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Lenin geht aufs Ganze

Heute noch nichts vor? Dann gibts heute ganz großes Tennis auf20 Seiten mit knapp über 40 Fußnoten. Seit Jahren immer wieder wenn ich betrunken bin das diese ganze Antifas, allen voran UG, Kryptoleninisten sind. Jetzt hat sich wer die Mühe gamcht das tatsächlich zu zeigen.

Aber der Reihe nach: Letzten Sommer veröffentlichte die Bremer Basisgruppe Antifaschismus, Teil des militanten Arms des Gegenstandpunktes, das Papier Der Klassenkampf un die Kommunist*innen. Ein Strategievorschlag.

Meine Kritik an dem Strategiepapier: Da steht nichts drin.

Andere holen weiter aus. Die Bremer_innen schimpfen kurz über Leninist_innen:

Das Verhältnis der Kommunist*innen zum Klassenkampf ist deswegen nicht nur ein Doppeltes sondern auch ein doppelt vertracktes. Erstens sind ihre Interessen von den grundsätzlichen Interessen ihrer Klasse (in den meisten Fällen vermutlich die Klasse der Leute, die zur Lohnarbeit gezwungen sind) nicht getrennt von der Verbesserung der eigenen Lage. Gleichzeitig ist aber nur die praktische Kritik dieser – und damit ihrer eigenen Existenzquelle – Voraussetzung und Bedingung ihrer gesellschaftlichen Befreiung.
Die Leninist*innen haben dieses Problem damit „gelöst“, indem sie eine Trennung zwischen den zu Befreienden und den „Befreier*innen“, zwischen revolutionärem Subjekt und Organisation, gezogen haben. Jeder noch so reformistische Kampf wird so „revolutionär“, wenn er die Stärkung der eigenen Organisation zur Folge hat und die Kommunist*innen tragen „von außen“ das „revolutionäre Bewusstsein“ unter die Leute

Die „Lösung“ der Bremer_innen sieht übrigens so aus das sie für syndikalistische Gewerkschaften in der Produktion sind (finde ich gut), und ähnlich organisierte Strukturen – z.B. Stadtteilzentren in der Reproduktion (finde ich gut) und autonome Gruppen (ich mag autonome Gruppen) als strategische Zentren. Garnicht mal so schlecht als Einleitung in eine Diskussion darüber wie denn dann das Verhältnis aus autonomen Gruppen und z.B. Basisgewerkschaften aussehen kann, oder warum es so wenige von letzteren gibt und was erster tun könnten um das zu ändern. Oder warum das strategische Zentrum genau da sein soll, wo die Menschen nicht um ihre Lebensgrundlagen kämpfen. Aber die spannenden Fragen stellen die Bremer_innen garnicht. Und für meinen ungeschulten Blick sieht ihr Vorschlag stark nach Leninismus in scharz-rot aus.

Andere sind da besser geschult – und so nähern wir uns dem großen Tennis: Die sozialisitische Initiative Berlin, Teil des NAO-Prozesses, hat eine lange und erschöpfende Antwort auf den Vorschlag der Bremer_innen verfasst: Mit Lenin ums Ganze kämpfen! (pdf). Darin weisen sie, wie ich finde recht überzeugend, den Bremer_innen den von ihnen geschmäten Leninismus nach. Großer Unerhaltungswert.

Der Erkenntnisgewinn bleibt allerdings bescheiden: Leninismus heisst Primat der Politik, Ablehung von Geschichtsdeterminismus und ist garnicht so schlimm. Am Ende bleibt das eine Diskussion unter verschieden klugen und ähnlich klugscheisserischen Marx-Nerds, spassig aber politisch zweckfrei. Am Ende ist das grössere Problem der Autonomen nicht unsere inhaltliche Unklarheit, sondern die Unfähigkeit eine Politik mit Bodenhaftung und sozialer Relevanz zu entwickeln: Solange wir gar nichts andere können als „von aussen das revolutionäre Bewusstsein unter die Leute zu tragen“ brauchen wir uns über die Lenin-fans nicht groß zu echauffieren.

p.s. Gestossen bin ich auf diese Perle glaube ich dank Anhraxit aber ich habe keine Ahnung wo genau.

„Hinter welchen Banner läufst du?“

Eine unbekannte Person zu einem Genossen, am Vorabend der Grossdemo gegen die Siko

„Hinter welchem Banner wirst du morgen laufen?“
„Im internationalistischen Block.“
(kurze Nachfrage und Erklärung dass das der Autonome Block ist, Hinweis auf den Aufruf)
„Seid ihr Kommunisten?“
(überlegt kurz) „Drei Viertel würden sagen ja, praktisch alle würden nachschieben dass sie keinen Bock auf irgendeinen Staat haben.“
„Aber Kommunismus und Staat geht doch eh nicht zusammen!“
„Schon schon, nur die meisten Leute die sich Kommies nennen sehen das anders.“
„Echt?“

Das ein politisch interessierter Mensch die autonome Mobilisierung gegen die Siko komplett verpennt – okay. Aber hinter welchem Mond oder auf welchen blogs holt sich mensch die Politbildung, um einerseits zu wissen das Kommunismus so an sich tatsächlich nicht mir Staat zu machen ist, und gleichzeitig nicht mitzukriegen wie Staatsfixiert viele Kommunist_innen sind?