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Zum Makss Damage-Lied „Tötet diese antideutschen Hurensöhne!“

Eigentlich müsste es keinen Grund geben, sich hier speziell an Makss Damage und seinem Lied „Antideutsche Hurensöhne“ abzuarbeiten. Das ist so offensichtlich mieser, menschenverachtender Gangster Rap, den nur verschrobene Stalinos ohne Musikgeschmack hören können. Es gibt hunderte ähnlich miese Tracks ohne Stalinismus, die mehr gehört werden, an denen sich Kritik mehr lohnen könnte. Das genau dieses Lied vor ein paar Monaten für einen Aufreger auf diversen linken blogs gut war, liegt denn auch nicht so sehr daran dass der Text, gemessen an sonstigem deutsche Gangster Rap, besonders eklig ist, sondern daran dass sich ein paar Blogger_innen irgendwie angesprochen gefühlt haben. Eine fundierte Kritik war bei diesen Diskussionen leider die Ausnahme – der Text ist so Scheisse, das disqualifiziert sich von selbst, war wohl die Annahme von vielen die dazu geschrieben haben. Ich dachte das auch, und habe mir ein posting dazu gespart.

In den letzten Wochen trug mir mein augedehntes Spionagenetz (dass wie alle Behörden ganz schön langsam ist) zu, dass auch hier, im nördlichsten Dorf Italiens, Leute die ich für politisch zurechnungsfähig gehalten habe den youtube Link weiterempfehlen. Vermutlich stehen die entsprechenden Kandidat_innen nicht hinter jeder einzelnen Vernichtungs- oder Vergewaltigungsandrohung in dem Lied, denken sich aber „Höh höh! Das geht gegen Antideutsche! Höh höh!“

Hier findet also, dank dem beliebten Feindbild Antideutsch, reaktionäre Kackscheisse Eingang in einen gewissen linken Diskurs. Offenbar muss ein paar Genoss_innen genauer erklärt werden, warum ein Text wie dieser gar nicht geht und so ungefähr alle linken Basics über Bord wirft.

Ich würde eher Adolf Hitler, Heinrich Himmler
und Ernst Röhm als euch links nennen!

„Die historischen Nazis waren schlimm, aber ihr seid noch schlimmer“ wäre die harmloseste Lesart. Faktisch sagt Makss Damage hier, dass ihm Nazis politisch näher sind als das Feindbild der Stunde. Dass Nazis als Mass für alles schlechte herhalten, zeigt dass sie an sich kein positiver Bezug sind. Immerhin.

Wer von Euch wird ausgegrenzt und fühlt sich scheiße? […]
Die meisten Antideutschen laufen rum, mit dunklen Brillen,
so als produzieren sie heimlich Kinderpornos in ’nem Hinterhof. […]
Kauf’n sich Hero am Cotti, so wie Endi von Egotronic. […]
antideutsche Hurensöhne!

Sozialdarwinismus pur. Wenn wer schwach ist, ausgegrenzt wird, irgenwie kriminell rüberkommt, Eltern in der Sexarbeit hat oder Drogen nimmt spricht das in den Augen von Makss Damage gegen die Person die hier ausgegrenzt wird, nicht gegen die Verhältnisse. Das ist die Schulhofvariante des CDU und FDP Credos, dass die Armen an ihrer Situation selber schuld sind und gefälligst für ihre schlechte Situation zu büssen haben.

ihr kommt vorbei und kassiert alle von uns Backpfeifen.
Kifferkids packt euer Pfefferspray weg, steckt Messer ein.
Ich warne euch, ab heute wird’s für euch besser sein.

Wie wir von einem konsequenten Dicknussmacker erwarten, besingt Makss damage seine eigene Stärke und Fähigkeit die Gegener_innen zu verkloppen – gemessen an anderen Battle Tracks sogar verhältnismässig moderat. Das hat nichs mit Zurückhaltung zu tun:

… wenn wir euch platttreten wie Kids ihre Kippen […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […] ich hau’ sie mit’nem Hammer tot. Trenn sie mit’ner Sichel durch. […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […]

Ihm geht es nämlich nicht um Kampf, sondern um Vernichtung. Die Gegner_innen dienen nicht als Negativfolie, um die eigene Stärke zu beschwören, sie werden zu Müll erklärt und plattgetreten.

Und ich hau’ sie mit’nem Hammer tot.
Trenn sie mit’ner Sichel durch.
Fick’ erst ihre Mädchen durch!
Ist das nicht verwegen?
Fick’ dann ihre Jungs durch… Warte!
Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?

Zur Vernichtungsphantasie gehört auch sexualisierte Gewalt. Makss Damage findet Vergewaltigung in Ordnung, zur Durchsetzung einer bestimmten Hierarchie. Umgekehrt heisst das, dass er die patriarchalen Hierarchien, die so durchgesetzt werden, auch gut findet. Die Vergewaltigungsdrohung gilt damit nicht „nur“ den Antideutschen, sondern allen Frauen und allen, die nicht als „richtige“ Männer wahrgenommen werden. Das Makss Damage auf klare Geschlechterhierarchien steht verdeutlicht auch die Zeile „Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?“: Die angeblich fehlende Geschlechterdifferenz wird zum Makel erklärt, die antideutschen „Jungs“ werden durch die ihnen angedichetete Mädchenhaftigkeit zusätzlich abgewertet.

Dieser Text verrät mehr über den Autor, als über die „Antideutschen Hurensöhne“. Wenn es nach Maks Damage geht, oder nach irgendwem der sich in dem Text wiederfindet, sieht die Welt so aus: Brutalität ist geil. An Nazis ist irgendwas links, Kriminelle, Ausgegrenzte und Schwache sind selber schuld, das Patriarchat ist voll ok und kann mit sexualisierter Gewalt aufrechterhalten werden. Wer in dieser Ordnung als Feind erscheint, wird nicht einfach bekämpft, sondern entmenschlicht und vernichtet. Dieser Track macht Makss Damage, und die die ihn hören, nicht zu Nazis. Ein brutalisierter Sozialdarwinist ist schon schlimm genug, und zum linkssein gehört etwas mehr als „kein Nazi sein“ – davon abgesehen, dass es mindestens einen handfesteren Nazitrack von Makss Damage gibt. Durch sein restliches Schaffen höre ich mich nicht durch, dazu fehlt mir der Masochismus.

Linke Basics heissen so, weil sie das Fundament einer fortschrittlichen Weltanschauung bilden. Scheinbar sind diese Basics bei manchen dann einfach weg, wenn ein geeignetes Feindbild auftaucht: Manchmal gegenüber Nazis, hier weil es gegen die Antideutschen geht. Das ist erstmal absurd: Einmal weil orthodoxe Kommies genau dann dem Zerrbild, dass Antideutsche (vor allem die Landtideutschen) von ihnen zeichnen entsprechen wenn sie sich über diese echauffieren, ausserdem kriegen die Anti-Ds in München eh nicht mehr gebacken als sich selbst zu karikieren – wozu also die Aufregung?
Nur, wenn ein fortschrittlicher Anspruch (und jeder Musikgeschmack) weg ist, sobald ein albernes Feindbild auftaucht, ist das Problem grösser als Szeneperistaltik. Dann war der Anspruch von vornherein nicht so richtig gefestigt. Wenn ihr Linke seid und dem Kack von Makss Damage was abgewinnen konntet, habt ihr eine Hausaufgabe: Die von mir angerissenen Kritikpunkte ergänzen und weiterentwickeln. Wenn ihr die Welt zum Besseren verändern wollt, anstatt euch an absurden Feindbildern hochzuziehen, ist es das Mindeste, bei sich selbst anzufangen. Wenn euch die Feindbilder wichtiger sind, verpisst euch aus der Linken und geht zum Fussball.

P.s. Ein paar der Beiträge in linken Blogs: Abstrahieren, Im Moment vorbei, Captain Cosmus, Torsun, Willhelm Vandalism, Tous et Rien, Scheckkartenpunk, Tee, Reflexion.
Viele Beiträge blieben bei „Guckt mal, ekliges Lied“ stehen – schade, da so nur die Leute erreicht werden die die Kritk eh teilen. Und natürlich schade, dass es wenig Material für mich zum copy-pasten gab. Die fundierteste Diskussion gabs bei Analyse, Kritik und Aktion, alles Kluge über Hip Hop in diesem Artikel habe ich von Kommentatorin Maggi übernommen.

Hamburger Sektenquatsch

Was passiert, wenn sich marginale Linke lieber aneinander abarbeiten, als die Gesellschaft zu verändern? Sektenquatsch, wie diesen Winter in Hamburg. Sehr gut aufbereitet von der Spielgruppe Rantanplan (via keny).

Antiimps gegen Israelboykott!

Mir fällt spontan niemand ein, der ernsthaft für einen Boykott Israels wäre. Trotzdem will ich diesen Artikel von Workers Liberty, eine trotzkistichen Gruppe aus UK, möglichst vielen Leuten ans Herz legen. Workers Liberty entwickeln darin eine Kritik an Boykottkampagnen gegen Israel, die aus einer dezidiert Palästina-solidarischem und klassenkämpferischen Perspektive argumentiert.
Was mir gut an dem Artikel gefällt, ist dass sich die AutorInnen nicht mit Denunziation begnügen, sondern einfach schlüssig argumentieren und erklären. Dabei wird, anders als im deutschen innerlinken Diskurs, nicht primär ideologiekritisch argumentiert, sondern gefragt welche politischer Effekt erzielt wird.
Die Kernthesen im einzelnen:
Gelöst werden kann der Konflikt nur durch die Einheit der israelischen mit der palästinensischen Arbeiterklasse, entscheidend dazu ist die Haltung der Israelischen Bevölkerung. Linke sollten fortschrittliche Bewegungen in Israel unterstützen. Ein Boykott erzeugt innerhalb Israels eher eine Burgfriedensmentalität.
Boykotte funktionieren nicht, die Wirkung des Südafrikaboykotts war sehr schwach. Israel ist kein Apartheidstaat im Gegensatz zum früherem Südafrika, sondern ein Nationalstaat mit rassistisch ausgegrenzten Minderheiten, vergleichbar mit Grosbrittanien.
Viele Palästina-solidarische Linke ignorieren die vielen Angriffe anderer Staaten auf Israel, und verstehen deshalb nicht den Hintergrund vor dem sich der israelische Imperialismus entwickelte. Ausserdem wird ignoriert, dass auch andere Staaten in der Region brutal gegen die ‚Palästinenser‘ vorgegangen sind.
Akademische Boykotts sind schlimmer als Warenboykotts, weil sie die Möglichkeit nehmen Kontakte zu progressiven israelischen Student_innen und Lehrenden zu knüpfen.
Linke sind gemeinhin skeptisch, was Boykotts angeht, da sie auf Konsumentenmacht beruhen, nicht auf der Macht am Arbeitsplatz.
Es gibt definitiv schlimmere Staaten als Israel, warum nur dieser boykottiert werden soll können die Anhänger eines Boykotts meist nicht erklären. Wie sollten UK-Linke einen akademischen Boykott eben der UK machen?
Anhänger von Israel-boykotts sind oft sehr milde, wenn es um Kritik an Antisemitismus geht, genannt erden drei krasse Beispiele der SWP (Linksruck-Mamapartei).
Die stärkste Wirkung des Boykotts ist nicht der ökonomische Effekt auf Israel, sondern die Stimmung die erzeugt wird. Diese trifft dann oft lokale jüdische Gemeinden.
Soweit Workers Liberty, was mir fehlt ist ein Hinweis auf die starke Ähnlichkeit zwischen Israel-boykottaufrufen und der Nazi-Parole „kauft nicht beim Juden“. Wobei diese Assoziation in UK vielleicht nicht so stark ist. Aber insgesamt lesenswert.
Hier noch eine Ankündigung: eine Art Serie „vernünftige Antiimps dissen schlechte Antiimps“ ist in der Planung, ein_e Gastwriter_in so gut wie engagiert.
Gefunden hab ich den Artikel bei contested terrain.

Von wegen „Islamische Befreiungstheologie“

In dem neu erschienenem Buch „Nikolaus Brauns/Dimitri Tsalos: Naher und mittlerer Osten. Krieg, Besatzung und Widerstand.“ macht Willi Langthaler in seinem Beitrag eine „Islamische Befreiungstheologie“ aus. Die mag es irgendwo geben, bei einem verquastem, widersprüchlichem literarischem Werk wie dem Koran sind auch ein paar Lesarten1 denkbar die zu halbwegs emanzipatorischem Handeln passen. Das spricht nicht gegen eine grundsätzliche Religionskritk, aber dagegen aus einer vagen religiösen Zugehörigkeit auf ein bestimmtes soziales/politisches Handeln zu schliessen. Eh klar ist auch, das reaktionärer, religiös begründeter Mumpitz (z.B. gegen Abtreibungen sein) um keinen Deut besser wird, wenn ihn Leute vorbringen die ansonsten vielleicht auf der richtigen Seite der Barrikade stehen würden.
Die Analogie zwischen der christlichen Befreiungstheologie der 1960 und dem modernen, politischem Islam die Willi aufmacht stimmt aber trotzdem nicht. Laut Wikipedia2 entstand erstere etwa so

Etwa seit der Zeit der kubanischen Revolution 1959 bildeten sich in den armen, meist katholisch geprägten Bevölkerungsschichten ehemaliger europäischer Kolonien vermehrt sogenannte Basisgemeinden. Deren Mitglieder waren meist landlose Bauern, Slumbewohner und Analphabeten, die ihre Alltagsprobleme gemeinsam zu bewältigen versuchten. Hier entstand eine Auslegung der biblischen Botschaft, die diese eng auf die reale Situation ihrer Leser bezieht und daraus eine gesellschaftliche Hoffnungsperspektive für sie zu entwickeln versuchte.
[…]
Beginnend 1964 mit einem Militärputsch in Brasilien, installierten sich in fast allen Ländern Lateinamerikas von den USA ökonomisch und militärisch gestützte Militärdiktaturen, die eine für die Bevölkerungsmehrheit katastrophale Innenpolitik betrieben. So kam es seit 1965 dort wie in Argentinien, Chile, Peru, El Salvador, Nicaragua u.a. immer wieder zu Rebellionen, Umstürzen und Revolutionsversuchen.
In deren Kontext stellte sich ein wachsender Teil von Christengemeinden und Kirchenvertretern auf die Seite der um Befreiung kämpfenden Bevölkerung.

Also eine Organisierung von unten, die sich eng an der Bibel orientiert – überzeugte Christ_innen halt. Dabei wird besagtes Buch im Vergleich zur kirchlichen Lesart ein Stück weit uminterpretiert, aber sicher auch viel Schmarrn beibehalten. Was diese Basisgemeinden tun und lassen ist aber auf alle Fälle ein Stück weit deren eigenständiger Versuch, sich mit ihrer sozialen Lage auseinderzusetzen.
Im Kontrast dazu Willis „islamische Befreiungstheologie“ – die er übrigens nicht klar umreisst, daher auch dieses etwas lange Zitat:

Mit Beispielen [dafür das der Islamismus reaktionär ist] ist man schnell bei der Hand: Mit dem Verweis auf al Qaida, die Islamische Republik Iran oder die afghanischen Taliban glaubt man, Recht behalten zu können.
Jedes der Beispiele bedürfte einer separaten Betrachtung unter Einbeziehung des lokalen und regionalen Kontextes, wofür hier kein Raum ist. Diese Untersuchungen würden ein klares antiimperialistisches Moment aufzeigen, das zwar durchaus mit reaktionären Momenten verschmolzen sein mag, das aber in letzter und globaler Konsequenz den Bewegungsspielraum linker revolutionärer Kräfte erhöht.
Es lassen sich zahlreiche Beispiele finden, wo der Islamismus nicht nur eine antiimperialistische, sondern auch sozial fortschrittliche Rolle spielt, wie bei der libanesischen Hisbollah oder beim palästinensischen Islamischen Dschihad.

Die islamische Republik hat etliche linke Revolutionäre ermordet, wie das deren Bewegungsspielraum erhöht haben soll bleibt der zynischen Fantasie Willis überlassen. Wir merken uns als das befreiende am politischen Islam das „klare antiimperialistische Moment“ gegen die USA, dieselben Bewegungen waren noch reaktionär als sie gegen die UDSSR kämpften. Vereinzelt kommt noch eine sozial fortschrittliche Rolle dazu. Welche Inhalte diese Bewegungen vertreten interessiert hier nicht. Willi erläutert uns auch noch den Zusammenahng zwischen Antiimperialismus und der sozial fortschrittlichen Rolle:

Es lässt sich eine globale, allgemeine Tendenz feststellen, die alle Bewegungen betrifft und sie in einen zunehmenden Widerspruch zum Imperialismus bringt. Dieser Konflikt drängt den politischen Islam dazu, die subalternen Klassen und ihre Interessen nach sozialer Gerechtigkeit und politisch-kultureller Selbstbestimmung im Kampf anzusprechen. Das stößt sie nicht nur auf das Feld der Linken, sondern auch zur Kooperation mit dieser.

In der Vergangenheit sahen sich Bewegungen des politischen Islam zu blutiger Konkurrenz mit der Linken gedrängt, woher Willi seinen derzeitgen Optimismus nimmt bleibt sein Geheimnis. Dass sich die Bewegungen des politischen Islam dazu gedrängt sehen, die subalternen Klassen anzusprechen, hat hier einen einfachen Grund – sie sollen sich gefälligst ersteren als (kriegerisches oder produktives) Humankapital zur Verfügung stellen. Willi plädiert faktisch dafür, den islamistischen Bewegungen dabei zu helfen, die subalternen Klassen zu bestechen und zu verarschen, anstatt letztere dabei zu unterstützen ihre Haut so teuer wie möglich zu verkaufen, wenn schon nicht mehr drin ist. Diese Parteinahme gegen die subalternen Klassen ist kein Ausrutscher oder Versehen, sondern logisch, geht es doch um den Kampf gegen den Imperialismus und nicht für die Verdammten dieser Erde:

Die islamistische Ideologie ist sicher keine noch so verbrämte des Klassenkampfes, im Gegenteil wünscht sie sich die möglichst konfliktfreie Einheit der Ummah, der globalen islamischen Gemeinschaft. […] Dennoch kennt der politische Islam seinen Hauptfeind, den Imperialismus.

Soziale Auseinandersetzungen sind in dieser Analyse dem Antiimperialismus klar nachgeordnet. Bezugspunkte sind demzufolge nur die Parteien, Gruppen, Staaten die diese Prioritätensetzung teilen, und ein entsprechend instrumentelles Verhältnis zu den subalternen Klassen und deren Nöten haben. Seitdem die islamistischen Bewegungen nicht mehr gegen die UDSSR, sondern die USA kämpfen, werden sie als Befreinugsbewegungen gesehen.
Die klassische Befreiungstheologie ist dagegen im Kontext sozialer Kämpfe von unten entstanden, und damit z.T. der Ausdruck von dem was Leute in einer bestimmten sozialen Lage wollen, z.T. religiöses Geschwurbel. Und unter USA-gestützten Diktaturen war eine antiimperialistische3 Positionierung naheliegend und richtig. Politischer Islam, wie in Willi beschreibt, hat das Prädikat „befreiend“ nur deshalb, weil er von Gruppen vertreten wird die gegen die USA kämpfen – nicht etwa weil die religiöse Praxis oder Lehre so ein Moment hat, mit einer Ausnahme: Anhänger_innen gewinnen islamistische Bewegungen mit den Mitteln des „aktivierenden Sozialstaats“, das soll die soziale Perspektive sein. Wenn es eine islamische Befreiungstheologie gibt – was Willi in seinem Text präsentiert ist weit davon entfernt.

P.S.
Dummes und Reaktionäres bietet uns Willi auch in seiner Rezeption von Samuel „Kampf der Kulturen“ Hungtington im gleichen Text, dazu vielleicht später mehr.

  1. guckst du hier [zurück]
  2. Weiss wer einen Text über die Befreiungstheologie aus einer linken/sozialrevolutionären Perspektive? [zurück]
  3. offensichtlich gibt es verschiedenen Auffasungen von Antiimperialismus, es ist daher ungenau den Begriff gleichermassen für Willi Langthalers Stulli-Variante wie für andere Versionen mit anderer Entstehungsgeschichte zu verwenden. Aber was besseres fällt mir gerade nicht ein.[zurück]

Formfragen first?

Die, die auf dem Campinski waren werden sich an die Dixi-Debatte erinnern. Für die anderen eine kurze Zusammenfassung. Am Zelt des revolutionären Bündnisses hing ein Transpi mit der Aufschrift (ich glaube, ist fast ein Jahr her): „Stoppt den Krieg im Libanon! Freiheit und Gerechtigkeit für Palästina!“ Verschiedene Personen hatten sich über dieses Transpi beschwert, ein paar mal wurde es auch so umgeschlagen das die Schrift nicht mehr zu lesen war. Bei Deli-plena wurde mehrmals gefordert, dass Transpi abzuhängen. Die Ansage der Vertreter_innen des rev. Bündnis war, dass sie das schon tun würden, wenn eine Mehrheit im Deliplenum das will, diese Mehrheit gab es aber nicht. Eine Zeitlang hing ein Transpi mit der Aufschrift „stoppt den antisemitischen Irrsinn von Hamas und Hisbollah!“ gegenüber. Eines Nachts dann haben irgendwelche Leute das Transpi vom revo-Bündniss abgehangen und in ein Dixiklo geworfen.
Am Abend drauf gab es dann eine grosse Debatte darüber, das Plenum des Grauens (pdg) – 3-400 Leute sassen Nachts in einem grossen Zelt und diskutierten emsig. Worüber genau? keine Ahnung, dass Problem war dass verschiedene Fragestellungen unsystematisch nebeneinander herdiskutiert wurden, und danach weiter so im Raum hingen. Der Ablauf in Kürze: Ein Vetreter des revo-Bündnisses brachte deren Sicht auf die Dinge ein, zusammen mit der Forderung dass sich das Camp dagegen verhält. Ein Redebeitrag in die Richtung, dass es wichtig wäre einen verbindlichen Umgang mit strittigen Inhalten zu haben – „politisch klären, bevor es physisch geklärt wird“ wurde von der Moderation mit der Ansage unterbrochen, dass „wir hier nicht über Formsachen reden.“ Weiter gings mit locker 2 Stunden Ausstausch über verschiedene Befindlichkeiten in Punkto Israel/Palästina/Libanon, und ein bisschen über die Linke. Ich teile mal ganz willkürlich die anwesenden 3-400 Leute in 3 Schubladen auf: Antideutsche Gefühlslinke, die lang und breit über die Geschichte des Nahostkonflikts referieren können, und darüber psalmodieren warum nicht näher bestimmte Äusserungen für sie provokant sind – ohne eine Silbe darüber zu verlieren, was denn an dem konkreten Transpisspruch so verwerflich war. Vertreter_innen dieser Fraktion, da gabs ein paar Leitähne und -hennen, machten deutlich dass sie sich das abhängen von Transpis nicht ausreden lassen. Dann gabs ziemlich viele, die waren total neutral was den Nahostkonflikt angeht, und fanden eh dass sich niemand irgendwas von dem pdg sagen zu lassen hat. Die kleinste erkennbare Schublade bildeten die Leute vom revo-Bündnis, die immer wieder darauf pochten dass eine verbindliche Entscheidung gefällt wird. Nach 2-3 Stunden pdg waren endlich alle ziemlich müde, den meisten wird wohl gedämmert haben dass jetzt irgendeine Entscheidung hermuss, sonst war das ganze pdg für nüscht. In dieser Stimmung ging der Vorschlag (sinngemäß) „einigen wir uns darauf, Transpis hängen zu lassen, wenn wo krasser Scheiss draufsteht wird beim Deli-plenum drüber entschieden“ ohne Veto oder Gegenrede durch.
Es mussten sich also alle stundenlang gegenseitig ermüden, bis eine Entscheidung über die Formsache möglich war – wäre die Reihenfolge „Schlagabtausch der Befindlichkeiten“ (2-3 h) – „Entscheidung über den formalen Ablauf“ (5-10 min) umgedreht worden, was wäre alles möglich gewesen an diesem Abend: Ergebnisorientiert diskutieren! An konkreten Punkten – dieses Transpi, IDF – shirts – darüber reden was auf so einem Camp noch akzeptabel ist, und was nicht! Früher saufen gehen! Aber so nicht.

Über Antiimperialismus und so

Eine gute Begriffsgeschichte des Antiimperialismus gibt es bei che (via). Zum weiterlesen kann ich den Text „Was wir meinen, wenn wir von Internationalismus sprechen“ empfehlen, von No Lager Bremen. Eine mini-Zusammenfassung vom ir, für die die zu faul für den ganzen Text sind: Der erste Absatz enthält eine kurze und knappe Umschreibung des Internationalismusbegriffes der Autor_innen – Kernpunkte sind für mich das linke Analyse und Praxis global angelegt sein sollten, und das Solidarität nicht als schuldgequälter Einsatz für die Kämpfe des Südens sein sollte, sonder gleicherechtigte Kooperation. Der nächste Teil des Textes ist eine kurze Kritik an der inhaltlichen Diskussion hinsichtlich G8, Stand Dezember 2005. Weiter geht es dann mit einem Vorschlag, verschiedene Aspekte nicht zusammenhangslos nebeneinanderzustellen, sondern in der Klammer „globale Rechte aneignen“ systematisch aufeinander zu beziehen. Im Absatz danach geht es um den Umgang mit patriachalen Verhältnissen in der G8 Mobilisierung, kritisiert wird hier ein strategisches Schweigen und das versäumt wird Geschlechterverhältnisse systematisch in Bezug zu anderen Ausbeutungsverhältnissen zu setzen. Der letzte Teil ist wieder mehr auf den damaligen Stand der Debatten in der G8 Mobilisierung bezogen, esgeht darum wie mit den verschiedenen Anschaungen von Internationalismus – pessimistisch-sozialrevolutionär, optimistisch sozialrevolutionär, pessimistisch-antinational, antimp – konstruktiv umgegangen werden kann. Wer genauer wissen will, was die geschrieben haben kann ja den ganzen Text lesen.
Wer sich, ob aus einer als „kritisches Aussen-“ oder als „Mitmachperspektive“ verstandenen Haltung mit linker Theorie und Praxis auseinandersetzt, ist gut damit beraten diese auch zu kennen. Wenn es nur um Angrenzung un bashing geht, ist zu genaue Kenntnis natürlich im Wege, aber das hatten wir ja schon. Für die weniger an Profilierung interessierten kann ich die obigen Texte als kurzen Überblick über das was internationalistische Politik sein kann nur empfehlen.

Tante Emmas funktionaler Analphabetismus

Tante Emma schimpft viel und gern. Da kommt dann viel Polemik bei raus, die, wie so oft bei bei Polemiken, für ernsthafte Auseinadersetzungen nicht zu gebrauchen ist. Ein super Beispiel ist dieser, von mir schonmal gedisste, Beitrag. Weil, anstatt z.B. AntiImps dafür zu kritisieren was sie tatsächlich vertreten (da gäb’s aus meiner Perspektive genug, und aus Tante Emmas noch mehr) werden ihnen noch ekligere Inhalte untergeschoben um sie um so besser bashen zu können.
Mir fehlt so ein bisschen der Nerf, allen Unterstellungen in Tante Emmas Text nachzugehen, deshalb konzentriere ich mich auf die Sachen, die sich auf das Gegeninformationsbüre beziehen. Hauptsächlich nicht um deren Ruf zu retten, sondern um die Glaubwürdigkeit von Tante Emma zu smashen.

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AD-Polemik, Lektion 1

Ein Paradebeispiel für inhaltlich mau begründete Bewegungsdisse lieferte uns die Kolonialwarenhändlerin Tante Emma hier.
Das Rezept ist denkbar einfach: Mensch sucht sich die, in der eigenen Wahrnehmung, bescheuertesten Zusammenhänge. Hier sind das grob die Gruppen, die sich zum „Ani-G8 Bündnis für eine revolutionäre Perspektive“ zusammengeschlossen haben. Die werden dann zu StellvertreterInnen der kompletten Mobilisierung aufgebauscht, dass auch andere mit anderen Inhalten gegen den G8 mobilisieren wird nicht erwähnt. Stattdessen gibt es eimerweise Disse, immer bezogen auf ein paar Zusammenhänge, die aber doch die ganze mobilisierung meint – „Wenn man mit genug Dreck schmeisst wird schon etwas hängen bleiben scheint die Devise zu sein.“