Tag-Archiv für 'g8'

Pünktlich.

Ein Schelm, wer da einen Zusammenhang vermutet: In Kehl (BaWü) und Strasbourg findet nächstes Jahr die 60 Jahr Feier der NATO statt, und Baden Württemberg bringt noch schnell ein verschärftes Versammlungsgesetz auf den Weg.
So ein Timing ist nicht neu, rechtzeitig zum G8 hat Mecklenburg Vorpommern sein Polizeiaufgabengesetz mit den Stimmen der damals noch mitregierenden proto-Linkspartei verschärft. Dank der Föderalismusreform können sich die einzelnen Bundesländer nicht mehr nur auf der Ebene der Polizeigesetze einen Wettbewerb im Hardlinertum liefern, sondern auch beim Versammlungsrecht oder beim Strafvollzug.
Bewegungen gegen Krieg und Kapitalismus haben sich immer mit verschiedenen Formen der Repression herumschlagen müssen. gleichzeitig wurde sog. „innere Sicherheit“ speziell für Antimilitarist_innen in den letzten Jahren interessanter, da Sicherheitsdiskurse als Legitimiation für Kriege an Bedeutugn gewonnen haben. Konsequenterweise schlagen einige Gipfelsoli-Aktivist_innen (und andere) in dem Text „Die europäische Sicherheitsarchitektur einstürzen!“ vor, Sicherheit, bzw. sicherheitskritisches Verhalten, zu einem Schwerpunktthema der grossen Mobiliserungen des nächsten Jahres zu machen – also gegen die Siko in München, den NATO Gipfel und den G8 in Italien. Zu dieser Sicherheitsarchitektur gehören, neben dem vieldiskutierten Bundestrojaner und obskuren Drohnen zur Luftraumüberwachung, eben auch ganz unpompöse Auflagenbescheide.

Fitte G8 Nachbereitung

Gregor Samsa hat mit Mythos Heiligendamm ein sehr lesenswerte Nachbereitung zum G8 und den Diskussionen danach geschrieben. Er geht dabei ein paar relevanten Fragen nach: Was heisst die immer wieder behauptete „Verschiebung des politischen Feldes nach links“ (Thommy Seibert) realpolitisch? Welche Globalisierungskritik ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wie wurde der Widerstand medial repräsentiert? Was ist die soziale Basis dieses Widerstandes: Wer hat ihn vorbereitet, wer stand auf der Strasse und wer nicht? Was hat die Bündnisarbeit geleistet, was nicht, was kann dieses Bündnis nicht mehr leisten?
Erfrischend an dem Text ist auch, dass der wortgewaltige Triumphalismus, den z.T. IL Kreise verbreiteten, etwas gebasht und relativiert wird.

Noch eine andere Entpolitisierung

Darüber, dass auch Clowns nicht der Weisheit letzter Schluss sind, wenn es um die Vermittlung von Inhalten geht, habe ich ja schonmal was geschrieben. Wie schauts mit friedlichen Massenblockaden aus? Während Blockaden ein Stück weit eine sich selbst vermittelnde direkte Aktion sind

so kann dennoch auch der Einwand Tazio Mueller & Kriss Sol (A tale of two victories?(5)) nicht gänzlich von der Hand gewiesen werden, dass die BlockG8-Blockaden medial weniger als „material disruption“ denn als „cheerful theatre for the articulation of tamed dissent“ (6) dargestellt wurden. Der medialen Entstellung im Sinne der herrschenden Zustände entgehen also weder die militanten Aktionsformen noch der zivile Ungehorsam – nur jeweils unter umgekehrtem Vorzeichen.

(Reflexions on Rostock – eine überaus lesenswerte Nachbereitung von Heiligendamm.)

Eine andere Entpolitisierung ist möglich

Eine Argumentationskette ist zur Zeit omnipräsent: In Rostock hat’s am 2.06 gekracht, deshalb waren keine Inhalte in den Medien präsent, und deshalb hat Schäuble innenpolitisch leichte Hand mit den nächsten Verschärfungen. Zuletzt habe ich mich hier darüber geärgert.
Nur kurz zum ersten Teil, „weil Gewalt keine Inhalte in den Medien“, eine kleine Widerlegung. Eine andere gibts bei juli. Aus der Berichterstattung zu den Demos gegen die Siko kann mensch eigentlich reichhaltige Erfahrungen schöpfen, wie präsent oder nicht präsent unsere Inhalte in den Medien sind, ganz ohne Krawall. War eigentlich als kurze Notiz geplant, aber dann ist mir immer mehr eingefallen.
An Ausschreitungen ist hier selten mehr passiert als Schlägerien um Seitentransparente, ein fotogenes brennendes Auto konnte der internationalistische Block nie liefern1. Trotzdem kreiiert die Presse alljährlich ein inhaltfreies Drame in 3 Akten:

1 Akt
Mit dem Tenor „die schon wieder“ wird von der Mobilisierung gegen die Konferenz berichtet, die Formel „ritualisierte Proteste“ darf dabei nie fehlen. Von den Inhalten der Mobilisierung schaffen es immerhin 2-3 Schlagsätze in die grösseren Artikel.
Der erste Akt schliesst mit den üblichen Ankündigungen der Polizei – „hautenge Begleitung“, „Deeskalation durch Stärke“, die City mit Bullen zuscheissen. Die Verlautbarungen der Polizei werden unhinterfragt in der Presse übernommen.
2 Akt
Der 2 Akt wird mit einem repressiven Paukenschlag eingeläutet, z.B. eine Durchsuchung des Marat (2004, 2007) oder eine besonders absurde Repressionsandrohung. Je nach Laune in den Redaktionen wird kritisch darüber berichtet, oder garnicht2. Immerhin: 2006 waren es Genoss_innen, die durch die Umbenennung von Strassen mit Kolonialnamen (z.B. von Trotha Str. in Herero Str.) eine gute Presseresonanz erziehlten. Damals half auch ein pöbelnder CSU-Stadtrat mit, der Aktion die gebührende Aufmerksamkeit zu bringen.
Nach diesem Auftakt kommt dann das eigentliche Wochenende, und in den Medien präsentiert sich ein bunter Dreiklang aus Hofberichterstattung, Fasching und Polizeipresse. Der Reihe nach: Über die Kriegskonferenz wird nicht nur berichtet, was dort so besprochen wird, sondern auch was es zum Essen gab oder wo Hillary Clinton zum Einkaufen war (eine Seite lang). Von den Demos gibt es dann ein obligatorisches Foto vom bösen internationalistischem Block, und ein buntes Allerlei aus kostümierten Demonstrant_innen. Seitdem rebel clowning in ist, sind themenbezogene Kostüme, oder welche die einen Inhalt vermitteln, komplett aus den Bildberichten verschwunden. Der Textteil der Artikel wird von der Presseabteilung der Polizei bestritten, in den guten Jahren wurde erwähnt worum es in den Reden so ging. Eine weitere Konstante ist die Verniedlichung der Proteste, als von ganz jungen – also implizit naiven und ahnungslosen – Leuten getragen.
3. Akt
Im Epilog schliesslich trällern Polizeigewerkschaft und Einzelhandelsverband ihr berühmtes Duett „Wenn die Konferenz irgendwo auf dem Land stattfindet müssen die Polizisten nicht so viele Überstunden machen und der Einzelhandel erleidet weniger Umsatzeinbussen“, sofort gefolgt von der Arie des Polizeichefs (in Moll) „Aber nein, eine Verlegung der Konferenz würde bestimmte Personenkreise bestätigen“.

Im Ernst: Das ist kein vollständiger Abriss der Medienpräsenz der Sikomobilisierung, sondern eine total einseitige Polemik. Wers genauer haben will, dem oder der empfehle ich die Broschüre „In Bewegung bleiben“. Nur, grundsätzlich interessiert sich die Presse für Fakten und Bilder, und will dafür möglichst wenig tun. Was wir als Inhalte bezeichnen, und gerne da unterbringen würden, sind keine Fakten (aus deren Wahrnehmung) sondern Behauptungen. Die sind dann interessant, wenn sie von einem Promi kommen – enter Peter Wahl. Und weil Presseleute keine Zeit haben, irgendwas zu recherchieren müssen sie gefüttert werden – und die Bullen haben nun einmal die besseren Presseabteilungen. Ereignisse wie die Siko, wo es bislang nie ernsthaft gescheppert hat, sind in der Presse ein einziges Polizeiszenario – was willst du von einer Demo wie in Rostock, wo es einen „handlungsfähigen schwarzen Block“ gab erwarten? Last not least, da wo Presseleute etwas anderes machen als PEs zu kopieren, sind sie sehr kreativ und stricken an den altbekannten Narrativen über linke – jung, naiv, gewaltbereit…
Zu behaupten, da sei die Gewalt der Hauptgrund, dass unsere Inhalte zu kurz kommen, halte ich deshalb für falsch. Für unsere Inhalte brauchen wir unsere Medien, in den bürgerlichen kriegen wir unter dass etwas scheisse läuft3 und dass es uns gibt. Letzteres hat in Rostock geklappt.

  1. Immerhin wurden Pressefotograf_innen und Kameraleute oft von den Bullen über bevorstehende Angriffe informiert, damit sie sich schonmal in Position für gute Bilder begeben konnten.. [zurück]
  2. Die Ankündigung von Polizeichef Schmidbauer 2004 „Berufsdemonstranten“ in Gewahrsam nehmen zu wollen, war der SZ kaum eine Zeile wert. 2007 aber vielen die Durchsuchungen von 13 Objekten in München in eine Phase in der im Lokalteil der SZ eh kritisch über die Polizei berichtet wurde, entsprechend positiv (für uns) war das Medienecho. [zurück]
  3. Nach deren Kriterien scheisse: z.B. besonders krasse Abschiebungen können skandalisert werden, aber nicht der Unfug von Volk, Nation und Grenzen.[zurück]

Wie war das in Rostock?

Wer hat angefangen, mit „der Gewalt“ am 2.06 in Rostock? Der black block? die Bullen? Bullenspitzel? Julimond? Mit welcher Motivation? Einen wirklichen Überblick hat wohl niemand, was jeweils behauptet wird hat auch viel damit zu tun, die eigene Postion, Aktion, Distanzierung oder Aufregung zu legitimieren.
Um nicht in allen Diskussionen einzeln meine Version über die Geschichte verbreiten zu müssen, hier eine Skizze des Ablaufs und ein Versuch sich der Frage zu nähern, was zu was führt. All das ist aus Berichten und Erzählungen zusammengeklaubt, die alle miteinander weder repräsentativ noch objektiv sind.

* Deeskalation? Es gab keine oder kaum Vorkontrollen, und im Vorfeld die Ankündigung dass bei Vermummung und angeblich auch bei Leuchtis nicht eingeschritten wird. Während der Demo gab es kein Spalier, und wenig sichtbare Bullenpraäsenz.
Zumindest der Block und der nachfolgende Bereich auf der Demo wurden aber immer wieder massiv angegriffen, scheinbar schon relativ früh, ein Genosse beschrieb das so: „Die sind angestürmt, haben auf alles eingeschlagen und sind wieder weggerannt, die waren nicht auf Festnahmen aus sondern nur auf prügeln. Das ging schon ziemlich früh los.“

* Friedlich demonstrieren? Der Block war sehr gross, es kursieren Zahlen von 5000 – 7000 Personen. Damit war der Block sehr unübersichtlich, was an einem Ende passierte war schon in der Mitte nicht mehr mit zu kriegen. Viele Indymediaberichte beschreiben den „Make Capitalism History“-Block als friedlich. Tatsächlich wurden, aus dem Block heraus, verschiedene tendenziell unfriedliche Aktionen durchgeführt: Es gab einzelne Angriffe auf Presseteams, denen Kameras abgenommen wurden. Die Scheiben von Banken und Geschäften wurden beschädigt. Bullen am Wegesrand (wenn mal welche da waren) wurden attackiert. Vor dem Hotel, das die amerikanische Delegation beherbergt, wurde mit Leuchtis geschossen und Knallkörper geworfen. Das der Block als friedlich bezeichnet wurde, ist m.E. nach nicht verlogen, sonder einfach der Taasche geschuldet dass er so gross und unübersichtlich war. Niemand hat alles mitgekriegt, und in einigen Bereichen waren vielleicht tatsächlich keine Aktionen zu sehen.
Und weil immer wieder von Hooligans die Rede ist: Autonome begründen Angriffe auf Polizei, Geschäfte, Banken etc. politisch. Diese Begründungen kann mensch mehr oder weniger nachvollziehen, aber so tun als würden sich die aktiven bei solchen Aktionen keine Gedanken machen und nur einen Kick suchen ist Blödsinn.

* Am Hafen dann … griffen die Bullen massiv die Demo an, „entsprechende Reaktionen in Form von Wurfgeschossen blieben nicht aus.“ (indymedia) Daraus entwickelte sich dann wohl die Auseinandersetzung. Es gibt auch Berichte über die fingierte Verhaftung eines Zivis, die den riot ausgelöst haben soll.

Meine Einschätzung ist die: Es sind durchaus Aktionen aus der Demo heraus gelaufen (über die sich mensch auch streiten kann). Die Bullenaktionen erfolgten aber unabhängig davon, dafür spricht dass sie einmal relativ früh losgingen, zu einem Zeitpunkt wo noch wenig passiert war, und weil sie ziemlich wahllos waren. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Emazipation oder Barbarei.

Assoziationsketten, die die Welt nicht braucht.

Eben in trauter Runde am Esstisch gesessen, und über einen SZ Artikel geschimpft in dem der Anti G8 Widerstand total verniedlicht wurde. Der Tenor unseres Geschimpfes war: „Heute infantilisieren sie uns, morgen kriminalisieren sie uns“ was irgendwen auf die Frage brachte: „Wann erotisieren sie uns?“. Kurz überlegt, ob wir die Mobilisierung zu unserem Barrio der Wahl nicht aufpeppen könnten, indem wir dort einen dark room anbieten und damit prahlen dass die bayerischen Autonomen alle total gut aussehen. Uns das Publikum vorgestellt, das das ziehen würde: Mecklenburg vorpommersche Dorfdiskobesucher_innen, und eine Swingerclubbesatzung Mite 50, gemischt mit ein paar Zivis. Das ganze unter Dauerbewurf mit Farbbeuteln von antilookist_innen und anderen, die die Idee mal nicht so gut finden. Wegen der Zivi Präsenz gibt es lauter Situationen, in denen nicht unterscheidbar ist ob das jetzt ein komisches Rollenspiel oder eine Verhaftung ist. Schliesslich festgestellt, dass niemand von uns so richtig auf anonymen Sex steht, und das das anbieten ein dark rooms damit Stellvertreterpolitik wäre – höchstproblematisch also.

Das mit der Distanzierung …

… bleibt ein Dauerbrenner, so ein Attac-muenchen Pressesprecher im SZ Interview (online nicht zugänglich) über die Demo am Mittwoch:

Die friedliche Aktion in München war ein Beweis dafür, dass der G8-Protest nicht von linksextremen Autonomen getragen wird. So wollen wir das auch für Heiligendamm.

Macht das so Sinn? Beweist das irgendwas, dass es letzten Mittwoch in Münchens Innenstadt (ausnahmsweise?) nicht gescheppert hat? Problematischer als der logische Fehler ist aber die politische Aussage: Der Protest wird sehr wohl von linksextremen Autonomen getragen, aber halt nicht nur. Polemisch überspitzt: Hier wird so getan, als ob die fleissigen Attacies den Protest „tragen“ und sich die linksextremen Autonomen dann einzecken und alles kaputtmachen. Die Realität sieht anders aus, auch in autonomen Kreisen wird sich seit anderthalb Jahren auf den Gipfel vorbereitet. Es wäre mindestens eine Frage der politschen Ehrlichkeit, die Bündnispartner_innen auch zu benennen, die mitmobilisieren.
Klar: das steht so in der Zeitung, was der Pressesprecher tatsächlich gesagt hat ist vielleicht eine andere Kiste. Und so wie die Diskussionen zur Zeit laufen, fragen Journalist_innen immer nach Gewalt – irgendein Kommentar dazu muss also kommen. Gerade in München gibt es aber, als Ergebnis der langjährigen spekrenübergreifenden Zusammenarbeit gegen die Siko, eine erprobte Formel gegenüber der Presse:“Gewalttäter sind die, die sich da treffen. Die Gewalt geht von der Polizei aus.“ In den Siko-mobilisierungen wurde auch immer herausgestrichen, dass es sich um ein breites Bündnis handelt, die Äusserung im Interview fällt dahinter zurück.
Um jetzt nicht nur zu schimpfen – es ist super, dass Attac München nach Heiligendamm mobilisiert, und es ist super, dass sie dazu Pressearbeit machen, an G8 bezogener Pressearbeit besteht in München m.W. nach noch Nachholbedarf. Aber ich glaube schon, dass eine andere Pressearbeit möglich ist – anstatt „der Protest wird nicht von autonomen getragen“ z.B. „wir mobilisieren als breites Bündnis, und bauen auf Erfahrenung aus der Arbeit gegen die Siko auf“, oder statt „das es friedlich war beweist dass …“ zu sagen, mal offensiv die Frage zu stellen „Haben sie etwa Ausschreitungen erwartet?“
Es gäbe interessanteres zu diskutieren, als die sog. Gewaltfrage – weil uns letztere aber eine Weile nicht loslassen wird, weise ich nochmal auf eine Textsammlung von mir zum Thema hin.

Formfragen first?

Die, die auf dem Campinski waren werden sich an die Dixi-Debatte erinnern. Für die anderen eine kurze Zusammenfassung. Am Zelt des revolutionären Bündnisses hing ein Transpi mit der Aufschrift (ich glaube, ist fast ein Jahr her): „Stoppt den Krieg im Libanon! Freiheit und Gerechtigkeit für Palästina!“ Verschiedene Personen hatten sich über dieses Transpi beschwert, ein paar mal wurde es auch so umgeschlagen das die Schrift nicht mehr zu lesen war. Bei Deli-plena wurde mehrmals gefordert, dass Transpi abzuhängen. Die Ansage der Vertreter_innen des rev. Bündnis war, dass sie das schon tun würden, wenn eine Mehrheit im Deliplenum das will, diese Mehrheit gab es aber nicht. Eine Zeitlang hing ein Transpi mit der Aufschrift „stoppt den antisemitischen Irrsinn von Hamas und Hisbollah!“ gegenüber. Eines Nachts dann haben irgendwelche Leute das Transpi vom revo-Bündniss abgehangen und in ein Dixiklo geworfen.
Am Abend drauf gab es dann eine grosse Debatte darüber, das Plenum des Grauens (pdg) – 3-400 Leute sassen Nachts in einem grossen Zelt und diskutierten emsig. Worüber genau? keine Ahnung, dass Problem war dass verschiedene Fragestellungen unsystematisch nebeneinander herdiskutiert wurden, und danach weiter so im Raum hingen. Der Ablauf in Kürze: Ein Vetreter des revo-Bündnisses brachte deren Sicht auf die Dinge ein, zusammen mit der Forderung dass sich das Camp dagegen verhält. Ein Redebeitrag in die Richtung, dass es wichtig wäre einen verbindlichen Umgang mit strittigen Inhalten zu haben – „politisch klären, bevor es physisch geklärt wird“ wurde von der Moderation mit der Ansage unterbrochen, dass „wir hier nicht über Formsachen reden.“ Weiter gings mit locker 2 Stunden Ausstausch über verschiedene Befindlichkeiten in Punkto Israel/Palästina/Libanon, und ein bisschen über die Linke. Ich teile mal ganz willkürlich die anwesenden 3-400 Leute in 3 Schubladen auf: Antideutsche Gefühlslinke, die lang und breit über die Geschichte des Nahostkonflikts referieren können, und darüber psalmodieren warum nicht näher bestimmte Äusserungen für sie provokant sind – ohne eine Silbe darüber zu verlieren, was denn an dem konkreten Transpisspruch so verwerflich war. Vertreter_innen dieser Fraktion, da gabs ein paar Leitähne und -hennen, machten deutlich dass sie sich das abhängen von Transpis nicht ausreden lassen. Dann gabs ziemlich viele, die waren total neutral was den Nahostkonflikt angeht, und fanden eh dass sich niemand irgendwas von dem pdg sagen zu lassen hat. Die kleinste erkennbare Schublade bildeten die Leute vom revo-Bündnis, die immer wieder darauf pochten dass eine verbindliche Entscheidung gefällt wird. Nach 2-3 Stunden pdg waren endlich alle ziemlich müde, den meisten wird wohl gedämmert haben dass jetzt irgendeine Entscheidung hermuss, sonst war das ganze pdg für nüscht. In dieser Stimmung ging der Vorschlag (sinngemäß) „einigen wir uns darauf, Transpis hängen zu lassen, wenn wo krasser Scheiss draufsteht wird beim Deli-plenum drüber entschieden“ ohne Veto oder Gegenrede durch.
Es mussten sich also alle stundenlang gegenseitig ermüden, bis eine Entscheidung über die Formsache möglich war – wäre die Reihenfolge „Schlagabtausch der Befindlichkeiten“ (2-3 h) – „Entscheidung über den formalen Ablauf“ (5-10 min) umgedreht worden, was wäre alles möglich gewesen an diesem Abend: Ergebnisorientiert diskutieren! An konkreten Punkten – dieses Transpi, IDF – shirts – darüber reden was auf so einem Camp noch akzeptabel ist, und was nicht! Früher saufen gehen! Aber so nicht.

4 : ? gegen den VS in München, in den letzten 12 Monaten

In den letzten 12 Monaten gab es 3 erfolglose Anquatschversuche in München, ausserdem wollten der VS gegenüber dem Marat in einem Laden eine Kamera installieren, um dieses jeden Sonntag abfilmen zu können. Das Marat ist ein selbstverwalteter Raum in München, in der Thalkirchenerstr. 104 und der Schwerpunkt der lokalen linksradikalen Szene. Der Ladenbesitzer wollte seinen Laden aber zu diesem Zweck nicht vermieten, stattdessen informierte er die Betreiber_innen des Marat. Damit ist nichts darüber gesagt, ob nicht in einem anderem Laden, oder einer Wohnung doch eine Kamera installiert wurde.
Die 3 Anwerbeversuche – 2 mal Antifafaschist_innen, einmal WASGeht – sind für „Herrn Blenk“ in die Hose gegangen. Grund dafür ist ganz einfach, dass die so angesprochenen keine Lust hatten zu spitzeln, und den VSler abblitzen liessen – so wie sich das gehört. Interessant an den Anquatschversuchen ist noch, dass versucht wurde zwei 20-jährige und einen 18-jähriger an zu werben, also eher kids. Und das neben dem traditionellen Autonomen Politikfeld Antifa auch die WASG für die Schergen interessant ist. Die Münchner Szene ist eher überschaubar, 3 bekanntgewordene Anquatschversuche in einem so kurzem Zeitraum muten mir viel an.
In den letzten Wochen fanden Sonntags im Marat öffentlich angkündigte Veranstaltungen und Treffen im Zusammenhang mit der anti-G8 Mobilisierung statt, vermutlich waren diese das Ziel der Observation. Darüber, warum der Ladenbesitzer auf den Zusatzverdienst vom VS verzichtete, und lieber die Betreiber_innen des Marat warnte kann ich nur spekulieren. Und genau das will ich hier tun: Gerade im Zusammenhang mit der Siko, aber auch was den Umgang mit Naziaufmärschen und Gegenaktionen angeht, hatte die Münchner Polizei im letzten halben Jahr immer wieder schlechte Presse, auch weil die SZ ihre linksliberales Profil wiederentdeckt hat. Die Vorstellung, dass wer Ärger mit den Bullen hat sich diesen auch verdient hat, wird dadurch bei manchen Bürgerin_nen ins Wanken geraten sein. Die Berichterstattung über die Razzien gegen anti-G8 Strukturen in nördlichen Gefilden war auch nicht schlecht, das transportierte Bild war: Da wird mit einem ganz grossen Vorschlaghammer auf eine legitime Bewegung ein geschlagen. Und das wollte der Ladenbesitzer wohl nicht unterstützen. Manchmal echt praktisch, diese linksliberale Öffentlichkeit.

Was wirklich wichtig ist (ii)

Für mein erstes posting hab ich mal via google geguckt, wie der Begriff „Bleiberecht“ auf blogsport blogs vorkommt, und wie oft „Israel“. Damals stand es 100 : 1 für „Israel“. Und heute?
Den Platz 1 hält „Israel“, und zwar deutlich mit 349 hits. Auf Platz 2 eingestiegen ist „g8″, mit 268 hits. „Bleiberecht“ bleibt, in dieser Aufstellung, das Stiefkind – 12 hits, davon 4 bei mir.
Interessant wäre es vielleicht, durch geeignete Wahl der Suchbegriffe ein zu engen, aus welchem Spektrum ein posting kommt – z.B. Witz, Gegenstandswechsel, Zweck für GSP. Wie sagst du google, dass du nur die antideutschen postings willst? Wie hältst du, durch Wahl der Begriffe, positive und negative Kommentare zur Heiligendamm-mobilisierung auseinander? Mal rumspielen!