Archiv der Kategorie 'Knalli'

„dann können wir diskutieren“

Beim letzten Naziaufmarsch in München: Ein Gruppe Antifas lungert auf Cafestühlen rum, einige Apfelfrontler_innen gehen vorbei. Willkommen sind sie nicht eben, ein Genosse ruft halb im Ernst „Haut ab!“
Ein verärgter Apfelfrontler (sinngemäß): „Wenn ihr ne Kritik habt, dann sagts, dann können wir diskutieren, aber dieses Gepöbel …“
Darauf ein anderer Antifa: „Ok, eure Aktionsform ist Scheisse weil sie die Nazis verharmlost.“ – „Ähm …. lebt nur weiter in eurer antideutschen Traumwelt“

„Hinter welchen Banner läufst du?“

Eine unbekannte Person zu einem Genossen, am Vorabend der Grossdemo gegen die Siko

„Hinter welchem Banner wirst du morgen laufen?“
„Im internationalistischen Block.“
(kurze Nachfrage und Erklärung dass das der Autonome Block ist, Hinweis auf den Aufruf)
„Seid ihr Kommunisten?“
(überlegt kurz) „Drei Viertel würden sagen ja, praktisch alle würden nachschieben dass sie keinen Bock auf irgendeinen Staat haben.“
„Aber Kommunismus und Staat geht doch eh nicht zusammen!“
„Schon schon, nur die meisten Leute die sich Kommies nennen sehen das anders.“
„Echt?“

Das ein politisch interessierter Mensch die autonome Mobilisierung gegen die Siko komplett verpennt – okay. Aber hinter welchem Mond oder auf welchen blogs holt sich mensch die Politbildung, um einerseits zu wissen das Kommunismus so an sich tatsächlich nicht mir Staat zu machen ist, und gleichzeitig nicht mitzukriegen wie Staatsfixiert viele Kommunist_innen sind?

„… das soll jetzt nicht rassistisch sein“

Im internen Forum der Apfelfront wird über die Liason einer der ihren mit dem Fascho Mike Nwaiser diskutiert. Ein Apfelfrontler schreibt dabei:

verstehen kann ich diese liebe auch nicht, auch naeheren kontakt zum „feind“ verstehe ich nicht wirklich. aber dazu kenne ich einen alles erklaerenden spruch vom kleinen arschloch: frauen sind wie afrikanische stammesdialekte – man versteht sie nicht^^

das soll jetzt NICHT rassistisch gesehen werden.

Die Beteuerung am Schluss ist doppelt verblödet: Einmal kommt das abqualifizieren von afrikanischen Sprachen als per se unverständlich – für wen denn? – aus der Mottenkiste des Kolonialrassismus, egal was der Schreiberling noch anfügt.
Der letzte Satz macht den Kommentar auch unfreiwillig komisch, genausogut könnte da stehen: „das soll jetzt NUR sexistisch gelesen werden“

p.s. Ich weiss, Witze sind besser wenn sie nicht erklärt werden. Aber solchen Mist kommentarlos durchreichen geht halt auch nicht.

„Was mich an den Muslimen stört …“

Der ältere Passant war von dem NPD Infostand sicherlich nicht begeistert, deren Hetze gegen ein geplante Moschee fand er dann aber doch wieder gut. Logik und Widerspruchsfreiheit waren das seine aber auch nicht, Sinngemäss sagte er etwa folgendes:

Ich will ja garnicht alle Muslime in einen Topf werfen
[…]
Aber was mich an all den Muslimen stört, ist dass sie alle Christen umbringen wollen.

Bauernkinder

Beim letzten NPD-Infostand entspann sich ein Disput zwischen einigen Antifas und einem NPD-Opi. Genauer: Der Nazis sonderte rassistischen Mist ab, die Antifas lachten ihn aus und übertönten ihn. In dieser Situation bewies der Nazi Klassenbewusstsein, als er den Antifas vorhielt:

Ihr habt kein Niveau, ihr seid doch die Nachfahren leibeigener Bauern!

„… the Antifa don‘t see this!“

Ein bisschen Gepöbel gegen die Antifa, von einem thüringischen Flüchtlingsaktivisten. Bei aller Provo ist das Argument garnicht so falsch:

You see, in west-Germany, you have lots of Ausländer, and only a few Nazi. In the east, it’s the other way round. So if you stop deportations, you are effectively fighting the Nazi. But the Antifa don‘t see this! They are so focused on their games with the Nazi!

„We in Africa …“

Der christliche Bekannte eines Freundes (oder so ähnlich), begründet seinen Glauben mal mit sehr einfachen Worten. Mir ist nicht klar ist, wie er auf die Idee kommt so selbstverständlich für einen kompletten Kontinent zu sprechen:

In africa, we don‘t have social security. But we have spiritism, and all kinds of religion!

Hinter der Verkürzung steht …

München, 4.10, Kundgebung gegen den 1000 Kreuze Marsch und für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. In einem Redebeitrag heisst es (Hervorhebung von mir):

Gender ist, neben race und dem was mensch verkürzt als Klasse bezeichnen könnte

Andererseits wurden Flugblätter verteilt, auf denen zu lesen war:

Hinter Nation und Gott stehen die Interessen der reaktionärsten und konservativsten Teile des Kapitals

Between a rock and a hard place: Die einen fürchten sich davor, das Kind beim Namen zu nennen. Was spricht denn gegen den Begriff Klasse? Und warum ist der kürzer (verkürzter?) als gender, oder gar race? Problematisch ist es nicht, von Klassen zu reden, sondern den Klassenbegriff auf bestimmte Segmente einzuengen, oder kultisch zu überhöhen. Darüber muss sich mensch mit denen streiten, die diese Fehler machen, anstatt sich zu weigern eine bestimmte Analysekategorie herzunehmen weil andere damit vielleicht Unfug anstellen.
Die anderen sehen im Glauben an das eine oder andere höh‘re Wesen ihrer Klassenkamerad_innen nicht eine nicht unbedingt bewusste, aber aktive Entscheidung eben dieser, nicht das Seufzen der bedrängten Kreatur, die dazu viel Grund hat, sondern nur wie weit diese Entscheidung die Interessen bestimmter Kapitalfraktionen bedient.

„Also, ich kaufe da nicht mehr ein.“

Also, ich kaufe überhaupt nichts mehr bei , weil die sozialpolitisch katastrophal sind. Ich find einfach nicht richtig was die machen. Und Discounter kommen mir auch nicht in die Tüte. Klar, für dich ist das nichts, mit Hartz IV und so, aber wir gucken schon darauf was wir so einkaufen.

Mir hat selten jemand so unbeabsichtigt offen erklärt, was individualisierter Boykott letzlich ist – Gewissensberuhigung für besserverdienende. Die zitierte Person ist Mitglied in der SPD und trägt Hartz I – IV voll mit, dann die Sozialpolitk einer einzelnen Firma zu kritisieren ist dan schon superdreist.

„… bis sie einen Iro tragen!“

Bei dieser Geschichte wurde u.a. die Parole gerufen:

Nazis jagen, Nazis schlagen, bis sie einen Iro tragen!

Der oder die Rufer_in ist ein knappes Jahrzehnt zu spät dran, Iro tragen und Nazi sein schliesst sich längst nicht mehr aus.