Tag-Archiv für 'graffiti'

Medien, Sicherheit und Spuren

Bei Medium gibt es zwei interessant Artikel zu den Datenspuren, die beim Gebrauch mancher physischer Medien entstehen. Einmal geht es um Laserdrucker, die Seiten mit fast unsichtbaren Seriennummern- und Zeitstempeln versehen. Beim anderen geht es um die internen Festplatten von Kopierern, die sich merken was so kopiert wurde. An sich ein echter Grund, beim Verschrotten von Kopieren sich der Festplatte extra anzunehmen – auch wenn die meisten Linken Gruppen, Infoläden etc. teuer zu entsorgende Elektrogeräte wie Kopierer sowieso in einer konspirativen Aktion im Wald abstellen, wo kein Bulle oder Nazi nach ihnen sucht. Aber auch handschriftlich gibt es eindeutige Datenspuren, z.B. wenn mensch sich – warum auch immer – einen dieser speziellen Füller mit „Personal Code Ink“ gekauft hat. Darin ist die Tinte chemisch kodiert, und somit jede Unterschrift und Kritzelei eindeutig diesem Füller zuzordnen. Ähnlich im grossen – bestimmte Bilder, wie das, das neulich auf eine Berliner Nazikneipe gemalt wurde, weisen auf bestimmte Werkzeuge hin:
Nazikneipe
Die Expert_innenrunde bei indymedia war sich jedenfalls schnell einig, dass hier ein modifizierter Feuerlöscher zum Einsatz kam. Wer jetzt Lust hat, auch sowas zu bauen und damit sich und die Nachbarschaft einzusauen, guckt sich am besten dieses Video an. Nur Spuren vermeiden, dafür ist das Gerät nicht geeignet.

Reverse Graffiti?

Via nerdityourself bin ich auf einen jetzt.de Beitrag über sog. reverse Graffiti gestossen – mit Bürsten oder anderen Reinigungsmitteln werden Graffiti in Dreck gezeichnet. Was nach einer genialen, repressionssicheren Methode klingt, funktioniert in München nur bedingt. Hier gibt es verflucht wenig Dreck, mit dem Mensch arbeiten könnte.
Ausserdem ist mir ein Fall bekannt, in dem ein Mensch wegen Sachbeschädigung angezeigt wurde weil er einen (Nazi-)Aufkleber abgekratzt hatte. Ein Bulle, der in Zivil auf dem Heimweg von der Arbeit war hatte ihn gesehen und festgehalten, Anti-Antifa in Aktion. Das Verfahren wird vermutlich wegen totaler Absurdität eingestellt werden, Stress und ein paar Stunden auf der Wache hat es aber jetzt schon gebracht. Wirklich Repressionssicher sind aber wohl nur harmlose Botschaften auf der eigenen Wand.
Um hier keine Paranoia zu verbreiten, es wurden in den letzten Monaten etliche Fascho-Aufkleber übermalt, überklebt oder abgekratzt, ohne dass irgendwer deshalb Stress hatte – Keep up the good work!