Tag-Archiv für 'antisemitismus'

Hamburger Sektenquatsch

Was passiert, wenn sich marginale Linke lieber aneinander abarbeiten, als die Gesellschaft zu verändern? Sektenquatsch, wie diesen Winter in Hamburg. Sehr gut aufbereitet von der Spielgruppe Rantanplan (via keny).

Antiimps gegen Israelboykott!

Mir fällt spontan niemand ein, der ernsthaft für einen Boykott Israels wäre. Trotzdem will ich diesen Artikel von Workers Liberty, eine trotzkistichen Gruppe aus UK, möglichst vielen Leuten ans Herz legen. Workers Liberty entwickeln darin eine Kritik an Boykottkampagnen gegen Israel, die aus einer dezidiert Palästina-solidarischem und klassenkämpferischen Perspektive argumentiert.
Was mir gut an dem Artikel gefällt, ist dass sich die AutorInnen nicht mit Denunziation begnügen, sondern einfach schlüssig argumentieren und erklären. Dabei wird, anders als im deutschen innerlinken Diskurs, nicht primär ideologiekritisch argumentiert, sondern gefragt welche politischer Effekt erzielt wird.
Die Kernthesen im einzelnen:
Gelöst werden kann der Konflikt nur durch die Einheit der israelischen mit der palästinensischen Arbeiterklasse, entscheidend dazu ist die Haltung der Israelischen Bevölkerung. Linke sollten fortschrittliche Bewegungen in Israel unterstützen. Ein Boykott erzeugt innerhalb Israels eher eine Burgfriedensmentalität.
Boykotte funktionieren nicht, die Wirkung des Südafrikaboykotts war sehr schwach. Israel ist kein Apartheidstaat im Gegensatz zum früherem Südafrika, sondern ein Nationalstaat mit rassistisch ausgegrenzten Minderheiten, vergleichbar mit Grosbrittanien.
Viele Palästina-solidarische Linke ignorieren die vielen Angriffe anderer Staaten auf Israel, und verstehen deshalb nicht den Hintergrund vor dem sich der israelische Imperialismus entwickelte. Ausserdem wird ignoriert, dass auch andere Staaten in der Region brutal gegen die ‚Palästinenser‘ vorgegangen sind.
Akademische Boykotts sind schlimmer als Warenboykotts, weil sie die Möglichkeit nehmen Kontakte zu progressiven israelischen Student_innen und Lehrenden zu knüpfen.
Linke sind gemeinhin skeptisch, was Boykotts angeht, da sie auf Konsumentenmacht beruhen, nicht auf der Macht am Arbeitsplatz.
Es gibt definitiv schlimmere Staaten als Israel, warum nur dieser boykottiert werden soll können die Anhänger eines Boykotts meist nicht erklären. Wie sollten UK-Linke einen akademischen Boykott eben der UK machen?
Anhänger von Israel-boykotts sind oft sehr milde, wenn es um Kritik an Antisemitismus geht, genannt erden drei krasse Beispiele der SWP (Linksruck-Mamapartei).
Die stärkste Wirkung des Boykotts ist nicht der ökonomische Effekt auf Israel, sondern die Stimmung die erzeugt wird. Diese trifft dann oft lokale jüdische Gemeinden.
Soweit Workers Liberty, was mir fehlt ist ein Hinweis auf die starke Ähnlichkeit zwischen Israel-boykottaufrufen und der Nazi-Parole „kauft nicht beim Juden“. Wobei diese Assoziation in UK vielleicht nicht so stark ist. Aber insgesamt lesenswert.
Hier noch eine Ankündigung: eine Art Serie „vernünftige Antiimps dissen schlechte Antiimps“ ist in der Planung, ein_e Gastwriter_in so gut wie engagiert.
Gefunden hab ich den Artikel bei contested terrain.

Nazis über NASOFI

Die Sau, die zur Zeit durchs Dorf getrieben wird trägt den sperrigen Namen „Nationale Sozialisten für Israel.“ Zum Einstieg empfiehlt sich der Artikel im NPD-blog, Überlegungen dazu, inwieweit das vielleicht ein Fake ist findet ihr bei Classless. Wendy hingegen ist die Frage „Fake oder nicht“ egal, wie Nachdenklich setzt er_sie auf die Vermittlung von Inhalten und Klassenkampf, anstelle von inhaltsleeren Symbolen und Ritualen. Schildkröte schliesslich erklärt den Faschos, dass es Nationen eigentlich nicht gibt (wurde auch Zeit, das denen mal wer Bescheid gibt), und Elser verspottet Antideutsche. Und wie diskutieren die Nazis über ihre angeblichen Israelsolidarischen Kameraden?

Nach Überfliegen von Altermedia-Kommentaren & einem Forenthread (Wikingerversand) finden sich, in absteigender Häufigkeit, folgende Einschätzungen.
Viele Schreiberlinge scheinen die NASOFIS für einen Fake zu halten. Die Einschätzung wird meistens nicht begründet, es scheint einfach bei vielen dem Bauchgefühl zu entsprechen dass die NASOFIS eine Erfindung der Antifa sind. Zum Teil wird damit argumentiert, dass die noch niemand live mit Fahne auf einer Demo gesehen hätte.
Fast so viele Nazis können sich zumindest vorstellen, dass „nationale Wirrköpfe“ hinter den NASOFIS stecken. Hier wird einerseits auf „Autonome Nationalisten“ (AN) verwiesen, „die zusammen mit der Antifa die NPD angreifen“ (altermedia Kommentar) würden, sowie auf diverse Querfront-Projekte. Alle, die die NASOFIS in diese Ecke rücken, scheinen mit AN, bzw. Querfront nichts anfangen zu wollen.
Eine ähnliche Argumentation verweist auf PI und andere antimuslimische Gruppen, zumindest unter den altermedia Kommentator_innen scheint PI (obwohl verweinzelt in antisemitscher Manier als „Judenpresse“ bezeichnet) angesehener zu sein als AN.
Einige Nazis hetzen in wüster antisemitischerr Manier, warum NSler niemals solidarisch mit Jüd_innen sein könnten. Diese Kommentare sind aber erstaunlich selten, die gehen meistens einher mit der Einschätzung „Fake“, oder der Forderung die „Abweichler“ an die Wand zu stellen, vierzuteilen, o.ä..
Häufiger sind Kommentare, die mit Verweis auf angebliche Zusammenarbeit zwischen dem NS-Faschismus und der zionistischen Bewegung erklären, warum ihre israelsolidarischen (Ex-) Kamerad_innen so ticken. Die wenigsten Faschos scheinen in der Lage zu sein, die völkische Logik der NASOFIS intellektuell nachzuvollziehen, und dann zu kritisieren oder gutzuheissen. Eine Sub-Diskussion dreht sich um die Frage, ob der antimuslimische Rassismus derzeit wichtiger ist als der Antisemitismus.
Kommentare, die sich mit dem Inhalt der NASOFIS befassen, und nicht mit Spekulationen darüber wer die sind, scheinen am Anfang sehr selten gewesen zu sein, und kommen im Laufe der Zeit häufiger vor.

Ein vorsichtiges Fazit – Die Nazis sind im grossen und ganzen intellektuell überfordert, was mensch daran sieht dass die Inhalte der NASOFIS wenn überhaupt auf einer anekdotischen Ebene diskutiert werden. Die Widersprüche in ihrem völkischem Weltbild, die die NASOFIS eigentlich verdeutlichen, erkennen sie jedenfalls nicht. Dass die pro-Israel Nazis den grossen Spaltpilz unter die Faschos tragen bezweifle ich. In den Diskussionen zeigen sich aber ältere Spaltlinien ganz deutlich, z.B. zwischen NPD und AN. Wann diese Streitereien auch wieder zwischen der Münchner NPD und ihren AN Wahlhelfer_innen ausbrechen ist nur eine Frage der Zeit. Zum Beispiel dann, wenn AN-Kader Hasselbach seinen Leuten erklären soll, warum sie sich am (von Münchner NPDlern organisierten) Bayerntag der NPD beteiligen sollen, und nicht an der Konkurenzveranstaltung „Frankentag.“ Deren Programm ist viel klarer auf ein Nazipublikum zugeschnitten, im Vergleich zum eher an Familiern orientierten Bayerntag.

Quellen, die xx in urls durch tt ersetzen:
„Nationale Sozialisten für Israel“:
hxxp://nasofi.blogspot.com/
Altermedia: „Nationale Wirrköpfe oder Fake?“
hxxp://de.altermedia.info/general/nationale-wirrkopfe-oder-fake-160508_14227.html
Wikingerversand Forum „Vorsicht Fake:
hxxp://forum.wikingerversand.de/showthread.php?t=9270

„Nationale Sozialisten für Israel“

Bei den Faschos gibt es nichts, was es nicht gibt. Nachdenklich hat eine israelsolidarische Faschogruppe entdeckt:

Dass die Völkischen auf die Idee kommen, dass auch das jüdische Volk seinen Platz in einer völkischen Welt haben sollte, ist nicht verwunderlich. Seltsam ist, dass es so lange dauert, bis die ersten Nazis* mit Israelfahnen herumwedeln. Gerade das Widersprüchliche macht doch für die neue Generation der NationalsozialistInnen wieder den Reiz aus.

Nachtrag: Elser hält das ganze für einen gelungen fake, die Nazis die im Wikingerversand-forum darüber diskutieren scheinen sich nicht so sicher zu sein. Bislang vollzieht dort niemand die Logik der pro-Israel Nazis nach, verschiedene Diskutant_innen sind aber auch nicht besonders überrascht.
Aber seht selbst:
hxxp://forum.wikingerversand.de/showthread.php?t=9270

Nachtrag zur Antiamerikanismus-Veranstaltung

Wie auch in diesem Blog angekündigt, war am vergangenen Donnerstag im Antifa Cafe im Kafe Marat eine Veranstaltung über das Amerika Bild der NPD. Insbesondere im Übergang vom rechten zum linken Antiamerikanismus fand ich ein paar Sachen ärgerlich platt, inhaltlich und im Diskussionsverlauf. Für die die nicht da waren gibt es eine kleine Zusammenfassung des Vortrags, danach meine Kritik. Ziel und Zweck ist nicht, den Referenten oder andere Mitdiskutant_innen zu dissen, sondern ein paar Punkte nachzureichen die in der Diskussion nicht präsent waren.

Zugrunde lag die Antiamerikanismusdefinition von Paul Hollander. Dem Vortrag nach gibt es in Faschokreisen nicht so sehr ein geschlossenes Bild oder Stereotyp der USA, diese sind eher Projektionsfläche für den Hass auf liberale Werte und für alles was an der modernen Welt grade Scheisse gefunden wird, sei fast-food oder Multikulti. Dabei findet ein starke Verquickung mit antisemitischen Stereotypen über das Ostküstenkapital statt. Während für die NPD Antiamerikanismus derzeit ein zentraler Inhalt ist, war die zu Zeiten des Kalten Krieges überhaupt nicht der Fall. Der Referent kritiserte Antiamerikanismus als wahnhaftes Modell der Welterklärung, das aus dem Neid auf als US-amerikanisch wahrgenommene Errungenschaft folgt. Der Antiamerikanismus der NPD wurde als anschlussfähig an den Mainstream beschrieben, in diesem Zusammenhang wurde auch auf linken Antiamerikanismus hingewiesen, der gleichen Bilder bemühe – wobei der Referent sich nicht zu der These verstieg, dass jede Kritik an den USA per se antiamerikanistisch sei, vielmehr müsse geguckt werden welche Projektionen hinter der Kritik stecken. Die Mehrheitsfähigkeit des Antiamerikanismus wurde anhand von Umfragen belegt, z.B. dazu wo die Verantwortung für Kriege gesehen wird. Dabei ist mir schleierhaft, warum es ein Beleg für irrationale Projektionen sein soll, wenn viele Leute die Frage „wer trägt die Verantwortung für die meisten Kriege?“ mit USA beantworten.
Für mich den höchsten Unterhaltungswert hatte ein Foto von einem Naziaufmarsch, bei dem Faschos ein Transparent mit der Aufschrift „Deutscher Wein statt Ami-Fusel“ trugen. Insbesondere die Coca-Cola Dose die den „Amifusel“ symbolisieren sollte war ein köstlicher Anblick, bewundernswert fand ich auch wie die Transpimaler_innen die „deutschen Weinreben“ so kränklich-blass hingekriegt haben. Bei aller Beknacktheit, gleichzeitig ist das eine der unmittelbar harmlosereren Faschoparolen – der Spruch „Bockwurst statt Döner“ enthält demgegenüber eine direkte Drohung gegenüber als „südländisch“ wahrgenommenen Menschen (Um mal bei der Gastronomie zu bleiben).

Die folgende Diskussion kam nochmal auf den (vermeintlichen oder tatsächlichen) linken Antiamerikanismus zurück, als Beispiel wurde ganz allgemein die alljährliche Mobilisierung gegen die NATO-Sicherheitskonferenz in München genannt. Und hier setzt meine Kritik an – an diesem Abend wurde Antiamerikanismus als Bestandteil aktueller faschistischer Ideologie behandelt, das war ja auch das Thema. Dabei wurde aber wenig Kritik am Antiamerikanismus formuliert – was auch konsequent ist: Mit Nazis will ich nicht diskutieren, also brauche ich wenig Argumente gegen sie. Es genügt, die Rolle zu verstehen die Antiamerikanismus als Welterklärungsmuster für Nazis spielt. Die Analyse konzentrierte sich auch auf den speziellen, stark rassistisch, antisemitisch und revanchistisch aufgeladenen Antiamerikanismus der NPD.
Von da dann ganz flink zum Antiamerikanismus in der linken überzugehen ist aber Banane, wenn die Kritik am Antiamerikanismus über „die Nazis machen das auch …“ nicht viel hinausgeht. Auf diese Art wird Antiamerikanismus zur Gemeinsamkeit zwischen linken und rechten stilisiert, dabei wird der Blick für sehr relevante Unterschiede – antisemitische oder rassistische Aufladung etwa, oder der Unterschied zwischen kulturalistischer und politischer Kritik – verstellt.
Wichtige Punkte für eine innerlinke Auseinandersetzung mit dem Antiamerikanismus wären a) die Kirche im Dorf lassen – es gibt tatsächliche schlimmeres b) grundsätzliche Kritik am Kulturalismus c) ein enger Fokus auf die USA kann andere Machtverhältnisse verschleiern d) wenn von linker Kritik an US Politik nur Ressentiments im Mainstream ankommen (und das ist eine Sache von Senderin wie Empfänger), können Rechte davon profitieren und überhaupt und sowieso – die Grenzen verlaufen immer noch nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten. Diese und andere Punkte wären weiterzudiskutieren, dazu gehört auch eine genauere Analyse welche Antiamerikanischen Projektionen in der linken relevant sind. Der Verweis darauf, dass die Faschos jetzt auch gegen die USA sind, taugt dabei nicht als Argument – höchstens als Augenöffner und zur innerlinken Feindbildpflege.

„…Rothschild?“

München, Stachus, Oaxaca-solikundgebung. Ein Passant, nachdem ihm erklärt wurde was es mit dem Aufstand in Oaxaca auf sich hat:

Aha. Und was halten sie von den Rothschilds, die das alles steuern?

Die Sicherheit, mit der dieser Knallkopf behauptete das die Rothschilds hinter den Vorgängen in Oaxaca stecken, unmittelbar nachdem er zum ersten Mal gehörte hatte das es diesen Ort überhaupt gibt zog mit schier die Schuhe aus, mir ist fast nichts drauf eingefallen. Aber was soll mensch so einem Trottel auch erzählen?