU und seiner Morde auch bei Antifas hinterlassen hat, sitzt noch immer tief. Die Konsequenzen, die wir aus dem NSU und der rassistischen Mordserie ziehen müssen, sind noch längst nicht klar. Angesichts des Ausmaßes der NSU-Morde war die Reaktion autonomer Antifas über einige Zeit oft verhalten und defensiv. Wir stehen noch immer am Anfang einer Debatte. Doch eines scheint uns klar und notwendig: Das Problem heißt Rassismus und der Kampf muss sich offensiv gegen staatlichen und gesellschaftlichen Rassismus richten, der die Grundlage des Naziterrors ist.

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Zuzufügen habe ich dem nur eines: Word.

Quellen zum NSU & Alle fahren nach München!

Die antikapitalistische Linke München hat eine umfangreiche Linkliste mit mit Quellen zum NSU zur Recherche veröffentlicht. Und am Samstag vor Prozessbeginn ist in München eine mindestens bundesweite Demo. Kommt alle.

VS-Verbot jetzt!

Der Zentralrat der Juden fordert „als Konsequenz der Mordserie“ ein NPD Verbot. Nichts dagegen, aber viel logischer wäre es alle Verfassungsschutzbehörden ersatzlos zu streichen. Wenn der VS ein Geheimdienst ist, warum können sie dann die Naziszene nicht unauffälliger sponsorn?

Nazis: Tausche Kader gegen Räume

Eine gute und ein schlechte Nachricht, was die Münchner Naziszene betrifft. Faschos um Roland Wuttke, haben eine Immobilie in Forstenried angemietet. Schon wieder. Das letzte Mal war es den Vermietern leicht möglich sie rauszuwerfen, da sie im Mietvertrag als Verwendungszweck „Lagerräume“ angegeben hatten, tatsächlich aber die Räume für Veranstaltungen genutzt haben. Ganz so dumm waren sie diesmal nicht, wir können also nicht davon ausgehen dass die Faschos von alleine ihre neue Nachbarschaft aus Bullenrevier und Knabenchor verlassen. Damit wären Münchner Faschos wieder in der Lage, unkompliziert Saalveranstaltungen zu machen – mit dem ganzen Charme eines Souterrains in einem Gewerbebau.

Fragt sich nur, wer den Raum bei der Eröffnung bespielen soll. Felix Benekkenstein aka „Liedermacher Flex“schonmal nicht, der sitzt nach eigenen Angaben im Knast und bettelt auf Altermedia um Spenden. Nicht dass sich der Nachwuchstroubadix mit der Nazicrew um Wuttke herum so richtig gut verstehen würde. Scheinbar hat Bennekenstein auch gleich noch zwei andere Faschos hingehängt, die bei einer mit Flaschen ausgetragenen Prügelei im Kunstpark auf der anderen Seite gewesen sein sollen. Phillip Hasselbach und eine weiterer Fascho (Hier ein Gerücht wer das sein könnte) wurden der gleichen Quelle nach wegen dem Verdacht des versuchten Totschlags in U-Haft genommen.
Das klingt ganz gut: zwei bis drei aktivere Faschos erstmal weg von der Strasse, bestehende Gräben bei denen vertieft. Sicher ist dazu aber erstmal nix, die einzigen Quellen dazu sind Faschos.

Alle fahren nach Nürnberg!

Am Mittwoch den 28. April verletzte ein Nazi aus dem Umfeld des Freien Netz Süd in Nürnberg einen 17-jährigen Antifaschisten so schwer, dass dieser mehrfach wiederbelebt und für mehrere Tage in ein künstliches Koma versetzt werden musste (mehr Infos). Bereits am 8. Mai gingen in Nürnberg deshalb um die 1500 Menschen gegen rechte Gewalt auf die Straße. Für den 29. Mai rufen nun antifaschistische Gruppen zu Großdemos in Fürth und Nürnberg auf. Wir wollen unsere Solidarität mit dem angegriffenen Antifaschisten zeigen und gemeinsam und entschlossen gegen das Freie Netz Süd und alle anderen Nazis in Fürth, Nürnberg, München und überall vorgehen. Deshalb werden wir an diesem Tag von München aus gemeinsam nach Fürth und Nürnberg fahren.
Zugtreffpunkt: 8:30 München Hbf, Gleis 26
Hintergrund-Infos, Aufrufe etc. gibt es unter redside.tk
Demo: 12 Uhr Fürth, Hbf | 14 Uhr Nürnberg, Plärrer
im Anschluss: Antifa-Festival Fight Back in der Desi mit Los Fastidios, Kurzer Prozess, What We Feel uvm.

Dieser Angriff ist sicherlich der schwerste Nazi-Angriff auf einen Antifa in Süddeutschland in den letzten Jahren. Der Angriff ist kein isolierter Vorfall, in den letzten Jahren gab es in Nürnberg Angriffe auf das DKP Büro und einen linken Buchladen oder Farbbeutel gegen die Wohnnungen von Antifaschist_innen. Anti-Antifa ist ein Schwerpunkt der Nürnberger Naziszene.
Mehr als genug Gründe, diesen Samstag nach Nürnberg zu fahren: Als Zeichen der Solidarität gegenüber dem Betroffenen und seinen Freund_innen und Verwandten, als Auftakt für wirksame Aktionen gegen die Nürnberger Faschos.

Und Schwupps.

Mittwoch Abend sprach es sich ja schon rum: Münchens Nazis haben Räume angemietet und wollen ein „Nationales Jugendzentrum“ eröffnen … und sind die Räume laut Aida schon wieder los:

Anwohner_innen, Nachbar_innen und Mitnutzer_innen der Gewerbeimmobile waren a.i.d.a. gegenüber entsetzt über die neonazistische Anmietung und kündigten Proteste an. Geschockt war zunächst auch der von den Neonazis offensichtlich getäuschte Vermieter der Forstenrieder Immobilie nachdem er von Medienvertreter_innen kontaktiert worden war. Das vermietende Immobilienunternehmen zog seinen Rechtsbeistand hinzu und zeigte nur wenige Stunden später Zivilcourage: Der mit dem NPD-Funktionär Roland Wuttke geschlossene Mietvertrag wurde noch am Nachmittag des 14. April 2010 wieder fristlos gekündigt.

Keine Ahnung, wie die auf ca. 80m² ein „Versammlungshaus“ unterbringen wollten. Aber schön dass bei den Faschos, nachdem sie ich nicht mehr im Glaskasten treffen können, wieder Raumnot herrscht. Auch schön, dass 3 Nazikader am gleichen Tag gegenüber ihrer Nachbarschaft geoutet wurden.

Aufhören, Aussteigen, Abtauchen – zum Umgang mit Ex-Nazis

Bei der gestrigen Veranstaltung um die Kameradschaft-Süd, ihre Bombenbaupläne und was aus den einzelnen Nazis geworden ist, kam mal wieder die Frage nach Jessica F. auf. Anlass für mich, das was in antifaschistischen Kreisen zum Thema Aussteiger_innen erarbeitet wurde, nochmal zugänglich zu machen.

Ich beziehe mich hierbei vor allem auf einen Artikel im Antifaschistischen Infoblatt.
Nazi-Ideologie ist keine einfache Ansammlung von Glaubenssätzen, sondern eine bestimmte Art die Welt und die Leute darin zu deuten und zu bewerten – zum Beispiel das alles in rassistischen Kategorien gedeutet wird, die Überhöhung von Härte und Hierarchie, die positive Bewertung des historischen NS, der Antisemitismus, nach dem immer „die Juden“ schuld sind. Diese Denke legt niemand über Nacht ab, vielmehr muss sich der Ex-Nazi einen neuen Zugang zur Welt erarbeiten. Die vielen Widersprüche in der NS-Ideologie würden dafür eine Handhabe bieten.
Aus irgendwelchen Gründen – keine Zeit, persönliche Streits, Beziehung – den organisierten Kontakt zu Nazis aufzgeben, bedeutet nicht, dass sich derjenige auf diesen Reflektionsprozess einläst. Dementsprechend das AIB:

Ein Ausstieg muss davon gekennzeichnet sein, dass die betroffene Person von sich aus ihre Ideologie als in allen Punkten falsch, menschenverachtend und nicht mehr länger vertretbar erkennt. Die ideologische Grundeinstellung muss als Hauptproblem angesehen werden, nicht deren Ausdruck, Glaubwürdigkeit oder Aktionsform. Es sollte davon ausgegangen werden, dass AussteigerInnen nicht von heute auf morgen ihre gesamten Überzeugungen über Bord werfen können. Ein Ausstieg bedeutet also, einen langen und schwierigen Prozess einer ideologischen Entwicklung durchzumachen, an dessen Ende nur die Konsequenz bleibt, sich selbstverständlich und konsequent gegen seine ehemaligen »Kameraden« zu stellen.

Anders formuliert: Das ist harte, inhaltliche Arbeit, die die Ausstiegswillige zu leisten hat, und die er oder sie auch transparent machen muss. Passiert das nicht, dann ist es auch unangebracht von Ausstieg zu reden – es gibt halt eine_n organisierte_n Nazi weniger, eine_n Bürger_in mit Nazieinstellung mehr.

Der Umgang mit Ex-Faschos wird durch zwei Punkte verkompliziert: Zum einem das Verhältnis, das mensch zum Ex-Nazi hat. Das AIB dazu:

Die Person(en), die einen Aussteiger direkt betreuen, müssen bereit sein, sich dabei kontrollieren zu lassen; sie sollten sich mit einem größeren Zusammenhang koordinieren und kurzschließen und sich dabei auch zugestehen können, daß über einen persönlichen Kontakt zu dem Aussteiger/der Aussteigerin die notwendige Distanz verloren geht. Das gilt insbesondere, wenn der Kontakt den Charakter einer Freundschaft annimmt. Solange ein Aussteiger/eine Aussteigerin nicht öffentlich und unumkehrbar mit seinen/ihren Nazizusammenhängen und mit der entsprechenden Ideologie gebrochen hat, kann es keine Gründe für persönliche Freundschaften geben

Offenbar schreiben sie hier für organisierte Antifas, die eine austiegswillige Person betreuen. Das gleiche Problem stellt sich aber auch, wenn der Kontakt eher informell ist, beim weggehen oder auf Arbeit. Fehlt die persönliche Distanz, geht der Blick für die ideologische Auseinandersetzung verloren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, das gerade linke Räume auch ein Schutzraum sein wollen: Wer mal Stress mit Nazis hatte, kann sich besser entspannen wenn garantiert keine da sind. Natürlich wäre es gut, wenn mehr Läden – und nicht nur explizit linke – das so handhaben würden. Zur Zeit ist das in München nicht so.

Garmisch-Partenkirchener Geschichtsaufarbeitung

Medium darüber, wie Garmisch-Partenkirchen, Austragungsort der olympischen Winterspiele 36, einen Nazi damit betraut die Ortsgeschichte im NS aufzuarbeiten. Genauso siehts da auch aus.

Jessica Fasel, Balls‘n Boobs und andere Fragwürdigkeiten

Oireszene befasst sich mit dem „Fuck off Grauzone“ Festival, sowie ein paar fragwürdigen Bands und Personen in der Münchner Punk und Skin Szene. Dieser Link hat zwischenzeitlich auf eine leere Seite gezeigt, ist jetzt repariert. Wer nochmal genaueres zu einer Ex-Nazikaderin, jetzt Sängerin der Band „Balls n Boobs“ (ex. Arglistige Toischung) wissen will, sei auf meinen älteren Artikel „Jessica Fasel – eine Münchner Oi-Karriere“ verwiesen.