Tag-Archiv für 'gedenken'

Feste feiern wie sie fallen?

Wenn, wie kürzlich mal wieder, deutsche Soldat_innen sterben, knallen bei mir keine Sektkorken. Irgendjemandes Tod ist an sich für mich nie ein Grund zu feiern. Es ist aber in guter Anlass, daran zu erinnern, dass die Bundeswehr nirgendwo etwas verloren hat, dass der Krieg in Afghanistan Scheisse ist und beendet werden muss, und das Soldat_innen Mörder_innen sind, bei denen Mitleid erstmal fehl am Platze ist. Das jetzt z.B. Medium, Rhizom und regentied passende Lieder sammeln ist für mich kein Party-programm, sondern Selbstschutz: Gegenüber dem Trauer-Tammtamm braucht es eine gute Portion Zynismus. Das dieses ganze öffentliche Gedenken gar so penetrant ausfällt, hat auch den Grund, dass über diesen Umweg – unterstützt unsere Jungs in Afghanistan! Sie bringen solche Opfer! – öffentliche Unterstützung für Deutschlands Krieg eingeworben werden soll. Die Frage nach der Unterstützung „unserer“ Soldat_innen beantworte ich so:
We support our troops when they shoot their officers

Garmisch-Partenkirchener Geschichtsaufarbeitung

Medium darüber, wie Garmisch-Partenkirchen, Austragungsort der olympischen Winterspiele 36, einen Nazi damit betraut die Ortsgeschichte im NS aufzuarbeiten. Genauso siehts da auch aus.

Mittenwald: Sag zum Abschied leise Servus

Zum letzten Mal wird dieses Jahr grösser gegen das Pfingsttreffen der Gebrirgsjäger in Mittenwald mobilisiert. Seitdem 2002 zum ersten Mal grösser in dem abgegelegenem Bergkaff gegen das Nazi- und Militärevent protestiert wurde, ist Mittenwald zwischenzeitlich zu einem Antifa-Pflichttermin avanciert. Gerade weil die Mobilisierung etwas abgeklungen ist, ist es um so wichtiger dieses Jahr an Pfingsten für einen fulminanten Abschied zu sorgen, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Gründe gegen das Treffen gibt es sowieso:

Seit mehr als 50 Jahren treffen sich jährlich zu Pfingsten greise Gebirgsjäger-Kameraden der Wehrmacht im Schulterschluss mit ihren Bundeswehrnachfolgern im bayerischen Mittenwald. Trotz der stark rückläufigen Teilnehmerzahl ist es die letzte größere soldatische Feier Deutschlands. Von einer Bundeswehrkapelle begleitet, findet unter den Fahnen revisionistischer und faschistischer Organisationen – u.a. der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger – ein ökumenischer Feldgottesdienst statt. Man gedenkt unterschiedslos aller „Opfer“ des Zweiten Weltkrieges, seien es deutsche Gebirgsjäger, Soldaten der Alliierten, so genannte „Vertriebene“, Angehörige der Mussolini-treuen „Divisione Monterosa“ oder in Afghanistan gestorbene Bundeswehrsoldaten. Mit Ansprachen bayerischer Politprominenz versichert die Zivilgesellschaft der Bundeswehr, dass man nach wie vor hinter ihr stehe und stolz auf sie sei. Hochrangige Militärs fordern Kampfbereitschaft und Kriegseinsätze zur Sicherung „deutscher Interessen“ weltweit. Antisemitische Ausfälle gegen Überlebende der Shoah begleiten die Veranstaltung. Die von Gebirgsjäger-Einheiten in ganz Europa verübten Kriegsverbrechen und Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges werden vom Kameradenkreis dagegen bis heute geleugnet. Lediglich zwei Massaker werden inzwischen eingestanden: die Ermordung von 317 ZivilistInnen im nordgriechischen Kommeno sowie die Erschießung von circa 4000 entwaffneten italienischen Soldaten auf der griechischen Insel Kephallonia.
[…]
Der Kameradenkreis bewährte sich Zeit seines Bestehens als Selbsthilfevereinigung für Kriegsverbrecher. Schon 1952 hieß es: Ziel der Organisation sei es, Einsatz und Hilfe „für unsere Kriegsverurteilten, für unsere in Haft zurückgehaltenen Kameraden“ zu leisten. Man schuf eigens einen Ausschuss für rechtliche Fragen, der von Paul Bauer geleitet wurde. Einer der Bewunderer Bauers und dessen Nachfolger in einigen Funktionen war Rechtsanwalt Gerhart Klamert. Vor einigen Jahren Vizepräsident, ist er heute im Ältestenrat des Kameradenkreises tätig. Über Kephallonia schrieb er revisionistische Artikel, das Militärgericht in La Spezia bezeichnete er als „Sondergericht à la Freisler“, womit er es mit dem nationalsozialistischen „Volksgerichtshof“ und seinem Präsidenten, dem berüchtigsten Scharfrichter des Deutschen Reichs, gleichsetzte. Als Rechtsanwalt verteidigt er derzeit das Kameradenkreis-Mitglied Josef Scheungraber aus Ottobrunn. Der Wehrmachtsoffizier wurde im September 2006 in Italien wegen eines Massakers in Falzano di Cortona (bei Arezzo) zu lebenslanger Haft verurteilt.

(Aus dem Aufruf 2007).

Auch unter antimilitaristischen Vorzeichen ist Mittenwald ein lohnendes Ziel, die „Armee im Einsatz“ Bundeswehr braucht die Soldaten der Wehrmacht als Vorbilder dafür, wie so ein richtiger Krieger zu sein hat, weshalb die Traditionspflege am hohen Brendten vom Bund unterstützt wird. Die Organisator_innen der diesjährigen Proteste schreiben in ihrem Aufruf:

Die Verdrängung der Verbrechen, die Auslöschung der Erinnerung an die Opfer und die Straflosigkeit der Täter ist die Voraussetzung für den Militarismus von heute. Die deutsche Justiz hat zum einen praktisch niemanden für die Massaker der Gebirgsjäger verurteilt. Deutsche Täter hatten im Nachkriegsdeutschland nichts zu befürchten. Zum anderen weigert sich die Bundesregierung bis heute, die Opfer oder deren Angehörige von SS-und Wehrmachtsmassakern in Italien und Griechenland zu entschädigen. Nun reichte die Bunderegierung sogar gegen rechtskräftige Urteile italienischer und griechischer Gerichte, die Deutschland zu Entschädigungszahlungen verpflichten, Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ein. Dabei beruft sie sich auf die Staatenimmunität. In einer Zeit, in der die Bundeswehr, darunter zahlreiche Einheiten der Gebirgsjäger, weltweit Krieg führt, ist es offenbar notwendig, den Militärs juristisch den Rücken frei zu halten. Denn seit Mitte der 1990er Jahre kämpfen Gebirgsjäger in der Bundeswehr als Bestandteil der Krisenreaktionskräfte und des Kommandos „Spezialkräfte“ an zahlreichen Kriegsschauplätzen. Auch die Kriege der Gegenwart sind ohne Mord, Vergewaltigung und Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung nicht denkbar.

Dabei ist das Soldatentreffen im Ort keineswegs ungern gesehen, wie im diesjährigem Aufrun herausgearbeitet wird:

Mittenwald steht exemplarisch für die Verquickung von deutschem Militär, Kirche und Gesellschaft. Wie einst die Wehrmacht, ist heute die Bundeswehr der größte Arbeitgeber im Ort. Die gesamte Stadt ist mit ihrer politischen, ökonomischen und sozialen Struktur auf das Engste mit dem Militär verbunden. Das schafft Loyalitäten mit Mördern und Kriegsverbrechern, die schwerer wiegen als die offenkundig zu abstrakt gebliebene politisch-moralische Verpflichtung, sich mit deren Opfern auseinander zu setzen und dieser zu gedenken.

Entsprechend grüsste die Mittenwalder Zivilgesellschaft die antifaschistischen Demonstrationen gerne mal mit dem Hitlergruss, oder treibt sich mit Hakenkreuzanstecker am Hut zwischen den Bullen am Wegesrand herum, Passant_innen finden dass wir alle mit dem Schürhaken erschlagen werden sollten. Der krasseste Fall ist dabei sicherlich der Ladenbesitzer, der den KZ-Überlebenden Ernst GRube mit den Worten bedachte, „dich hat man vergessen zu vergasen.“ Mittenwald steht eben stolz zu seiner Geschichte.

In dieses Wespennest wurde seit 2002 alljährlich gestochen, und das durchaus mit Erfolg. Seit kurzem findet das Treffen nicht mehr an Pfingsten statt, sondern zwei Wochen vorher – der Pfingsttourismus leidet spürbar unter den Protesten, weshalb die Stadt Druck auf den Kameradenkreis ausübt, die Treffen zu verlegen. Ohne den gewünschten Erfolg, wir gehen weiter an Pfingsten dahin, eben dann wenns wehtut.
Auch dank der nervigen Präsenz von Antifaschist_innen ist die Teilnehmerzahl von 5000 (2001) auf 300 dieses Jahr gesunken, last not least haben die Proteste dazu beigetragen, dass der Kriegsverbrecher und Ottobrunner Ehrenbürger Scheungraber vor Gericht gestellt wurde.

Für erlebnisorientierte Genoss_innen hat Mittenwald sicherlich keine riots zu bieten, die Demos hier waren in all den Jahren immer noch mehr Polizeifestspiele als sonst in Bayern. Aber es finden sich immer genug einheimische Pöbelnazis, um 2-3 Geisterbahnen zu bestücken. Klingt absurd, ist aber so: Die Hackfressen mal live zu sehen ist die Reise schon wert.

Dieses letzte Mal wird es darum gehen, in Mittenwald einen dauerhaften Eindruck zu hinterlassen:

Gemeinsam mit Überlebenden der nationalsozialistischen Besatzungs- und Vernichtungspolitik werden wir der Stadt deshalb in diesem Jahr ein bleibendes Denkmal übergeben, einen „Stein des Anstoßes“, der die Auseinandersetzung mit den Kriegsverbrechen am Standort der 1. Gebirgsjägerdivision in den Ort tragen und befördern soll.

Wir dürfen gespannt sein wie das konkret aussieht. Das weitere Programm dieses Jahr:

10.00 – 13.00 Uhr
Zeitzeugenveranstaltung

Maurice Cling, Paris,
Überlebender des Vernichtungslagers Auschwitz, Überlebender des Todesmarsches von Auschwitz über Dachau nach Mittenwald (Kurzbiographie).

Max Tzwangue, Paris,
Resistance-Kämpfer der FTP-MOI (Francs-tireurs et partisans – Main-d’Oeuvre Immigrée), Amicale Liberte-Carmagnole, Paris (Kurzbiografie).

Marcella de Negri, Mailand,
Tochter des auf Kephallonia von Gebirgsjägern ermordeten Hauptmanns Cap. Francesco De Negri.

Shlomo Venezia, Rom,
Überlebender des Sonderkommandos im Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau (angefragt).

13 – 14 Uhr
Konzert | Esther Bejarano mit Coincidence und Microphone Mafia

… spielen aus dem gemeinsamen Album „Per la vita“, das Ende April erscheinen wird. Das Album entstand zusammen mit der Familie Bejarano. Esther Bejarano ist zusammen mit Anita Lasker Wallfisch die letzte bekannte Überlebende des Mädchenorchesters von Ausschwitz.
Die Microphone Mafia mach seit 10 Jahren Hip-Hop und tourt in den kommenden Monaten unter dem Motto La Resistance durch die Städte.

Das Konzert wird unterstützt durch das „Auschwitz-Komitee in der
Bundesrepublik Deutschland e.V.“

15 Uhr | Rathaus
Demonstration
Entschädigung aller NS-Opfer! Keine Straffreiheit für Kriegsverbrecher!
Die militaristische Traditionspflege der Gebirgsjäger angreifen!

Ab 16 Uhr
Mahnwache „Ein Denkmal für Mittenwald“ auf dem Obermarkt.

Es gäbe viel mehr zu Mittenwald zu sagen, z.B. die Entstehung des Labels „Antifa Bike Punx“. Siehe dazu die alte Kampagnenseite, sowie die noch ältere Kampagnenseite, und natürlich indymedia. Einen sachlichen Mobilisierungsartikel für dieses Jahr gibts bei Luzi-M, inklusive der letzten Vorfeldaktionen. Vor allem aber: Hinfahren!

Luzi-M zur nächsten Siko

Luzi-M hat eine laufend aktualiserte Seite zum Stand der Mobilisierung gegen die Siko 2009, dort werden auch die beiden Aufrufe zusammengefasst. Apropos Antimilitarismus: Irgendwer hat Kriegerdenkmäler in der Nähe der Bavaria mit Farbe eingesaut, ein kurzes Bekenner_innenschreiben (nicht online, lag in irgendeiner Kneipe rum) nam Bezug auf den deutschen Militarismus und seine Rolle im NS, sowie auf die kommende Siko und den Nato-Gipfel.

Eine kleine gute Nachricht

Die Lettow-Vorbeck-Straße in Fürstenfeldbruck wurde umbenannt, damit erinnert eine Strasse weniger an einen deutschen Kolonialschlächter. Die Initiative dazu kam interessanterweise von einem CSU-Bürgermeister, der das „das alte, leidige Thema beenden“ wollte. Wer nervt gewinnt!

Traditionpflege

Zur Motivation deutscher Soldaten für Gewaltoperationen im Ausland knüpft die Bundeswehr-Führung an Wehrmachts-Traditionen an.

So bringt es german foreign policy (gfp) auf den Punkt (ein Teil des Berichtes ist auch bei waiting zitiert), Anlass für den Bericht ist die Einweihung eines deutschen Soldatenfriedhofs in Lettland unter Beteiligung hoher Bundeswehr-chargen.
Damit diese Traditionen „anknüpfbar“ sind, muss das Bild von der sauberen Wehrmacht gezeichnet werden, wozu u.a. Traditionstreffen dienen. Zu diesem Bild gehört die Leugnung und Relativierung der Verbrechen der Wehrmacht, und der Bezug auf Stauffenberg und Co. Von Geschichtsbewussten Antifas wird dagegen seit Jahren (wieder) verstärkt interveniert, diese Praxis hat durchaus das Potential nachhaltig am Bild der Bundeswehr zu kratzen – das Verteidigungsminister Jung in Mittenwald explizit auf die Vorwürfe gegen die historische Gebirgstruppe und ihren Kameradenkreis eingeht, zeigt eine gewisse Defensive:

Fast zeitgleich mit dem Auftritt des Generalinspekteurs in Riga besuchte Verteidigungsminister Franz Josef Jung die Einheiten der deutschen Gebirgstruppe im bayerischen Mittenwald. Nach Auskunft eines CDU-Bundestagsabgeordneten legte er dabei „ein klares Bekenntnis zum alljährlichen Pfingsttreffen der Gebirgstruppe auf dem Hohen Brendten ab“; der Minister halte die Feier keineswegs für „eine Kriegsverbrecher-Veranstaltung, sondern (für) eine Versöhnungsfeier mit internationalen Teilnehmern“

Neben Mittenwald ist auch das Ulrichsbergtreffen im Kärntner Klagenfurt Angriffspunkt einer langfristigen Kampagne, ausserdem gab es eine punktuelle Intervention gegen ein Fallschirmjägertreffen auf Maleme, und die FAU-München hat in Regensburg ein lohnendes Ziel ausgemacht. Alles Beispiele aus dem Süden, wer Beispiele aus andern Teilen der BRD kent – gerne ergänzen.
Der gfp Artikel weist auf die Bedeutung von Kriegsgräbern und den Diskursen, die mit diesen verknüpft sind hin, auch in Osteuropa:

Die populäre Ehrerbietung für die Lettische Legion, die im Ausland regelmäßig auf Proteste stößt, wird vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bis heute genährt: Er führt alljährlich Besuchsfahrten zum SS-Friedhof in Lestene durch. Kritik daran weist er energisch zurück. Die Proteste würden „von Funktionären gesteuert“, „Altkommunisten“, „die versuchen, das Thema Kriegsgräberfürsorge politisch auszunutzen“, sagte kürzlich der Präsident der Organisation, Reinhard Führer. „Schwierigkeiten“ dieser Art habe man vor allem „in einigen Bereichen Russlands, in Weißrussland und Tschechien“.[6] In diesen Staaten widersetzen sich bis heute weite Teile der Bevölkerung sowohl deutschen Hegemonialplänen als auch der Umdeutung der NS-Geschichte.

Wieso nicht mal versuchen, in Zusammenarbeit mit tschechischen Antifas da was zu machen?

Nimm die Critique!

Skurriles aus Kärnten: hier treffen sich sei `58 Veteranen aus Wehrmacht und Waffen SS beim Ulrichsbertreffen und feiern sich selbst. Dagegen gab es immer wieder Protest und Widerstand: Flugblattverteilungen durch die KPÖ, Schafe einer Longo Mai Kooperative die den Ulrichsberg zugeschissen haben, die „Heimkehrergedenkstätte“ wurde schonmal mit dem Vorschlaghammer gepflegt, und ein antifaschistischer Hubschraubereinsatz konnte durch die Bullen nur knapp vereitelt werden -schade. Seit `05 gibt es eine Kampagne gegen das Nazi-treffen und den Kärntner Konsens. Wer dieses Wochenende noch nichts vorhat, unbedingt dahin jetten und die Provinz rocken!

Nun zum skurillen: Walther Schütz, Gründungsmitglied von ATTAC Österreich und von 1980 bis 1995 Reserveoffizier beim Bundesheer – „Hauptmotiv: Die gefährliche Institution Heer darf nicht wieder wie in den 20er und 30er Jahren zur rechten Bürgerkriegsarmee werden“ – hat sich auf dem Internetportal Kärnöl der Mobilisierung angenommen:

Da lacht einem ein Comic entgegen mit einem Hasen, der eine Bombe in der Hand hält. Dazu meine Frage: Was soll diese Scheiße? Will besagte Gruppe da mit aller Wucht demonstrieren, dass sie selbst dem patriarchalen, militaristischen Weltbild angehört?
[…]
Wahrscheinlich denkt Ihr, dass Ihr Euch in Tradition des seinerzeitigen Widerstands gegen das NS-Regime bewegt. Aber da seid Ihr im Irrtum, das ist eine Verhöhnung eben dieser Opfer des Nationalsozialismus!
[…]
Militanz (auch die symbolische) ist eine gefährliche Droge, die das Ziel verunmöglicht!

Fassen wir zusammen: Häschen sind Mackerikonen, Antifaarbeit ist Verhöhnung der Opfer des NS Regimes und Militanz dröhnt voll, hat darüberhinaus aber wenig Taug – die Gründe für letzteres sind wohl eher metaphysisch. Den zweiten Vorwurf kann mensch theoretisch noch ernst nehmen, dass die opfer des NS Regimes als Legitimation für die eigenen Politik instrumentalisiert werden kommt tatsächlich mal vor – nur werden sich dafür bei speziell dieser Kampagne keine Belege finden, die Genoss_innen gehen m.E. nach recht sensibel mit ihrem Thema um. Siehe hierzu auch deren Erwiderung.

Aber zurück zu den Skurillitäten, auch in der Kommentarspalte geht die an die Antifa gerichtete Disse munter weiter. Da haben wir einmal den penetranten Militarismusvorwurf durch Walther (aka Mimenda), aber auch handfeste Faschismusvorwürfe und damit Relativierungen:

… die „antifa“ und „antimili“ sprengt und torpediert, zeigt ein „unschuldiges“ häschen (wohl einen antifa oder antimili?) mit bombe im arm. sieht so antimilitarismus aus, oder ist es nur eine bestimmte art des militarismus, welcher der „antimili“ nicht gefällt?
[…]
aber dann, ihr pharisäer, nennt euch nicht antifa und antimili, sondern akzeptiert einfach, dass ihr die „gut“faschos und „gut“militaristen seid.
[…]
warum geht ihr linksmilitaristen und -faschisten nicht mit auf den ulrichsberg und haut euch mit den rechtsmilitaristen und -faschisten solange gegenseitig aufs maul, bis ihr das maul haltet. wär doch eine schöne ENDLÖSUNG, oder etwa nicht?

Nicht zitiert habe ich die Äusserungen, die darauf hinweisen dass Walther sich einfach persönlich von der Antifa beleidigt fühlt. Andere User geben in der Kommentarspalte auch Vollgas:

Oder du hättest in deiner unendlichen, intellektuellen Überlegenheit und trotz deiner herablassenden Art vielleicht die Güte, mir den GEWALTIGEN Unterschied zu erklären, zwischen dem kahlgeschoren Nazi Buben, der halt die Ausländer platt machen will (siehe derzeit die traurige Situation in Deutschland) oder dem intelektuellen Linken, der halt die Nazis platt machen will.

Von hier aus ist für mich nicht klar, wie viele Leute aus einer breiteren Kärntner Linken diesen Unsinn nachvollziehen, oder wie sehr hier eine isolierte Einzelmeinung vorliegt.

„Seitdem ich Landeshauptmann bin, traut sich kein Linker mehr richtig zu demonstrieren“ (Jörg Haider, in den 90′ern). Kein Wunder, stehen die gemässigten Linken doch Gewehr bei Fuss: Wo auch nur angedeutet wird, dass es um mehr geht als Protest, dass vielleicht auch praktische Interventionen geplant sind, geht die Hetze los. Nicht nur FPÖ und BZÖ sind dabei, auch gestandene Sozialdemokraten verbreiten dann gutbürgerliche Totalitarismusscheisse: Gewalt ausserhalb der Staatsgewalt ist immer böse und faschistisch, es ist unmöglich einfach mal die Kirche im Dorf zu lassen und zu sehen, das antifaschistische Praxis in Kärnten eher wenig militant agiert. Überhaupt die Frage nach dem Zweck oder der Motivation zu stellen wird ausgeschlossen. Wenn Gewalt gleich Gewalt ist, dann sind auch deren Opfer gleich – einen zentralen Mythos der Ulrichsberggemeinschaft verbreitet Walther implizit mit: nämlich dass die Nazis von einst unter Bomben, unter Partisanenangriffen1 und in den Schützengräben genauso wie die vom NS Verfolgten gelitten haben. Dieser Mumpitz kommt zwar wortgewaltig daher – inklusive Marx Zitat! – bleibt dabei aber oberflächliche Feindbildpflege, hier wird keine Auseinandersetzung gesucht sondern einer Distanzierung das Wort geredet.
Daran zeigt sich, wie sehr die Kärntner „LIBERALEN“ (Walther Schütz) Linken den Kärntner Konsens verinnerlicht haben: distanziert wird sich von den linksradikalen troublemakers bevor das erste bisschen passiert ist, will mensch doch nicht zu den „Bösen“ gehören. Kärnten halts Maul, da dürfen sich auch diejenigen angesprochen fühlen die den oben zitierten Bockmist verzapfen oder glauben.

  1. Kärntnen war das einzige „reichsdeutsche“ Gebit, in dem es einen grossangelegten Partisann_innenwiderstand gab: ca. 800-1000 Widerstandskämpfer_innen, hauptsächlich aus der slowenischsprachigen Minderheit, banden über mehrere Jahre bis zu 20.000 Wehrmachtssoldaten. [zurück]

„Ihr sads a gscheit..“

Ein eher untypischer Bürger aus Klagenfurt/Celovec, bei einem Infostand gegen das Ulrichsbergtreffen von u.a. SS-Veteranen, dass alljährlich in Kärnten/Koroska stattfindet:

Ich war immer auf eurer Seite, der Seite der Jugend, aber wieso müsst ihr immer diese Vergangenheit hochkochen? Das tut den Leuten, die das noch miterlebt haben doch weh! Bei jedem Anliegen bin ich auf eurer Seite, der Seite der Jugend, aber das …? Ihr sads doch a gscheit, erfindets doch was … zum Beispiel Tierschutz! Da wärn die Leute auf eure Seite!

Diese Leier wiederholte er ziemlich oft, in durchaus freundlichem Ton und immun gegen inhaltliche Einwände.

14 – 20.05

16.05 Infoveranstaltung über Globalisierungskritk von rechts und den Faschoaufmarsch in Schwerin, Im Marat.
17.05 Tierlinkskafe im Marat
18.05 Anti-G8 soli-konzi im Marat: Irie Invaders & Raggabund.
19.05 Auftaktdemo der Bundesweiten Karawanetour.
20.05 Demo gegen das Annabergedenken in Schliersee.

Nazi Geisterbahn light

Ich war grad ein paar Tage in Garmisch Partenkirchen, das ist in der Nähe von Mittenwald. Und fast so schlimm. Neben der grauenvollen Lüftlmalerei, 2 wahrhaft eklige Impressionen:
* Am Skistadion ist eine Tafel angebracht, die Auskunft über die Geschichte dieses, in typischer Fascho-Bautradition pseudo-antik gehaltenen, Baus gibt. Da wird berichtet, wie ’34 der Bau für die Olympiade ’36 begonnen hat, ohne eine Silbe zu dieser NS Propagandeshow zu verlieren. Geschichtlicher Kontext wird nur in einer Passage erwähnt: „Nachdem Deutschland den II. Weltkrieg angefangen hatte, verlor Garmisch Partenkirchen den Zuschlag für die Winterspiele 1940.“
* In der Fussgängerzone ist eine Dekoladen. Neben den hässlichsten Gardinen der Welt sind in der Auslage 2 alte, gemalte Farbposter: Eines zeigt eine blonden mit Olympioten, das Haupt stolz emporgereckt, und ist mit dem Schriftzug „Olympische Winterspiele 1936″ versehen. Ein anderes kommt ohne Schrift aus: Vor malerischer Bergkulisse wehen zwei Fahnen mit den Olympischen Ringen im Wind. Jeweils zu dreivierteln von den Olympiafahnen verdeckt, knallen aus dem Bild die roten Ränder von zwei Hakenkreuzfahnen hervor.
Obwohl die Hakenkreuzfahnen nicht voll im Bild sind, und von den Hakenkreuzen nur äusserste Ecken zu sehen, springen sie einem Betrachter sofort durch das knallige rot auf dem eher blau gehaltenem Bild ins Auge. Sie vermitteln eine enge Verbundenheit von Sportsgeist und Nazitum, dass die Halenkreuzgahnen nich tim Vordergrund stehen verstärkt diesen Effekt eher – und ist der Grund dafür, dass das Bild öffentlich gezeigt werden darf, und als werbepsychologisch effektives Bild weiterwirkt. Dass beide Propagandabilder so prominent ausgestellt werden ist aber auch ein Indiz dafür, dass in diesem Kaff – und in solchen Nestern funktioniert soziale Kontrolle noch – sich niemand drum schert.