Tag-Archiv für 'antirassismus'

The Danger of a single Story

Ich tue mich schwer damit, die Veranstaltung 125 Jahre Berliner Afrikakonferenz zusammenzufassen. Stattdessen gibt es ein kleines Filmchen, dass auch Teil des einen Vortrages war: „The danger of a single story“, ein 20 min. kurzer Vortrag von Chimamanda Adichie. Die nigerianische Schriftstellerin erklärt darin relativ prägnant, wie rassistische und andere Stereotypbildung funktioniert, ohne wissenschaftlich zu werden. Als kleine diskurstheoretische Einführung sehenswert, ausserdem scheint sie eine ganz coole Person zu sein:

Was mir noch fehlt, ist der Gedanke, dass wenn mal so eine single story etabliert ist, auch eher Geschichten erzählt werden die diese bestärken. Was auch fehlt, ist dass manche an bestimmten single stories festhalten wollen, und andere Erzählungen schlichtweg nicht wahrnehmen.

Adichie schlägt als Strategie gegen die etablierten single stories vor, mehr verschiedene Geschichten zu erzählen. Das ist, zugegebnermassen, keine neue Idee. Aber eine ganz gute, und eine für die blogs gut geeignet sind. Deshalb will hier zum Abschluss Werbung für drei Projekte machen, die der herrschenden Erzählung über Migration andere Geschichten entgegensetzen:
Jogspace.net ist die Präsenz der Migrant_innen Selbstorganisation Jugeendliche ohne Grenzen, komplett mit eigener blogging-Plattform: planet.jogspace.net. Leider sind viele der Jogblogger_innen etwas inaktiv, mit zwei Ausnahmen. Birds of Immigrants und Schengendanglehier schonmal vorgestellt – sind Kollektivblogs von Flüchtlingen, die sich gerade mit dem europäischem Grenzregime herumschlagen. Kennt ihr ähnliche Versuche, den hiesigen rassistischen Erzählungen etwas entgegenzusetzen? Nur her damit!

trying to reach the less worse country

we came till skopia
and my mobile said :

T-mobile welcomes you to the Republic of Macedonia! For assistance please call 0038970122! Have a pleasant stay in our contry!

we were happy and they did welcome us very well as very special gueast. But the police kicked us out of the border, back to greece

i am an unlucky man.

Das ist eine der kleinen Geschichten, die Birds of Immigrants erzählt – ein Kollektivblog, geschrieben von jungen Flüchtlingen die versuchen sich nach Europa durchzuschlagen. Eine ähnliche Ausrichtung hat Schengendangle:

schengendangle is the Blog of people like me, who come to Europe with the hope to finaly escape and find a new home. We are refugees trying to reach the less worse country, the one where we have a chance to get asylum. To achieve that, we are forced to cross the external borders of Europe and the internal ones. We cannot travel on the normal way like a tourist. We don’t have passports. In this world we have to travel in the darkness, in small dinghies, hidden inside and under lorries and by whatever means you might think of or you might not imagine at all.

This Blog is the attempt to fight back against inequalities by telling our stories. The Schengen Treaty gives some people the possibility of free movement in Europe but for others it makes it more difficult if not impossible to travel. It takes our human rights as people only because we are not European citizens. Dangle we call it when we hide underneath a lorry, between the tires – we the unseen of Europe.

Zwei blogs, die ich euch allen ans Herz legen will, und die dringend mehr Bekanntheit verdient haben.

Flüchtlingsproteste unteerstützen!

Die Proteste und den Hungerstreik von Flüchtlingen in den Lagern in Hauzenberg und Breitenberg kann mensch so unterstützen: 1. die online-Petition des Bayerischen Flüchtlingsrat unterstützen, 2. Am Freitag zur Kundgebung nach Passau fahren.

Flüchtlinge im Hungerstreik

In Hauzenberg und Breitenberg machen Flüchlinge einen Hungerstreik, nun schon eine ganze Weile. Zentrale Foderungen sind Bargeld statt Essenspakete, weg mit dem Arbeitsverbot und Aussetzung der Reidenzpflicht. Die Karawane München berichtet und unterstützt, wichtig wäre die Nachricht weiterzuverbreiten und für Solidarität zu werben.

Meinungsfreiheit nicht für Flüchtlinge

Flüchtlinge aus Nordbayern, die der sog. Residenzpflicht unterliegen, erhalten keine Reiseerlaubnisse, um sich an den heute angelaufenen Lagerschluss-Aktionstagen zu beteiligen, so die Karawane München. Damit untersagt die Behörde, gegen die sich der Protest richtet, den Betroffenen sich an diesem Protest zu beteiligen.
Mensch kann sich bei Innenminister Herrmann – minister@stmi.bayern.de – beschweren, versuchen die obige Presseerklärung in grossen Medien unterzubringen und sonstwie mithelfen politischen Druck gegen diese Entscheidung aufzubauen.
Wichtig ist aber auch, dass sich um so mehr Menschen an den Aktionen heute und an den kommenden Tagen beteiligen – um auch ohne die fehlenden ein paar powervolle Aktionen hinzulegen, und damit diejenigen, die gegen ihre Residenzpflicht verstossen besser vor Repression geschützt sind. Also bis dann.

„… the Antifa don‘t see this!“

Ein bisschen Gepöbel gegen die Antifa, von einem thüringischen Flüchtlingsaktivisten. Bei aller Provo ist das Argument garnicht so falsch:

You see, in west-Germany, you have lots of Ausländer, and only a few Nazi. In the east, it’s the other way round. So if you stop deportations, you are effectively fighting the Nazi. But the Antifa don‘t see this! They are so focused on their games with the Nazi!

Save me – Eine Stadt hat nichts zu sagen

Wir durften miterleben, wie das Asylrecht demontiert wurde und haben im Lauf der Jahre zahlreiche Anti- Abschiebungs-Aktionen, Mahnwachen, Kampagnen, Kundgebungen, Festivals, Camps und Demonstrationen gestemmt. Mit dem Ergebnis: Die Verhältnisse für Flüchtlinge haben sich stetig verschlechtert. Wir stellten uns immer wieder auf die neuen Verhältnisse ein mit dem Ziel, Schlimmeres zu verhindern oder zumindest abzumildern. Der Forderung „Grenzen auf!” folgte „Weg mit der Residenzpflicht!”, auf „Kein Mensch ist illegal!” folgte irgendwann „Her mit dem Bleiberecht!”. Mit den Forderungen schrumpfte auch der Kreis unserer MitstreiterInnen und wurde von Jahr zu Jahr exklusiver. Wir kennen uns und haben unsere Nische gut eingerichtet.

So beschreibt Matthias Weinzierl vom bayerischen Flüchtlingsrat (BFR) die Situation, aus der heraus die Kampagne Save me – Eine Stadt sagt ja ins Leben gerufen wurde. Ziel der Kampagne: Die Stadt München soll zur Feier ihres 850 Geburtstages ebensoviele Flüchtlinge aus einer Krisenregion aufnehmen, im Rahmen einer sog. Resettlement Massnahme. Dazu wurden bislang über 900 Pat_innen gewonnen, die sich einerseits bereit erklärten einem Flüchtling dabei unter die Arme zu greifen, sich in München einzurichten, andererseits deutlich machen dass „dass Flüchtlingsschutz uns alle betrifft und ein Umdenken in der Flüchtlingspolitik nötig ist.“ Der qualitative Sprung gegenüber z.B. der Bleiberechtskampagne ist, dass aktiv Flüchtlinge in die Festung Europa hineingeholt werden sollen. Mittlerweile gibt es Save-me Kampagnen in Augsburg und Berlin, in weiteren Städten sind ähnliche Inititiven in Vorbereitung.

Kritik an der Kampagne
Die Kampagne wurde kontrovers diskutiert, unter anderem in der aktuellen Hinterland. Ich will hier aber im wesentlichen die Kritikpunkte aufgreifen, die Maxim Kammerer in seinem Text „Don‘t save me!“ vorbrachte.

Auf der Save Me-Kampagnenseite finden sich mittlerweile knapp 500 PatInnen, die zum größten Teil Deutsche sind, die „schon immer mal was Gutes tun” wollten. Flüchtlinge, um deren Schicksal es eigentlich gehen sollte, finden sich auf der Seite kaum und vor allem nicht als handelnde Subjekte, sondern nur als anonyme Opfer, als Objekte deutscher/europäischer Hilfsbereitschaft.
[…]
Das appellative „Save Me”, Rette Mich!, ist die anmaßende Einnahme der SprecherInnenrolle der als Opfer identifizierten Flüchtlinge und MigrantInnen durch die Subjekte der Kampagne. Dieses Sprechen für und über Andere ist Teil der Problematik, denn auch die rassistischen Diskurse gegen Flüchtlinge und MigrantInnen der letzten Jahrzehnte haben immer über eine Fremdzuschreibung funktioniert. Auch wenn es der Save Me- Kampagne bestimmt nicht darum geht, rassistische Stereotypen zu reproduzieren, liefert sie dennoch ebenso keinen Beitrag zu ihrer Dekonstruktion.

Nach der Kritik an der Form der Kampagne beschreibt Kammerer den Paradigmenwechsel zwischen dem Asylrecht von vor 1993, und Resettlement. Ersteres ist ein theoretisch von Flüchtlingen einforderbares Recht, letzteres ein Gnadenakt, der immer auch den Interessen des/der „gnädigen“ folgt:

Wie diese Verkehrung konkret aussieht, wird anhand der Forderung Wolfgang Schäubles sichtbar, die EU solle Resettlement für irakische Christen betreiben. Zwar sind mehrere Millionen IrakerInnen jeder Konfession auf der Flucht, die EU möge aber nur die Glaubensbrüder und – schwestern aufnehmen. Dies hat natürlich nichts mehr mit Flüchtlingsschutz zu tun, aber es segelt ebenfalls unter der Flagge Resettlement. Dem Resettlementkonzept frappierend ähnliche Pläne hatte im Übrigen auch der damalige Innenminister Otto Schily, der in Nordafrika von der EU Flüchtlingslager aufbauen lassen wollte, um dort die Prüfung der Asylanträge durchzuführen.

Ein paar Punkte pro Save me
Stephan Dünnwald vom BFR, selber aktiv an der Kampagne beteiligt, beschreibt den best case (Hinterland):

Der bayerische Flüchtlingsrat erwartet sich vielleicht weniger von der „save me” Kampagne als seine Kritiker. Ein mögliches Resettlement-Programm, womöglich durchgeführt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, operierend nach den Auswahlkriterien ‚Konfession’ und ‚Kompatibilität mit dem deutschen Arbeitsmarkt’, ist das wahrscheinliche Ergebnis. Der Flüchtlingsrat ist jedoch nicht der UNHCR, und so behalten wir uns vor, auch weiterhin offen zu sagen, was wir wollen.

Die erwähnten Auswahlkriterien sind alles andere als toll, oder progressiv. Die derzeitigen Auswahlkriterien, um in die EU zu kommen beinhalten Geld für ein Flugticket oder einen Platz in einem Boot, Zugang zu einem Netzwerk dass bei der Einreise hilft und für manche Routen einen schwer vorstellbaren Mut.
Zur Frage der Sprecher_innenrolle stellt er die Frage: „ich sehe nicht, wo dies für diese Flüchtlinge ein „Silencing, eine Entmündigung” bedeutet. Sollten sie lieber in ihren Lagern in Syrien oder Tschad sitzen bleiben? Wer hört sie dort?
Was mensch weiter nicht vergessen darf, ist das erwartungsgemäss manche derer, die via Resettlement hierher kommen vieles daran setzen werden um ihren Status zu verfestigen, Bekannte nachzuholen … dass Flüchtlinge im Rahmen der Save-me Kampagne nicht als handelnde Subjekte wahrgenommen werden, heisst nicht dass sie keine sind.
Die aktuell laufenden Diskussionen um ein Resettlement für irakische Christen haben noch einen positiven Nebeneffekt. „So gibt es bereits zaghaften Signale das sich unsere Forderung nach einer Aufenthaltserlaubnis für irakische Flüchtlinge im Windschatten des Resettlement verwirklichen könnte, da der Widerspruch irakische Flüchtlinge aufnehmen und gleichzeitig bereits seit Jahren hier Lebende Iraker abschieben nicht vermittelbar ist“, so die Kampagne gegen Abschiebungen in den Irak.
Scheinbar der grösste Erfolg der Kampagne ist aber der einstimmige Beschluss des Sozialauschuses des Münchner Stadtrats, die Kampagen zu unterstützen. Liest sich mensch aber die SZ-Berichterstattung zum Beschluss durch, erscheint der Beitrag von save-me weniger klar:

Stadträtin Gülseren Demirel (Grüne) sagte, sie sei „sehr froh, dass München dieses Signal nach Berlin gibt“.
Dort wird gerade mit der EU, dem Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen sowie den Innenministern des Bundes und der Länder ein Aufnahmeprogramm diskutiert, wie es die Kirchen für irakische Christen fordern, deren Leben zunehmend bedroht ist. Eine Entscheidung dürfte noch in diesem Jahr fallen. Wenn dann rund 30 000 Verfolgte aufgenommen würden, kämen bei der Verteilung nach dem üblichen Schlüssel etwa 500 irakische Christen nach München.

Müssig zu erwähnen, dass die Inititive zur Aufnahme irakischer Christen nicht vom BFR ausging, und mit der Save-me Kampagen nichts zu tun hat. Der Beschluss des Sozialauschusses kostet München keinen müden Cent, weil die Stadt sowieso 500 irakische Christ_innen aufnehmen wird (oder keine, falls auf Bundesebene gegen das Resettlement entschieden wird). Das erklärt auch, warum sogar die CSU dafür gestimmt hat. Die Save-Me Kampagne hat hier bestenfalls eine kosmetische Änderung an einer anderswo getroffenen Entscheidung bewirkt.

Was tun?
Bei aller Kritik an der Kampagne, sie ist Ausdruck davon dass sich immer weniger Leute für Antirassismus interessieren oder sich mit Flüchtlingen solidarisieren, bis weit in die radikale Linke hinein. Wenn sich daran etwas ändert, z.B. wenn das Antira-Camp in Hamburg gut wird, oder wenn mal mehr als 10 Leute gegen eine Abschiebeanhörung aktiv sind, können wir immer noch meckern.

Nebelkerzen gegen Knäste

In Frankreich werden derzeit 5 Antirassist_innen des „Zusammenschluss von Übeltätern mit dem Ziel der Durchführung eines terroristischen Aktes“ beschuldigt. Derzeit sitzen 2 von ihnen in U-Haft, die anderen stehen nach Entlassung aus der U-Haft unter richterlicher Aufsicht. Wie es zu der absurden Anschuldigung kam, beschreiben zwie der Angeklagten so:

Wir wurden am 19.Januar festgenommen. […] Wir hatten eine Rauchbombe dabei, die wir aus einer Mischung von Natronchlorat, Zucker und Mehl hergestellt hatten. Einmal angezündet, qualmt diese Mischung stark. Wir hatten vor, sie während der Demonstration einzusetzen, die an diesem Tag wieder zum Abschiebegefängnis in Vincennes führen sollte. Unser Vorhaben: für die eingesperrten Sans-Papiers sichtbar zu sein, und dies trotz der Polizei, die uns sicherlich in Entfernung des Knastes halten würde. Wir hatten auch Knallkörper und verbogene Nägel dabei, die auf der Straße ausgelegt werden können, um Autos am Wegfahren zu hindern.

Für die Polizei und die Justiz stellt das ein gefundenes Fressen dar: es muss sich um die Bauelemente einer Nagelbombe handeln.

Im Januar 2008, an den Tagen um die Festnahme herum, fand im Abschiebegefängnis von Vincenne eine grössere revolte statt, die auch von aussen unterstützt wurde. In diesem Kontext stand die Demo, zu der die beiden unterwegs waren.
Zur Unterstützung der Angeklagten findet von 9. bis 16. Juni 2008 eine Solidaritätswoche ohne Grenzen statt. Da die Übersetzungen und die Verteilung „etwas langsam“ verlaufen sind, wird ausdrücklich bekräftigt, dass „Aktionen auch noch nach diesem vorgesehenen Zeitraum erwünscht, notwendig und sinnvoll sind“. Aus dem Aufruf zur Aktionswoche:

Solidarität mit den Gefangenen ist nun notwendig, sollte aber über materielle Zuwendungen hinausgehen : Sie muss auf die existierenden sozialen Kämpfe aufbauen, sowie auf sämtliche Aktionen, die Widerstand gegen den reibungslosen Verlauf der Geschichte im Sinne von Staat und Kapital ausdrücken. Diese Solidarität soll ebenfalls eine Ausweitung und eine Intensivierung der Revolte bedingen und fördern.

Ob Nebelkerzen entzündet werden, ob Spruchbänder gemalt werden, ob Institutionen, die mit den Abschiebungen zu tun haben, attackiert werden, Sprüche gesprüht werden, Straßen blockiert werden oder Radiosendungen gestört werden, wie bereits vielerorts geschehen, die Bandbreite der möglichen Solidaritätsbekundungen ist sehr groß.

Do you speak bash?

Nerd Humor vom feinsten – gefunden auf der Mobilisierungsseite zum Camp 08, einer antirassistischen Aktionswoche diesen Sommer in Hamburg: sudo ping -f -i 0 hamburg.

Prozess

Am Donnerstag, den 27.03 findet im Amtsgericht München ein Prozess gegen einen Antira-Aktivisten statt. E. hat nach Ansicht der Repressionsbehörden Flüchtlinge aufgefordert, eine Abschiebeanhörung nicht zu besuchen. Das wird ihm jetzt als „Aufruf zu Straftaten“ vorgeworfen. Soidarischer Prozessbesuch ist definitv erwünschr, der Prozess ist im Amtsgericht München, Nymphenburgerstr. 16 (Stiglmaierplatz), Saal A127/I, ab 13:00.