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Dienst nach Vorschrift

Bullenzeug_innen im Oury Jalloh Prozess:

Ihre Sorge dreht sich in den Aussagen darum, Dienst nach Vorschrift geleistet zu haben, soweit er unter gegebenen Bedingungen möglich war. Was mit Oury Jalloh passiert ist, davor, in der Zelle und während des Feuers, kommt in ihren Erinnerungen und persönlichen und kollektiven Verarbeitungen nicht vor. Analog zur Befragung seitens des Gerichts, das sich ausschließlich um Kenntnis und Einhaltung der Verordnungen und die “Schlamperei” kümmert [.]

Zum Kotzen – ein Mensch wird von Bullen ermordet, und das einzige was das die Kolleg_innen und das Gericht interessiert, ist ob „Dienst nach Vorschrift“ geleistet wurde. Das dieser Prozess überhaupt stattfindet ist einer grossen, politischen Anstrengung zu verdanken. Aber es sieht nicht so aus, als würde er viel bringen – zu sehr steuert das Verfahren weg von der Frage, wie Oury Jalloh eigentlich seine Feuerfeste Matraze in Brand gesetzt haben soll, oder woher die Knochenbrüche in seinem Gesicht gekommen sind.
Das Desinteresse des Gerichts trifft auf Zeug_innen, die ihre Kollegen schützen und das Innenleben ihrere rassistischen Mörderbande verschleiern:

Nach den bisherigen Tagen lässt sich sagen: Die Zeit wird von den Zeugen genutzt, um die Aussagen zu kennen, die zur Entlastung der Angeklagten beitragen könnten. Zunehmend kehren in den Befragungen nur noch einige bestimmte Details wieder, umgeben von Vergessen, Nicht-Erinnern oder dem, was schon in den Protokollen gelesen wurde. Wenn die Zeugen auf Widersprüche zu vorherigen Aussagen angesprochen werden, dann “wird es schon so gewesen sein”, wie dort gesagt, und auf jeden Fall im Sinne der Vorschriften.

„Dienst nach Vorschrift“ klingt nach Bummelstreik, und ähnlich verhält sich die Dessauer Polizei wohl auch angesichts rassistischer und rechter Übergriffe. Eifriger sind sie, wenn es darum geht die zu schikanieren, die sich für Aufklärung einsetzen. Und wenn es darum geht, Menschen wegen „Verunglimpfung“ dieses Staates zu belangen, die bei der Aussage bleiben: „Oury Jalloh das war Mord!“