Tag-Archiv für 'bundeswehr'

Feste Feiern wie sie fallen revisited

Vor einiger Zeit hatte ich die Feierlaune, die bei Linken aufkommt wenn deutsche Ssoldat_innen fallen kritisiert. Vor kurzem gab es in Berlin Razzien, eben wegen des Aufrufs, an Tagen an denen Bundeswehrler_innen in Afghanistan sterben am Ehrenmal in Berlin Sekt zu trinken.
feste feiern wie sie fallen
In diesem Zusammenhang wurde wer von der DFG-VK interviewt, und reagiert dabei auch auf die linke Kritik an ihrer Kampagne:

Der Aufruf stieß ja auch in der linken Szene auf geteilte Reaktionen. Was waren denn Ihre Beweggründe?
Die Bundeswehr führt einen ehrlosen Krieg. Sie ist als Besatzungsarmee in Afghanistan einmarschiert und trifft zwangsläufig auf bewaffneten Widerstand. Ihre Aufstandsbekämpfung wird immer brutaler, das haben wir ja beim Massaker vom Kundus-Fluß im letzten Jahr gesehen, wo bis zu 140 Menschen unterschiedslos umgebracht wurden – »vernichtet«, wie Oberst Georg Klein das genannt hat; das Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde ja am gestrigen Montag eingestellt.

Lebensrecht und Sicherheitsgefühl der Afghanen, um die Wortwahl der Staatsanwaltschaft aufzugreifen, werden von der Bundeswehr Tag für Tag verneint. Aber stirbt ein deutscher Soldat, kriegt er seinen Heldenplatz im Ehrenmal. Das ist doch pervers! Wer ohne Not in ein anderes Land einmarschiert, dem sprechen wir jegliche Berechtigung ab, sein Handeln für ruhmreich zu halten.

Die Bundeswehrführung versucht, Soldaten mit öffentlichen Gelöbnissen, der Verleihung von Tapferkeitsmedaillen im Eisernen-Kreuz-Stil und eben mit dem Ehrenmal zu heroisieren. Wenn Politiker fast aller Parteien ständig betonen, daß die Soldaten den Rückhalt der Gesellschaft benötigen, um motiviert und erfolgreich ins Gefecht zu ziehen, sagen wir: Nein, den verdienen sie nicht, sie verdienen nicht Ruhm und Ehre, sondern Verachtung.

Das wird Soldaten aber nicht bekehren.

Nein, aktive Soldaten kaum. Aber eine solche Verächtlichmachung kann vielleicht Jugendliche, davon abhalten, zur Bundeswehr zu gehen. Und schließlich wollen wir Friedensbewegte ansprechen. Denn der Krieg dauert jetzt fast neun Jahre, unsere Aktionsformen aber stagnieren viel zu sehr auf dem Niveau der alten »Friedenszeiten« in den 1980ern. Wir brauchen neue Ideen, neue Kampagnen, und wir alle müssen uns fragen, wie wir die Heimatfront schwächen können.

p.s. Bamm.de, wo wohl der Aufruf auch veröffenticht wurde, ist derzeit nicht online – wohl wegen der Razzien. Als blogbetreiber merk ich mir: Evtl. umstrittene Motive nicht von verwundbaren Sites einbetten. Also entweder auf den eigenen blog hochladen – das schlimmste was passieren kann, ist ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt und die dauerhafte Abschaltung dieses blogs. Alternativ (hab ich aus Faulheit gemacht) kann mensch auch das Bildmotiv von einer Repressionsgeschützten Seite, hier welt.de indymedia, einbinden. Die letzte Alternative wäre es, auf das evtl. strafrechtlich relevante Bild zu verzichten, also Selbstzensur um der Zensur zu entgehen. Und das wäre völliger Blödsinn.

Feste feiern wie sie fallen?

Wenn, wie kürzlich mal wieder, deutsche Soldat_innen sterben, knallen bei mir keine Sektkorken. Irgendjemandes Tod ist an sich für mich nie ein Grund zu feiern. Es ist aber in guter Anlass, daran zu erinnern, dass die Bundeswehr nirgendwo etwas verloren hat, dass der Krieg in Afghanistan Scheisse ist und beendet werden muss, und das Soldat_innen Mörder_innen sind, bei denen Mitleid erstmal fehl am Platze ist. Das jetzt z.B. Medium, Rhizom und regentied passende Lieder sammeln ist für mich kein Party-programm, sondern Selbstschutz: Gegenüber dem Trauer-Tammtamm braucht es eine gute Portion Zynismus. Das dieses ganze öffentliche Gedenken gar so penetrant ausfällt, hat auch den Grund, dass über diesen Umweg – unterstützt unsere Jungs in Afghanistan! Sie bringen solche Opfer! – öffentliche Unterstützung für Deutschlands Krieg eingeworben werden soll. Die Frage nach der Unterstützung „unserer“ Soldat_innen beantworte ich so:
We support our troops when they shoot their officers

Siko München: Kuscheln mit McCain

German foreign policy benennt einen wesentlichen Streitpunkt, der auf der nächsten Siko verhandelt werden wird – der Streit darum, wer die Hauptlast der Besatzung Afghanistans tragen soll:

Während Berlin sich weiterhin weigert, deutsche Einheiten in Südafghanistan unter US-Kommando kämpfen zu lassen, steht die Entsendung einer Schnellen Eingreiftruppe in die deutsche Besatzungszone im Norden des Landes bevor. Die Bundesregierung hat die Voraussetzungen für eine verschärfte Kriegführung längst geschaffen: Der aktuelle Verteidigungsetat übersteigt den Vorjahreshaushalt um über eine Milliarde Euro. Die neuen Mittel kommen auch neuen Waffensystemen für künftige Kampfeinsätze zugute.
[…]
Im Süden stünden die deutschen Soldaten unter unmittelbarem US-Kommando, während sie im Norden die deutsche Besatzungsmacht stärken. Die dortige Aufstellung einer deutschen „Quick Reaction Force“ ist inzwischen praktisch unter Dach und Fach. Die Bundeswehr sei kein „Technisches Hilfswerk im Fleckentarnanzug“ [5], lässt sich ein hochrangiger Bundeswehr-General in der deutschen Presse zitieren. Eine nötige Voraussetzung für künftige Kampfeinsätze, zunächst im Norden Afghanistans, hat der Deutsche Bundestag im vergangenen November mit der Verabschiedung des Verteidigungshaushalts 2008 geschaffen. Die Truppe erhält in diesem Jahr rund 29,5 Milliarden Euro – über eine Milliarde mehr als noch 2007. Die Mittel kommen insbesondere der „Stärkung der Einsatzfähigkeit der Bundeswehr“ zugute.

Die BRD hat damit ein anderes Interesse in Afghanistan als die USA. Ausgehandelt wird dieser Streit wohl nicht unwesentlich am nächsten Wochenende:

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz am kommenden Wochenende werden deutsche Regierungspolitiker womöglich weniger mit US-Verteidigungsminister Robert Gates verhandeln als vielmehr mit dem aussichtsreichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain, dessen Teilnahme jetzt offiziell bestätigt wurde. Nicht nur die personellen Umbrüche in Washington bieten eine günstige Gelegenheit, die deutsche Stellung gegenüber der künftigen US-Regierung zu stärken.

Zwei Sachen zur Bundeswehr in Afghanistan

In einem german foreign policy Artikel werden 2 Sachen erwähnt, die mensch eigentlich nicht so mitkriegt, die dann aber gar nicht so überaschend sind. Erstens, die Bundeswehr hatte in den letzten Wochen grosse Kampfeinsäte ausserhalb ihres Mandatsgebietes. Dabei wurden massiv afghanische Hilfstruppen eingesetzt, in vorderster Reihe. Zweitens, Bundeswehr und das auswärtige Amt lassen sich ihre Einrichtungen zum Teil von Söldnern schützen, und pumpen damit Geld in die afghanische Kriegsökonomie. Laut der in dem Artikel zitierten Studie stabilisert das Södnerunwesen die Macht lokaler Warlords:“While [private scurity companies] PSC may provide security for their clients, they are considered not to enhance the security of the genreal population. […] Several reasons were named for this, including the legitimization and empowerment of local power-holders and militias when PSCs hire them or otherwide collaborate with them„(Aus der summary, komplette Studie)
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Noch mehr Traditionspflege

zum angreifen habe ich grade im Aufruf der müncher FAU gegen die Siko entdeckt:

Ausrüstung ist das eine, doch nicht alles. Soldaten kämpfen nicht nur, sondern sterben und sie müssen wissen warum sie sterben und sterben werden.

Vor über 50 Jahren wurde die Bundeswehr gegründet, die BRD wurde Frontstaat gegen die osteuropäischen Länder und die Sowjetunion. Aufgebaut wurde die Bundeswehr von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren und sie bekennt sich durch ihre Traditionspflege auch dazu.

Dieses Jahr ruft der Kameradenkreis der Gebirgsjäger, in dessen Reihen sich viele ehemalige Wehrmachtssoldaten und Kriegsverbrecher befinden, zum 50. Treffen der Gebirgsjäger in Mittenwald auf. Die Treffen der Gebirgsjäger sind nur die Spitze des Eisberges.

So sind auf der Homepage des Bundes Deutscher Fallschirmjäger die Bezüge zur Nazi-Wehrmacht in Wort und Bild mehr als offensichtlich.

Beobachtung verdient auch der Kameradenkreis der 1. LLDiv/KLK/DSO, der ausdrücklich die “Angehörigen der alten Fallschrimtruppe” miteinschließt. Zur Division Spezielle Operationen (DSO) gehört auch das Kommando Spezialkräfte (KSK), das in Afghanistan nicht umsonst in Verruf geraten ist. Die alten Kriegsverbrecher treffen sich hier mit den neuen Kriegsverbrechern aus den Afghanistan-Einsätzen. Man kommt nicht umhin, solche Treffen als Selbsthilfe-Verbände von Kriegsverbrechern ansehen zu können. Im Zuge des

Jahrestreffen dieses Verbandes bei der DSO in Regensburg am 30.6.2007 und 1.07.2007 bewegen sich dann Wehrmachts-Kriegsverbrecher in einer Bundeswehrkaserne und die Bundeswehr wertet dieses Treffen dann auch noch durch einen Tag der offenen Tür in der Regensburger Nibelungen-Kaserne auf.