Tag-Archiv für 'bildung'

Auf zur Autonomen Sonntagsschule!

Die Autonome Sonntagsschule versucht einen festen Rahmen zu bieten für Workshops und Kurse, auf dem Programm stehen:

Sozialgesetzbuch für Hartzende
Computer schlachten für Anfänger_innen
Erste Hilfe für alle
Jeder kann singen! Tontechnikworkshop mit Fokus auf den Kompressor
Geschichtswerkstatt zu kokaler Antifa

„Each one teach one“, „Bildet euch – bilded andere – bildet Banden“ – Dass sind schöne Losungen die leider viel zu selten mit Leben gefüllt werden. Aber warum nicht heute damit anfangen? Es ist nicht so, dass garkeine Wissensvermittlung in autonomen oder zeckigen Zusammenhängen stattfindet. Es gibt bike kitchens, es gibt Kongresse mit dicht getakteten Seminar Programmen und es gibt dann und wann workshops bei festivals oder den Gitarrenmittwoch. Mehr davon!

Aber all diese Möglichkeiten zum lernen und austauschen hängen an bestimmten Bedingungen: Eine Bike Kitchen braucht eine Fahrradsubkultur um zu laufen. Kongresse (Buko, Ladyfest …) widmen sich bestimmten Themen oder Blickwinkeln, häufig orientiert an laufenden Kampagnen. Für die Themen und skills die dabei hinten runterfallen will die autonome Sonntagsschule einen Rahmen bilden. Wenn regelmäßig Workshops stattfinden haben sie auch eine größere Sichtbarkeit. Es gibt einen Rahmen in dem mensch sich austauschen kann was eigentlich gute Methoden sind Wissen zu vermitteln und wie das gehen kann ohne zusätzliche Hierarchieberge aufzutürmen.

Wir glauben dass es viele Dinge gibt, für die wie wir nicht weit in die Ferne schauen müssen um Menschen zu finden. die uns etwas zeigen können. Sei es aus dem Lehrberuf, aus einem Hobby oder von sonstwo. Wir hatten auch oft diese Momente im Gespräch wo eine sagt „Dazu hätt ich gern mal ne Veranstaltung, das will ich genauer wissen“ – und dann wieder vergisst weil es nicht den Rahmen gab oder den Anlass oder weil das alleine organisieren auch öde ist. Wir glauben aber, wenn es die Autonome Sonntagsschule als regelmäßigen Termin gibt, dann verlaufen solche Überlegeungen nicht so oft im Sande.

Die Sonntagsschule organisiert sich dabei ganz klassisch autonom: Ein Kern von Menschen kümmert sich um Raum, mobilisierung etc., vor allem um Kontinuität Wer einen bestimmten Workshop haben will hilft mit bei Referent_innen auftreiben, Vor- und Nachbereitung. Und wer zum Kurs kommt bringt Kekse und Birnen mit und hilft beim Aufräumen.

Eigenlob stinkt nicht und die Autonome Sonntagsschule ist eine grandioses Sache: Wir treffen uns ohne Freizeit oder Kampagnenstress. Wir tun was füreinander. Wir stärken uns als Szene/Bewegung/Amöbenartiges Gewucher wenn wir mehr, auf mehr Ebenen, miteinander zu tun haben. Wir gehen schlauer nach Hause.

Der einzige wirkliche Haken: Es gibt diese Sonntagsschule noch nicht, und aus tausend Gründen kann ich sie nicht anleihern. Aber du! Kannst netten Menschen diesen Text zeigen und ihr könnt euch überlegen ob ihr die Idee gut findet und umsetzen wollt. Und ich bin wirklich gespannt: Welchen workshop/Kurs/Seminar hättest du gerne mal gehabt, am liebsten in einem linken Kontext, aber es gab nie die richtige Gelegenheit?

No Border

Mit „No Border – Mit dem rassistischem Normalzustand brechen“ hat die r | antifajugend münchen ihren Beitrag zum grossen 30.4 Aufruf-Buffet abgeliefert.

Inhaltlich geht es hier um Rassismus in Schule, Arbeit und Gesellschaft. Die r|am nutzt den 30.4, um sich mal zu einem Thema zu äussern, das im Tagesgeschäft einer Jugendantifa sonst nicht vorkommt. Leider ist das ganze etwas gestückelt, ein roter Faden und etwas mehr Erklärung wie das alles zusammenhängt fehlt mir. Schade insofern, weil Rassismus im kampagnenpolitischen, autonomen Diskurs sonst dann vorkommt, wenn es gegen staatlichen Rassismus geht, oder darum den eigenen Antifaschismus zu begründen – wodurch dann eben Bildungsbereich und Arbeit ausgeblendet werden. Ein Thema also, das etwas mehr Überlegung und auch ein paar mehr Zeilen Text verdient hätte.

Studidemo die zweite – Bericht

Bei Luzi-M gibt es einen Bericht zur Demo gegen Studiengebüren Anfang Dezember, mit einer guten Kritik an Demoorga und -Inhalten. Schade dass der nicht schon früher erschienen ist.

Kick it like Hessen?

Die erste Studidemo in München vor einigen Wochen war noch mit dem Motto „Kick it like Hessen!“ angekündigt worden. Ein ganz aktuelles Beispiel, was das konkret heissen würde, ist die Aktion vom vergagngenen Mittwoch in Frankfurt: Student_innen haben sich gebührenfrei in der Mensa bedient und anschliessen das „House of Finance“, ein Prestigebau für die Wirtschafts- und Rechtswissenschaften besetzt, von Kameras befreit, in „Karl Marx Haus“ umbenannt und mit vielen Parolen und Aufklebern verschönert. Wer so viel Stress macht wird auch ernst genommen – was die Mehrzahl der Münchner Student_innen wohl noch nicht so sieht.

Studidemo die zweite

Am kommenden Dienstag, den 2.12, ist die nächste Demo gegen Studiengebühren in München. Start ist um 12:00 vor dem „LMU Hauptgebäude“ – was ist nur aus der GSU geworden? Laut Luzi-M will das vorbereitende Bündnis dabei dem AK-Gewerkschaften keinen Redbeitrag geben und beklagt sich darüber dass sich bei den Schüler_innenprotesten nicht genug von den bösen Linken abgegrenzt wurde. Damit wird es mal wieder unser Job sein, lautstark mit vernünftigen Aussagen zu intervenieren. Wir bleiben unserm Motte treu, asozial und arbeitsscheu!

Was so los war & und was es darüber zu lesen gibt.

Über den letzten Samstag sind diverse Berichte im Netz, was vielleicht ein guter Ansatz ist um sich ein bisschen Gedanken über die linke Münchner Internet-Medienlandschaft zu machen. Luzi-M schreibt über die Ausrufung des Freistaats Baiern und über die Aktionen gegen die anschliessende Mahnwache. Über die Mahnwache schreibt auch Munich resistance, letzteres ist scheinbar der Werbeblog der Münchner SDAJ.
Ein Indybericht über die Demo gegen Nazis und Krieg in Kurdistan wurde, mit ein paar Kommentaren versehen, auch auf Luzi-M gestellt, last not least bietet dieser indyartikel (bei dem es eigentlich um die Verbotsstiuation morgen geht) einen Überblick über den Samstag.
Über den Schulstreik am Mittwoch steht ein bisschen was auf indymedia, und etwas mehr bei revolution. Dort wird darüber diskutiert, wie die radikale Linke mehr in die Bildungsproteste eingreifen könnte.

Zunächst einmal stellt sich mir die Frage, warum es weder für den Schulstreik, noch für die Demo am Samstag Abend einen Bericht aus der Perpektive der Veranstalter_innen gibt. Insbesondere die Samstagsdemo war auch ein Versuch, verschiedene Spektren zusammenzuführen, da wäre es doch wichtig sich auch hinterher öffentlich auszutauschen. Der Indybericht enthielt jedenfalls eine sehr dezidierte (in meiner Lesart solidarische) Kritik, daran liesse sich doch gut weiterdiskutieren. Aber auch für andere Aktionen gilt: Schreibt mehr kluge Berichte auf Indymedia!

Zwei Tage, vier Aktionen, und die Berichte dazu verteilen sich auf mindestens zwei blogs, Indymedia und Luzi-M. Etwas unübersichtlich, vielleicht wäre es mal langsam an der Zeit einen „Planet Monaco“ (vergleichbar mit dem, was bei mir unter „planetarium“ auf der Startseite verlinkt ist, nur München bezogen) o.ä einzurichten, um die einzelnen Berichte und Artikel mit lokalem Bezug etwas zu sammeln.
Speziell für letzten Samstag hat dabei Luzi-M relativ viel von den wesentlichen Berichten gesammelt, was erstmal ganz gut. Bei anderen Gelegenheiten ist das nicht passiert, weshalb ich mich im Sinne so einer Sammlungsfunktion nicht auf das Luzi-M kollektiv verlassen wollen würde. Genausowenig wie auf diesen blog, ich habe auch eher selten Lust dazu umfangreiche Indymedia-Verlinkungen zusammenzustellen.

Noch ein paar letzte Worte zu Luzi-M: In ihrer Berichterstattung über den Samstag sind zwei sachliche Fehler drin (gewesen). Die rasenden Reporter_innen des Medienkollektivs sind Mittags gegangen, bevor die Aktionen gegen Nazi-Infotisch richtig angelaufen sind, und schrieben einen entsprechend niederschmetternden Bericht. Das wurde dann durch einen Nachtrag von einer_m Antifa korrigiert. Zum Bericht über die Demo schreiben sie „USK (Unterstützungskommando)in der Demo konnte nicht bestätigt werden“, da hätten die Genoss_innen vielleicht mal ein bisschen genauer fragen können. USK war, auf dem kurzen Stück Goetherstr., sehr wohl in der Demo, wie auch aus indykommentaren und den Erzählungen einiger Beteiligter hervor geht.
Beide Fehler sind nicht wahnsinnig tragisch, im ersten Fall klappte ja auch die Korrektur. Sie zeigen aber dass die Genoss_innen von Luzi-M halt auch nicht alles mitkriegen – was mensch beim Lesen anderer Berichte dort vielleicht im Hinterkopf behalten sollte.

Support your local Bildungsprotest!

Subjektiv war es auf der heutigen Demo gegen Studiengebühren grandios. Nicht weil die Demo einen besonders tollen Ausdruck hatte, auch nicht weil sie verhältnismässig gross war, das hat nur reingespielt. Aber es macht einfach Spass, zusammen mit einer kleinen lautstarken crew so eine Demo mitzuprägen, und am meisten Spass wenn mensch die Demo dabei nicht eben ernst nimmt. Und besonders ernstnehmbar war die Demo nicht. Klar, der Anlass ist schon richtig. 585 € im Semester, fast ein Hunni im Monat, uns allen fiele besseres ein als dieses Geld den Unis zu schenken.
Aber ein paar Sachen, die da so geäussert wurden waren einfach mal bescheuert. Mein Favorit ist fast der Sprechchor „Das Ergebnis dieser Wahlen, wir wollen nicht für Bildung zahlen.“ Die letzten Wahlen waren ein Erfolg für die FDP, die ist zwar gegen das Rauchverbot, aber sicher nicht gegen Studiengebühren. Inhaltlich katastrophal, aber immerhin nur von wenigen getragen, war das Transpi mit der Aufschrift „Elite = Hartz IV?“. Davon abgesehen, dass „Elite“ in dieser Gesellschaft den Anspruch ausdrückt besonders konkurrenzgeil und rücksichtslos zu sein, impliziert das Transpi auch, dass ALG II für die nicht-Elite durchaus OK und angemessen ist.
Sauer an der Demomoderation sind mir vor allem die Situationen vor der Staatskanzlei und bei der Abschlusskundgebung aufgestossen: Ein Vorredner plärrt via Mikro immer wieder „Auf die Knie! Auf die Knie!“, was die meisten der Studis auch machten. Das ganze sollte eine Synchron-Aufsteh-Choreografie einleiten. Egal zu welchem Zweck, dass sich 2-3000 Leute auf Befehl vor die Staatskanzlei knien spricht nicht für ihre Intelligenz, und etwas vergleichbares habe ich davor bei Demos auch noch nicht erlebt.
Aber, wie gesagt, es ist durchaus gelungen, die Demo ein Stück weit mitzuprägen, und vielleicht ein paar Studis auch etwas zu vermitteln: Es wird zwar selten (ausser von Zecken wie uns) ausgesprochen, aber Studieren hat ausser bei ganz grossen Streber_innen immer auch den Zweck, die Mühlen der Lohnarbeit ein wenig später zu betreten – absolut legitim, und vor diesem Hintergrund sind auch Parolen wie „Für Deutschland keinen Finger krumm! 60 Semester Minimum!“ oder „Wir bleiben unserm Motte treu – Asozial und arbeitscheu!“ auf eine gewisse, nicht immer nur positive, Resonanz bei den Studis gestossen. Wenn Schule oder Studium als eine teilweise Auszeit von einer Vollzeit-Lohnarbeit gesehen wird, macht es übrigens auch Sinn sich darüber Gedanken zu machen wie diese Auszeit konkret aussieht – G8 oder Gesamtschule, Magister- oder Bachelorstudiengang, um jetzt mal bei den ganz gebildeten zu bleiben.
Unter den inhaltlichen Inputs von linksradikaler Seite wurde aber die altbewährte Parole „Bildung für alle, sonst gibts Krawalle!“ am besten aufgegriffen. Durchaus logisch, auf einer Demo unter dem Motte „Kick it like Hessen!“ Dort haben die Studis kluge Dinge getan, wie Bundesstrassen, Autobahnen oder Univerwaltungen besetzen. Der so aufgebaute öffentliche Druck hat in der Auseinandersetzung sicher nicht geschadet.
Aber zurück nach München – wir hatten durchaus Spass, und haben auch als Mini-haufen ein bisschen was rübergebracht. Die nächste Gelegenheit dazu kommt bald – am 12.11 ist Bundesweiter Schulstreik, auch in München sind Aktionen geplant. Nichts wie hin!