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Nazis: Tausche Kader gegen Räume

Eine gute und ein schlechte Nachricht, was die Münchner Naziszene betrifft. Faschos um Roland Wuttke, haben eine Immobilie in Forstenried angemietet. Schon wieder. Das letzte Mal war es den Vermietern leicht möglich sie rauszuwerfen, da sie im Mietvertrag als Verwendungszweck „Lagerräume“ angegeben hatten, tatsächlich aber die Räume für Veranstaltungen genutzt haben. Ganz so dumm waren sie diesmal nicht, wir können also nicht davon ausgehen dass die Faschos von alleine ihre neue Nachbarschaft aus Bullenrevier und Knabenchor verlassen. Damit wären Münchner Faschos wieder in der Lage, unkompliziert Saalveranstaltungen zu machen – mit dem ganzen Charme eines Souterrains in einem Gewerbebau.

Fragt sich nur, wer den Raum bei der Eröffnung bespielen soll. Felix Benekkenstein aka „Liedermacher Flex“schonmal nicht, der sitzt nach eigenen Angaben im Knast und bettelt auf Altermedia um Spenden. Nicht dass sich der Nachwuchstroubadix mit der Nazicrew um Wuttke herum so richtig gut verstehen würde. Scheinbar hat Bennekenstein auch gleich noch zwei andere Faschos hingehängt, die bei einer mit Flaschen ausgetragenen Prügelei im Kunstpark auf der anderen Seite gewesen sein sollen. Phillip Hasselbach und eine weiterer Fascho (Hier ein Gerücht wer das sein könnte) wurden der gleichen Quelle nach wegen dem Verdacht des versuchten Totschlags in U-Haft genommen.
Das klingt ganz gut: zwei bis drei aktivere Faschos erstmal weg von der Strasse, bestehende Gräben bei denen vertieft. Sicher ist dazu aber erstmal nix, die einzigen Quellen dazu sind Faschos.

Erklärvorwurf

Ich will es nur mal kurz festhalten: Bei diesem Artikel von mir – der mit dem Porno – hatte ich schon mit kritischen Kommentaren gerechnet, z.B. „was soll den der heteronormative Pornokackscheiss“ oder „ganz schön peinlich, dieser Versuch mit Sex Aufmerksamkeit zu erregen.“ Aber nichts da, viel kommentiert wurde stattdessen bei den antideutschen Hurensöhnen und dem militanten Arm des GSP.
Wenn die Kommentarverteilung auf einzelne postings hier irgendetwas verallgemeinerbares über linke Diskussionskultur sagt, dann das: Die linke Haltung zu Sexualität ist nicht Lustfeindlichkeit, sondern freundliches Desinteresse. Ein nicht ausargumentierte inhaltliche Kritik an linksradikalen Positionen ist unhöflich und führt sofort zu beleidigten Nachfragen. Es gibt aber schlimmeres als flappsige Bemerkungen: Fundierte, ausaurgumentierte Kritik an reaktionärer Kackscheisse, das ist die reinste Provokation.

Stattpark statt Parkplatz

Die Besetzung der Halle 3, auf Gelände Ecke Dachauerstr. – Schwere Reiterstr. (wo das Pathos ist), war ja leider etwas halbherzig. Immerhin ist dort auch eine temporäre Wagenburg, wo es sich vorzüglich abhängen lässt – zumindest noch heute und morgen. Ob und wie es weiter geht wird morgen früh, ab 11:00, bei einem veganem Weisswurstfrühstück beredet.

Vom Säureclown zur Splitterbombe

Bei Allophilia gibt es ein Video von der berühmten Berliner Splitterbombe (gibt es schon ein Getränk oder Essen, das so heisst?). Wer sich von einer Splitterbombe mehr erwartet als von einem grossen Böller, wird enttäuscht. Dreiste Lügen durch die Bullen sind so alt wie die Journaille die sie gerne abdruckt, wie wir am Beispiel Rostock sehen können.

Alle fahren nach Nürnberg!

Am Mittwoch den 28. April verletzte ein Nazi aus dem Umfeld des Freien Netz Süd in Nürnberg einen 17-jährigen Antifaschisten so schwer, dass dieser mehrfach wiederbelebt und für mehrere Tage in ein künstliches Koma versetzt werden musste (mehr Infos). Bereits am 8. Mai gingen in Nürnberg deshalb um die 1500 Menschen gegen rechte Gewalt auf die Straße. Für den 29. Mai rufen nun antifaschistische Gruppen zu Großdemos in Fürth und Nürnberg auf. Wir wollen unsere Solidarität mit dem angegriffenen Antifaschisten zeigen und gemeinsam und entschlossen gegen das Freie Netz Süd und alle anderen Nazis in Fürth, Nürnberg, München und überall vorgehen. Deshalb werden wir an diesem Tag von München aus gemeinsam nach Fürth und Nürnberg fahren.
Zugtreffpunkt: 8:30 München Hbf, Gleis 26
Hintergrund-Infos, Aufrufe etc. gibt es unter redside.tk
Demo: 12 Uhr Fürth, Hbf | 14 Uhr Nürnberg, Plärrer
im Anschluss: Antifa-Festival Fight Back in der Desi mit Los Fastidios, Kurzer Prozess, What We Feel uvm.

Dieser Angriff ist sicherlich der schwerste Nazi-Angriff auf einen Antifa in Süddeutschland in den letzten Jahren. Der Angriff ist kein isolierter Vorfall, in den letzten Jahren gab es in Nürnberg Angriffe auf das DKP Büro und einen linken Buchladen oder Farbbeutel gegen die Wohnnungen von Antifaschist_innen. Anti-Antifa ist ein Schwerpunkt der Nürnberger Naziszene.
Mehr als genug Gründe, diesen Samstag nach Nürnberg zu fahren: Als Zeichen der Solidarität gegenüber dem Betroffenen und seinen Freund_innen und Verwandten, als Auftakt für wirksame Aktionen gegen die Nürnberger Faschos.

Nix mit Terminüberschneidung! Dafür Singalong.

Meine Behauptung, die Antira-Demo heute und der Classess-Vortrag würden sich auschliessen, war total falsch. Die Demo war knackig, gut und kurz, mensch hätte es danach sicher noch zum Vortrag nach Dachau geschafft.

Genauso falsch ist meine Behauptng, mensch müsste sich am Donnerstag zwischen Theorie und Organisierung, also zwischen der Krisendiskussion und dem Soziale Kämpfe Plenum, entscheiden. Die Diskussion startet gegen 21:30 (Marat), das Plenum schon um 19:00 (Ligsalzstr. 8) . Zugegeben, da ist wenig Luft zwischen, aber doch genug für den kurzen Weg.

Auch für den Samtstag gibt es eine kleine Korrektur, bzw. Ergänzung. Neben der Antifademo in der Innenstadt und dem Bürgerfest neben der Naziroute gibt es noch eine Kundgebung vor dem Asyllager in der Tischlerstrase, an dem die Nazis vorbeiziehen wollen.

„We‘re not gonna take it!“ ist das Motto der Antifa-Demo, das ist auch der Titel eines Liedes. Wenn auch dieses Video mit dem schnöden ‚Damsel in distress‘ plot nicht ganz unproblematisch ist, hier nochmal zum grölen üben:

Zum Makss Damage-Lied „Tötet diese antideutschen Hurensöhne!“

Eigentlich müsste es keinen Grund geben, sich hier speziell an Makss Damage und seinem Lied „Antideutsche Hurensöhne“ abzuarbeiten. Das ist so offensichtlich mieser, menschenverachtender Gangster Rap, den nur verschrobene Stalinos ohne Musikgeschmack hören können. Es gibt hunderte ähnlich miese Tracks ohne Stalinismus, die mehr gehört werden, an denen sich Kritik mehr lohnen könnte. Das genau dieses Lied vor ein paar Monaten für einen Aufreger auf diversen linken blogs gut war, liegt denn auch nicht so sehr daran dass der Text, gemessen an sonstigem deutsche Gangster Rap, besonders eklig ist, sondern daran dass sich ein paar Blogger_innen irgendwie angesprochen gefühlt haben. Eine fundierte Kritik war bei diesen Diskussionen leider die Ausnahme – der Text ist so Scheisse, das disqualifiziert sich von selbst, war wohl die Annahme von vielen die dazu geschrieben haben. Ich dachte das auch, und habe mir ein posting dazu gespart.

In den letzten Wochen trug mir mein augedehntes Spionagenetz (dass wie alle Behörden ganz schön langsam ist) zu, dass auch hier, im nördlichsten Dorf Italiens, Leute die ich für politisch zurechnungsfähig gehalten habe den youtube Link weiterempfehlen. Vermutlich stehen die entsprechenden Kandidat_innen nicht hinter jeder einzelnen Vernichtungs- oder Vergewaltigungsandrohung in dem Lied, denken sich aber „Höh höh! Das geht gegen Antideutsche! Höh höh!“

Hier findet also, dank dem beliebten Feindbild Antideutsch, reaktionäre Kackscheisse Eingang in einen gewissen linken Diskurs. Offenbar muss ein paar Genoss_innen genauer erklärt werden, warum ein Text wie dieser gar nicht geht und so ungefähr alle linken Basics über Bord wirft.

Ich würde eher Adolf Hitler, Heinrich Himmler
und Ernst Röhm als euch links nennen!

„Die historischen Nazis waren schlimm, aber ihr seid noch schlimmer“ wäre die harmloseste Lesart. Faktisch sagt Makss Damage hier, dass ihm Nazis politisch näher sind als das Feindbild der Stunde. Dass Nazis als Mass für alles schlechte herhalten, zeigt dass sie an sich kein positiver Bezug sind. Immerhin.

Wer von Euch wird ausgegrenzt und fühlt sich scheiße? […]
Die meisten Antideutschen laufen rum, mit dunklen Brillen,
so als produzieren sie heimlich Kinderpornos in ’nem Hinterhof. […]
Kauf’n sich Hero am Cotti, so wie Endi von Egotronic. […]
antideutsche Hurensöhne!

Sozialdarwinismus pur. Wenn wer schwach ist, ausgegrenzt wird, irgenwie kriminell rüberkommt, Eltern in der Sexarbeit hat oder Drogen nimmt spricht das in den Augen von Makss Damage gegen die Person die hier ausgegrenzt wird, nicht gegen die Verhältnisse. Das ist die Schulhofvariante des CDU und FDP Credos, dass die Armen an ihrer Situation selber schuld sind und gefälligst für ihre schlechte Situation zu büssen haben.

ihr kommt vorbei und kassiert alle von uns Backpfeifen.
Kifferkids packt euer Pfefferspray weg, steckt Messer ein.
Ich warne euch, ab heute wird’s für euch besser sein.

Wie wir von einem konsequenten Dicknussmacker erwarten, besingt Makss damage seine eigene Stärke und Fähigkeit die Gegener_innen zu verkloppen – gemessen an anderen Battle Tracks sogar verhältnismässig moderat. Das hat nichs mit Zurückhaltung zu tun:

… wenn wir euch platttreten wie Kids ihre Kippen […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […] ich hau’ sie mit’nem Hammer tot. Trenn sie mit’ner Sichel durch. […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […]

Ihm geht es nämlich nicht um Kampf, sondern um Vernichtung. Die Gegner_innen dienen nicht als Negativfolie, um die eigene Stärke zu beschwören, sie werden zu Müll erklärt und plattgetreten.

Und ich hau’ sie mit’nem Hammer tot.
Trenn sie mit’ner Sichel durch.
Fick’ erst ihre Mädchen durch!
Ist das nicht verwegen?
Fick’ dann ihre Jungs durch… Warte!
Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?

Zur Vernichtungsphantasie gehört auch sexualisierte Gewalt. Makss Damage findet Vergewaltigung in Ordnung, zur Durchsetzung einer bestimmten Hierarchie. Umgekehrt heisst das, dass er die patriarchalen Hierarchien, die so durchgesetzt werden, auch gut findet. Die Vergewaltigungsdrohung gilt damit nicht „nur“ den Antideutschen, sondern allen Frauen und allen, die nicht als „richtige“ Männer wahrgenommen werden. Das Makss Damage auf klare Geschlechterhierarchien steht verdeutlicht auch die Zeile „Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?“: Die angeblich fehlende Geschlechterdifferenz wird zum Makel erklärt, die antideutschen „Jungs“ werden durch die ihnen angedichetete Mädchenhaftigkeit zusätzlich abgewertet.

Dieser Text verrät mehr über den Autor, als über die „Antideutschen Hurensöhne“. Wenn es nach Maks Damage geht, oder nach irgendwem der sich in dem Text wiederfindet, sieht die Welt so aus: Brutalität ist geil. An Nazis ist irgendwas links, Kriminelle, Ausgegrenzte und Schwache sind selber schuld, das Patriarchat ist voll ok und kann mit sexualisierter Gewalt aufrechterhalten werden. Wer in dieser Ordnung als Feind erscheint, wird nicht einfach bekämpft, sondern entmenschlicht und vernichtet. Dieser Track macht Makss Damage, und die die ihn hören, nicht zu Nazis. Ein brutalisierter Sozialdarwinist ist schon schlimm genug, und zum linkssein gehört etwas mehr als „kein Nazi sein“ – davon abgesehen, dass es mindestens einen handfesteren Nazitrack von Makss Damage gibt. Durch sein restliches Schaffen höre ich mich nicht durch, dazu fehlt mir der Masochismus.

Linke Basics heissen so, weil sie das Fundament einer fortschrittlichen Weltanschauung bilden. Scheinbar sind diese Basics bei manchen dann einfach weg, wenn ein geeignetes Feindbild auftaucht: Manchmal gegenüber Nazis, hier weil es gegen die Antideutschen geht. Das ist erstmal absurd: Einmal weil orthodoxe Kommies genau dann dem Zerrbild, dass Antideutsche (vor allem die Landtideutschen) von ihnen zeichnen entsprechen wenn sie sich über diese echauffieren, ausserdem kriegen die Anti-Ds in München eh nicht mehr gebacken als sich selbst zu karikieren – wozu also die Aufregung?
Nur, wenn ein fortschrittlicher Anspruch (und jeder Musikgeschmack) weg ist, sobald ein albernes Feindbild auftaucht, ist das Problem grösser als Szeneperistaltik. Dann war der Anspruch von vornherein nicht so richtig gefestigt. Wenn ihr Linke seid und dem Kack von Makss Damage was abgewinnen konntet, habt ihr eine Hausaufgabe: Die von mir angerissenen Kritikpunkte ergänzen und weiterentwickeln. Wenn ihr die Welt zum Besseren verändern wollt, anstatt euch an absurden Feindbildern hochzuziehen, ist es das Mindeste, bei sich selbst anzufangen. Wenn euch die Feindbilder wichtiger sind, verpisst euch aus der Linken und geht zum Fussball.

P.s. Ein paar der Beiträge in linken Blogs: Abstrahieren, Im Moment vorbei, Captain Cosmus, Torsun, Willhelm Vandalism, Tous et Rien, Scheckkartenpunk, Tee, Reflexion.
Viele Beiträge blieben bei „Guckt mal, ekliges Lied“ stehen – schade, da so nur die Leute erreicht werden die die Kritk eh teilen. Und natürlich schade, dass es wenig Material für mich zum copy-pasten gab. Die fundierteste Diskussion gabs bei Analyse, Kritik und Aktion, alles Kluge über Hip Hop in diesem Artikel habe ich von Kommentatorin Maggi übernommen.

Termine, Termine, Singalong!

Die Woche wird voll:
Am morgigen Dienstag referiert Classless Kulla in Dachau über Entschwörungstheorie, besser ist mensch wohl bei der Demo gegen Lagerzwang aufgehoben – eine Landtagsentscheidung über Lagerzwang für Flüchtlinge in Bayern steht bevor, nach dem Essenpaketeboykott geht es nun nochmal darum, viel Druck aufzubauen: Sendlinger Tor, 18:00

Mittwoch Abends im Marat ist dann eine Infoveranstaltung zum Naziaufmarsch am 8. Mai. Dass es für Gegenaktionen praktisch ist, sich in paar Tage vorher nochmal zu informieren, brauche ich ja nicht zu erwähnen.
Infoabend-Flyer

Der Donnerstag bietet wieder die Wahl: Um 19:00 in die Ligalz 8 zum nächsten offenen Treffen zu sozialen Kämpfen, oder später ins Antifa Cafe zur Diskussion mit La Banda Vaga über deren Thesen zur Krise. Für die Diskusion lohnt es sich sicher, die Thesen vorher mal zu lesen.
Update: Die Diskussionsveranstaltung fängt um 21:30 an, es ist also möglich zu beidem zu gehen.

Am Abend drauf lädt dann das Freitagskafe zur „Wer nicht reinfeiert hat verloren“-Party.

Am Samstag startet dann um 14:30 eine Demo gegen den Naziaufmarsch am Rindermarkt, danach geht es raus nach Fürstenried-West zum Nazi-Aufmarsch stoppen – was die Leute die da wohnen eh auch vorhaben, aber mensch kann ja mitmachen. Wo dann abends die Party steigt weiss ich nicht, ihr könnt ja mit Tips ergänzen. Die Antifademo am Nachmittag steht jedenfalls unter dem Motte „We‘re not gonna take it!“ – und das wollen wir dann auch hören:

Workshop zu Sex, äh Homophobie in der Linken

Der eingerückte, englischsprachige Teil beschreibt ziemlich exlizit einvernehmlichen Sex. Wer so deutliche Darstellungen nicht mag, liest nach der Einrückung weiter.

He paused before entering me, his cock almost but not quite touching my pussy. „Do you want this?“ he asked, breathily, and waited.

Well, that’s a silly question; I was naked on the bed in front of him, face down ass up and spreading myself open for him, and thirty seconds previous I had been sucking his cock. And it could pass for just dirty talk, blending in rather seamlessly with less consequential questions about do I like his big cock and am I a naughty little slut.

But I liked it because it showed beautifully how easy, and how crucial, explicit enthusiastic consent is.

[…]

I could have said yes. I could have said no. I could have said „hang on, let’s talk.“ I had power over what would happen to me.

[…]

Consent isn‘t just an ugly little prerequisite to sexiness. Consent, breathed out in an „oh yes, oh please yes,“ is in itself sexy.

(pervocracy) Vollkommen absurd, den Bericht zu einem workshop über Homophobie in der Linken auf dem Ladyfest mit hetero-Porno einzuläuten. Was das soll, erkläre ich weiter unten, zunächst zum Workshop:

Der Referent präsentierte einen Überblick darüber was Homophobie ist (inklusive einer Kritik an dem Begriff), über verschiedene homophobe Ideologiefragmente in diversen Linken (Weimarer-Republik Kommies, die die SA schwul finden, Kommies die Homosexualität als kapitalistische Dekadenz abtun). Weiter gings mit einer Beschreibung von Homophobie bzw. Heteronormativität in der heutigen linksradikalen Szene. Weniger ausführlich findet ihr die Beobachtungen auch in diesem Radio-Interview (via). Ich würde den Vortrag grob so zusammenfassen: In der Linken gibt es ein gewisses Bewusstsein was Sexismus und Homophobie angeht, offen homophobe Äusserungen sind eher selten. Wenn sich wer homophob äussert, geht die Person oft davon aus dass eh keine Schwulen in der Nähe sind die sich angesprochen fühlen könnten. Umgekehrt sind manche Genoss_innen in ihrem Redeverhalten extra vorsichtig, wenn sie wissentlich nicht in einer reinen hetero-Runde sitzen. Häufiger als offene, ablehnende Homophobie in der Linken sind Stereotype und Nicht-wissen. In der Diskussion wurde noch benannt, dass das Anstarren schmusender Männer auch eine eher ungemütliche Atmosphäre schafft. Insgesamt ist ein linksradikaler Rahmen nicht einladend für ein coming-out, viele suchen sich dafür ein anderes Umfeld. Und bleiben dann auch von der Szene weg.

In der Diskussion wurde bemängelt, dass der Vortrag nur über die Situation von Männern ging – eine Schwäche, die dem Referenten durchaus bewusst war. Eine lebhafte Diskusssion kam leider nicht zustande – meiner Meinung nach auch deshalb, weil sich die provokant gemeinten Thesen dann doch zu schlüssig und logisch aus dem Vortrag ergaben. Eine davon will ich hier vorstellen:
Heterosexistische Stereotype sind in der Linken präsent, weil es zwar einen linken Diskurs über Sexismus gibt, aber keinen über Sexualität. Unsere Aufklärung holen wir uns, mangels Alternativen, dann doch in Hollywood oder bei Pornos – und lernen dabei den ganzen Mainstream-Scheiss. Früher (die 68er Jahre) hat es mehr linke Auseinandersetzung mit Sexualität gegeben. Da war dann auch viel sexistischer Scheiss dabei, aber immerhin gab es irgendeine Auseinandersetzung.

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich noch zitiere oder schon den Gedanken weiterspinne, wenn ich schreibe dass linker Antisexismus, wie er derzeit praktiziert wird, einer Auseinandersetzung mit Sexualität im Wege steht – nicht weil linker Antisexismus dem Inhalt nach lustfeindlich oder so was wäre, sondern weil die Praxis mit Fettnäpfchen vermeiden und Nichts-falsches-sagen anfängt. Dieses Nichts-falsches-sagen hat einen sinnvollen Kern, nämlich einen sensiblen Umgang mit Äusserungen die anderen zu nahe gehen können. Nichts-falsches-sagen ist aber auch das einfachste antisexistische Lippenbekenntnis für alle, die eine ernsthafte Reflektion vermeiden wollen.

Es gibt noch andere, gute und schlechte Gründe für ein Unbehagen mit linken Sexualitätsdiskursen: Abgrenzung vom Reden über „befreite Sexualität“ und ähnlichem Kommune-1 Quatsch, keine Lust darauf sich von der eh schon anspruchsvollen Szene auch noch da reinreden zu lassen, sich die Beziehung als Rückzugsort vor der anstrengenden Polit-Posse zu erhalten und natürlich die schiere Peinlichkeit, die an dem ganzen Thema dranhängt.

Wie ein Rahmen für solche Diskussionen aussehen könnte wäre ein eigenes Thema. Ein Anfang wären mehr gute Texte dazu im linken Diskurs, mit den entprechenden Diskussionen darüber was in diesem Zusammenhang „gut“ heisst. Ein andere Anfang wäre ein anonymer oder vertraulicher, geschützter Rahmen für direkte Gespräche und einen kollektiven Reflektionsprozess.

Um zu guter Letzt zu erklären, was jetzt der Einstiegsporno in diesem Beitrag soll: Das Zustimmungskonzept wurde in der Diskussion beim workhop als ein praktischer Zugang zu Sexualität erwähnt, spontan viel mir dazu der obige pervocrazy-Artikel ein auf den kurz davor via classless (und etwas herumklicken) gestossen bin. Das Zitat am Anfang ist nicht als Provo gedacht, sondern als Frage: Was ist ok, was ist sagbar in einem linkem Rahmen/Medium? Warum, warum nicht? Braucht es mit solchen Texten einen anderen Umgang als mit Kochrezepten? Will überhaupt irgendwer im politischen Rahmen über Sexualität lesen oder gar reden? Ich bin gespannt auf weitere Fragen.

Feste Feiern wie sie fallen revisited

Vor einiger Zeit hatte ich die Feierlaune, die bei Linken aufkommt wenn deutsche Ssoldat_innen fallen kritisiert. Vor kurzem gab es in Berlin Razzien, eben wegen des Aufrufs, an Tagen an denen Bundeswehrler_innen in Afghanistan sterben am Ehrenmal in Berlin Sekt zu trinken.
feste feiern wie sie fallen
In diesem Zusammenhang wurde wer von der DFG-VK interviewt, und reagiert dabei auch auf die linke Kritik an ihrer Kampagne:

Der Aufruf stieß ja auch in der linken Szene auf geteilte Reaktionen. Was waren denn Ihre Beweggründe?
Die Bundeswehr führt einen ehrlosen Krieg. Sie ist als Besatzungsarmee in Afghanistan einmarschiert und trifft zwangsläufig auf bewaffneten Widerstand. Ihre Aufstandsbekämpfung wird immer brutaler, das haben wir ja beim Massaker vom Kundus-Fluß im letzten Jahr gesehen, wo bis zu 140 Menschen unterschiedslos umgebracht wurden – »vernichtet«, wie Oberst Georg Klein das genannt hat; das Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde ja am gestrigen Montag eingestellt.

Lebensrecht und Sicherheitsgefühl der Afghanen, um die Wortwahl der Staatsanwaltschaft aufzugreifen, werden von der Bundeswehr Tag für Tag verneint. Aber stirbt ein deutscher Soldat, kriegt er seinen Heldenplatz im Ehrenmal. Das ist doch pervers! Wer ohne Not in ein anderes Land einmarschiert, dem sprechen wir jegliche Berechtigung ab, sein Handeln für ruhmreich zu halten.

Die Bundeswehrführung versucht, Soldaten mit öffentlichen Gelöbnissen, der Verleihung von Tapferkeitsmedaillen im Eisernen-Kreuz-Stil und eben mit dem Ehrenmal zu heroisieren. Wenn Politiker fast aller Parteien ständig betonen, daß die Soldaten den Rückhalt der Gesellschaft benötigen, um motiviert und erfolgreich ins Gefecht zu ziehen, sagen wir: Nein, den verdienen sie nicht, sie verdienen nicht Ruhm und Ehre, sondern Verachtung.

Das wird Soldaten aber nicht bekehren.

Nein, aktive Soldaten kaum. Aber eine solche Verächtlichmachung kann vielleicht Jugendliche, davon abhalten, zur Bundeswehr zu gehen. Und schließlich wollen wir Friedensbewegte ansprechen. Denn der Krieg dauert jetzt fast neun Jahre, unsere Aktionsformen aber stagnieren viel zu sehr auf dem Niveau der alten »Friedenszeiten« in den 1980ern. Wir brauchen neue Ideen, neue Kampagnen, und wir alle müssen uns fragen, wie wir die Heimatfront schwächen können.

p.s. Bamm.de, wo wohl der Aufruf auch veröffenticht wurde, ist derzeit nicht online – wohl wegen der Razzien. Als blogbetreiber merk ich mir: Evtl. umstrittene Motive nicht von verwundbaren Sites einbetten. Also entweder auf den eigenen blog hochladen – das schlimmste was passieren kann, ist ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt und die dauerhafte Abschaltung dieses blogs. Alternativ (hab ich aus Faulheit gemacht) kann mensch auch das Bildmotiv von einer Repressionsgeschützten Seite, hier welt.de indymedia, einbinden. Die letzte Alternative wäre es, auf das evtl. strafrechtlich relevante Bild zu verzichten, also Selbstzensur um der Zensur zu entgehen. Und das wäre völliger Blödsinn.