Eigentlich müsste es keinen Grund geben, sich hier speziell an Makss Damage und seinem Lied „Antideutsche Hurensöhne“ abzuarbeiten. Das ist so offensichtlich mieser, menschenverachtender Gangster Rap, den nur verschrobene Stalinos ohne Musikgeschmack hören können. Es gibt hunderte ähnlich miese Tracks ohne Stalinismus, die mehr gehört werden, an denen sich Kritik mehr lohnen könnte. Das genau dieses Lied vor ein paar Monaten für einen Aufreger auf diversen linken blogs gut war, liegt denn auch nicht so sehr daran dass der Text, gemessen an sonstigem deutsche Gangster Rap, besonders eklig ist, sondern daran dass sich ein paar Blogger_innen irgendwie angesprochen gefühlt haben. Eine fundierte Kritik war bei diesen Diskussionen leider die Ausnahme – der Text ist so Scheisse, das disqualifiziert sich von selbst, war wohl die Annahme von vielen die dazu geschrieben haben. Ich dachte das auch, und habe mir ein posting dazu gespart.
In den letzten Wochen trug mir mein augedehntes Spionagenetz (dass wie alle Behörden ganz schön langsam ist) zu, dass auch hier, im nördlichsten Dorf Italiens, Leute die ich für politisch zurechnungsfähig gehalten habe den youtube Link weiterempfehlen. Vermutlich stehen die entsprechenden Kandidat_innen nicht hinter jeder einzelnen Vernichtungs- oder Vergewaltigungsandrohung in dem Lied, denken sich aber „Höh höh! Das geht gegen Antideutsche! Höh höh!“
Hier findet also, dank dem beliebten Feindbild Antideutsch, reaktionäre Kackscheisse Eingang in einen gewissen linken Diskurs. Offenbar muss ein paar Genoss_innen genauer erklärt werden, warum ein Text wie dieser gar nicht geht und so ungefähr alle linken Basics über Bord wirft.
Ich würde eher Adolf Hitler, Heinrich Himmler
und Ernst Röhm als euch links nennen!
„Die historischen Nazis waren schlimm, aber ihr seid noch schlimmer“ wäre die harmloseste Lesart. Faktisch sagt Makss Damage hier, dass ihm Nazis politisch näher sind als das Feindbild der Stunde. Dass Nazis als Mass für alles schlechte herhalten, zeigt dass sie an sich kein positiver Bezug sind. Immerhin.
Wer von Euch wird ausgegrenzt und fühlt sich scheiße? […]
Die meisten Antideutschen laufen rum, mit dunklen Brillen,
so als produzieren sie heimlich Kinderpornos in ’nem Hinterhof. […]
Kauf’n sich Hero am Cotti, so wie Endi von Egotronic. […]
antideutsche Hurensöhne!
Sozialdarwinismus pur. Wenn wer schwach ist, ausgegrenzt wird, irgenwie kriminell rüberkommt, Eltern in der Sexarbeit hat oder Drogen nimmt spricht das in den Augen von Makss Damage gegen die Person die hier ausgegrenzt wird, nicht gegen die Verhältnisse. Das ist die Schulhofvariante des CDU und FDP Credos, dass die Armen an ihrer Situation selber schuld sind und gefälligst für ihre schlechte Situation zu büssen haben.
ihr kommt vorbei und kassiert alle von uns Backpfeifen.
Kifferkids packt euer Pfefferspray weg, steckt Messer ein.
Ich warne euch, ab heute wird’s für euch besser sein.
Wie wir von einem konsequenten Dicknussmacker erwarten, besingt Makss damage seine eigene Stärke und Fähigkeit die Gegener_innen zu verkloppen – gemessen an anderen Battle Tracks sogar verhältnismässig moderat. Das hat nichs mit Zurückhaltung zu tun:
… wenn wir euch platttreten wie Kids ihre Kippen […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […] ich hau’ sie mit’nem Hammer tot. Trenn sie mit’ner Sichel durch. […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […]
Ihm geht es nämlich nicht um Kampf, sondern um Vernichtung. Die Gegner_innen dienen nicht als Negativfolie, um die eigene Stärke zu beschwören, sie werden zu Müll erklärt und plattgetreten.
Und ich hau’ sie mit’nem Hammer tot.
Trenn sie mit’ner Sichel durch.
Fick’ erst ihre Mädchen durch!
Ist das nicht verwegen?
Fick’ dann ihre Jungs durch… Warte!
Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?
Zur Vernichtungsphantasie gehört auch sexualisierte Gewalt. Makss Damage findet Vergewaltigung in Ordnung, zur Durchsetzung einer bestimmten Hierarchie. Umgekehrt heisst das, dass er die patriarchalen Hierarchien, die so durchgesetzt werden, auch gut findet. Die Vergewaltigungsdrohung gilt damit nicht „nur“ den Antideutschen, sondern allen Frauen und allen, die nicht als „richtige“ Männer wahrgenommen werden. Das Makss Damage auf klare Geschlechterhierarchien steht verdeutlicht auch die Zeile „Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?“: Die angeblich fehlende Geschlechterdifferenz wird zum Makel erklärt, die antideutschen „Jungs“ werden durch die ihnen angedichetete Mädchenhaftigkeit zusätzlich abgewertet.
Dieser Text verrät mehr über den Autor, als über die „Antideutschen Hurensöhne“. Wenn es nach Maks Damage geht, oder nach irgendwem der sich in dem Text wiederfindet, sieht die Welt so aus: Brutalität ist geil. An Nazis ist irgendwas links, Kriminelle, Ausgegrenzte und Schwache sind selber schuld, das Patriarchat ist voll ok und kann mit sexualisierter Gewalt aufrechterhalten werden. Wer in dieser Ordnung als Feind erscheint, wird nicht einfach bekämpft, sondern entmenschlicht und vernichtet. Dieser Track macht Makss Damage, und die die ihn hören, nicht zu Nazis. Ein brutalisierter Sozialdarwinist ist schon schlimm genug, und zum linkssein gehört etwas mehr als „kein Nazi sein“ – davon abgesehen, dass es mindestens einen handfesteren Nazitrack von Makss Damage gibt. Durch sein restliches Schaffen höre ich mich nicht durch, dazu fehlt mir der Masochismus.
Linke Basics heissen so, weil sie das Fundament einer fortschrittlichen Weltanschauung bilden. Scheinbar sind diese Basics bei manchen dann einfach weg, wenn ein geeignetes Feindbild auftaucht: Manchmal gegenüber Nazis, hier weil es gegen die Antideutschen geht. Das ist erstmal absurd: Einmal weil orthodoxe Kommies genau dann dem Zerrbild, dass Antideutsche (vor allem die Landtideutschen) von ihnen zeichnen entsprechen wenn sie sich über diese echauffieren, ausserdem kriegen die Anti-Ds in München eh nicht mehr gebacken als sich selbst zu karikieren – wozu also die Aufregung?
Nur, wenn ein fortschrittlicher Anspruch (und jeder Musikgeschmack) weg ist, sobald ein albernes Feindbild auftaucht, ist das Problem grösser als Szeneperistaltik. Dann war der Anspruch von vornherein nicht so richtig gefestigt. Wenn ihr Linke seid und dem Kack von Makss Damage was abgewinnen konntet, habt ihr eine Hausaufgabe: Die von mir angerissenen Kritikpunkte ergänzen und weiterentwickeln. Wenn ihr die Welt zum Besseren verändern wollt, anstatt euch an absurden Feindbildern hochzuziehen, ist es das Mindeste, bei sich selbst anzufangen. Wenn euch die Feindbilder wichtiger sind, verpisst euch aus der Linken und geht zum Fussball.
P.s. Ein paar der Beiträge in linken Blogs: Abstrahieren, Im Moment vorbei, Captain Cosmus, Torsun, Willhelm Vandalism, Tous et Rien, Scheckkartenpunk, Tee, Reflexion.
Viele Beiträge blieben bei „Guckt mal, ekliges Lied“ stehen – schade, da so nur die Leute erreicht werden die die Kritk eh teilen. Und natürlich schade, dass es wenig Material für mich zum copy-pasten gab. Die fundierteste Diskussion gabs bei Analyse, Kritik und Aktion, alles Kluge über Hip Hop in diesem Artikel habe ich von Kommentatorin Maggi übernommen.