Archiv der Kategorie 'Knalli'

„Wie ein Schlitzi“

Vor einigen Monaten bat das Hinterland Magazin die Lerser_innen:“Erzählt uns vom Rassismus.“ Die Idee war, einige kleine Anekdoten zu persönlichen Alltagserfahrungen mit Rassismus zu sammeln, und diese in der nächsten Ausgabe verstreut zu veröffentlichen. Cool dachte ich mir, mir ist auch prompt eine eingefallen. Heute morgen lag dann die neue Hinterland im Briefkasten. Den Redaktionsschluss hatte ich wohl verpasst, deshalb gibt es den kleinen Einblick in meine Familie jetzt hier:

Nach langer Zeit mal wieder zu Besuch bei der Oma. Ich hocke vor ihrem Bücheregal und gucke was da so drin steht. Meine Mutter steht hinter mir und wundert sich über meine Sitzhaltung: „Du sitzt wie ein Neger.“ Ich bin erstmal total sprachlos – einmal gibt es gute Gründe, das N-wort aus dem Sprachgebrauch zu streichen, darüberhinaus ist es einfach beknackt die gemeine Kniehocke zu ethnisieren. Mein stets sensibler Bruder fügt hinzu: „… oder wie ein Schlitzi

„Du trägst Pali, du bist Antisemit!“

Ein weitere Knallkopf-Kommentar, diesmal von einem Genossen. Bei der gestrigen Mahnwache der Münchner NPD-“Tarn“liste „Bürgerinitiative Ausländerstop“ ergab sich am Rand der Gegenaktionen ein Wortgefecht zwischen dem Nazikader Norman Bordin, und einigen Antifaschist_innen. Mensch muss sich das so vorstellen: Bordin und ein Kamerad stehen nebeneinander, hinter ihnen ungefähr 8 Zivibullen – ein traumhaftes Motiv für ein Gruppenbild. 5 Meter steht weiter ein Trupp der zahlreich vertretenen Bereitschaftsbullen. In dieser Situation hielt ein antifaschistischer Knallkopf Bordin vor „Hey, Norman, du bist doch voll der Antisemit!“ worauf dieser erwiderte „Nein, bin ich nicht.“ Der Genosse „Aber ich hab Photos vonb dir gesehen, wo du ein Palituch trägst!“. Darauf Bordin – auf einen Palituchtragenden Antifa zeigend – „Ist der da dann auch Antisemit?“, der erste Antifa antwortete „Ja, aber der ist ein linker Antisemit.“
Später trat dann ein ca. 15 jähriger Punk auf den Plan, der inhaltlich etwas fitter war und Bordin ziemlich erfolgreich unter den Tisch schwallte.

Grundsätzlich ist die Unterstellung, dass jede_r Palituchträger_in antisemitisch ist haarsträubender Blödsinn, vor allem aber ist es bekloppt auf diesem Punkt gegenüber einem Fascho herumzureiten. Norman Bordin und seine Leute sind nicht das Ziel unserer Agitation, der einzige Zweck sich auf diese Wortgefechte einzulassen ist zu verhindern dass sie unwidersprochen Bürger_innen agitieren können. Hinzu kommt, dass viele Faschos begeisterte Prozesshanseln sind, und sich über Vorwände für Anzeigen freuen – ein echter Grund aufzupassen, was mensch sagt. Bordin reagiert besonders empfindlich auf die Behauptung, er sei wegen des rassistischen Überfalls in der Zenettistr. am 13.01.01 verknackt worden, und zeigt gerne Leute wegen Verleumdung an. Technisch gesehen ist er bei diesem Überfall nur verhaftet worden (und hat angeblich in der Zelle jemanden verprügelt), seine 15 Monate Kanst in diesem Zusammenhang hat er nicht wegen dem rassistischen Beinahe-Mord aufgebrummt gekriegt.

und nicht vergessen. 4.01.08 – aktiv gegen den Naziaufmarsch werden!

„…unsere sind länger“

Ein Rudel Antifas aus verschiedenen Städten hängt auf der Strasse rum. Verstreut zwischen ihnen sind Taschen mit den üblichen Demo-Accessoirs, darunter auch Winkelemente – etwa unterarmlange Fahnen, mit vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten. Ein Antifa, zu einem aus einer anderen Stadt:

Das sind eure Winkelemente? Unsere sind doppelt so dick! Und länger!

Der angesprochene sagte sinngemäss „Ok, ok, der Schulhof gehört dir. Aber lass mir nen Teil von meinem Taschengeld.“

„Ihr sads a gscheit..“

Ein eher untypischer Bürger aus Klagenfurt/Celovec, bei einem Infostand gegen das Ulrichsbergtreffen von u.a. SS-Veteranen, dass alljährlich in Kärnten/Koroska stattfindet:

Ich war immer auf eurer Seite, der Seite der Jugend, aber wieso müsst ihr immer diese Vergangenheit hochkochen? Das tut den Leuten, die das noch miterlebt haben doch weh! Bei jedem Anliegen bin ich auf eurer Seite, der Seite der Jugend, aber das …? Ihr sads doch a gscheit, erfindets doch was … zum Beispiel Tierschutz! Da wärn die Leute auf eure Seite!

Diese Leier wiederholte er ziemlich oft, in durchaus freundlichem Ton und immun gegen inhaltliche Einwände.

„Habt’s ihr Gewehre?“

Ein freundlicher Passant angesichts eines Transpis „Siko und G8 angreifen“:

Mit was wollt’s ihr die den angreifen? Mit der Kalashnikov? Oder doch bloss ein Revolver?

Das wir keine Schusswaffen hernehmen hat er uns geglaubt, aber finde mal von so einer Frage den Bogen zu dem was du politisch willst.

„…Rothschild?“

München, Stachus, Oaxaca-solikundgebung. Ein Passant, nachdem ihm erklärt wurde was es mit dem Aufstand in Oaxaca auf sich hat:

Aha. Und was halten sie von den Rothschilds, die das alles steuern?

Die Sicherheit, mit der dieser Knallkopf behauptete das die Rothschilds hinter den Vorgängen in Oaxaca stecken, unmittelbar nachdem er zum ersten Mal gehörte hatte das es diesen Ort überhaupt gibt zog mit schier die Schuhe aus, mir ist fast nichts drauf eingefallen. Aber was soll mensch so einem Trottel auch erzählen?

„Was sollen die Leute denken!“

Ein älterer Atacci bei einer Demo gegen einen EU-Gipfel in Salzburg, gegenüber einer vermummten Person:

Entschuldigung, warum laufen sie denn so rum? (…) Ich finde das nicht so gut. Ich demonstriere hier, mit meinem Gesicht, und dann sind da Sie in diesem Aufzug. Das sieht doch so aus als seien wir alle gewalttätige Chaoten! Auch die Fernsehbilder sind dann nicht so gut.

Die Antwort der so angesprochenen Person (oder was mein Gedächtnis seither daraus gemacht hat) poste ich erst, wenn andere Vorschläge da sind, was in so einer Situation dem Attaci erzählt hätte werden können.

„Und wer zahlts?“

Die Frage kommt immer. Egal ob du „Alles für Alle!“ skandierst, ein Bier bestellst oder kommendes Wochenende beim Bleiberechtsaktionstag mitmachst – irgendjemand fragt immer

Wer soll das alles zahlen?

Grund genug, sich über die coolsten Antworten auszutauschen!

„…mit ihrer Hände Arbeit“

„Wollen sie, mit ihrer Hände Arbeit, all die versorgen die zu uns wollen?“

So fragte mich ein Oberföhringer Spiesser bei einer Kundgebung anlässlich der Ereignisse von Ceuta und Melilla. Die Kundgebung richtete sich gegen das brutale Vorgehen von spanischen und marokkanischen Behörden gegen Flüchtlinge. Auch als Übung für den Aktionstag kommendes Wochenende – was würdet ihr darauf antworten?

„… Handgeld vom Reemtsma“

Wozu sich mit Inhalten, mit Überzeugungen auseinandersetzen? Wer nicht einsehen will, dass und warum gerade eine bestimmte Demo stattfindet,kann sich doch einfach einreden, dass sievon irgendwem gesponsort wird, dass die Leute die da so laut krakelen ein Tagegeld dafür bekommen. Besonders in Mittenwald, aber auch anderswo, hören wir es immer wieder:

Ihr werds‘ doch zoit!

Strittig ist hier nur, ob Reemtsma, der Mossad oder die ARD hinter uns steckt. Die Frage ist aber auch – was darauf antworten? Und wohin schicken wir die Gehaltsforderungen?