Tag-Archiv für 'abtreibung'

Hinter der Verkürzung steht …

München, 4.10, Kundgebung gegen den 1000 Kreuze Marsch und für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. In einem Redebeitrag heisst es (Hervorhebung von mir):

Gender ist, neben race und dem was mensch verkürzt als Klasse bezeichnen könnte

Andererseits wurden Flugblätter verteilt, auf denen zu lesen war:

Hinter Nation und Gott stehen die Interessen der reaktionärsten und konservativsten Teile des Kapitals

Between a rock and a hard place: Die einen fürchten sich davor, das Kind beim Namen zu nennen. Was spricht denn gegen den Begriff Klasse? Und warum ist der kürzer (verkürzter?) als gender, oder gar race? Problematisch ist es nicht, von Klassen zu reden, sondern den Klassenbegriff auf bestimmte Segmente einzuengen, oder kultisch zu überhöhen. Darüber muss sich mensch mit denen streiten, die diese Fehler machen, anstatt sich zu weigern eine bestimmte Analysekategorie herzunehmen weil andere damit vielleicht Unfug anstellen.
Die anderen sehen im Glauben an das eine oder andere höh‘re Wesen ihrer Klassenkamerad_innen nicht eine nicht unbedingt bewusste, aber aktive Entscheidung eben dieser, nicht das Seufzen der bedrängten Kreatur, die dazu viel Grund hat, sondern nur wie weit diese Entscheidung die Interessen bestimmter Kapitalfraktionen bedient.

Wir sind keine Jesus-Fans, wir sind Frauen Hooligans!

Yay, das war ein gutes Wochenende … der Aufmarsch von christlicher Fundis und Münchner Nazis wurde durchgehend massiv gestört. Einen guten Bericht findet ihr auf indymedia und der Seite des asab_m, die Crew von Luzi-M ist sich uneins, ob sie die Aktionen und Mobilisierung erfolgreich oder eher gescheitert findet. Angesichts dieser Fülle an Berichten spare ich mir die chronologischer Erzählung und zitiere hier ein paar Highlights aus Berichten und Kommentaren.

muc-218

Nachdem die Fundis, wohl wegen der unübersichtlichen Szenerie am Marienplatz auf die Holzkreuze verzichtet hatten konnten sie nur noch einige wenige Pappschilder, so wie ein großes hölzernes Portrait der “Jungfrau Maria” tragen. Dies allerdings zunächst nicht all zu weit, da plötzlich zwei Männer direkt vor dem Holzportrait anfingen, sich zu küssen. Dies ekelte die Christ_innen so sehr, dass sie sich weigerten, die “Jungfrau Maria” an dieser Szene vorbei zu tragen. Statt dessen zogen sie einem der Küsser die Gottesmutter über den Schädel, bis das Paar den Weg frei machte.

Ein autonomer Antichrist findet auf indymedia:

die Mobilisierung gegen diesen 1000-Kreuze-Marsch war auch in dem Sinne ein Erfolg, als dass die linke Szene in München mit einem (durchaus sensiblen) Thema konfrontiert werden konnte, OHNE dass es zu den in der linken Szene in Deutschland leider üblichen Reibereien auf eingefahrenen Schienen a la „PC-Faschisten“ vs „Antifa-Macker“ gekommen ist.

Als alte Meckerziege muss ich natürlich schon anmerken, dass eine Auseinandersetzung mit Sexismus leichter fällt, wenn sich der in absurden Gebetszügen manifestiert, und nicht in den eigenen Binnenstrukturen, Arbeitsteilungen, Beziehungen … trotzdem ist dem Antichristen zuzustimmen – durch die Mobilisierung wurde eine Diskussion aufgemacht, ohne gleichzeitig Gräben aufzuwerfen.
Auf indymedia verteilt ein alter Hase Props:

Bei den actione waren sauviele Leute dabei, die ich sonst nie auf Demos sehe – allein dass ist schonmal cool. Und ganz viele waren von Start bis Ende dabei, aber mit vollem Elan. Trotz Einschüchterungsversuchen und Übergriffen der Cops, trotz dem dass alles lange ging (fast 6 Stunden), und so weiter.
Gerade von Leuten, die sich nicht mit schnöder Regelmässigkeit mit Bullen anlegen, finde ich dass um so beachtlicher. Mad Props to all of you!

Dem will ich mich mal anschliessen.

Und nun zur Wette. Im*moment*vorbei beweist Sportsgeist, und erkennt neidlos an das München mehr gerockt hat. Ich finds gut, dass dieser sportliche Wettkampf nicht in einem nervigem Hickhack endet, und freue mich deshalb ganz besonders über diese Fairness.
Die Wette verloren hat auch nicht Berlin – die gewinnen eher schicke Aufkleber – sondern die Abtreibungsgegner_innen, die sich ernsthaft überlegt hatten ihren Marsch abzublasen, die massivst geärgert wurden und die damit rechnen müssen dass ihre öffentlichen Aktionen öfters von linker Seite gestört werden.

Fundis ohne Kreuze

Die christlichen Abtreibungsgegner_innen, die derzeit in aller Munde sind, sind gerade in ihrer Religiösität und Biederkeit am leichtetsten anzugreifen und zu kritisieren. Die Kommentarspalten unter bislang 3 Indymediaartikeln (1, 2, 3, 4) und unter einem Artikel im Mädchenblog zeigen aber: Mensch kann auch reaktionären Mist gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen verzapfen, ohne sich auf die Bibel zu berufen.
Kein Grund, die Religionskritik sein zu lassen. Aber einer, nicht beim Christ_innen dissen stehenzubleiben.

Bin ja mal gespannt …

Die Wette zwischen mir und im*moment*vorbei läuft, die Frage ist ob in München oder Berlin die fetteren Aktionen gegen den 1000-Kreuze Marsch christlicher Abtreibungsgegner_innen laufen werden. Nach einer inhaltlichen Veranstaltung am vergangenen Mittwoch legen die Berliner_innen morgen auch actionmässig vor, schade dabei dass sich die Aktionen in Berlin zeitlich mit der Demo gegen den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr überschneiden. Trotzdem freue ich mich jetzt schon auf die indy-Berichte über die vielfältigen Aktionen, die morgen sicher laufen werden.
Ein von linker Seite lange vernachlässigtes Thema hat wieder eine gewisse Präsenz. Egal, wie die Städtewette ausgeht, ein 2:0 gegen die Reaktion dürfte uns sicher sein.

Diverses gegen 1000 Kreuze

In Berlin hat sich mittlerweile ein Bündnis gegen den dortigen 1000 Kreuze Marsch gebildet – no 218, no fundis!
Auch wenn es für meine Wette mit im*moment*vorbei nichts gutes verheisst, ist es doch schön unter so einem Aufruf eine so erkleckliche Unterstützer_innenliste zu sehen.
Auf indymedia ist ein Bericht erschienen, in dem detailierter darauf eingegangen wird wie weit rechts viele Abtreibungsgegner_innen stehen. Da wundert es auch nicht, dass sich Münchner Nazis am 1000 Kreuze Marsch beteiligen wollen.
Auch die Maedchenmannschaft will gegen ein Abtreibungsverbot mobil machen. Hier wird der Zusammenhang zwischen der einheitlichen Richtlinie, die die EU-Staaten anstreben und den vermehrten Aktivitäten der anti-choice Aktivist_innen gezogen.

Wie Bevölkerungspolitik in Deutschland aussieht, beleuchten zwei Artikel im Mädchenblog: Zum einen über spezielle Tamagotschis, die den Unterschichtsfrauen das Kinderkriegen ausreden sollen, zum anderem über die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln für Hartz vierer_innen.

Actions gegen Lebenschützer_innen

Ein Bekannter schilderte seinen Werdegang mal so: „Erst war ich Ministrant, dann Satanist. Dann habe ich gemerkt, das beides der gleiche Mist ist, und wurde Punk.“ Recht hatte er, aber manchmal macht es einfach Sinn, oder auch einfach Spass, ein bisschen auf Antichrist_in zu machen – zum Beispiel, wenn es gegen christlichen Lebenschützer_innen geht.
Die rosa Antifa Wien (RAW) dokumentiert einen Bericht, nach dem (als Powerpuffgirls vermummte) Aktivist_innen Lebenschützer_innen dazu zwangen, unter einem Hochtranspi mit der Aufschrift „Hölle“ durchzugehen. Was unspektakulär klingt, nervte die Christ_innen mächtig, wie mensch an dem Kreuz.net Artikel Teuflische Dunkelmänner gegen die Kinder des Lichtes (und den Kommentaren darunter) sehen kann.
Vor Jahren war in einer Abolishing the Borders from Below ein Bericht über Aktion in Brno (den ich leider nicht online gefunden habe). Demnach wurde eine Demo oder Prozession von christlichen Abtreibungsgegner_innen, darunter auch viele Nonnen, von Anarchist_innen gestört, die sich als Teufel verkleidet hatten. Die Nonnen wehrten sich dagegen, indem sie die „Teufel“ mit Weihwasser bespritzten.
Für Leute, die sich auf diese christliche Symbolik nicht einlassen wollen, gibt es natürlich auch noch normale Aktionsformen, z.B. in Saalveranstaltungen reinrockern und dem Referenten das Mikro klauen.

Berlin stinkt ab! – Wer wettet mit?

Im September (am Samstag, den 20.09.) marschieren christliche Abtreibungsgegner_innen durch Berlin, ein sog. „1000 Kreuze für das Leben“ Marsch. Ich wette, dass die schnöseligen Hauptstadtlinken weniger Gegenaktivitäten gebacken kriegen als wir im beschaulichen München, wenn wir vom heiligen Geist heimgesucht werden (2 wochen später, am 4. 10.). Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen dass die Genoss_innen in Salzburg mehr auf die Reihe gekriegt haben, als es die Berliner_innen tun werden.
Stellt sich Berlin dieser Herausforderung? Und um was für Einsätze können anonyme blogs wetten? Oder traut sich eh niemand, die Wette anzunehmen – in der Gewissheit das die Berliner Zusammenhänge besseres zu tun haben werden (sich streiten, Spätzle schaben) und der Weg von Friedrichshain nach Mitte zu weit ist?

Salzburg: „Linke Milizionäre“ gegen Lebenschützer_innen

Wie schon mal erwähnt, findet am 4.10 in München ein sog. „1000 Kreuze für das Leben“ Marsch christlicher Abtreibungsgegner_innen statt. Vergangene Woche war so ein Marsch in Salzburg, hier sieht mensch schon mal was München so erwartet:

Wie in England oder Berlin „erwartete man tausende Lebensschützer“, gekommen sind dann nur 100-120 Leute, was aber auch nicht wenig ist und doch auffiel. Dazu muss man allerdings sagen, dass sie ne Menge Leute aus Deutschland, vornehmlich aus München wo zuvor auch schon ne Gebetspause stattfand (hxxp://www.kostbare-kinder.de/files/gebetszug_flyer_1.pdf), mit Bussen herangekarrt hatten.
[…]
Jedenfalls sind sie mit viel Brimborium und geschulterten Kreuzen vom Domplatz weg, durch die Innenstadt, rauf zum Landeskrankenhaus wo Abbrüche stattfinden, dort dann ein erstes Kniegebet hinlegten, weiter über die Salzach hin zur Staatsbrücke wos dann wieder auf die Knie sind, dann Blumen für jedes „ermordete Kind“ in den Fluss warfen und dabei nen Vornamen aufsagten (völlig irre!!).
[…]
Entlang ihrer Route waren auch noch Plakate angebracht, die Laun mit einem Pandabären mit rosa Armreifen zeigen, der dem predigenden Wicht einen in die Eier haut…drauf stehen tut: „AbtreibungsgegnerInnen wegschubsen!“ und informiert über das gruselige Happening jeden ersten Samstag eines Monats vor dem LKH (Kniegebet einmal im Monat). Die Mitverantwortlichen versuchten dann auch gleich sie runterzukratzen (siehe Bild). Scheint also, dass das Plakat ganz gut bei denen ankommt :) Was auch gut einschlug war ein großes Transpi, dass mensch in ansehnlicher Höhe quer über den Müllnersteg spannte. Drauf stand: „HÖLLE der Vernunft“ und unten durch gelatscht mit Kreuzen ist die Meute dann auch….hahahahahaha. Am anderen Ende der Brücke wurden sie dann mit dem bereits beliebten Transpi „Hätte Maria abgetrieben wärt ihr uns erspart geblieben“ empfangen was mancheR augenscheinlich den Rest gegeben hat: „Das meint ihr also mit Vernunft wenn man nicht mal ne vernünftige Antwort auf eine Frage bekommt“ -> blickt auf das „Maria-Transpi“ -> blickt auf grinsende TranspihalterInnen -> Gesicht fällt zusammen, geradezu bleich wurde es und geht weg ohne Worte.

Wir werden am 4.10 also viel Spass haben können. Die Wirkung auf die Christenfundis war wohl ganz gut, in einem Videobeitrag (xxxx://xxx.gloria.tv/?video=oibei1udb4fxsfufllte) heisst es:

Ferner spannten die Vertreter der Kultur des Todes auf dem Weg der Beter ein Transparent mit der Aufschrift „Hölle der Vernunft“ auf. Sie zwangen die Beter, unter dem handgeschmierten Plakat durchzulaufen. Bei einem späteren, zweiten Versuch, die Gläubigen unter ihr Banner zu zwingen, blieb der Gebetszug stehen. Erst als Polizisten anmarschierten, rückte die linken Milizionäre ab.

Die Christenfundis sind ein leichtes Ziel für allerlei derbe Spässe, warum sollten wir das nicht auch am 4.10 nutzen?

Nachtrag: Fast hätte ich das tolle Plakat vergessen. Go Panda!
Abtreibungsgegner_innen wegschubsen

Mixed picks #2

Waiting schreibt über die „sexistische Phantasie von Frauen, die ohne staatliche Kontrolle zu Mörderinnen ihrer eigenen Kinder und damit der Nation geraten“ und darüber, was Abtreibung mit Genderdekonstruktion zu tun hat.
Kann es so etwas wie einen herrschafts- und hierarchiefreien Porno geben?“ – dieser Frage geht Martin Büsser in der aktuellen Jungle nach, und macht eine Art kritische Bestandsaufnahme von Hetero-, Bi- und Homopornos: „Das viel beschworene »Alles ist möglich« kommt im Porno nur selten ohne identitäre Zuschreibungen aus.“
Yeahpopes Erzählung von erzwungener Trennung und freiwilligem Loslassen schliessslich sei allen ans Herz gelegt, die sich selbiges wieder wärmen wollen, nach all dem andern harten Zeugs.