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Keine halben Sachen!

Der nächste 30.4 Aufruf ist da, vom aka_muc: Keine halben Sachen! Darin wird angerissen, was eine Überakkumulationskrise ist, ohne den Begriff Akkumulation zu verwenden. Die Krise wird so erklärt:

Ein wesentlicher Teil der Waren wird vernichtet um den Marktpreis stabil zu halten, da durch eine Überproduktion das Angebot höher liegt als die Nachfrage, was wiederum den Preis der Waren senkt. Der Markt ist hoffnungslos übersättigt und die dadurch entstandene Überproduktionskrise ist die Ursache von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Lohnarbeiter_innen erhalten für ihre Arbeit einen Gegenwert, der im Endeffekt in 5 Stunden pro Woche erzeugt werden könnte. Der „Rest“ der geleisteten Arbeit sind im momentan bestehenden System die Gewinne der Kapitaleigner (Mehrwert) und die Kosten der Institutionen wie z.B. Steuern an den Staat.

Diese Erklärung geht daran vorbei, dass auch in kapitalistischen Wachstumsphasen, wenn keine Güter vernichtet werden müssen um Preise stabil zu halten, Ausbeutung und Mehrwertabpressung herrschen. Ausserdem geht es hier wohl nur um „Güterproduzierende Arbeit“, reproduktive Tätigkeit wird mal wieder unsichtbar gemacht. Eine genauere Kritik und Erklärung reiche ich vielleicht nach, ansonsten ist die Kommentarspalte offen.

Den Kapitalismus über die Arbeitszeit zu erklären ist also sperrig und ungenau – wenn es um die Utopie einer befreiten Gesellschaft geht, klappt das wieder ganz gut:

Mit einer Verbreitung modernster umweltschonender Produktionsmittel zur Anhebung der Produktivität, der Abschaffung des eigentumbasierten Handels und des Privateigentums an Grund, Boden und Produktionsmitteln könnten wir mit nur 5 Stunden Arbeit pro Woche leben. Und dies ganz ohne jegliche Einbußen bei Luxus und Lebensstandart.

Wir können uns darüber streiten, ob wir nach der Revolution 3 oder 7 Stunden die Woche mit „Tomaten ernten, Kanalisationen reinigen und Wäsche waschen“ (NT) verbringen. Wir müssen uns sicherlich darüber streiten, was gleicher Luxus und Lebensstandart nach dem Kapitalismus heissen – SUVs für alle schon mal nicht, zumindest wenns nach mir geht. Das coole an der 5 Stunden-Woche als Argumentationsmuster ist, dass sie die befreite Gesellschaft ein Stückchen näher in den Fokus und die Vorstellungskraft rückt als die abstrakte Rede davon, dass im Kommunismus sowieso alles ganz anders ist. Um diese Utopie auch sichtbar zu machen, kommt der aka_muc im Bademantel:

Warum ein Bademantel? Der Bademantel ist ein Kleidungsstück, welches Entspannung, Zufriedenheit und Wohlbefinden impliziert! Wir möchten in Zukunft nicht mehr 40 oder mehr Stunden pro Woche unserer wertvollen Zeit an die kapitalistische Produktionsweise verlieren, sondern selbstbestimmt für unsere Bedürfnisse produzieren!