Bei Allophilia gibt es ein Video von der berühmten Berliner Splitterbombe (gibt es schon ein Getränk oder Essen, das so heisst?). Wer sich von einer Splitterbombe mehr erwartet als von einem grossen Böller, wird enttäuscht. Dreiste Lügen durch die Bullen sind so alt wie die Journaille die sie gerne abdruckt, wie wir am Beispiel Rostock sehen können.
Tag-Archiv für 'autonome'
Der eingerückte, englischsprachige Teil beschreibt ziemlich exlizit einvernehmlichen Sex. Wer so deutliche Darstellungen nicht mag, liest nach der Einrückung weiter.
He paused before entering me, his cock almost but not quite touching my pussy. „Do you want this?“ he asked, breathily, and waited.
Well, that’s a silly question; I was naked on the bed in front of him, face down ass up and spreading myself open for him, and thirty seconds previous I had been sucking his cock. And it could pass for just dirty talk, blending in rather seamlessly with less consequential questions about do I like his big cock and am I a naughty little slut.
But I liked it because it showed beautifully how easy, and how crucial, explicit enthusiastic consent is.
[…]
I could have said yes. I could have said no. I could have said „hang on, let’s talk.“ I had power over what would happen to me.
[…]
Consent isn‘t just an ugly little prerequisite to sexiness. Consent, breathed out in an „oh yes, oh please yes,“ is in itself sexy.
(pervocracy) Vollkommen absurd, den Bericht zu einem workshop über Homophobie in der Linken auf dem Ladyfest mit hetero-Porno einzuläuten. Was das soll, erkläre ich weiter unten, zunächst zum Workshop:
Der Referent präsentierte einen Überblick darüber was Homophobie ist (inklusive einer Kritik an dem Begriff), über verschiedene homophobe Ideologiefragmente in diversen Linken (Weimarer-Republik Kommies, die die SA schwul finden, Kommies die Homosexualität als kapitalistische Dekadenz abtun). Weiter gings mit einer Beschreibung von Homophobie bzw. Heteronormativität in der heutigen linksradikalen Szene. Weniger ausführlich findet ihr die Beobachtungen auch in diesem Radio-Interview (via). Ich würde den Vortrag grob so zusammenfassen: In der Linken gibt es ein gewisses Bewusstsein was Sexismus und Homophobie angeht, offen homophobe Äusserungen sind eher selten. Wenn sich wer homophob äussert, geht die Person oft davon aus dass eh keine Schwulen in der Nähe sind die sich angesprochen fühlen könnten. Umgekehrt sind manche Genoss_innen in ihrem Redeverhalten extra vorsichtig, wenn sie wissentlich nicht in einer reinen hetero-Runde sitzen. Häufiger als offene, ablehnende Homophobie in der Linken sind Stereotype und Nicht-wissen. In der Diskussion wurde noch benannt, dass das Anstarren schmusender Männer auch eine eher ungemütliche Atmosphäre schafft. Insgesamt ist ein linksradikaler Rahmen nicht einladend für ein coming-out, viele suchen sich dafür ein anderes Umfeld. Und bleiben dann auch von der Szene weg.
In der Diskussion wurde bemängelt, dass der Vortrag nur über die Situation von Männern ging – eine Schwäche, die dem Referenten durchaus bewusst war. Eine lebhafte Diskusssion kam leider nicht zustande – meiner Meinung nach auch deshalb, weil sich die provokant gemeinten Thesen dann doch zu schlüssig und logisch aus dem Vortrag ergaben. Eine davon will ich hier vorstellen:
Heterosexistische Stereotype sind in der Linken präsent, weil es zwar einen linken Diskurs über Sexismus gibt, aber keinen über Sexualität. Unsere Aufklärung holen wir uns, mangels Alternativen, dann doch in Hollywood oder bei Pornos – und lernen dabei den ganzen Mainstream-Scheiss. Früher (die 68er Jahre) hat es mehr linke Auseinandersetzung mit Sexualität gegeben. Da war dann auch viel sexistischer Scheiss dabei, aber immerhin gab es irgendeine Auseinandersetzung.
Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich noch zitiere oder schon den Gedanken weiterspinne, wenn ich schreibe dass linker Antisexismus, wie er derzeit praktiziert wird, einer Auseinandersetzung mit Sexualität im Wege steht – nicht weil linker Antisexismus dem Inhalt nach lustfeindlich oder so was wäre, sondern weil die Praxis mit Fettnäpfchen vermeiden und Nichts-falsches-sagen anfängt. Dieses Nichts-falsches-sagen hat einen sinnvollen Kern, nämlich einen sensiblen Umgang mit Äusserungen die anderen zu nahe gehen können. Nichts-falsches-sagen ist aber auch das einfachste antisexistische Lippenbekenntnis für alle, die eine ernsthafte Reflektion vermeiden wollen.
Es gibt noch andere, gute und schlechte Gründe für ein Unbehagen mit linken Sexualitätsdiskursen: Abgrenzung vom Reden über „befreite Sexualität“ und ähnlichem Kommune-1 Quatsch, keine Lust darauf sich von der eh schon anspruchsvollen Szene auch noch da reinreden zu lassen, sich die Beziehung als Rückzugsort vor der anstrengenden Polit-Posse zu erhalten und natürlich die schiere Peinlichkeit, die an dem ganzen Thema dranhängt.
Wie ein Rahmen für solche Diskussionen aussehen könnte wäre ein eigenes Thema. Ein Anfang wären mehr gute Texte dazu im linken Diskurs, mit den entprechenden Diskussionen darüber was in diesem Zusammenhang „gut“ heisst. Ein andere Anfang wäre ein anonymer oder vertraulicher, geschützter Rahmen für direkte Gespräche und einen kollektiven Reflektionsprozess.
Um zu guter Letzt zu erklären, was jetzt der Einstiegsporno in diesem Beitrag soll: Das Zustimmungskonzept wurde in der Diskussion beim workhop als ein praktischer Zugang zu Sexualität erwähnt, spontan viel mir dazu der obige pervocrazy-Artikel ein auf den kurz davor via classless (und etwas herumklicken) gestossen bin. Das Zitat am Anfang ist nicht als Provo gedacht, sondern als Frage: Was ist ok, was ist sagbar in einem linkem Rahmen/Medium? Warum, warum nicht? Braucht es mit solchen Texten einen anderen Umgang als mit Kochrezepten? Will überhaupt irgendwer im politischen Rahmen über Sexualität lesen oder gar reden? Ich bin gespannt auf weitere Fragen.
Am kommenden Dienstag ist eine Abendveranstaltung mit dem Autor Nanni Balestrini im Gasteig. Zu meiner grossen Überraschung gibts Genoss_innen, denen der Name nichts sagt, deshalb in aller Kürze: Balestrini hat 68 in Italien die Gruppe Potere Operaio mitgegründet und musste 79 nach Frankreich ins Exil, da ihm die Mitgliedschaft in den Brigate Rosse vorgeworfen wurde. Zusammen mit Primo Moroni schrieb er „Die goldene Horde“, meines Wissens nach das Standardwerk über die Autonomia. In seinen Romanen geht es um verschiedene soziale und politische Bewegungen – „Wir wollen alles“ behandelt die grossen Streiks bei Fiat, das Hooligan-Epos „I Furiosi“ (Die Wütenden) beschreibt die Fankultur des AC-Milan und das kleinkriminelle Milieu darum. Am bekanntesten dürfte „Die Unsichtbaren“ (Gli Invisibli) sein, dass der Generation 77 – der ersten Welle Autonomer Politik in Italien – ein Denkmal setzt. Ein kurzer Auszug:
unser Zentrum war mitten in der STadtund das ganze umliegende Viertel war praktisch von uns besetzt die Leute der Szene schweiften dort umher auf den Bänken des kleinen Parks lagerten den ganzen Tag über Genossen etwa zweihundert Meter entfernt war ein Kaufhaus das tagtäglich von Gruppen von Genossen heimgesucht wurde irgendwann beschloss die Geschäftsleitung gegen diese täglichen schamlosen Raubzüge etwas zu unternehmen und stellte massenhaft Wärter auf die rannten eines Tages hinter ein paar Genossen her die Lebensmittel geklaut hatten rannten auch noch draußen auf der Strasse hinter ihnen her und die Genossen rannten zum Zentrum und schrien laut einen Augenblick lang herrschte Großalarm alle rannten hinaus mit den Fahnen die in Wirklichkeit Spatenstiele waren mit einem roten Stofffetzen dran
auf so etwas waren die Wächter nicht gefasst sie machten vor den ersten roten Fahnen Halt kehrten um und rannten zurück sie hatten jedoch den Namen einer Genossin rausgefunden und zeigten sie an und aus Angst vor unserer Reaktion foderten sie zwei Auto mit Bullen an die von nun an vor dem Eingang standen daraufhin ließen sich die Genossinnen eine schöne Aktion einfallen sie zogen sich alle elegant an und gingen zu zwanzig dreißig ins Kaufhaus und als sie drin waren schlenderten sie mit Rasierklingen durch die Bekleidungsabteilung und ritsch ratsch Jacken Pullover Röcke Hoen Mäntel Capes es war verheerend Schäden in Millionenhöhe und dann gingen sie selenruhig wieder hinaus keiner hatte etwas gemerkt die Polizeiautos standen noch zwei Wochen vor dem Eingang und währenddessen gingen die Leute in einen anderen Supermarkt klauen und dann ging hier wieder alles von vorne an
[…]
In der Zwischenzeit war jedoch ein anderes Problem aufgetaucht das uns plötzlich zu schaffen machte das war das Heroinproblem das immer weitere Kreise zog und auch in die Bewegung einzudringen begann tagelang diskutierten und diskutierten wir darüber ist ja klar das denen an der Macht diese Situation gerade recht kommt die schon einen Haufen Tote gefordert und viele zu Zombies gemacht hat die nun mit Spritze und Löffel an den Brunnen auf den Plätzen herumhängen klar das dem Heroin am ehesten diejenigen verfallen die das System am meisten ablehnen und es nicht mehr ertragen können das Heroin bietet uns ein individualistisches und selbstzerstörerisches Ventil für unseren Wunsch nach Veränderung für die Wut die wir in uns haben
Was passiert, wenn sich marginale Linke lieber aneinander abarbeiten, als die Gesellschaft zu verändern? Sektenquatsch, wie diesen Winter in Hamburg. Sehr gut aufbereitet von der Spielgruppe Rantanplan (via keny).
Die autonome Linke in München ist mal wieder etwas besser aufgestellt – mehr Gruppen, mehr Aktionen die gut klappen. Zeit, darüber zu reden was wir dieses Jahr noch so alles aushecken wollen, Zeit sich über Perspektiven auszutauschen. Findet jedefalls die Antifa NT, und lädt am Do., 7.1. zur
Diskussionsveranstaltung zu Perspektiven antifaschistischer und linksradikaler Praxis in München
Das letzte Jahr lief nicht unbedingt schlecht für die radikale Linke in München, vielmehr gab es im Rückblick betrachtet eine Vielzahl von Aktionen, Diskussionen, Mobilisierungen zu verschiedensten gesellschaftlichen und politischen Ereignissen und Entwicklungen. Um nur einiges zu nennen: Eine große und kraftvolle Demonstration gegen die SiKo, eine gemeinsame Mobilisierung gegen den Nato-Gipfel in Strasbourg, Gegenaktionen gegen drei Naziaufmärsche und eine Vielzahl anderer Naziaktivitäten, wie etwa Kundgebungen, Mahnwachen, Infostände etc., die Antifademo zum 8.Mai, zudem noch eine, vor allem anfangs starke, Teilnahme an den aktuellen Student_innenprotesten oder etwa auch die Aktionen gegen fundamentalistische Christ_innen und Abtreibungsgegner_innen.
Wir glauben, dass es mit der radikalen Linken in München aufwärts geht, dass mehr Menschen erreicht werden können, dass Inhalte und Ziele besser vermittelt werden, dass sich mehr Menschen organisieren und eigenständig aktiv werden. Allerdings und da dürfen wir uns nichts vormachen ist die radikale Linke nach wie vor gesellschaftlich marginal. Dies gilt es zu ändern.Wir wollen mit euch die Ereignisse und Entwicklungen, Stärken und Schwächen, Bewegungen und Stillstände, vor allem aber über Perspektiven linksradikaler Poltik in München diskutieren. Dazu wird es ein kurzes Inputreferat geben, in dem wir eine kurze Chronologie geben wollen und einige Thesen vorstellen, um danach mit euch in die Diskussion einzusteigen.
Darüber hinaus gibt`s wie immer Antifa-News, kühle Getränke und den offenen Antifa-Stammtisch. In der Küche zaubert das Kulinariat. Beginn ca 21 Uhr. Offen ab 20 Uhr, Kafe Marat, Thalkirchnerstr. 104 (Aufgang 2)
Die Auflistung an Aktionen ist natürlich nicht komplett, eines fällt aber auf: Pessimistisch gesehen hat die autonome Linke Münchens drei Themen (Antimilitarimus, Antifa, pro choice), dazu haben sich Genoss_innen in die Studiproteste eingebracht. Für eine autonome Linke, die sich stark über Antifa definiert ist das nicht schlecht. Aber wir wollen mehr, und darin sehe ich eine grosse Chance an einer Veranstaltung, bei der über Gruppen- und Teilbereichsgrenzen hinweg diskutiert wird: Ausloten, in welche gesellschaftliche Bereiche wir uns noch einmischen wollen, gucken welche Politikformen wir uns jenseits von Kampagnenpolitik vorstellen können und darüber reden wie wir unsere nächsten Aktionen grösser, verückter, gemeiner und offener hinkriegen. Ich freu mich drauf.
Einige aus dem Vorbereitungskreis der Aktionen gegen das Nazi-Heldegdenken haben eine ausführliche Nachbereitung veröffentlicht. Fazit: Auch in München kann was gehn, Arbeit in der Vorbereitung zahlt sich auf der Strasse aus, es ist gelungen über die üblichen Verdächtigen hinaus zu mobilisieren. P.s., fürs nächste Mal: No camera, no problem.
Ein neuer Beitrag zur Antifa heisst … Debatte im AIB ist erschienen, diemal von der Berliner Gruppe TOP: Antifa heisst mehr als Boxen und Bücherlesen.
Die bislang beste Zusammenfassung der bisherigen Debatte gibt es bei mir, zarte Ansätze einer Diskussion des aktuellen Textes findet ihr beim rockstar.
Aber nun zu einer kommentierenden Zusammenfassung des TOP-Textes. TOP selbst stimmen der LEA, die den letzen Text in der Reihe vor ihnen veröffentlicht haben weitgehend zuz, so dass sie sich nur noch bemüssigt fühlen ganz grundsätzlich über Staat und Kapital aufzuklären. Damit füllen sie eine Leerstelle des LEA-Textes, indem eine allgemeine Gesellschaftskritik zwar gefordert, aber noch nichtmal skizziert wurde, ich würde erstmal unterstellen dass beide Zusammenhänge in ihrer Kritik einigermassen nahe beinander sind.
In 6 Sätzen zusammengefasst funktionieren Staat, Kapital und Faschismus laut TOP dabei so: Die einzelnen Subjekte im Kapitalismus sind der Konkurrenz untereinander ausgesetzt, diese dringt in jeden Lebensbereich. Ebenso selbstverständlich wie die kapitalistische Konkurenz ist den Subjekten dabei ihre Rolle als Staatsbürger_in. Menschen verhalten sich als Inhaber_innen allgemeiner Rechte und Pflichten zueinander, die ihnen von einem Staat zu- oder aberkannt werden, der wiederum die Funktion hat die Verwertungsbedingungen seines Kapitals herzustellen. Die Bürger_innen eines Staates sind damit eine „profane, objektive Schicksalsgemeinschaft“ und von der Fähigkeit ihres Staates abhängig sich in der Konkurenz der Standorte zu behaupten, Nationalismus ist die Reflexionsform dieses Wettbewerbes der Staaten. Faschismus ist dann ein mögliches Staatsprogramm, dass auf unmittelbare Herrschaft statt auf komplizierte Vermittlung setzt und verspricht durch schiere Willensakte das Staatsvolk vor den Unwägbarkeiten des Marktes zu schützen. Dieser Faschismus kann von Demokrat_innen nicht richtig kritisiert werden, weil sie das grundsätzliche Ziel desselben – den Erfolg der Nation – teilen.
Auch wenn die TOP erheblich mehr als 6 Sätze braucht, Ideologie kommt in ihrer Faschismusanalyse nicht vor. Patriotismus fusst bei ihnen ausschliesslich auf dem Sein als Staatsbürger_in, Rassismus wird nicht eigens erwähnt und wohl alleine aus dem Nationalismus heraus erklärt, patriarchale Zustände kommen nicht vor.
TOP machen schon klar, dass sie Antifa für sinnvoll halten, wenn sie dafür plädieren „auch jene zum Ziel der Praxis machen, die für eine Verhärtung von Staat und Gesellschaft und die Radikalisierung ihrer alltäglichen Zumutungen einstehen.“ Sie machen nicht klar, in welchen gesellschaftlichen Bereichen eine antifaschistische Intervention Sinn macht, ihre Analyse von den Bürger_innen, die ganz Ideologiefrei für ein anderes Staatsprogramm stimmen gibt da nicht viel her.
Auf strategische Überlegungen verzichtet TOP in diesem Text komplett, stattdessen bieten sie eine knackige, sehr Gegenstandspunkt-inspirierte Kritik an der Bürgerlichen Gesellschaft. Als Selbstdarstellung eines Theoriezusammenhangs ganz nett, in einer Strategiedebatte aber ziemlich deplaziert. Statt ein Gegenstandpunktsflugblatt abzutippen hätten sie mal besser ein paar praktische Konsequenzen aus dieser Analyse benannt, soweit vorhanden. Immerhin sampeln die Genoss_innen ein cooles Zitat von Brecht über Sport, hier wohl bezogen auf Antifaarbeit:
Kurz: ich bin gegen alle Bemühungen, den Sport zu einem Kulturgut zu machen, schon darum, weil ich weiß, was diese Gesellschaft mit Kulturgütern alles treibt, und der Sport dazu wirklich zu schade ist. Ich bin für den Sport, weil und solange er riskant (ungesund), unkultiviert (also nicht gesellschaftsfähig) und Selbstzweck ist.
Antifa als nicht gesellschaftsfähiger Selbstzweck, mit soviel punk kann ich gut leben. Aber hätts dafür 4 Seiten im AIB gebraucht?
Vereinstrukturen, die in Weimar aufgebaut wurden um Häuser zu halten, werden aktuell verwendet um den Täter einiger sexisitischer Übergriffe zu schützen. Von hier aus solidarische Grüsse an die Betroffenen, ihre Unterstütz_innen und die Gerberstr. 1! (via lysis)
Der letzte Samstag war frustig für Antifas, die Münchner Polizei hat sich wohl dafür rächen wollen dass ihnen die Situation am 13.6 etwas entglitten ist. Damals demonstrierten Nazis gegen das Kafe Marat, Antifaschist_innen und Anwohner_innen reagierten auf diese Provo wurde mit der gebührenden Aggressivität. Die Presse schwieg diesen Aufmarsch im Vorfeld eher tot, im Nachhinein war von „Flaschenwürfen zwischen Jugendlichen“ zu lesen – 5 Monate später sind die Vorfälle auf einmal schlimme „Ausschreitungen“, und der Grund für einen Polizeieinsatz, der sogar für Münchner Verhältnisse einfach nur noch meschugge war.
Ein erste Sammlung an Berichten zu den Vorfällen findet sich unter diesem indymedia-Artikel (der eigentlich nur darauf hingewiesen hatte, dass der Marsch nach anfänglichem Verbot erlaubt ist). Luzi-M bietet eine gute Zusamenfassung des Tages, etwas ausführlicher ist ein weiterer indy-Artikel.
Beide letztgenannten Artikel sind sich einig, dass die bürgerliche Mobilisierung eher enttäuschend war, und das Bullenaufgebot jenseitig. Die Schlussfolgerungen daraus sind aber unterschiedlich.
Luzi-M bemängelt eine mangelnde Entschlossenheit und Flexibilität bei den Antifaschist_innen, und schlägt vor von den bürgerlichen Bündnispartner_innen das nächste mal mehr als nur Lippenbekenntnisse zu fordern. Die Schreiberlinge auf indymedia plädieren eher gegen breite, bürgerlich geprägte Bündnisse die dann doch niemanden auf die Strasse bringen, und regen an Nazis dann anzugehen wenn sie mal keine 1000+ Bullen um sich rum haben, die entsprechenden Adressen seien ja bekannt. Möglicherweise denken die Autor_innen da an Aktionen wie den Farbanschlag auf die Nazikneipe Fanarena in der Woche vor dem Aufmarsch.
Wie auch immer mensch zu den einzelnen Vorschlägen für eine weitere Praxis steht, entscheidend ist die Matchtfrage – wer machts? Solange es in München so unglaublich wenige organisierte Zusammenhänge gibt, die mobilisieren, auf der Strasse Akzente setzen oder auch des Nachts um die Häuser ziehen, solange schweben all die taktischen und politischen Überlegeungen etwas im luftleeren Raum. In diesem Sinne: Bildet Banden!