Tag-Archiv für 'autonome'

Auf zur Autonomen Sonntagsschule!

Die Autonome Sonntagsschule versucht einen festen Rahmen zu bieten für Workshops und Kurse, auf dem Programm stehen:

Sozialgesetzbuch für Hartzende
Computer schlachten für Anfänger_innen
Erste Hilfe für alle
Jeder kann singen! Tontechnikworkshop mit Fokus auf den Kompressor
Geschichtswerkstatt zu kokaler Antifa

„Each one teach one“, „Bildet euch – bilded andere – bildet Banden“ – Dass sind schöne Losungen die leider viel zu selten mit Leben gefüllt werden. Aber warum nicht heute damit anfangen? Es ist nicht so, dass garkeine Wissensvermittlung in autonomen oder zeckigen Zusammenhängen stattfindet. Es gibt bike kitchens, es gibt Kongresse mit dicht getakteten Seminar Programmen und es gibt dann und wann workshops bei festivals oder den Gitarrenmittwoch. Mehr davon!

Aber all diese Möglichkeiten zum lernen und austauschen hängen an bestimmten Bedingungen: Eine Bike Kitchen braucht eine Fahrradsubkultur um zu laufen. Kongresse (Buko, Ladyfest …) widmen sich bestimmten Themen oder Blickwinkeln, häufig orientiert an laufenden Kampagnen. Für die Themen und skills die dabei hinten runterfallen will die autonome Sonntagsschule einen Rahmen bilden. Wenn regelmäßig Workshops stattfinden haben sie auch eine größere Sichtbarkeit. Es gibt einen Rahmen in dem mensch sich austauschen kann was eigentlich gute Methoden sind Wissen zu vermitteln und wie das gehen kann ohne zusätzliche Hierarchieberge aufzutürmen.

Wir glauben dass es viele Dinge gibt, für die wie wir nicht weit in die Ferne schauen müssen um Menschen zu finden. die uns etwas zeigen können. Sei es aus dem Lehrberuf, aus einem Hobby oder von sonstwo. Wir hatten auch oft diese Momente im Gespräch wo eine sagt „Dazu hätt ich gern mal ne Veranstaltung, das will ich genauer wissen“ – und dann wieder vergisst weil es nicht den Rahmen gab oder den Anlass oder weil das alleine organisieren auch öde ist. Wir glauben aber, wenn es die Autonome Sonntagsschule als regelmäßigen Termin gibt, dann verlaufen solche Überlegeungen nicht so oft im Sande.

Die Sonntagsschule organisiert sich dabei ganz klassisch autonom: Ein Kern von Menschen kümmert sich um Raum, mobilisierung etc., vor allem um Kontinuität Wer einen bestimmten Workshop haben will hilft mit bei Referent_innen auftreiben, Vor- und Nachbereitung. Und wer zum Kurs kommt bringt Kekse und Birnen mit und hilft beim Aufräumen.

Eigenlob stinkt nicht und die Autonome Sonntagsschule ist eine grandioses Sache: Wir treffen uns ohne Freizeit oder Kampagnenstress. Wir tun was füreinander. Wir stärken uns als Szene/Bewegung/Amöbenartiges Gewucher wenn wir mehr, auf mehr Ebenen, miteinander zu tun haben. Wir gehen schlauer nach Hause.

Der einzige wirkliche Haken: Es gibt diese Sonntagsschule noch nicht, und aus tausend Gründen kann ich sie nicht anleihern. Aber du! Kannst netten Menschen diesen Text zeigen und ihr könnt euch überlegen ob ihr die Idee gut findet und umsetzen wollt. Und ich bin wirklich gespannt: Welchen workshop/Kurs/Seminar hättest du gerne mal gehabt, am liebsten in einem linken Kontext, aber es gab nie die richtige Gelegenheit?

Interview mit Antifasist Gençlik

Antifasist Gençlik war eine migrantische Antifa Organisierung im Berlin der späten 80er und frühen 90 Jahre. Hier ein spannendes Interview mit einem Gründungsmitglied über die politische Arbeit mit Gangs, linken Rassismus und politische Nachwuchsarbeit.

You cannot not decide

Zusammenfassung: Ich weiss nicht ob ich mich bei der Räumung des Hungerstreikcamps letztes Wochenende den Bullen in den Weg gestellt hätte, die politische Herangehensweise der „Untestützer_innen“ ist eigenartig. Wenn du eine Übersetzung willst, frage nett im Kommentarfeld.

A week ago, on sunday early morning, the police evicted the non-citizens camp at the Rindermarkt. Some supporters tried to stop them. Had I been there, I don‘t know if would have joined those supporters. Here’s why.

By now, I think that the hunger strikers were not in grave danger, and apparantly at least some did not receive any medical attention. But, knowing what I knew a week ago, shortly before the eviction, based on the communication of the non-citizens – I had assumed that several of the hunger strikers were in danger of dying of hunger or thirst. Then, the police is the lesser of two evils. I don‘t want to come across as cynical and I am aware that non-citizens have even more reasons to distrust the cops than everyone else, and may face the danger of deportation. Still, I would not actively prolong a situation were someone whose struggles are close to mine might die.

The hunger strikers know what they are doing – but I, too, have to know what I‘m doing if I am to take any active part! With the paralell structures of supporters and non-citizens, the intransparency and the lack of communication, I found it difficult to impossible to somehow asses the situation.
Again, this is what I knew a week ago without beeing close to the matter. I assume, or rather hope, that the comrades who tried to block the police knew more than me and made an informed decision to protect the hunger strike. But you, the supporters, sort of claim to not make political decisions: The declaration of the supporters states that it is „our principle to act soleyly in a supporting manner“ and that it is „not our protest.“ I think that’s plain wrong – of course it’s your protest if you are an active part of it. And I think saying one is „only supporting“ is dishonest, you can‘t claim that for example standing or sitting in the way of the cops in the moment of eviction is anything but your decision – and that you don‘t share the responsibility for what happens in the unlikely case that you succeed .

Maybe I framed the problem too much as a matter of rational choices and clear cut dcisions – I know that in situations like this decisions are made at the spur of the moment, everyone misses at least a night’s sleep or is close to burnout and everything is frantic improvisation.
This struggle continues, I felt the need to voice some subjective doubts and reservations now. At the end of the day we can‘t achieve anything without trusting each other and our selves as political subjects. The weirdness of the dual strucures and the strange approach of positioning one as „only supporter“ don‘t help. And we still need to somehow win this thing!

Ach …

Bloggen macht längst nicht mehr soviel Spass wie einst, meine halbe blogroll sieht das wohl auch so und hat sich vor JAhren verabschiedet. „Cutting to the core of an issue without delivering anything useful is the very soul of bloggerdom“ (Bruce Stirling/Rudy Rucker) – in diesem Sinne ein paar mittelsteile Thesen, falls ich Bock hätte sie auszuführen:

Die autoritäre Scheisse, die auf dem Grenzcamp gelaufen ist und mit „critical whiteness“ legitimiert wurde ist nur vorerst das dümmstmögliche was sich aus diesem Diskurs machen lässt – wenn der Sprechverbots- und Selbstpositionierungsquatsch mit den üblichen drei Jahren Verspätung in München ankommt wird jemand was noch blöderes draus machen.

Seit Jahren ist „eigentlich“ niemand mehr „so richtig“ antideutsch, „halt schon antinational aber jetzt nicht so wie (lokale Bahams Karikatur)“ … dann entdeckt die IDF das web 2.0 für die eigene Propaganda, und die ganzen Kiddies (fight ageism!) Rotzlöffeln teilen das munter auf facebook, versehen mit originellen Zitaten der kritischen Theorie: Yay! Strike! Zack!
Beschissene Kriegsultras allesamt.

Apropos Pöbeln: Keine autonome Münchner Gruppe wagt sich in ein Bündnis in dem es keine absolute Hegemonie eben solcher Gruppen gibt. Aber mit inhaltlichen Gründen kann auch niemand aufwarten. Beweist mir das Gegenteil, konfliktscheues Pack!

Die Absurde Sitte (gesehen auf Maedchenmannschaft) umstrittene Begriffe (z.B. slut) oder das Wort Vergewaltigung nicht mehr auszuschreiben (sl*t, V*rg*w*lt*g*ng, r*p* …) hilft niemandem, schützt niemandem, verhindert keine Trigger (weil lesbar ist das allemal, wenns darum ginge) und hat nichts mit Sprachkritik zu tun und alles mit einem absurden Sauberkeitsbedürfnis.

Zurück zum web 2.0: Wo ich angefangen habe zu bloggen waren das noch blogs und nicht soziale Netzwerke . Heute verlegen alle ihren internet Konsum in die treusorgenden Hände von Datenhändlern wie facebook oder google, die Feudalheren der digitalen Welt. Niemand mehr kann RSS auch nur buchstabieren, und folglich wird das hier auch niemand lesen.

Vom Säureclown zur Splitterbombe

Bei Allophilia gibt es ein Video von der berühmten Berliner Splitterbombe (gibt es schon ein Getränk oder Essen, das so heisst?). Wer sich von einer Splitterbombe mehr erwartet als von einem grossen Böller, wird enttäuscht. Dreiste Lügen durch die Bullen sind so alt wie die Journaille die sie gerne abdruckt, wie wir am Beispiel Rostock sehen können.

Workshop zu Sex, äh Homophobie in der Linken

Der eingerückte, englischsprachige Teil beschreibt ziemlich exlizit einvernehmlichen Sex. Wer so deutliche Darstellungen nicht mag, liest nach der Einrückung weiter.

He paused before entering me, his cock almost but not quite touching my pussy. „Do you want this?“ he asked, breathily, and waited.

Well, that’s a silly question; I was naked on the bed in front of him, face down ass up and spreading myself open for him, and thirty seconds previous I had been sucking his cock. And it could pass for just dirty talk, blending in rather seamlessly with less consequential questions about do I like his big cock and am I a naughty little slut.

But I liked it because it showed beautifully how easy, and how crucial, explicit enthusiastic consent is.

[…]

I could have said yes. I could have said no. I could have said „hang on, let’s talk.“ I had power over what would happen to me.

[…]

Consent isn‘t just an ugly little prerequisite to sexiness. Consent, breathed out in an „oh yes, oh please yes,“ is in itself sexy.

(pervocracy) Vollkommen absurd, den Bericht zu einem workshop über Homophobie in der Linken auf dem Ladyfest mit hetero-Porno einzuläuten. Was das soll, erkläre ich weiter unten, zunächst zum Workshop:

Der Referent präsentierte einen Überblick darüber was Homophobie ist (inklusive einer Kritik an dem Begriff), über verschiedene homophobe Ideologiefragmente in diversen Linken (Weimarer-Republik Kommies, die die SA schwul finden, Kommies die Homosexualität als kapitalistische Dekadenz abtun). Weiter gings mit einer Beschreibung von Homophobie bzw. Heteronormativität in der heutigen linksradikalen Szene. Weniger ausführlich findet ihr die Beobachtungen auch in diesem Radio-Interview (via). Ich würde den Vortrag grob so zusammenfassen: In der Linken gibt es ein gewisses Bewusstsein was Sexismus und Homophobie angeht, offen homophobe Äusserungen sind eher selten. Wenn sich wer homophob äussert, geht die Person oft davon aus dass eh keine Schwulen in der Nähe sind die sich angesprochen fühlen könnten. Umgekehrt sind manche Genoss_innen in ihrem Redeverhalten extra vorsichtig, wenn sie wissentlich nicht in einer reinen hetero-Runde sitzen. Häufiger als offene, ablehnende Homophobie in der Linken sind Stereotype und Nicht-wissen. In der Diskussion wurde noch benannt, dass das Anstarren schmusender Männer auch eine eher ungemütliche Atmosphäre schafft. Insgesamt ist ein linksradikaler Rahmen nicht einladend für ein coming-out, viele suchen sich dafür ein anderes Umfeld. Und bleiben dann auch von der Szene weg.

In der Diskussion wurde bemängelt, dass der Vortrag nur über die Situation von Männern ging – eine Schwäche, die dem Referenten durchaus bewusst war. Eine lebhafte Diskusssion kam leider nicht zustande – meiner Meinung nach auch deshalb, weil sich die provokant gemeinten Thesen dann doch zu schlüssig und logisch aus dem Vortrag ergaben. Eine davon will ich hier vorstellen:
Heterosexistische Stereotype sind in der Linken präsent, weil es zwar einen linken Diskurs über Sexismus gibt, aber keinen über Sexualität. Unsere Aufklärung holen wir uns, mangels Alternativen, dann doch in Hollywood oder bei Pornos – und lernen dabei den ganzen Mainstream-Scheiss. Früher (die 68er Jahre) hat es mehr linke Auseinandersetzung mit Sexualität gegeben. Da war dann auch viel sexistischer Scheiss dabei, aber immerhin gab es irgendeine Auseinandersetzung.

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich noch zitiere oder schon den Gedanken weiterspinne, wenn ich schreibe dass linker Antisexismus, wie er derzeit praktiziert wird, einer Auseinandersetzung mit Sexualität im Wege steht – nicht weil linker Antisexismus dem Inhalt nach lustfeindlich oder so was wäre, sondern weil die Praxis mit Fettnäpfchen vermeiden und Nichts-falsches-sagen anfängt. Dieses Nichts-falsches-sagen hat einen sinnvollen Kern, nämlich einen sensiblen Umgang mit Äusserungen die anderen zu nahe gehen können. Nichts-falsches-sagen ist aber auch das einfachste antisexistische Lippenbekenntnis für alle, die eine ernsthafte Reflektion vermeiden wollen.

Es gibt noch andere, gute und schlechte Gründe für ein Unbehagen mit linken Sexualitätsdiskursen: Abgrenzung vom Reden über „befreite Sexualität“ und ähnlichem Kommune-1 Quatsch, keine Lust darauf sich von der eh schon anspruchsvollen Szene auch noch da reinreden zu lassen, sich die Beziehung als Rückzugsort vor der anstrengenden Polit-Posse zu erhalten und natürlich die schiere Peinlichkeit, die an dem ganzen Thema dranhängt.

Wie ein Rahmen für solche Diskussionen aussehen könnte wäre ein eigenes Thema. Ein Anfang wären mehr gute Texte dazu im linken Diskurs, mit den entprechenden Diskussionen darüber was in diesem Zusammenhang „gut“ heisst. Ein andere Anfang wäre ein anonymer oder vertraulicher, geschützter Rahmen für direkte Gespräche und einen kollektiven Reflektionsprozess.

Um zu guter Letzt zu erklären, was jetzt der Einstiegsporno in diesem Beitrag soll: Das Zustimmungskonzept wurde in der Diskussion beim workhop als ein praktischer Zugang zu Sexualität erwähnt, spontan viel mir dazu der obige pervocrazy-Artikel ein auf den kurz davor via classless (und etwas herumklicken) gestossen bin. Das Zitat am Anfang ist nicht als Provo gedacht, sondern als Frage: Was ist ok, was ist sagbar in einem linkem Rahmen/Medium? Warum, warum nicht? Braucht es mit solchen Texten einen anderen Umgang als mit Kochrezepten? Will überhaupt irgendwer im politischen Rahmen über Sexualität lesen oder gar reden? Ich bin gespannt auf weitere Fragen.

Balestrini in der Black Box

Am kommenden Dienstag ist eine Abendveranstaltung mit dem Autor Nanni Balestrini im Gasteig. Zu meiner grossen Überraschung gibts Genoss_innen, denen der Name nichts sagt, deshalb in aller Kürze: Balestrini hat 68 in Italien die Gruppe Potere Operaio mitgegründet und musste 79 nach Frankreich ins Exil, da ihm die Mitgliedschaft in den Brigate Rosse vorgeworfen wurde. Zusammen mit Primo Moroni schrieb er „Die goldene Horde“, meines Wissens nach das Standardwerk über die Autonomia. In seinen Romanen geht es um verschiedene soziale und politische Bewegungen – „Wir wollen alles“ behandelt die grossen Streiks bei Fiat, das Hooligan-Epos „I Furiosi“ (Die Wütenden) beschreibt die Fankultur des AC-Milan und das kleinkriminelle Milieu darum. Am bekanntesten dürfte „Die Unsichtbaren“ (Gli Invisibli) sein, dass der Generation 77 – der ersten Welle Autonomer Politik in Italien – ein Denkmal setzt. Ein kurzer Auszug:

unser Zentrum war mitten in der STadtund das ganze umliegende Viertel war praktisch von uns besetzt die Leute der Szene schweiften dort umher auf den Bänken des kleinen Parks lagerten den ganzen Tag über Genossen etwa zweihundert Meter entfernt war ein Kaufhaus das tagtäglich von Gruppen von Genossen heimgesucht wurde irgendwann beschloss die Geschäftsleitung gegen diese täglichen schamlosen Raubzüge etwas zu unternehmen und stellte massenhaft Wärter auf die rannten eines Tages hinter ein paar Genossen her die Lebensmittel geklaut hatten rannten auch noch draußen auf der Strasse hinter ihnen her und die Genossen rannten zum Zentrum und schrien laut einen Augenblick lang herrschte Großalarm alle rannten hinaus mit den Fahnen die in Wirklichkeit Spatenstiele waren mit einem roten Stofffetzen dran

auf so etwas waren die Wächter nicht gefasst sie machten vor den ersten roten Fahnen Halt kehrten um und rannten zurück sie hatten jedoch den Namen einer Genossin rausgefunden und zeigten sie an und aus Angst vor unserer Reaktion foderten sie zwei Auto mit Bullen an die von nun an vor dem Eingang standen daraufhin ließen sich die Genossinnen eine schöne Aktion einfallen sie zogen sich alle elegant an und gingen zu zwanzig dreißig ins Kaufhaus und als sie drin waren schlenderten sie mit Rasierklingen durch die Bekleidungsabteilung und ritsch ratsch Jacken Pullover Röcke Hoen Mäntel Capes es war verheerend Schäden in Millionenhöhe und dann gingen sie selenruhig wieder hinaus keiner hatte etwas gemerkt die Polizeiautos standen noch zwei Wochen vor dem Eingang und währenddessen gingen die Leute in einen anderen Supermarkt klauen und dann ging hier wieder alles von vorne an

[…]

In der Zwischenzeit war jedoch ein anderes Problem aufgetaucht das uns plötzlich zu schaffen machte das war das Heroinproblem das immer weitere Kreise zog und auch in die Bewegung einzudringen begann tagelang diskutierten und diskutierten wir darüber ist ja klar das denen an der Macht diese Situation gerade recht kommt die schon einen Haufen Tote gefordert und viele zu Zombies gemacht hat die nun mit Spritze und Löffel an den Brunnen auf den Plätzen herumhängen klar das dem Heroin am ehesten diejenigen verfallen die das System am meisten ablehnen und es nicht mehr ertragen können das Heroin bietet uns ein individualistisches und selbstzerstörerisches Ventil für unseren Wunsch nach Veränderung für die Wut die wir in uns haben

Hamburger Sektenquatsch

Was passiert, wenn sich marginale Linke lieber aneinander abarbeiten, als die Gesellschaft zu verändern? Sektenquatsch, wie diesen Winter in Hamburg. Sehr gut aufbereitet von der Spielgruppe Rantanplan (via keny).

Kommuniqué aus einer ausbleibenden Zukunft

Netter Text vom research & destroy collective, aus Vera Cruz, Kalifornien. Über die (nicht-) Perspektiven der Uni-Proteste dort:

Die Universität ist genauso bankrott wie die Gesellschaft, deren willfährige Dienerin sie war. […] Die Universität erscheint schließlich als das, was sie immer schon war: eine Maschine zur Herstellung willfähriger Produzent*innen und Konsument*innen.
[…]
Die Universität hat keine eigene Geschichte; ihre Geschichte ist die Geschichte des Kapitals. […] Die Krise der Universität heute ist die Krise der Reproduktion der Arbeiter*innenklasse, die Krise einer Periode, in der uns das Kapital nicht länger als Arbeiter*innen braucht.
[…]
Wir werden blockieren, besetzen und uns nehmen, was uns gehört. Anstatt solche Betriebsstörungen als Hindernisse für Dialog und gegenseitiges Verständnis zu betrachten, erkennen wir sie als das, was wir zu sagen haben und wie wir verstanden werden wollen.
[…]
In den 1960er Jahren, als der Boom der Nachkriegszeit abzuebben begann, haben Radikale innerhalb der Grenzen der Universität verstanden, dass eine andere Welt möglich war. Studierende, die vom technokratischen Management genug hatten, die die Ketten einer konformistischen Gesellschaft aufbrechen wollten und in einem Zeitalter der Fülle entfremdete Arbeit ablehnten, weil sie überflüssig geworden war, versuchten sich mit den radikalen Lagern der Arbeiter*innenklasse zusammenzutun. Aber ihre Weise der Radikalisierung, die sich zu sehr der ökonomischen Logik des Kapitalismus verschrieb, verhinderte die Festigung dieses Zusammenschlusses. Da sich ihr Widerstand gegen den Vietnamkrieg vor allem in einer Kritik am Kapitalismus als kolonialer Kriegsmaschine äußerte, aber die Ausbeutung durch binnenländische Arbeit nicht ausreichend in den Blick nahm, war die Abspaltung der Studierenden von der Arbeiter*innenklasse, die mit anderen Problemen beschäftigt war, ein leichtes Unterfangen.
[…]
Wir haben diesen Aufschwung in der jüngeren Vergangenheit erlebt: Eine Rebellion, die von den Klassenzimmern ihren Ausgang nimmt und nach Außen ausstrahlt, um die gesamte Gesellschaft zu erfassen. Vor nur zwei Jahren hat die Anti-CPE-Bewegung in Frankreich im Kampf gegen ein neues Gesetz, das den Arbeitgeber*innen ermöglichte junge Arbeitnehmer*innen grundlos zu entlassen, eine riesige Zahl von Menschen auf die Straßen gebracht. Schüler*innen und Studierende, Lehrende, Eltern, die breite Masse der Gewerkschaftsmitglieder sowie erwerbsarbeitslose Jugendliche aus den Banlieues fanden sich gemeinsam auf derselben Seite der Barrikaden. (Diese Solidarität war indessen oft sehr zerbrechlich. Der Aufruhr von jugendlichen Migrant*innen am Stadtrand und Studierenden in den Stadtzentren floss niemals zusammen und von Zeit zu Zeit kam es zu Spannungen zwischen diesen beiden Gruppen.)
[…]
Der griechische Aufstand vom Dezember 2008 brach viele jener Beschränkungen auf und markierte den Anfang eines neuen Klassenkampfzyklus. Ausgelöst von Studierenden in Reaktion auf die Ermordung eines Athener Jugendlichen durch die Polizei, bestand der Aufstand aus wochenlangen Unruhen, Plünderungen und Besetzungen von Universitäten, Gewerkschaftsbüros sowie Fernsehstationen. Ganze Finanz- und Einkaufsviertel brannten und was der Bewegung an Anzahl fehlte, machte sie durch ihre geographischen Breite wett; sie verbreitete sich von Stadt zu Stadt, um schließlich ganz Griechenland zu umfassen. Wie in Frankreich war auch dies ein Aufstand der Jugend, für die die ökonomische Krise für die völlige Verneinung der Zukunft stand. Die Protagonist*innen der Bewegung waren Studierende, prekär Beschäftigte und Migrant*innen; diese erreichten ein Niveau an Einheit, das die fragilen Solidaritäten der Anti-CPE-Bewegung bei Weitem übertraf. […]
Letztlich waren es dieselben Dynamiken, die den Aufstand hervorgebrachten und die seine Grenze festlegten. Möglich gemacht wurde der Aufstand durch eine ansehnliche radikale Infrastruktur in städtischen Gebieten, insbesondere im Stadtviertel Exarchia[5] in Athen. Die besetzten Häuser, Bars, Cafés und Sozialzentren, die von Studierenden und migrantischen Jugendlichen frequentiert werden, haben das Milieu entstehen lassen, aus dem dieser Aufstand hervorging. Allerdings war dieses Milieu den meisten Lohnabhängigen mittleren Alters fremd; sie betrachteten den Kampf nicht als ihren. Obwohl sich viele mit der aufständischen Jugend solidarisierten, nahmen sie diese als eine Bewegung war, die nach Zugang verlangte – das heißt, als eine Bewegung aus jenem Teilbereich des Proletariats, das einen Zugang zum Arbeitsmarkt begehrte, aber formell nicht in Vollzeitarbeit beschäftigt war. Der Aufstand, stark verankert in den Schulen und in den migrantischen Vororten, griff nicht auf die Arbeitsstätten über.


Lesenswert!

Was tun mit dem Aufwind?

Die autonome Linke in München ist mal wieder etwas besser aufgestellt – mehr Gruppen, mehr Aktionen die gut klappen. Zeit, darüber zu reden was wir dieses Jahr noch so alles aushecken wollen, Zeit sich über Perspektiven auszutauschen. Findet jedefalls die Antifa NT, und lädt am Do., 7.1. zur

Diskussionsveranstaltung zu Perspektiven antifaschistischer und linksradikaler Praxis in München
Das letzte Jahr lief nicht unbedingt schlecht für die radikale Linke in München, vielmehr gab es im Rückblick betrachtet eine Vielzahl von Aktionen, Diskussionen, Mobilisierungen zu verschiedensten gesellschaftlichen und politischen Ereignissen und Entwicklungen. Um nur einiges zu nennen: Eine große und kraftvolle Demonstration gegen die SiKo, eine gemeinsame Mobilisierung gegen den Nato-Gipfel in Strasbourg, Gegenaktionen gegen drei Naziaufmärsche und eine Vielzahl anderer Naziaktivitäten, wie etwa Kundgebungen, Mahnwachen, Infostände etc., die Antifademo zum 8.Mai, zudem noch eine, vor allem anfangs starke, Teilnahme an den aktuellen Student_innenprotesten oder etwa auch die Aktionen gegen fundamentalistische Christ_innen und Abtreibungsgegner_innen.
Wir glauben, dass es mit der radikalen Linken in München aufwärts geht, dass mehr Menschen erreicht werden können, dass Inhalte und Ziele besser vermittelt werden, dass sich mehr Menschen organisieren und eigenständig aktiv werden. Allerdings und da dürfen wir uns nichts vormachen ist die radikale Linke nach wie vor gesellschaftlich marginal. Dies gilt es zu ändern.Wir wollen mit euch die Ereignisse und Entwicklungen, Stärken und Schwächen, Bewegungen und Stillstände, vor allem aber über Perspektiven linksradikaler Poltik in München diskutieren. Dazu wird es ein kurzes Inputreferat geben, in dem wir eine kurze Chronologie geben wollen und einige Thesen vorstellen, um danach mit euch in die Diskussion einzusteigen.
Darüber hinaus gibt`s wie immer Antifa-News, kühle Getränke und den offenen Antifa-Stammtisch. In der Küche zaubert das Kulinariat. Beginn ca 21 Uhr. Offen ab 20 Uhr, Kafe Marat, Thalkirchnerstr. 104 (Aufgang 2)

Die Auflistung an Aktionen ist natürlich nicht komplett, eines fällt aber auf: Pessimistisch gesehen hat die autonome Linke Münchens drei Themen (Antimilitarimus, Antifa, pro choice), dazu haben sich Genoss_innen in die Studiproteste eingebracht. Für eine autonome Linke, die sich stark über Antifa definiert ist das nicht schlecht. Aber wir wollen mehr, und darin sehe ich eine grosse Chance an einer Veranstaltung, bei der über Gruppen- und Teilbereichsgrenzen hinweg diskutiert wird: Ausloten, in welche gesellschaftliche Bereiche wir uns noch einmischen wollen, gucken welche Politikformen wir uns jenseits von Kampagnenpolitik vorstellen können und darüber reden wie wir unsere nächsten Aktionen grösser, verückter, gemeiner und offener hinkriegen. Ich freu mich drauf.