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Drang nach formaler Trennung?

Die ARAB kritisiert UmsGanze, Hyman Roth die Anarchist_innen von Fernweh, für UmsGanze reagiert die Bremer Basisgruppe Antifaschiusmus – einer der wenigen Post-Antifagruppen die offen zu ihrem Leninismus steht – und die Anarcho@s auch und ein Teil davon wird von rhizom und anthraxit aufgegriffen. Ich dokumentiere ein Gespräch, das nie stattgefunden hat:

Arab:
Um es vorneweg zu sagen: Selbstverständlich sehen wir das Herumtragen von Fotos historischer Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung nicht als besonders sinnvolle Angelegenheit. Die eigene Ohnmacht für einen Moment vergessen zu können, indem man den Holzprügel umklammert, auf dem das Bild Maos klebt, scheint uns auch keine sonderlich zielführende Strategie gegen ebendieselbe Ohnmacht zu sein.

Fernweh:
Genauso würde ich, wenn ich die Wahl hätte, nie meine Zeit damit verschwenden arbeiten zu gehen, also meine Lebenszeit in ein paar Münzen einzutauschen. Acht Stunden am Tag immer wieder das selbe zu machen, hinter einer Supermarkt-Kasse zu sitzen, irgendwelche „Kunden“ zu bedienen, oder am Computerbildschirm zu hängen.

UmsGanze
Gerade die antiautoritäre radikale Linke hat kaum Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Fragen und Möglichkeiten eines revolutionären Umsturzes …

Fernweh:
… wir sind weder links noch politisch, wir sind Anarchist_Innen und deswegen anti-politisch …

Hyman Roth:
Politik kann es Freunden der revolutionären Unmittelbarkeit nie Recht machen, weil sie immer einer Vermittlung bedarf. Wenn man das ganze gesellschaftliche System umkrempeln will – und das eben nicht als Putschaktion von einigen ganz doll Entschlossenen und Unangepassten, sondern zusammen mit der Mehrheit, muss diese Mehrheit ja irgendwie überzeugt werden.

UmsGanze:
Wenn wir uns also auf die Klasse der Lohnabhängigen beziehen, dann weil diese (uns eingeschlossen!) wohl die meisten Gründe haben diese Verhältnisse abzuschaffen – und außerdem den übergroßen Teil der Bevölkerung dieses Planeten stellen. Aus praktischen Gründen – durch Fähigkeit zum Streiken und der damit einhergehenden materiellen Macht werden diese die alte Macht absetzen können – eine notwendige Voraussetzung für eine Überwindung der Verhältnisse.

Rhizom
Hier wird ein ziemlich merkwürdiges Verhältnis der Instrumentalisierung deutlich: Die Kommunisten haben den Willen, die Verhältnisse abzuschaffen – obgleich man nicht genau weiß, woher. Und deshalb versuchen sie die Streikmacht derjenigen auszunutzen, deren praktisches Interesse gegen diese Zustände steht. Das ist eine Perspektive, die sich dann doch in einen ziemlich starken Kontrast zu der des arbeiterbewegten Marx befindet, welcher das Für-sich-Werden der lohnabhängigen Klasse als ein politisches Projekt betrachtete, bei dem die Subalternen sich mit eigenen Mitteln aus Verhältnissen befreien, die ihnen ziemlich schlecht bekommen.

Fernweh:
Ich finde für ein Leben, in dem jeder Tag, jede Minute, ja jede Sekunde selbstbestimmt ist und nach Freiheit schmeckt, lohnt es sich zu kämpfen. Kämpfen heißt für mich Leute zu finden die diese Welt genauso scheiße finden wie ich, darüber zu reden und zusammen die Dinge, Verhaltensweisen und Personen, die verhindern, dass sich mein Leben so anfühlt wie ich es will, anzugreifen und aus meinem Leben zu vertreiben.

Anthraxit:
Ich finde, dass du, Rhizom, in deiner Kritik an der Instrumentalisiserung eine falsche Gegenüberstellung machst.
Dass der Kommunismus nur zu Stande kommt, wenn die Klasse um die richtige Kritik an diesen Verhältnissen weiss, und deswegen aus diesem Wissen heraus den Willen hat den Kommunismus zu errichten, meine ich, simmt.
Diesem Satz zuzustimmen und sich instrumentell zu dem Leuten zu stellen, als Agitationsobjekt, als notwendige Bedingung für den Kommunismus, etc. ist doch gar kein Widerspruch.
Die Leute können gleichzeitig Subjekt der Revolution und Objekt deines Interesses sein.

Fernweh:
Für Linke ist der soziale Kampf gegen Ausbeutung „politisch“ und erfordert für sie deswegen eine politische Methode des Kampfes (Demos, möglichst viele Anhänger_innen gewinnen, auf Politik einwirken…). Für uns jedoch ist er kein Programm sondern ein Kampf für die individuelle Wiederaneignung unseres Lebens. Somit ist unser sozialer Kampf von sich aus anti-politisch und zwar weil wir finden dass die Ziele schon in den Mitteln des Kampfes existieren sollten und unser Ziel eine Welt ohne Herrschaft, also auch ohne Politik, ist – Politik heißt das Treffen der Entscheidungen über unser Leben von der Ausführung dieser Entscheidungen zu trennen.

Passant:
Wie auch immer. Es ist ersichtlich, dass beide Positionen nicht auf die konkreten organisatorischen Vorschläge der Bremer UG-Gruppe eingehen (s.o.). Warum nicht? – Könnte es nicht daran liegen, dass die theoretischen Auffassungen der Basisgruppe ihrer organisatorischen Tätigkeit gar nicht vorausgesetzt sind und es daher auch keinen Übergang zwischen beiden gibt? dass der Anspruch die „neue Marxlektüre“ in die Praxis umzusetzen einfach eine Aufschneiderei ist und eine Leimrute für ihre beiden „Zielgruppen“?

Fernweh:
Das Geheimnis ist anzufangen. Alle Revolutionen waren, und werden es auch immer bleiben, am Anfang die Sache einer Minderheit. Was ebenso allen Revolutionen vorausging, und so wird es wahrscheinlich auch immer sein, sind kleinere Aufstände, spontane Explosionen der Wut.

Anthraxit:
Na­tür­lich soll­ten sich die Kom­mu­nis­ten als po­ten­ti­el­les Subjekt so­zia­ler Be­freieun be­grei­fen und ver­su­chen dafür möglichst viele Ge­nos­sen zu ge­win­nen. Das än­dert aber nichts an der Tat­sa­che, dass die meis­ten eben keine Ge­nos­sen sind.
Diese Tat­sa­che, die meis­ten Pro­le­ten sind Na­tio­na­lis­ten, Se­xis­ten, Ras­sis­ten, ist keine Ein­stel­lungs­sa­che der Kom­mu­nis­ten.
Das ist so und damit muss man um­ge­hen. Gegen die­ses fal­sche Be­wusst­sein zu agi­tie­ren wie der Ge­gen­stand­punkt ist ein Um­gang damit.

Fernweh:
Man kann „herrschende Politik“ (ebenso wie linke oder linksradikale Politik) in der Tat für vieles kritisieren und dass sie todlangweilig ist gehört für uns sicherlich dazu.

ARAB:
Kritik muss, das hat Marx von Hegel gelernt, dem Kritisierten das Scheitern am eigenen Maßstab aufzeigen.

Hyman Roth:
„Langeweile“ ist ein seltsames Kriterium. Man kann durch Analyse der Verhältnisse zum Schluss gelangen, dass einige, sehr grundsätzliche Dinge sich nicht auf parlamentarischem Wege ändern lassen, aber es ist was ganz anderes, wenn man für Revolution ist, einfach weil man brennende Barrikaden lustiger findet als ewiges Verhandeln bei irgendwelchen Gremientagungen. Es gibt Radikalität, die nach dem Prinzip „so radikal wie die Wirklichkeit“ entsteht. Dies impliziert die analytische Auseinandersetzung mit eben dieser Wirklichkeit, also auch mit „langweiligen“ Strukturen. Und es gibt die revolutionäre Romantik. Beides sollte nicht durcheinander geworfen werden.

UmsGanze:
Denn: wer eine militärisch geführte Untergrundorganisation aufbaut um einen Putsch vorzubereiten (Bolschewiki) wird auch hinterher eine solche „Revolution“ bekommen in der die Emanzipation der Einzelnen schnell auf den Sanktnimmerleinstag verschoben wird und jegliche Kritik daran als „Kinderkrankheit des Kommunismus“ (Lenin) diffamiert und bekämpft wird.

Fernweh:
Ich will zusammen mit allen Feind_innen jeglicher Autorität eine neue Welt aufbauen. Eine Welt mit echten Abenteuern, in der wir jederzeit unser Leben selber in der Hand haben.

ARAB:
Wer den gesamten „Traditionsmarxismus“ ablehnt, kann auch an den zwei „Traditonsmarxisten“ Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht nichts finden. Wie sollte man deren beider unbestrittene Hoffnung auf die Arbeiterklasse als revolutionärem Subjekt auch verstehen, wenn man unter Proletariat nichts anderes versteht als den Adidashosen tragenden Volksmob, von dem man sich so weit wie möglich fernhalten sollte.

UmsGanze
Der Umkehrschluss aus der angeblichen, proletarischen Weltanschauung, war der grundsätzlich unkritische und positive Bezugspunkt auf alle Unterdrückten. Dazu ist zu sagen: die marxsche Analyse war formanalytisch. Es ging um die Frage, warum sich diese Gesellschaftsformation in diesen sozialen Formen reproduziert. Wie konnte (und kommt) es zu, der im Kapitalismus existierenden Verselbständigung („Hinter dem Rücken – aber durch die Menschen durch“) der gesellschaftlichen Herrschaft. Marx untersuchte dies zwar durchaus mit politischer Intention – trotz allem ging es vor allem um die Analyse dieser ‘verborgenen’ Mechanismen.

Anthraxit:
Ei­gent­lich ist es falsch euch eine man­geln­de He­gel­lek­tü­re vor­zuwer­fen. Das Pro­blem ist keine man­geln­de He­gel­lek­tü­re. Das Problem ist euer in­fan­til aka­de­mi­sches Dis­tink­ti­ons­be­dürf­nis. Form­ana­ly­tisch, sowas Dum­mes. Form­ana­ly­se ist die­sem Zitat nach die Frage nach dem Grund.

Rhizom:
Die behaupten, dass es Marx überhaupt nicht so sehr um den Inhalt der kapitalistischen Gesellschafts­ordnung gegangen wäre – die Ausbeutung fremder Arbeitskraft und das dafür notwendige Maß an Unterdrückung. Nein, zu tun wäre es ihm vor allem um die spezifische Form gewesen: die Warenproduktion und die hieraus resultierende Verselbständigung gesellschaftlicher Herrschaft.

ARAB:
Das Grundproblem ist also wesentlich ernster als die scheinradikalen Abgrenzungsfloskeln der „emanzipatorischen“ Kritik vermuten lassen. Es besteht darin, dass es bislang nicht gelungen ist, ein Verhältnis zur eigenen Tradition zu finden, das im Marxschen Sinne historisch-materialistich genannt werden könnte. Ein solches Herangehen „mit kritischer Kälte“ (Ernst Bloch) schließt die moralische Verurteilung von geschehenen Verbrechen nicht aus.

Fernweh:
… aber es geht uns nicht darum alles immer nur kritisieren zu wollen oder kritisch auf irgendwas einwirken zu wollen, genauso wenig wie es uns darum geht die Welt und ihre Abscheulichkeiten bis ins letzte Detail zu verstehen (siehe Marxismus), sondern darum sie anzugreifen.

Rhizom:
Und hier sind wir gleich beim nächsten Punkt, denn natürlich ist es kein Zufall, warum Adorno diesen Inhalt konsequent übersieht, warum er Begriffe prägt, die von ihm abstrahieren; ja warum sich bürgerliche Wissenschaft überhaupt an der Frage, was diese ökonomischen Formen ihrem Inhalt nach sind, so herzlich desinteressiert.
Für etwas weniger Seichtes als VWL und Politikwissenschaft bräuchte es halt eine Perspektive, die Ausbeutung und Unterdrückung (“Ökonomie” und “Politik”) vom Gesichtspunkt derjenigen aus untersucht, die als ihre Objekte ein Interesse an ihrer Überwindung haben.

UmsGanze:
Nicht, weil wir diese Auseinandersetzung für eine linke Spezialdebatte halten, sondern weil an ihr exemplarisch aufgezeigt werden kann, mit welchen Argumenten konkurrierende Strömungen um die Deutungshoheit ringen und beanspruchen zu definieren, was denn revolutionär Links sei, halten wir es für notwendig auf die ARAB zu antworten.

Anthraxit:
Die­ser Text, der eine Ant­wort auf die ARAB-​Kri­tik an Rosa&Karl, ist das sui­zi­da­le Schei­tern einer „ka­te­go­ria­len Kri­tik“, die ka­te­go­risch pa­ra­phra­siert, wo sie un­ein­ge­stan­de­ner Weise nicht über den Ge­gen­stand der Kri­tik hin­aus­kommt.

ARAB:
Wessen Anliegen aber in identitärer Selbstbestätigung liegt, wie kann der sich darüber beschweren, dass die „Anderen“ das nicht als Diskussionsangebot auffassen?

Fernweh:
In diesem Sinne, anarchistische Grüße und wir sehen uns auf den Barrikaden (auf welcher Seite der Barrikade wir dann sind dürftest du jetzt ja wissen, du musst deine Entscheidung wohl noch treffen…)

karneval

Ich weiss nicht warum, aber ich finds irgendwie gut.

6 Jahre!

Vor 6 Jahren schrub ich meinen ersten Beitrag in diesem blog. Ein Anlass für Eigenlob:

Meine größte Reichweite – im Sinne von Verlinkungen über den Kreis der üblichen linksradikalen blogs hinaus, Google platzierungen und Zugriffszahlen – hatten wohl die postings zu Serkan & Spyridon: eins, zwei, drei und vier.

Unglaublich gelungen war, so finde ich mit nicht geringer noch ungerechtfertigter Arroganz, auch die Städtewette gegen Berlin angesichts der ersten grösseren Mobilisierung gegen einen 1000-Kreuze Marsch in münchen: eins, zwei, drei, vier, fünf.
Im moment vorbei schuldet mir eigentlich immer noch einmal Aufkleber drucken und verteilen, aber ich bin immernoch zu faul welche zu designen.

Zu ihrer Zeit haben die Artikel einer zu Nazi-“Aussteigerin“ wahrscheinlich ein paar Leuten geholfen eine brauchbare Position zu finden: eins, zwei.

Einmal hab ich mich auch daran versucht diverse Texte zu Internationalismus in einem Cut-up zu verhackstücken. Ich finds immer noch gut.

Bloggosphären technisch hat sich in der Zeit einiges verändert. Es gibt weniger individuell oder zumindest Gruppenunabhängig betriebene linksradikale Politblogs. Ich finde das schlecht. In einem blog kann ich schnell, subjektiv oder Detailversessen oder experimentell sein in einer Art und Weise die kein Gruppenprozess zulässt (ausser der bei Luzi-M: eins zwo). Das kannst du auf deiner facebook-pinnwand auch – nur das findet das dann kein Schwein. Schade drum.

Angefangen habe ich diesen blog auch mit dem Anspruch, Antira-Geschichten in der weiteren radikalen/autonomen Linken mehr zu pushen. Hat’s geklappt? Keine Ahnung. Das kann ich jetzt garnicht mehr, weil ich selber garnicht mehr so tief in diesen Geschichten drinstecke. Der Anspruch wäre aber immer noch wichtig: Neben der Brisanz, die der Kampf gegen das europäische Grenzregime und die Ausgrenzung hier immer hatte und hat, kommt dazu das uns als Berufschaot_innen in der BRD im Zuge der Euro-Krise mehr und mehr auf die Füsse fällt wie schelcht wir eigentlich darin sind einen sozialen Widerstand mit Bodenhaftung zu entwickeln. Unter etwas anderen Vorzeichen haben Gruppen wie die Karawane hier schon viel Erfahrungen gemacht, von denen mensch eigentlich profitieren könnte. Dazu vielleicht später mehr.

Apropos „später mehr“: Die Geschichte dieses blogs ist auch eine nicht umgesetzter Ankündigungen – z.B. hier, die Reihe „gute Antiimps dissen schlechte Antiimps“, hat das Ankündigungsstadium nie verlassen, und mein guter Vorsatz von vorletzten Jahr – „wenig bis garnichts was sich auf die bloggosphäre bezeiht, wenig innerlinkes gebashe“ ist das genaue Gegenteil von dem was ich zurzeit hier mache. Ab jetzt schreibe ich nur noch in Sonettform – versprochen.

Fame too!

medium und allophilia pfeifen es von Dächern – es soll eine Lesung aus Münchens polit-blogs geben, am Mi., 12.10 im Kafe Marat. Vielleicht kann das Label des ideellen Münchner Gesamtlinken (z.B. per Akklamation) jemand anders zuerkannt werden.

Vorher dazu meine steile These, warum es immer noch nur 5 linke blogs in München gibt (eigentlich nur 4, ich schreibe ja nur noch selbstreferentielles Zeugs wie zum Beispiel diesen Satz): In den letzten 4 Jahren haben sich ein paar mehr autonome Gruppen gegründet, damit gibt es weniger Diskussionsbedarf außerhalb von organisierten Zusammenhängen.
Die meisten haben den Anspruch, sich politisch als Gruppe zu äußern, was schnelle, dahingerotzte Kommentare ausschließt – also genau das, was das medium blog am besten kann.

p.s. anonympunk089 bis irgendwann in tausend jahren oder so und die anderen halten das vielleicht ähnlich

Planet Monaco – Lasst die Spiele beginnen!

Seit hat München einen eigenen Planet – will heissen: Ihr seht auf einen Blick, bzw. Click, was es so neues von Münchens „linken, antirassistischen, feministischen und so weiter blogs und Seiten“ gibt. Angeblich soll es dafür irgendwann eine schicke Domain geben, bis dahin merkt ihr euch Planet minus Monaco Punkt Jogspace punkt Net.

Die unter euch, die selber Sites mit München Fokus betreiben, können sich ein paar Sachen überlegen. Planet Monaco hat ein Archiv und zieht die Beiträge samt Tags. Das heisst, wenn sich alle Seitenbetreiber_innen auf einen halbwegs einheitlichen Tag-Gebrauch einigen würden (Als Vorgehensweise schlage ich chaotisches voneinander abschauen vor), könnten wir auf einen Klick alles finden, was in den letzten Jahren in München zum Thema Versammlungsrecht geschrieben wurde. Wär super, ist noch Zukunftsmusik. Zwotens, wie wärs denn den Planet überall einzubinden, so dass alles neue vom Planet gleich bei euch erscheint, etwa so wie hier auf der Startseite rechts unten? Praktisch, und führt zu einer besseren Sichtbarkeit der jeweiligen Seiten bei allen möglichen Suchmaschinen. Dieser blog verdankt sein gutes ranking auch der Tatsache, dass sehr viele blogport-blogs den Planet X-Berg auf der Startseite eingebunden haben, das heisst Suchmaschinen finden pro neuem Artikel von mir soviele neue Links, wie blogs den Planet eingebunden haben.

Ich kriege es nicht hin, den dazu nötigen Code hier anzuzeigen ohne das er z.T. interpretiert wird. Aber ihr könnt ihn euch aus der Source meiner Startseite kopieren.

Bislang sind ziemlich viele Gruppenseiten und eine handvoll blogs gefeatured, wer dabei sein will kann sich bei support[at]jogspace.net melden. Auf jeden Fall hat jetzt München einen Internet-Ort zu zoffen, diskutieren, sich informieren. Mal schaun ob das gut geht.

Zum Makss Damage-Lied „Tötet diese antideutschen Hurensöhne!“

Eigentlich müsste es keinen Grund geben, sich hier speziell an Makss Damage und seinem Lied „Antideutsche Hurensöhne“ abzuarbeiten. Das ist so offensichtlich mieser, menschenverachtender Gangster Rap, den nur verschrobene Stalinos ohne Musikgeschmack hören können. Es gibt hunderte ähnlich miese Tracks ohne Stalinismus, die mehr gehört werden, an denen sich Kritik mehr lohnen könnte. Das genau dieses Lied vor ein paar Monaten für einen Aufreger auf diversen linken blogs gut war, liegt denn auch nicht so sehr daran dass der Text, gemessen an sonstigem deutsche Gangster Rap, besonders eklig ist, sondern daran dass sich ein paar Blogger_innen irgendwie angesprochen gefühlt haben. Eine fundierte Kritik war bei diesen Diskussionen leider die Ausnahme – der Text ist so Scheisse, das disqualifiziert sich von selbst, war wohl die Annahme von vielen die dazu geschrieben haben. Ich dachte das auch, und habe mir ein posting dazu gespart.

In den letzten Wochen trug mir mein augedehntes Spionagenetz (dass wie alle Behörden ganz schön langsam ist) zu, dass auch hier, im nördlichsten Dorf Italiens, Leute die ich für politisch zurechnungsfähig gehalten habe den youtube Link weiterempfehlen. Vermutlich stehen die entsprechenden Kandidat_innen nicht hinter jeder einzelnen Vernichtungs- oder Vergewaltigungsandrohung in dem Lied, denken sich aber „Höh höh! Das geht gegen Antideutsche! Höh höh!“

Hier findet also, dank dem beliebten Feindbild Antideutsch, reaktionäre Kackscheisse Eingang in einen gewissen linken Diskurs. Offenbar muss ein paar Genoss_innen genauer erklärt werden, warum ein Text wie dieser gar nicht geht und so ungefähr alle linken Basics über Bord wirft.

Ich würde eher Adolf Hitler, Heinrich Himmler
und Ernst Röhm als euch links nennen!

„Die historischen Nazis waren schlimm, aber ihr seid noch schlimmer“ wäre die harmloseste Lesart. Faktisch sagt Makss Damage hier, dass ihm Nazis politisch näher sind als das Feindbild der Stunde. Dass Nazis als Mass für alles schlechte herhalten, zeigt dass sie an sich kein positiver Bezug sind. Immerhin.

Wer von Euch wird ausgegrenzt und fühlt sich scheiße? […]
Die meisten Antideutschen laufen rum, mit dunklen Brillen,
so als produzieren sie heimlich Kinderpornos in ’nem Hinterhof. […]
Kauf’n sich Hero am Cotti, so wie Endi von Egotronic. […]
antideutsche Hurensöhne!

Sozialdarwinismus pur. Wenn wer schwach ist, ausgegrenzt wird, irgenwie kriminell rüberkommt, Eltern in der Sexarbeit hat oder Drogen nimmt spricht das in den Augen von Makss Damage gegen die Person die hier ausgegrenzt wird, nicht gegen die Verhältnisse. Das ist die Schulhofvariante des CDU und FDP Credos, dass die Armen an ihrer Situation selber schuld sind und gefälligst für ihre schlechte Situation zu büssen haben.

ihr kommt vorbei und kassiert alle von uns Backpfeifen.
Kifferkids packt euer Pfefferspray weg, steckt Messer ein.
Ich warne euch, ab heute wird’s für euch besser sein.

Wie wir von einem konsequenten Dicknussmacker erwarten, besingt Makss damage seine eigene Stärke und Fähigkeit die Gegener_innen zu verkloppen – gemessen an anderen Battle Tracks sogar verhältnismässig moderat. Das hat nichs mit Zurückhaltung zu tun:

… wenn wir euch platttreten wie Kids ihre Kippen […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […] ich hau’ sie mit’nem Hammer tot. Trenn sie mit’ner Sichel durch. […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […]

Ihm geht es nämlich nicht um Kampf, sondern um Vernichtung. Die Gegner_innen dienen nicht als Negativfolie, um die eigene Stärke zu beschwören, sie werden zu Müll erklärt und plattgetreten.

Und ich hau’ sie mit’nem Hammer tot.
Trenn sie mit’ner Sichel durch.
Fick’ erst ihre Mädchen durch!
Ist das nicht verwegen?
Fick’ dann ihre Jungs durch… Warte!
Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?

Zur Vernichtungsphantasie gehört auch sexualisierte Gewalt. Makss Damage findet Vergewaltigung in Ordnung, zur Durchsetzung einer bestimmten Hierarchie. Umgekehrt heisst das, dass er die patriarchalen Hierarchien, die so durchgesetzt werden, auch gut findet. Die Vergewaltigungsdrohung gilt damit nicht „nur“ den Antideutschen, sondern allen Frauen und allen, die nicht als „richtige“ Männer wahrgenommen werden. Das Makss Damage auf klare Geschlechterhierarchien steht verdeutlicht auch die Zeile „Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?“: Die angeblich fehlende Geschlechterdifferenz wird zum Makel erklärt, die antideutschen „Jungs“ werden durch die ihnen angedichetete Mädchenhaftigkeit zusätzlich abgewertet.

Dieser Text verrät mehr über den Autor, als über die „Antideutschen Hurensöhne“. Wenn es nach Maks Damage geht, oder nach irgendwem der sich in dem Text wiederfindet, sieht die Welt so aus: Brutalität ist geil. An Nazis ist irgendwas links, Kriminelle, Ausgegrenzte und Schwache sind selber schuld, das Patriarchat ist voll ok und kann mit sexualisierter Gewalt aufrechterhalten werden. Wer in dieser Ordnung als Feind erscheint, wird nicht einfach bekämpft, sondern entmenschlicht und vernichtet. Dieser Track macht Makss Damage, und die die ihn hören, nicht zu Nazis. Ein brutalisierter Sozialdarwinist ist schon schlimm genug, und zum linkssein gehört etwas mehr als „kein Nazi sein“ – davon abgesehen, dass es mindestens einen handfesteren Nazitrack von Makss Damage gibt. Durch sein restliches Schaffen höre ich mich nicht durch, dazu fehlt mir der Masochismus.

Linke Basics heissen so, weil sie das Fundament einer fortschrittlichen Weltanschauung bilden. Scheinbar sind diese Basics bei manchen dann einfach weg, wenn ein geeignetes Feindbild auftaucht: Manchmal gegenüber Nazis, hier weil es gegen die Antideutschen geht. Das ist erstmal absurd: Einmal weil orthodoxe Kommies genau dann dem Zerrbild, dass Antideutsche (vor allem die Landtideutschen) von ihnen zeichnen entsprechen wenn sie sich über diese echauffieren, ausserdem kriegen die Anti-Ds in München eh nicht mehr gebacken als sich selbst zu karikieren – wozu also die Aufregung?
Nur, wenn ein fortschrittlicher Anspruch (und jeder Musikgeschmack) weg ist, sobald ein albernes Feindbild auftaucht, ist das Problem grösser als Szeneperistaltik. Dann war der Anspruch von vornherein nicht so richtig gefestigt. Wenn ihr Linke seid und dem Kack von Makss Damage was abgewinnen konntet, habt ihr eine Hausaufgabe: Die von mir angerissenen Kritikpunkte ergänzen und weiterentwickeln. Wenn ihr die Welt zum Besseren verändern wollt, anstatt euch an absurden Feindbildern hochzuziehen, ist es das Mindeste, bei sich selbst anzufangen. Wenn euch die Feindbilder wichtiger sind, verpisst euch aus der Linken und geht zum Fussball.

P.s. Ein paar der Beiträge in linken Blogs: Abstrahieren, Im Moment vorbei, Captain Cosmus, Torsun, Willhelm Vandalism, Tous et Rien, Scheckkartenpunk, Tee, Reflexion.
Viele Beiträge blieben bei „Guckt mal, ekliges Lied“ stehen – schade, da so nur die Leute erreicht werden die die Kritk eh teilen. Und natürlich schade, dass es wenig Material für mich zum copy-pasten gab. Die fundierteste Diskussion gabs bei Analyse, Kritik und Aktion, alles Kluge über Hip Hop in diesem Artikel habe ich von Kommentatorin Maggi übernommen.

trying to reach the less worse country

we came till skopia
and my mobile said :

T-mobile welcomes you to the Republic of Macedonia! For assistance please call 0038970122! Have a pleasant stay in our contry!

we were happy and they did welcome us very well as very special gueast. But the police kicked us out of the border, back to greece

i am an unlucky man.

Das ist eine der kleinen Geschichten, die Birds of Immigrants erzählt – ein Kollektivblog, geschrieben von jungen Flüchtlingen die versuchen sich nach Europa durchzuschlagen. Eine ähnliche Ausrichtung hat Schengendangle:

schengendangle is the Blog of people like me, who come to Europe with the hope to finaly escape and find a new home. We are refugees trying to reach the less worse country, the one where we have a chance to get asylum. To achieve that, we are forced to cross the external borders of Europe and the internal ones. We cannot travel on the normal way like a tourist. We don’t have passports. In this world we have to travel in the darkness, in small dinghies, hidden inside and under lorries and by whatever means you might think of or you might not imagine at all.

This Blog is the attempt to fight back against inequalities by telling our stories. The Schengen Treaty gives some people the possibility of free movement in Europe but for others it makes it more difficult if not impossible to travel. It takes our human rights as people only because we are not European citizens. Dangle we call it when we hide underneath a lorry, between the tires – we the unseen of Europe.

Zwei blogs, die ich euch allen ans Herz legen will, und die dringend mehr Bekanntheit verdient haben.

Wertsässer

Meiner Meinung nach sind Jürgen Elsässer und Justus Wertmüller ein und dieselbe Person, die garnicht existiert. Thekenatze (no herz) fragt, was der beste Nachname für Justus Wurstmullah ist, Entdinglichung will wissen was Elässer in 5 Jahren macht.

ladyfest fragt internet

Vom 23.-25. April wird das nächste Ladyfest in München stattfinden. Die Ladies stellen pro Monat eine Frage in ihrem blog, vielleicht wollen ein paar meiner Leser_innen mitdiskutieren.

„Hinter welchen Banner läufst du?“

Eine unbekannte Person zu einem Genossen, am Vorabend der Grossdemo gegen die Siko

„Hinter welchem Banner wirst du morgen laufen?“
„Im internationalistischen Block.“
(kurze Nachfrage und Erklärung dass das der Autonome Block ist, Hinweis auf den Aufruf)
„Seid ihr Kommunisten?“
(überlegt kurz) „Drei Viertel würden sagen ja, praktisch alle würden nachschieben dass sie keinen Bock auf irgendeinen Staat haben.“
„Aber Kommunismus und Staat geht doch eh nicht zusammen!“
„Schon schon, nur die meisten Leute die sich Kommies nennen sehen das anders.“
„Echt?“

Das ein politisch interessierter Mensch die autonome Mobilisierung gegen die Siko komplett verpennt – okay. Aber hinter welchem Mond oder auf welchen blogs holt sich mensch die Politbildung, um einerseits zu wissen das Kommunismus so an sich tatsächlich nicht mir Staat zu machen ist, und gleichzeitig nicht mitzukriegen wie Staatsfixiert viele Kommunist_innen sind?