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„… das soll jetzt nicht rassistisch sein“

Im internen Forum der Apfelfront wird über die Liason einer der ihren mit dem Fascho Mike Nwaiser diskutiert. Ein Apfelfrontler schreibt dabei:

verstehen kann ich diese liebe auch nicht, auch naeheren kontakt zum „feind“ verstehe ich nicht wirklich. aber dazu kenne ich einen alles erklaerenden spruch vom kleinen arschloch: frauen sind wie afrikanische stammesdialekte – man versteht sie nicht^^

das soll jetzt NICHT rassistisch gesehen werden.

Die Beteuerung am Schluss ist doppelt verblödet: Einmal kommt das abqualifizieren von afrikanischen Sprachen als per se unverständlich – für wen denn? – aus der Mottenkiste des Kolonialrassismus, egal was der Schreiberling noch anfügt.
Der letzte Satz macht den Kommentar auch unfreiwillig komisch, genausogut könnte da stehen: „das soll jetzt NUR sexistisch gelesen werden“

p.s. Ich weiss, Witze sind besser wenn sie nicht erklärt werden. Aber solchen Mist kommentarlos durchreichen geht halt auch nicht.

Wo die Liebe hinfällt

Es klingt wie eine schlechte Soap, wie eine besonders unglaubwürdige Fotolovestory: Der Münchner Nazikader Mike Nwaiser hat eine Beziehung mit einer Aktivistin der Apfelfront. Öffentlich bekannt ist das ganze, seitdem ihm seine Kameraden nach einer Weihnachtsfeier bis in sein WG-Zimmer nachstellten und die beiden dort antrafen. Die Erklärung seiner Nazikumpels dazu steckt voller lustiger Formulierungen, weshalb ich relativ ausführlich zitiere:

Mit Lügen und nicht eingehaltenen Absprachen täuschte „Mike Nwaiser“ uns über Wochen, um sich selbst einen Freiraum für sein Treiben zu erkaufen. Dabei vernichtete er nicht nur sein eigenes Schaffen, welches sich zum heutigen Zeitpunkt als eine wert- und zukunftslose Tatsache entpuppte, sondern brachte auch wissentlich und fahrlässig all die in Gefahr, welche offiziell zu seinem Umfeld zählten. Dies gipfelte während der NPD-Weihnachtsfeier in München am 05. Dezember 2008 in seiner Äußerung, daß eben o.g. Antifa-Aktivistin nicht nur auf dem Weg nach München sei, sondern er ihren zur antifaschistischen Waffe gewordenen Körper in die Wohngemeinschaft guter Kameraden einlassen wird, in der „Mike Nwaiser“ (noch) Untermieter ist. Geschockt von dieser dreisten und normal unglaublichen Mitteilung, mußten wir uns erstmal sammeln und fuhren entschlossen zu eben jener Wohnung, um „Mike Nwaiser“, welcher die Veranstaltung vorzeitig verlassen hatte, zur finalen Rede zu stellen.

Hoffnungen, da wir bis zur letzten Sekunde noch an einen üblen Scherz geglaubt haben, wurden in dem Moment in unzählige Fragmente zerrissen, als wir den Feind Melanie […] inmitten ihrer ekelerregenden Antifa-Arbeit vorgefunden haben. Sofort zogen wir „Mike Nwaiser“ aus dem Bett und stellten ihn im Nebenzimmer zur Rede. Dabei offenbarten sich uns weitere schäbige Abgründe. „Mike Nwaiser“ gestand, daß es sich hierbei nicht nur um die billige Befriedigung seiner Triebe handelte, sondern daß sich ihr perfider Plan bereits in seiner nebulösen Gedankenwelt manifestiert hat. So glaubt „Mike Nwaiser“ allen Ernstes, daß er diese rote Gefahr bereits am 17. Januar 2009 ehelichen und sich mit ihr in kurzen Abständen vermehren kann, ohne dabei auf den vehementen Widerstand vieler nationaler Aktivisten zu stoßen.

So weit, so absurd. Aus dem Rest der Textes der Nazis geht noch hervor, dass sich die beiden wohl via Internet kennengelernt haben, ausserdem soll sich Nwaiser einmal mit dem Chef der Apfelfront getroffen haben. Neben dem klaren Übergriff einfach so jemandes WG-Zimmer zu stürmen wird auch in dem Text angedeutet, dass der sonstige Umgang der vermeintlichen Kameraden eher ruppig war – vermeintliche Nazikameradschaft schlägt eben schnell in Gewalt um. Im Thiazi-Forum, in dem obige Erklärung veröffentlicht ist, wurde eine Zeitlang ziemlich wüst überden Vorfall diskutiert. Dabei verteidigte sich Mike Nwaiser mehrmals, in dem er bekräftigte „ich war, ich bin und ich werde immer nationaler Sozialist bleiben.“ Sollte er irgendwann (z.B. mangels sozialer Kontakte) in linken oder antifaschistischen Kreisen angeschissen kommen, werden sich hoffentlich viele an diese Beteuerung erinnern un ihn entsprechend behandeln. Immer vorrausgesetzt, er ist nicht bald wieder aktiver Nazi – Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.
Womit wir beim nächsten Diskussionspunkt wären. Norman Bordin, NPD München, nutzt die ganze Diskussion für eine Generalabrechnung mit den AN. Er bringt auch ein, dass Nwaiser seinerzeit knapp 1800€ aus der JN-Kasse gemopst habe. Das war damals ziemlich öffentlich, trotzdem epören sich einige Faschos dass der Fall erst jetzt, als Nwaiser eh abgesägt wird, zur Sprache kommt. Pikanterweise wird nicht erwähnt, dass wohl auch AN-Kader Phillip Hasselbach beim Griff in die Kasse dabei, wie auch die AZ berichtet:

Der 21-Jährige [Phillip Hasselbach] begann seine rechte Karriere 2003 in Essen, taucht aber Februar 2006 als Landesvorstand der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) auf. Ende April 2006 wird er gemeinsam mit den beiden anderen Vorständen Mike N. und Hayo K. wegen „finanzieller Misswirtschaft“ abgesägt – Norman Bordin übernimmt den JN-Landesvorsitz.

Nach der Verhaftung der Heines im Fall Mannichl ist Hasselbach wahrscheinlich der letzte verbliebene Kader der AN München. Wie lange er sich in dieser Rolle halten wird ist angesichts seiner schon in Essen erwiesenen Unfähigkeit fraglich.
Wie nicht anders zu erwarten ist der grösste Diskussionspunkt der Nazis plumper Rassismus – Nwaiser wurde, so Bordin „in Berlin-Kreuzberg geboren und entstammt einer Mischlingbeziehung mit palästinenischem Hintergrund.“ Ab Erwähnung dieser langweiligen Tatsache geht es seitenlang um die Frage inwiefern Leute Nazis sein dürfen, die nicht so hundertprozentig „deutsch“ sind. Wer an absurde Konstruktionen wie Volk, Nation und Rasse glaubt, der stösst halt manchmal auf logische Widersprüche.

So weit die Reaktionen der Nazis, kommen wir nun zur Apfelfront. Die Münchner Apfelfront bestätigt im wesentlichen das ganze, sie schreiben dass Melanie nicht mehr bei ihnen aktiv sei. Etwas umfangreicher ist eine Erklärung des Führers der F.D.Ä zu den Vorkommnissen in München. Aus beiden geht hervor, dass die Apfelfront mit ihrem Humor weniger Gespür für reelle Machtverhältnisse hat als ein durchschnittlicher Brief an die Leser der Titanic.
So heisst es etwa: „Es gehört zum Wesen unserer Haltung, einen strikten Unterschied zwischen der Privatsphäre und der politischen Existenz zu machen.“ Zur politischen Existenz eines Nazis gehört strikter biologistischer Sexismus und der feste Glaube an eine entsprechende, patriarchale Arbeitsteilung, dazu gehört mörderischer Antisemitismus und Rassismus und der Wille alles inklusive das eigene Familienleben Deutschland unterzuordnen. Wie soll das vom Beziehungsleben zu trennen sein? Beziehungen finden nunmal nicht auf flauschigen Wolken statt, sondern im gleichen, schnöden Alltag (der dann etwas flauschiger und wolkiger wird) wie alles andere auch.
Der Apfelchef nutzt seine Erklärung auch für einen Seitenhieb gegen die Antifa:

Und dann immer diese Paranoia! Glaubtet Ihr wirklich, dass sich unsere Bewegung für Eure Daten interessiert? Haben wir nicht ausreichend deutlich gemacht, dass Hausbesuch-Antifa-Militanz-Style wider unseren Geschmack ist? Glaubtet Ihr wirklich, es krabbelt jemand zu Herrn NwAiser ins Bett oder man sitzt mit ihm in der Küche, um ihn auszuhorchen? Gähn, das sind ja Zustände wie in der ultralinken Szene, die fühlen sich auch dauernd abgehört und hausdurchsucht.

Zunächst mal – die Antifa fühlt sich nur überwacht, belauscht, bespitzelt, gerazzt oder sonstwie von Repression betroffen. Dann ist der direkte Vergleich Faschos-Antifa mal wieder miesester, bürgerlicher Totalitarismus, mit dem sich der Apfelfront-Führer auf den Seiten der FAZ sicher gut ausbreiten dürfte.

Im Bezug auf die Apfelfront wirft die Affäre einige Fragen auf. Was für ein Umgang mit Faschos wird da so gepflegt, ist das ein isolierter Vorfall dass eine Aktivistin über einen langen Zeitraum im Internet mit Faschos schwatzt? Was für einen Umgang haben die mit (nicht nur ihren) Daten – wenn der Apfelchef über die „Paranoia“ der linken schreibt und eine Kameradin mit vollem Namen bekannt macht, ist das ein deutliches Indiz dafür dass die Apfelfront insgesamt einen schludrigen Umgang hat, einzelne Aktivist_innen sollten sich überlegen ob das in ihrem Sinne ist. Was soll die Abgrenzung von autonomen Antifas über die allseits so beliebte Gewaltfrage, bzw. die eigene Stilisierung als friedlich? Wie repräsentativ sind die oben verlinkten Erklärungen für die Apfelfront, steht ihr hinter allem was euer Führer so hinausposaunt? Und was zu Teufel vermittelt die Apfelfront, ausser einer Verharmlosung der Nazis?

Dieser Text soll keine Generalabrechnung mit der Apfelfront sein, sondern eine Diskussion anregen. Eine Diskussion, die logischerweise nicht im Internet geführt wird, sondern in antifaschistischen Zusammenhängen und direkt mit den Aktivist_innen der FDÄ. Diese Auseinandersetzung hat zwar längst nicht soviel Unterhaltungswert wie die Soap, die wir erleben durften, ist aber einfach nötig.