Archiv der Kategorie 'Gesuche'

… für die soziale Revolution!

Am Samstag ist die Krisendemo des Sozialforums Nürnberg, die OA ruft zu einem antikapitalistischen Block auf. Das politisch spannende daran ist, dass die Demo eher gemeinsamer Ausdruck von konkret geführten sozialen Kämpfen ist, als – wie so oft bei Demos – Ersatzhandlung für die selben. Anders als in München gibt es in Nürnberg ein Sozialforum mit autonomer Beteiligung, und damit Berührungs- und Reibungspunkte zwischen der radikalen Linken und verschiedenen sozialen Initiativen. Oder zumindest sieht es aus der Ferne so aus.

Jedenfalls fahren auch aus München Leute nach Franken, der Zugtreffpunkt ist um 10:45 an der grossen Anzeigetafel im Hauptbahnhof – pünktlich sein lohnt, weil die Regionalexpresse immer ziemlich voll sind.
Bis dahin will ich einen Stadiongesang, einen Sprechchor, Parole haben die gut klingt, sich reimt, vo allem das Versmass muss passen – enden soll sie jedenfalls auf „für die soziale Revolution!“
Die Kommentarspalte ist eröffnet.

Pervers als Selbstbezeichung?

Anhand der Parole „Wir bleiben unserm Motto treu, queer, pervers, und arbeitscheu!“, die bei den Aktionen gegen den 1000 Kreuze Marsch viel gerufen wurde, kam kürzlich folgende Frage auf: Ist es ok, macht es Sinn den Begriff pervers so offensiv für sich zu verwenden und damit zu versuchen ihn positiv zu drehen?
Meine Antwort auf die Frage war ein klares Ja – Mich interessiert aber, wie das andere sehen, daher stelle ich die Frage auch mal dem Internet. Dazu kommt, dass mir nie Text zu dem Thema untergekommen ist (gender studies oder queer theory standen noch nie auf meinem Lehrplan), wenn wer einen guten weiss – her damit.

Um mal meine Position zu skizzieren: Platt gesagt bedeutet „pervers“ einfach mal abweichend von der Norm, und wird meistens sexuell konnotiert verwendet. Damit ist der Begriff nahe an der Bedeutung der Vokabel „queer“ im englischem Sprachraum, bevor sich diese von, nun ja, queeren Aktivist_innen angeeignet wurde. Ander als der Begriff „pervers“ bezog sich „queer“ immer expliziter auf nicht heterosexuelle Lebensweisen, im deutschen Sprachraum wird „queer“ (meiner Beobachtung nach) zum Teil auch als Synonym für „LesBiSchwul“ bzw. „schwullesbisch“ verwendet. Weil „queer“ in den deutschen Sprachraum eben über die subversive Aneignung rübergeschwappt ist, und die negative Konnotation wie im englischen hier nicht so stark hatte, kann im deutschen logischerweise nicht von der subversiven Aneigung eines negativ besetzten Begriffes gesprochen werden.
Anders bei der (positiv besetzten) Verwendung des Wörtchens „pervers“: Diese vermittelt meiner Meinung nach, dass Normalität und Abweichung nicht unsere Massstäbe sind.

Für mich noch unentschieden ist die Frage, in welchen Zusammenhängen die Aneigung des Begriffs „pervers“ Sinn macht, und in welchen nicht. Die oben zitierte Demopraole, gerufen von einem eher bunten Mob fand ich super, die gleiche Parole im schwarzen Block – ich wär mir nicht so sicher.
Ebenso unklar ist mir, wie gut oder schlecht die oben erwähnte Vermittlung tatsächlich funktioniert. Last not least formuliert die Selbstbezeichnung als „queer, pervers und arbeitscheu“ auch einen diffusen Anspruch. Wären wir (die wir z.B. actions wie die oben erwähnten machen) wirklich gerne queer und pervers, oder bringen wir damit Sachen in Verbindung mit denen wir lieber nichts zu tun haben?

Bei München pervers sowie bei schwul, pervers, und arbeitscheu ahne ich wie sie es halten (aber auch hier interessiert mich feedback) – was meintder Rest dazu?

Hinter Krieg und Krise

Joachim Hirsch schreibt:

Interessant ist dabei der Zusammenhang von Krise und Krieg. Die Überwindung der großen Depression (im 19. Jahrhundert) hatte einiges mit dem Wettrüsten zu tun, das zum ersten Weltkrieg führte. Die Ergebnisse des zweiten Weltkriegs, nämlich der Aufstieg der beiden Supermächte USA und Sowjetunion führten zu der machtpolitischen Konstellation, die den Fordismus erst möglich machte. Und schließlich hat die Niederlage der USA im Vietnamkrieg wesentlich zum Zusammenbruch des fordistischen Bretton-Woods-Systems der festen Wechselkurse und Kapitalverkehrskontrollen und damit zu dessen Krise beigetragen. Das Debakel, das sie sich im Irak und Afghanistan eingebrockt haben, verweist auf einen ähnlichen Zusammenhang.

Kann wer gute Texte zu den kausalen Zusammenhängen zwischen Krieg und Krise empfehlen?

Hessenhimmler, anyone?

Seit Jahren gehe ich im Glauben durch die Welt, dass die titanic irgendwann den Begriff „Hessenhimmler“ für Roland Koch geprägt hat – Hessenhitler geht ja nicht. Ich kann mich sogar noch vage an entsprechende Texte erinnern. Eine Google Anfrage gerade eben lieferte erstmal nur Treffer bei mir im blog, auch auf der Seite der titanic selber liefert die interne Suchmachine keine hits.
Kock in die Nähe von Nazi-Grössen zu rücken ist natürlich politisch falsch. Aber es machte mir solange Spass, wie ich dachte dass jeder die Anspielung auf den von der Titanic geprägten Begriff versteht. Wenn er aber in all den weiten des internets nur auf diesem blog vorkommt, dann ist das vielleicht ein Indiz dafür dass dem garnicht so ist.
Anyway, für Einschätzungen wie verbreitet diese BEzeichnung für Koch (noch) ist bin ich dankbar, ebenso für Referneztexte aus der Feder der titanic in denen deren Wortwahl erklärt wird. Ich will ja nicht so tun als sei das von mir, im Gegenteil.

Ich bitte um eine Erklärung.

Mir ist einfach schleierhaft, wo im …ums Ganze! Konzept ein Konzept steckt, das wesentlich neu ist. Um das mal etwas aus zu führen, Beispiel Opernball: Da wurde, mal wieder, von linksradikalen zu einem eigenem Block in einer Bündnisdemo mobilisiert. Dieser hiess nicht, wie sonst immer, „revolutionär“, „internationalisitisch“ oder „antikapitalisitsch“. Nein, es wurde selbstverständlich zu einem „…ums Ganze!“ Block mobilisiert. Hinterher wars dann doch nur eine mehr oder weniger sinnvolle Demo, mit einem mehr oder weniger gutem Block, aber für manche irgendwie enttäuschend:

Wenn die …ums Ganze-Strategie im vergleichsweise kleinen Rahmen des Opernballs auf der Demonstration selbst so wenig neue, spürbare Impulse bringt

Was für neue Impulse hast du denn erwartet? Der Aufruf war ungewöhnlich lang, die Abgrenzung zu anderen Spektren wurde deutlicher gemacht als sonst immer – sollten die neuen Impulse daher kommen?
Eigenartig auch der Umgang mit der erster-Mai Demo – in der Szenehochburg Berlin ist dann eh viel los, einige fahren auch ganz gerne irgendwo hin und stoppen Nazis. Insofern ist es sinnvoll, den ersten Mai zu entzerren und auf mehrere Tage zu verteilen, aber:

Wir tun dies, nicht weil der 30. April ein besserer Tag ist, sondern weil die Überwindung des Kapitalismus viel zu wichtig ist, als das sie symbolisch auf den 1. Mai beschränkt bleiben darf.

Eine Demo am Vortag ist in der Aussenwirkung klar an den 1.05 gekoppelt, also wird die symbolische Wirkung sehr wohl auf diesen beschränkt. Immerhin scheint diese Demo keine Enttäuschung gewesen zu sein, die Musik war wohl ganz gut.
Um meine Frage nochmal klar zu machen – ich erkenne hier keine grossartig neuen Ansätze, was daran verdient den Namen „Konzept“ ?

Es ist nicht so, dass ich alles blöd finde was aus der Richtung …umsGanze! verbreitet wird, dieser Gedanke ist zum Beispiel ganz schlau:

Wichtiger als die fortwährende Produktion von symbolischen Aktionen – die wie eine
Flaschenpost das bestimmte Nicht-einverstanden-sein mit ungewissem Adressaten verbreitet – wäre schließlich Subversion, die den Alltag tatsächlich aus dem Tritt bringt. Könnten wir z.B. die Uni besetzen und halten würden wir es machen – können wir aber nicht, weil wir schlichtweg zu wenige sind. Wer an dieser Ohnmacht etwas ändern will, der ist gerade in ohnmächtigen Zeiten zur symbolischen Praxis verdammt. Die Erkenntnis der eigenen Schwäche impliziert also die Notwendigkeit, vor und nach den Events die eigene Vernetzung und den internationalen inhaltlichen Austausch in Maulwurfsarbeit voranzutreiben.

Gut dass es mal wieder jemand sagt, aber ich erkenne hier nichts wesentlich neues drin – diese Mischung aus Kampagnenpolitik nebst Wochenendkommunismus und, hier nicht erwähnter, Kulturarbeit und Szenepflege um hoffentlich mal so viele zu werden dass mensch wirklich was reissen kann, die ist als politische Praxis weit verbreitet.

Liebe …ums Ganze! Heizer_innen and friends, falls der Eindruck entstanden sein sollte, dass hier gegen euer Konzept polemisiert wird, dem ist nicht so – ich verstehe einfach den Hype nicht, und bitte um eine Erklärung.

Gesuch: Texte über die hiesige (weisse/deutsche) Linke

Ich geh grad ein bisschen der Frage nach, wie es sich wohl in der Politik die wir machen niederschlägt, dass die autonome Szene zumindest in München ziemlich weiss und deutsch ist – dazu wurde bestimmt viel geschrieben, wenn wer gute Texte dazu weiss, bitte unten eintragen. Der München-fokus kommt daher, weil hier halt wohne und die hiesige Szene kenne – Texte zu rassismus und Weisssein in der linken interessieren mich natürlich auch wenn sie sich auf sonstwo beziehen. Interessieren tun mich Texte aus dem Umfeld von Migrant_innen organisierungen oder Organisationen von nicht-weissen Menschen die sich mit der weissen/deutschen linken befassen, von politischen Exilgruppen, aber auch Sachen aus einem nicht explizit politisch Kontext. Aus den Texten die ich hier aufliste wird vielleicht klarer worum es mir geht.
Noch was zu meiner Behauptung, die autonome Linke Münchens sei weiss und deutsch – damit meine ich, dass ich diese Szene so war nehme, möglicherweise sehen sich einige in dieser Szene ganz anders. Konkret meine ich mit „weiss“, dass ich nicht glaube dass die Person hier Stress mit rassistischen Anmachen, Blicken oder Stereotypen hat, und mit „deutsch“ eine hiesige Sozialisation nebst Pass oder stabilen Status.

So, und jetzt die Texte die ich dazu gut finde:

Frankfurter MigrantInnenbeitrag, aus: Geschichte, Rassismus und das Boot von autonome L.U.P.U.S Gruppe.
Ein Klassiker – Ein Disstext auf die BRD-Linke, von 1992. Es geht um strukturellen Rassismus in dieser, und wie er sich niederschlägt, um die Wirkung von exotisierenden Stereotypen über MigrantInnen und die Ignoranz der weissen/deutschen Linken gegenüber den konkreten Erfahrungen von nichtweissen/nichtdeutschen hier. In dem Buch ist kein Hinweis darauf, von welchem Zusammenhang der Text ist (Köxuz? Cafe Morgenland?), kann das wer ergänzen?
online (komplettes Buch als pdf):
http://www.nadir.org/nadir/archiv/Diverses/pdfs/lupus_geschichte.pdf

Überwindung der antirassistischen Arbeitsteilung – Interview mit Kanak Attak
„Diese Arbeitsteilung ist ein Spiegelbild der Hegemonie des rassistischen Regimes in den 90er Jahren. Die zugrundeliegende Struktur, die ethnische Stratifikation, wurde in keinem Ansatz praktisch in Frage gestellt, weil sie die objektive Bedingung für die Politisierung in diesem begrenzten Feld war: Es muss Flüchtlinge geben, die ich betreuen kann, damit ich Pro Asyl bin. Es muss wilde Kanaken geben, die die deutsche Linke satt haben, damit ich mit denen Selbstorganisierungspolitik machen kann…“
Ich weiss ehrlich gesgt garnicht, ob das Interview für meine Fragestellung so interessant ist, mal gucken.
hier:
http://kanak-attak.de/ka/text/ak070601.html

Vor Jahren fand ich die Texte interessant, die von Nolager Bremen im Zusammenhang mit deren extra-meetings veröffentlicht wurden. Leider sind gerade alle links auf konkrete texte kaputt – 404 galore!
http://nolager.de/tour/32themen/328extrameeting/index.htm

Things are queer

Vor Jahren habe ich in der Kult bei einem Konzert das zine „things are queer“ erstanden – ich fands super, und ich hätte gerne eines als Kopiervorlage um es weiter unter Leute zu bringen. Blöderweise hab ichs verschmissen, und damit auch die Kontakt email vom Autor. Wer kann helfen?

Gut fand ich, und deshalb will ich genau dieses Zine, dass es auf einem sprachlich okayem Niveau geschrieben war, also nicht nur was für Unilinke – das gilt auch für die Gestaltung. Und dass Queerness nicht einfach nur für lustig befunden und gehyped wurde, sondern auch problematisiert. Und dass einige klare Ansagen dazu drinstehen, was Heteronormativität eigenltich heisst. Und lauter andere Sachen, die nicht nur bei den klenen Penkern im Marat ruhig mal ankommen können.

Die Knallkopf Dialoge

Ein Anfang ist gemacht – in der Rubrik Knalli werde öfters mal besonders bescheuerte, anstrengende oder auch häufige Kommentare, Fragen und Beschimpfungen veröffentlichen, die mensch so auf Demos, bei Kundgebungen oder Veranstaltungen von Umstehenden hört. Das ist vielleicht ganz lustig, mir geht es aber auch darum Antworten zu sammeln, die Mensch darauf geben kann und die besondes gewitzt, beleidigend oder cool sind – Viele Sprüche, viele Fragen sind so doof, und so stereotyp (z.B.: „Wer soll das alles zahlen?“), da ist es nur fair wenn wir uns auf diesen Spam mit instant-Antworten Vorbereiten. Ich freue mich auf Nachahmer_innen – was habt ihr in eurer Politlaufbahn schon zu hören gekriegt? Vor allem freue ich mich über zahlreiche Antworten, auf dass wir die Deppen die uns mit ihrem Scheiss zu spammen im Schlaf abkanzeln können!

Wer hat die Siko – Broschüre noch gelesen?

Unter dem Titel „In Bewegung bleiben“ hat ein Münchner AutorInnenkollektiv eine Broschüre über einen Zwischenstand von 5 Jahren Siko-mobilisierung veröffentlicht. Das hier ist ein Werbeblock, und eine Frage wer die sonst noch gelesen hat, bzw. nach Rezensionen, Anmerkungen, etc. Besonders interessant wäre eine Diskussion über Kampagnenpolitik jenseits von (oder ergänzend zu) abstrakten, ideologiekritischen Diskussionen wie sie zur Zeit allenthalben geführt werden.
Die Broschüre wurde bei den Razzien in München und Erlangen letzte Woche kriminalisiert, erwartungsgemäss sind die Staatsanwaltschaftenen anderswo nicht ganz so durchgeknallt und sie ist noch in gutsortierten Info- und Buchläden erhältlich. Eine Leseprobe gibt es hier. In Anbetracht der Kriminalisierung fände ich es ein politisch spitzenmässiges Signal wenn die Broschüren in nächster Zeit weggehen wie warme Semmenln.

Wie viel Sinn macht eine Lobbying-kampagne für ein Bleiberecht?

… Kommentare erwünscht!
Für die die Lage grad nicht auf dem Schirm haben: der sogenannte Beliberechtsbeschluss auf der IMK im Herbst verschafft einmalig vorraussichtlich 20.000 von knapp 190.000 Geduldeten ein Bleiberecht – also ziemlich wenig. In ein paar Monaten soll es ein neues Gesetzpaket geben, wo neben vielen Verschärfungen vielleicht auch eine bessere Bleiberechtsregelung enthalten ist, auch als Ablenkung von den zu erwartenden Schweinereien.
Jetzt gibt es eine Überlegung , eine Lobbying-kampagne zu versuchen, um geziehlt auf die Gesetzgebung Einfluss zu nehmen, bzw. dass zu versuchen. Dass macht insofern Sinn, dass die Bundestagsentscheidung tatsächlich sehr relevant (vorsichtig ausgedrüvkt) für die Lebensrealität vieler Menschen in der BRD sein wird. Aber es gibt auch durchaus ernstzunehmende Kritik an solchen, stark auf den Staat gerichteten, Ansätzen. Für eine vernünftige Einschätzung, was für Fallstricke so eine Art der Arbeit mit sich bringt, reicht mir mein Anarcho-Bauchgefühl nicht. Ich werde selber mal nach Artikeln zum Thema suchen, freue mich aber auch über Links in den Kommentaren da unten.