Mir ist einfach schleierhaft, wo im …ums Ganze! Konzept ein Konzept steckt, das wesentlich neu ist. Um das mal etwas aus zu führen, Beispiel Opernball: Da wurde, mal wieder, von linksradikalen zu einem eigenem Block in einer Bündnisdemo mobilisiert. Dieser hiess nicht, wie sonst immer, „revolutionär“, „internationalisitisch“ oder „antikapitalisitsch“. Nein, es wurde selbstverständlich zu einem „…ums Ganze!“ Block mobilisiert. Hinterher wars dann doch nur eine mehr oder weniger sinnvolle Demo, mit einem mehr oder weniger gutem Block, aber für manche irgendwie enttäuschend:
Wenn die …ums Ganze-Strategie im vergleichsweise kleinen Rahmen des Opernballs auf der Demonstration selbst so wenig neue, spürbare Impulse bringt
Was für neue Impulse hast du denn erwartet? Der Aufruf war ungewöhnlich lang, die Abgrenzung zu anderen Spektren wurde deutlicher gemacht als sonst immer – sollten die neuen Impulse daher kommen?
Eigenartig auch der Umgang mit der erster-Mai Demo – in der Szenehochburg Berlin ist dann eh viel los, einige fahren auch ganz gerne irgendwo hin und stoppen Nazis. Insofern ist es sinnvoll, den ersten Mai zu entzerren und auf mehrere Tage zu verteilen, aber:
Wir tun dies, nicht weil der 30. April ein besserer Tag ist, sondern weil die Überwindung des Kapitalismus viel zu wichtig ist, als das sie symbolisch auf den 1. Mai beschränkt bleiben darf.
Eine Demo am Vortag ist in der Aussenwirkung klar an den 1.05 gekoppelt, also wird die symbolische Wirkung sehr wohl auf diesen beschränkt. Immerhin scheint diese Demo keine Enttäuschung gewesen zu sein, die Musik war wohl ganz gut.
Um meine Frage nochmal klar zu machen – ich erkenne hier keine grossartig neuen Ansätze, was daran verdient den Namen „Konzept“ ?
Es ist nicht so, dass ich alles blöd finde was aus der Richtung …umsGanze! verbreitet wird, dieser Gedanke ist zum Beispiel ganz schlau:
Wichtiger als die fortwährende Produktion von symbolischen Aktionen – die wie eine
Flaschenpost das bestimmte Nicht-einverstanden-sein mit ungewissem Adressaten verbreitet – wäre schließlich Subversion, die den Alltag tatsächlich aus dem Tritt bringt. Könnten wir z.B. die Uni besetzen und halten würden wir es machen – können wir aber nicht, weil wir schlichtweg zu wenige sind. Wer an dieser Ohnmacht etwas ändern will, der ist gerade in ohnmächtigen Zeiten zur symbolischen Praxis verdammt. Die Erkenntnis der eigenen Schwäche impliziert also die Notwendigkeit, vor und nach den Events die eigene Vernetzung und den internationalen inhaltlichen Austausch in Maulwurfsarbeit voranzutreiben.
Gut dass es mal wieder jemand sagt, aber ich erkenne hier nichts wesentlich neues drin – diese Mischung aus Kampagnenpolitik nebst Wochenendkommunismus und, hier nicht erwähnter, Kulturarbeit und Szenepflege um hoffentlich mal so viele zu werden dass mensch wirklich was reissen kann, die ist als politische Praxis weit verbreitet.
Liebe …ums Ganze! Heizer_innen and friends, falls der Eindruck entstanden sein sollte, dass hier gegen euer Konzept polemisiert wird, dem ist nicht so – ich verstehe einfach den Hype nicht, und bitte um eine Erklärung.