Tag-Archiv für 'afrikabilder'

The Danger of a single Story

Ich tue mich schwer damit, die Veranstaltung 125 Jahre Berliner Afrikakonferenz zusammenzufassen. Stattdessen gibt es ein kleines Filmchen, dass auch Teil des einen Vortrages war: „The danger of a single story“, ein 20 min. kurzer Vortrag von Chimamanda Adichie. Die nigerianische Schriftstellerin erklärt darin relativ prägnant, wie rassistische und andere Stereotypbildung funktioniert, ohne wissenschaftlich zu werden. Als kleine diskurstheoretische Einführung sehenswert, ausserdem scheint sie eine ganz coole Person zu sein:

Was mir noch fehlt, ist der Gedanke, dass wenn mal so eine single story etabliert ist, auch eher Geschichten erzählt werden die diese bestärken. Was auch fehlt, ist dass manche an bestimmten single stories festhalten wollen, und andere Erzählungen schlichtweg nicht wahrnehmen.

Adichie schlägt als Strategie gegen die etablierten single stories vor, mehr verschiedene Geschichten zu erzählen. Das ist, zugegebnermassen, keine neue Idee. Aber eine ganz gute, und eine für die blogs gut geeignet sind. Deshalb will hier zum Abschluss Werbung für drei Projekte machen, die der herrschenden Erzählung über Migration andere Geschichten entgegensetzen:
Jogspace.net ist die Präsenz der Migrant_innen Selbstorganisation Jugeendliche ohne Grenzen, komplett mit eigener blogging-Plattform: planet.jogspace.net. Leider sind viele der Jogblogger_innen etwas inaktiv, mit zwei Ausnahmen. Birds of Immigrants und Schengendanglehier schonmal vorgestellt – sind Kollektivblogs von Flüchtlingen, die sich gerade mit dem europäischem Grenzregime herumschlagen. Kennt ihr ähnliche Versuche, den hiesigen rassistischen Erzählungen etwas entgegenzusetzen? Nur her damit!

African Socialism & the Elimination of Fancifulness

Den Beitrag von Senfo Tonkam auf dem Panafrikanismustag in München fand ich etwas ärgerlich. In seinem Referat „Globalisierung und Afrika“ zeichnete er das Bild einer in sich harmonischen, fortschrittlichen und konfliktfreien präkolonialen Afrikanischen Gesellschaft. Ich verstehe durchaus das Bemühen, einer Geschichtsschreibung die die das präkoloniale Afrika als geschichtslos, barbarisch oder beides beschreibt etwas entgegen zu setzen. In Senfo Tonkams Beitrag geschah das aber m.E. nach so platt und idealisierend, dass es mir schwergefallen ist ihn überhaupt ernst zu nehmen – sobald der Beitrag online gestellt wird verlinke ich ihn hier, dann können die, die nicht da waren selber gucken.
Jedenfalls war unter diesem Eindruck der Text „African Socialism revisited“ von Kwame Nkrumah nachgerade erfrischend. Er beschreibt das präkoloniale Afrika als hierarchische Feudalgesellschaft, in der es aber urkommunistische und egalitäre Tendenzen gegeben hat. Um sich auf diese positiv zu beziehen, müsse mensch garnicht glauben oder behaupten dass die Gesellschaften insgesamt total egalitär gewesen seien:

Thus, what socialist thought in Africa must recapture is not the structure of the “traditional African society” but its spirit, for the spirit of communalism is crystallised in its humanism and in its reconciliation of individual advancement with group welfare.

Kein langer Text, und well worth the read – ein paar Kritikpunkte habe ich aber noch. Nkrumh schreibt viel von Objektivität und von wissenschaftlichem Marxismus, was dann faktisch auf die Partei als Trägerin des wissenschaftlichen Wissens rausläuft. Und die Subjekte sozialistischer Entwicklung sind in diesem Text nur Staaten, andere Akteure kommen nicht vor. Aber bei aller Kritik am wissenschaftlichem Marxismus, das Schlusswort ist einfach Klasse:

It is the elimination of fancifulness from socialist action that makes socialism scientific. To suppose that there are tribal, national, or racial socialisms is to abandon objectivity in favour of chauvinism.

Immer wieder Herz der Finsternis …

Ziemlichen Müll schreibt die SZ in ihrem Feulliton Artkiel über „Der letzte König von Schottland“:

… um mal wieder das dunkle, aber heftig pulsierende Herz Afrikas zu beschwören, die gefährliche Magie des schwarzen Mannes …

Eklig auch diese Zitat über Uganda:

Es ist erstmals Schauplatz eines westlichen Spielfilms und entfaltet beträchtliche Zauberkräfte – von der Landschaft über die Frauen bis hin zur Architektur

Mit anderen Worten: Afrika und als schwarz identifizierte Menschen werden in der SZ ganz unverblümt als exotisch, gefährlich und irrational präsentiert, Frauen gehören genauso zur Kullissewie Landschaft oder Häuser. Darüber das die TAZ nicht besser ist wurde hier was geschrieben.