Tag-Archiv für 'marx'

Staatsbankrott! Staatsbankrott!

»… wenn die Demokraten die Regulierung der Staatsschulden verlangen, verlangen die Arbeiter den Staatsbankrott.« heisst es bei Marx, und wird von den Freundinnen der klassenlosen Gesellschaft zitiert. Ofenschlot liefert ein bisschen Einbettung.

Klima-Veranstaltungen

Mittwoch, 17.2, gibt es im Mittwochskafe eine Nachbereitung zum Klimagipfel in Kopenhagen aus Autonomer Sicht, angeblich um 20:00. Am Freitag, 19.2, lädt der Revolutionär-sozialistische Bund zu einem Vortrag über ökologische Fragen bei Marx und Engels. Der Vortrag ist Auftakt zu einer längeren Veranstaltungsreihe. Um 19:00 in der Ligsalzstr. 8.

Veranstaltungstip – Karl Reitter in München.

Die schon angekündigte Veranstaltung mit Karl Reitter von der Grundrisse am Samstag dürfte interessant werden. Vom Flyer abgetippt:

Wenn wir über das Proletariat sprechen, sprechen wir über uns. Wenn wir über Klassenkampf reden, so sprechen wir über unseren alltäglichen Kampfum Würde, über unsere Opposition gegen die Zumutungen der Profitproduktion.
In dieser Veranstaltung wird versucht, anknüpfend an die Schriften von Marx, ein Verständnis von Klassen und Klassenkampf zu entwickeln, das den Aspekt der emanzipatorischen Überwindung der Verhältnisse ins Zentrum stellt.
Es soll gezeigt werden, dass Klasse keimeswegs mit bestimmten soziologischen Schichten, etwa der Industriearbeiterschaft, und Klassenkampf mit Streben nach mehr Lohn oder besseren Arbeitsbedingungen gleichgesetzt werden kann. Klassenkampf ist mehr und auch anderes: es ist die Opposition gegen das zur Klasse gemacht werden. Und diese Oppostion findet an vielen Orten und in vielen Formen statt.

Ein guter Text von Reitter ist seine Kritik an Heinrich. Vor allem aber den Text „Wo wir stehen“ will ich allen ans Herz legen. Hier sind ein paar Überlegungen zu „Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen“ zusammengestellt. Wer sich nicht den ganzen Holloway antun will, kann diesen Text auch als knappe Zusammenfassung lesen.
Interessant wird die Veranstaltung für mich aus 2 Gründen. Reitter schein mir theoretsich recht nah an Holloway zu sein, zumindest was den Begriff von Klassenkampf betrifft. Was Holloway dazu geschrieben hat war für mich erstmal sehr interessant, das nochmal anders und ausgeführt zu hören wird sicher gut.
Der zweite Grund hat mit den, in München vielleicht etwas komisch bis garnicht ablaufenden, Diskussionen zu tun – ein Teil der aktiven Leute hält scheinbar durchaus mit Klauen und Zähnen an einem old-school Klassenbegriff fest, andere schwimmen im Trend mit und sehen das Kapitalverhältnis als restlos abstrakt und subjektlos. Da tut eine fitte Veranstaltung zum Thema not.

Zeit und Ort:
Samstag, 28.04 20:00 Uhr
Kulturladen Westend, Ligsalzstr. 44, U4/U5 Schwanthalerhöhe.

Es nervt einfach.

Es wird wohl zum Frühjahrestrend, den Kapitalismus als Subjektloses, abstraktes Verhältnis anzusehen, in dem z.B. gelten soll:

Sowenig mensch dem Arbeiter den Verkauf seiner Arbeitskraft vorwirft, sowenig sollte dem Unternehmer die Ausbeutung der von ihm bezahlten Arbeitskräfte vorgeworfen werden.

oder:

…dass es im kapitalismus keine direkte personelle herrschaft gibt sondern dieses eine abstrakte darstellt.

und ähnlicher Blödsinn mehr.
Zu philosophischen Ausführungen, warum das blöd, blöd, blöd ist fehlt mir die Musse, und die humanistische Bildung.
Mir gehts darum, dass ich es politisch für vollkommen zweckfrei halte, den „Kapitalismus in seinem ideellem Durchschnitt“ (oder wie dass bei Heinrich hiess) zu kritisieren, der ist eine abstrakte Modellvorstellung und nicht die Realität. Und unter dieser Modellvorstellung wird niemand zum geknechteten Wesen, dass passiert in den mehr oder weniger kapitalistischen realen Verhältnissen.
Hier finden wir Stechuhren, Bosse und rassistische Spiesser_innen, hier herrschen Bullen das Eigentum auf und bei manchen die Residenzpflicht gleich mit, hier trainieren heteronormative Klassengemeineschaften in der Schule schon mal Mobbingstrategien fürs Büroleben. Verlässt mensch die Metropolen kommen Kriege und Kriegsökonomien dazu, um zu beobachten wie Menschen die Subsistenzgrundlagen zerstört werden braucht mensch nur auf die EU-Osterweiterung zu schauen. Und das ganze Getriebe läuft auch auf der Basis von unsichtbar gemachter Arbeit. Nichts davon ist getrennt von kapitalistischer Wirtschaftsweise zu sehen, aber es gibt „keine direkte personelle Herrschaft“ im Kapitalismus?