Archiv der Kategorie 'Battle'

Nimm die Critique!

Skurriles aus Kärnten: hier treffen sich sei `58 Veteranen aus Wehrmacht und Waffen SS beim Ulrichsbertreffen und feiern sich selbst. Dagegen gab es immer wieder Protest und Widerstand: Flugblattverteilungen durch die KPÖ, Schafe einer Longo Mai Kooperative die den Ulrichsberg zugeschissen haben, die „Heimkehrergedenkstätte“ wurde schonmal mit dem Vorschlaghammer gepflegt, und ein antifaschistischer Hubschraubereinsatz konnte durch die Bullen nur knapp vereitelt werden -schade. Seit `05 gibt es eine Kampagne gegen das Nazi-treffen und den Kärntner Konsens. Wer dieses Wochenende noch nichts vorhat, unbedingt dahin jetten und die Provinz rocken!

Nun zum skurillen: Walther Schütz, Gründungsmitglied von ATTAC Österreich und von 1980 bis 1995 Reserveoffizier beim Bundesheer – „Hauptmotiv: Die gefährliche Institution Heer darf nicht wieder wie in den 20er und 30er Jahren zur rechten Bürgerkriegsarmee werden“ – hat sich auf dem Internetportal Kärnöl der Mobilisierung angenommen:

Da lacht einem ein Comic entgegen mit einem Hasen, der eine Bombe in der Hand hält. Dazu meine Frage: Was soll diese Scheiße? Will besagte Gruppe da mit aller Wucht demonstrieren, dass sie selbst dem patriarchalen, militaristischen Weltbild angehört?
[…]
Wahrscheinlich denkt Ihr, dass Ihr Euch in Tradition des seinerzeitigen Widerstands gegen das NS-Regime bewegt. Aber da seid Ihr im Irrtum, das ist eine Verhöhnung eben dieser Opfer des Nationalsozialismus!
[…]
Militanz (auch die symbolische) ist eine gefährliche Droge, die das Ziel verunmöglicht!

Fassen wir zusammen: Häschen sind Mackerikonen, Antifaarbeit ist Verhöhnung der Opfer des NS Regimes und Militanz dröhnt voll, hat darüberhinaus aber wenig Taug – die Gründe für letzteres sind wohl eher metaphysisch. Den zweiten Vorwurf kann mensch theoretisch noch ernst nehmen, dass die opfer des NS Regimes als Legitimation für die eigenen Politik instrumentalisiert werden kommt tatsächlich mal vor – nur werden sich dafür bei speziell dieser Kampagne keine Belege finden, die Genoss_innen gehen m.E. nach recht sensibel mit ihrem Thema um. Siehe hierzu auch deren Erwiderung.

Aber zurück zu den Skurillitäten, auch in der Kommentarspalte geht die an die Antifa gerichtete Disse munter weiter. Da haben wir einmal den penetranten Militarismusvorwurf durch Walther (aka Mimenda), aber auch handfeste Faschismusvorwürfe und damit Relativierungen:

… die „antifa“ und „antimili“ sprengt und torpediert, zeigt ein „unschuldiges“ häschen (wohl einen antifa oder antimili?) mit bombe im arm. sieht so antimilitarismus aus, oder ist es nur eine bestimmte art des militarismus, welcher der „antimili“ nicht gefällt?
[…]
aber dann, ihr pharisäer, nennt euch nicht antifa und antimili, sondern akzeptiert einfach, dass ihr die „gut“faschos und „gut“militaristen seid.
[…]
warum geht ihr linksmilitaristen und -faschisten nicht mit auf den ulrichsberg und haut euch mit den rechtsmilitaristen und -faschisten solange gegenseitig aufs maul, bis ihr das maul haltet. wär doch eine schöne ENDLÖSUNG, oder etwa nicht?

Nicht zitiert habe ich die Äusserungen, die darauf hinweisen dass Walther sich einfach persönlich von der Antifa beleidigt fühlt. Andere User geben in der Kommentarspalte auch Vollgas:

Oder du hättest in deiner unendlichen, intellektuellen Überlegenheit und trotz deiner herablassenden Art vielleicht die Güte, mir den GEWALTIGEN Unterschied zu erklären, zwischen dem kahlgeschoren Nazi Buben, der halt die Ausländer platt machen will (siehe derzeit die traurige Situation in Deutschland) oder dem intelektuellen Linken, der halt die Nazis platt machen will.

Von hier aus ist für mich nicht klar, wie viele Leute aus einer breiteren Kärntner Linken diesen Unsinn nachvollziehen, oder wie sehr hier eine isolierte Einzelmeinung vorliegt.

„Seitdem ich Landeshauptmann bin, traut sich kein Linker mehr richtig zu demonstrieren“ (Jörg Haider, in den 90′ern). Kein Wunder, stehen die gemässigten Linken doch Gewehr bei Fuss: Wo auch nur angedeutet wird, dass es um mehr geht als Protest, dass vielleicht auch praktische Interventionen geplant sind, geht die Hetze los. Nicht nur FPÖ und BZÖ sind dabei, auch gestandene Sozialdemokraten verbreiten dann gutbürgerliche Totalitarismusscheisse: Gewalt ausserhalb der Staatsgewalt ist immer böse und faschistisch, es ist unmöglich einfach mal die Kirche im Dorf zu lassen und zu sehen, das antifaschistische Praxis in Kärnten eher wenig militant agiert. Überhaupt die Frage nach dem Zweck oder der Motivation zu stellen wird ausgeschlossen. Wenn Gewalt gleich Gewalt ist, dann sind auch deren Opfer gleich – einen zentralen Mythos der Ulrichsberggemeinschaft verbreitet Walther implizit mit: nämlich dass die Nazis von einst unter Bomben, unter Partisanenangriffen1 und in den Schützengräben genauso wie die vom NS Verfolgten gelitten haben. Dieser Mumpitz kommt zwar wortgewaltig daher – inklusive Marx Zitat! – bleibt dabei aber oberflächliche Feindbildpflege, hier wird keine Auseinandersetzung gesucht sondern einer Distanzierung das Wort geredet.
Daran zeigt sich, wie sehr die Kärntner „LIBERALEN“ (Walther Schütz) Linken den Kärntner Konsens verinnerlicht haben: distanziert wird sich von den linksradikalen troublemakers bevor das erste bisschen passiert ist, will mensch doch nicht zu den „Bösen“ gehören. Kärnten halts Maul, da dürfen sich auch diejenigen angesprochen fühlen die den oben zitierten Bockmist verzapfen oder glauben.

  1. Kärntnen war das einzige „reichsdeutsche“ Gebit, in dem es einen grossangelegten Partisann_innenwiderstand gab: ca. 800-1000 Widerstandskämpfer_innen, hauptsächlich aus der slowenischsprachigen Minderheit, banden über mehrere Jahre bis zu 20.000 Wehrmachtssoldaten. [zurück]

Was der Naziaufmarsch in Schwerin nicht ist.

Fast zeitgleich zur internationelen Grossdemo ist in Schwerin ein Naziaufmarsch, auch gegen den G8. In vielen Gruppen die gegen den G8 mobilisieren werden in der letzten Zeit Diskussionen gelaufen sein, ob mensch lieber nach Schwerin oder nach Rostock mobilisiert, bei anderen stehen diese Diskussionen noch an. Wer wohin mobilisiert, und wohin nicht, und die Gründe dafür sind es alle wert, diskutiert zu werden – aber darum soll es hier nicht gehen. Mir geht es in diesem posting primär darum, zwei absurde Argumente im Bezug auf den Naziaufmarsch auseinander zu nehmen, die sich das prädikat „blöd blöd blöd“ redlich verdient haben.

Der komplex schwerin rät mit folgender Begründung von den anti-g8 Protesten ab:

wenn wir dir erzählen, daß auch die nachwuchsorganisation der npd in ihrem jahresausblick zu protesten gegen den g8- gipfel aufruft und sich die npd mit einer bereits angemeldeten demonstration in schwerin am zweiten juni als „einzige authentische anti-globalisierungspartei“ zu profilieren versucht, dann solltet du stutzig werden.

Stutzig werde ich höchstens, was meine Reiseplanung – Schwerin oder Rostock? – angeht. Ansonsten sind die Aktivitäten von Nazis kein inhaltliches Argument für oder gegen irgendwas, was Nazis tun sagt in erster Linie etwas über sie selber aus. Die in dem verlinktem Artikel unterstellte Ähnlichkeit zwischen Linken und Nazis wird auf 2 Arten konstruiert. Erstens werden Münte („Heuschrecken“) und Lafontaine zu Linken erklärt. Interessant dabei ist das Lafontaines rassistische Hetze gegen migrantische Arbeiter_innen von den Autoren des besagten Artikels nicht aufgegriffen wird, der Grund liegt in der zweiten Behauptung – sog. „verkürzte Kapitalismuskritik“ wird zum wichtigsten Merkmal der rechten Ideologie, Rassismus und Antisemitismus sind wenn es nach dem Komplex Schwerin geht nur noch Beiwerk: „die verkürzte, personifizierende kapitalismuskritik hat unweigerlich zur größten barbarei der menschheit geführt – der industriellen massenvernichtung von sechs millionen juden und jüdinnen.“ (auch da)
Auch den aktuellen Nazis geht es, in dem Bild das der Komplex Schwerin konstruiert, hauptsächlich um einen Antiimperialismus und Antikapitalismus. Nicht nur dass hier die Propagande der Nazis all zu leichtfertig beim Wort genommen wird, Rassismus kommt wieder nicht vor – und die ganz konkrete Bedrohung, die Nazis für nicht-weisse darstellen, die rassistischen Angriffe und Morde ebenso wie Angriffe auf vermeintliche Linke, werden zur Nebensache. Als ob die Nazis – in Meckpomm! – nur symbolische Politik machen würden. Bei dieser all zu offensichtlichen Verharmlosung der Faschos muss die Frage, warum mensch gegen den Naziaufmarsch mobilisiert extra beantwortet werden:

auch wenn – oder gerade weil – viele antiimperialistische gruppen und bündnisse bereits gegen den naziaufmarsch in schwerin mobilisieren, jedoch die strukturelle und argumentative verwandtschaft ihrer positionen mit denen von rechts außen fortwährend leugnen, ist es wichtiger denn je, an diesem tag flagge zu zeigen.

Während die einen gegen die linken sind, und deshalb gegen die rechten mobilisieren (immerhin), sind andere noch blöder:

Am 2. Juni ist ja Anti-G8-Naziaufmarsch in Schwerin… und ich muss sagen ich bin noch unentschlossen ob ich da wirklich zur gegendemo hin will… einerseits wirds wohl n ziemlicher Grosser Naziaufmarsch und es heisst ja, dass die Linken alle auf ihre eigenen Demos fahren und deshalb bei der Antifa-Action in Schwerin eher die angenehmeren Fraktionen vertreten sein werden.
aber andereseits… Warum soll ich mich zum hampelmann für die Anti-G8-Bewegung machen und ihnen die Nazis vom Leibe halten, damit sie nachher im guten Licht stehen weil sie ihre Bewegung ja so gut Nazifrei halten konnten?!
naja…. habe ja noch ein bischen zeit zum Überlegen…

Nazis sind hier nur noch ein Imageproblem, in diesem Fall eines der noglobals. Gehts noch? Wo bleibt da die konkrete realpolitische Wirkung, die ein ungestörter Naziaufmarsch hat? Die konkrete Bedrohung, die von ein paar hundert Faschos ausgeht? Der Demo in Schwerin ist Presseaufmerksamkeit sicher, auch wohlwollende. Für die Wirkung in die Gesellschaft ist es da aus antifaschistischer Sicht schon vor zu ziehen, wenn die Party der Nazis, wie es so schön heisst, „überschattet“ wird.
Auch hier wird wieder mal die Propagande der Nazis beim Wort genommen, und diese erstmal zu einem Teil der Bewegung erklärt, der erst wieder rausgehauen werden muss.

Beiden Argumentationen ist gemein, das Nazis verharmlost werden, dass sie zu einem reinem PR-problem erklärt werden. Da ist sicher viel Blödheit mit im Spiel, gleichzeitig steckt aber auch ein handfestes Interesse darin – die Abgrenzung von der Bewegungslinken: Um Nazis und Linke näher aneinander zu rücken, werden verbogene Bilder von beiden konstruiert, die zahlreichen rassistischen Morde durch Neonazis müssen beispielsweise verschwiegen werden, stattdessen wird die richtige Marx-exegese zur Scheidelinie zwischen Reaktion und Emanzipation erklärt. Der Naziaufmarsch und die G8-mobilisierung halten als Projektionsfolie für eine Auseindersetzung her, bei der er nur noch um intellektuelle Eitelkeit geht. Der Treppenwitz dabei ist, dass die Analyse über die Nazis in diesem Zusammenahng unglaublich dumm ist.
Aus meiner (bewegungslinken) Perspektive ist das einfach mal infame Disse, die mit komplett haltlosen Unterstellungen ein Nähe zwischen Nazis und mir konstruiert. Aus einer Antifa oder Antira Perspektive ist die verharmlosende Wahrnehmung der Nazis eine totale Katastrophe. Und all diejenigen, an die sich die verlinkten Texte (vor allem der Komplextext) richten – kommt ihr euch nicht verarscht vor?
Die haltlosen Behauptungen, der kumpelhafte „ich-will-dir-eine-Meinung-aufschwatzen- ohne-das-du-es-bemerkst“ Ton (fast so schlimm wie beim Linksruck), alles damit du in Schwerin Flagge zeigst? Über meine eigene Eselsgeduld gegenüber antideutscher Polemik wundere ich mich, über die derer die davon angesprochen werden sollen noch mehr.

Mario Möller in der Jungle: zynischer, dummer Dreck.

Ein unglaublich bescheuerter Artikel findet sich in der letzten Jungle – Der Autor psalmodiert, unter Rückgriff auf Haufenweise Autoritätsargumente (Adorno! Marx! Nochmal Adorno!), gegen antikapitalistische Bewegungen im allgemeinen und die Agrar AG in der Heiligendamm-mobilisierung im besonderen.
Seine Argumentationsweise ist ungefähr die: Antikapitalistische Praxis, die sich auf soziale Bewegungen bezieht, ist schon auf den Hund gekommen. Der Kapitalismus ist auf seinem höchsten Nivau aufzuheben, wenn nichts anderes rauskommen soll als Verzicht, Elend und Tugendterror – deshalb muss jede emanzipatorische Überlegung von der Bürgerlichen Gesellschaft ausgehen (Adorno!). Antikapitalismus ist oft Verzicht, und moralisches Gedöns. Der Kritiker muss sich deshalb auf das bürgerliche Glücksversprechen beziehen, weil dieses irgendwas mit der Emanzipation von Unmündigkeit in Familie und Volk zu tun hat. Bewegungslinke sehnen sich nach dem gerecht verteiltem Elend und halten Individualisten für bedrohlich. Weltmarkt ist Gut (Marx!), Subsistenzwirtschaft, die gerade mal das Überleben sichert, schlecht. Globalisierungskritiker_innen sind Nazis (Adorno!) und wollen den Kapitalismus erhalten.
Das Interesse wird im ersten Absatz („auf den Hund gekommen“) klar: Emanzipatorische Bewegungen bashen. Dazu hält dann eine sehr selektive Adorno- und Marx-Lesart her. Diese postuliert einmal, das am bürgerlichen Wesen als die Welt genesen soll. Und, sie verträgt verträgt sich nicht mit Fakten – Das Familien regelrechte Disziplinarinstanzen wurden und Nationen gegründet wurden ging mit der Entstehung bürgerlicher Gesellschaften einher.
Weiter wird der Agrar-AG eine romantisierung der Subsistenzwirtscahft unterstellt – was unhaltbar ist, siehe
hier. Aber wer bashen will, liest besser nicht zu genau.
Richtig zynisch, unfassbar dumm und in der Konsequenz menschenverachtend ist in diesem Zusammenhang die Passage:

Vielmehr reden sie einer Subsistenzwirtschaft das Wort, die an die Region und die Gemeinschaft gekettet ist und die gerade einmal das Überleben in Bescheidenheit sichern soll.

Der Knackpunkt ist – Subsistenzwirtschaften sichern das Überleben. Andere Verhältnisse tun das nicht unbedingt, anders als zu marxens Zeiten bedeutet eine Vertreibung vom Land in die Stadt nicht automatisch, dass mensch ein neues Einkommen findet – es geht also mitnichten um eine romantisierung, oder darum dass irgendwer Subsistenzwirtschaft an sich hypen würde, sondern um eine Frage des praktischen Überlebens. Aber das interessiert den Autor nicht, die vom ihm romantisierte, bürgerliche, Gesellschaft will durchgesetzt werden, und wer da auf der Strecke bleibt soll gefälligst still zur Hölle fahren.

AD-Polemik, Lektion 2

Ein wunderbar bescheuertes Beispiel für dumme, antideutsche Polemik liefert against weblog hier:

… the Hannovarian Antifa tries it too: They want discuss about “TAZ: The Temporary Autonomous Zone, Ontological Anarchy, Poetic Terrorism” to use it in Heiligendamm in june.
I don’t care Hakim Bey and his strange book, but i must think of a similar working method in East-Germany. It is named National relieved Zone.

Creepy, what the antiimperialist Antifa Hannover does…

Was haben eine TAZ und eine national befreite Zone gemeinsam? Erstmal nur das Wort Zone.
Eine TAZ wird als kurzzeitige Abwesenheit von staatlicher Autorität, von Ordnung gedacht wird sowie als Raum, in dem neue Begegnungen möglich werden sowie neue Gesellschaften gedacht werden können vorgestellt.
Bei einer national befreiten Zone hingegen steht im Vordergrund, einen Raum zu schafenn in dem die Nazis sanktionsfähig sind und Abweichler_innen bestrafen. Also eine Steigerung des Alltagsterrors den sie eh ausüben bzw. ausüben wollen.
Auch wenn mensch da Konzept TAZ eher doof findet, eine national befreite Zone ist etwas anderes. Das wäre auch leicht herauszufinden, aber against „(doesn‘t) care Hakim Bey and his strange book“ und verzichtet auch bereitwillig auf eine Analyse davon, was no go areas sind – und verharmlost damit rechten, rassistischen Alltagsterror. Against geht es nur darum, linke Politik zu diffamieren. Das Muster, dabei auf oberflächliche Nazivergleiche zu setzen ist weit verbreitet. Das Problem, das dabei nur Polemik herauskommt, und quasi in einem Atemzug eine untaugliche, weil ungenaue Kritik an linker Politik und eine Verharmlosung des Treibens von Faschos geleistet wird ist dabei egal – besonders jenen die diesen Rotz lesen, glauben (aus Dummheit, oder ihn glauben wollen) und mit Schaum vor dem Mund gegen alle wettern, die noch versuchen der herrschenden Scheisse eine emanzipatorische Praxis entgegenzusetzen.

Mpunkts Lesestärke

The Story so far:
Dieser post von mir befasste sich damit, dass scheinbar ein indy-Bericht über eine Aktion zum Thema Definitionsmacht von indy-mods zensiert wurde. Mpunkt sah sich dazu veranlasst, Definitionsrechtler_innen mit religiösen Spinnern zu vergleichen. Das wurde in der Kommentarspalte kritisiert, auch von mir – was zu Mpunkts jüngsten Vorwurf an mich führte. Ein paar Punkte will ich widerlegen.
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Es nervt einfach.

Es wird wohl zum Frühjahrestrend, den Kapitalismus als Subjektloses, abstraktes Verhältnis anzusehen, in dem z.B. gelten soll:

Sowenig mensch dem Arbeiter den Verkauf seiner Arbeitskraft vorwirft, sowenig sollte dem Unternehmer die Ausbeutung der von ihm bezahlten Arbeitskräfte vorgeworfen werden.

oder:

…dass es im kapitalismus keine direkte personelle herrschaft gibt sondern dieses eine abstrakte darstellt.

und ähnlicher Blödsinn mehr.
Zu philosophischen Ausführungen, warum das blöd, blöd, blöd ist fehlt mir die Musse, und die humanistische Bildung.
Mir gehts darum, dass ich es politisch für vollkommen zweckfrei halte, den „Kapitalismus in seinem ideellem Durchschnitt“ (oder wie dass bei Heinrich hiess) zu kritisieren, der ist eine abstrakte Modellvorstellung und nicht die Realität. Und unter dieser Modellvorstellung wird niemand zum geknechteten Wesen, dass passiert in den mehr oder weniger kapitalistischen realen Verhältnissen.
Hier finden wir Stechuhren, Bosse und rassistische Spiesser_innen, hier herrschen Bullen das Eigentum auf und bei manchen die Residenzpflicht gleich mit, hier trainieren heteronormative Klassengemeineschaften in der Schule schon mal Mobbingstrategien fürs Büroleben. Verlässt mensch die Metropolen kommen Kriege und Kriegsökonomien dazu, um zu beobachten wie Menschen die Subsistenzgrundlagen zerstört werden braucht mensch nur auf die EU-Osterweiterung zu schauen. Und das ganze Getriebe läuft auch auf der Basis von unsichtbar gemachter Arbeit. Nichts davon ist getrennt von kapitalistischer Wirtschaftsweise zu sehen, aber es gibt „keine direkte personelle Herrschaft“ im Kapitalismus?

Tante Emmas funktionaler Analphabetismus

Tante Emma schimpft viel und gern. Da kommt dann viel Polemik bei raus, die, wie so oft bei bei Polemiken, für ernsthafte Auseinadersetzungen nicht zu gebrauchen ist. Ein super Beispiel ist dieser, von mir schonmal gedisste, Beitrag. Weil, anstatt z.B. AntiImps dafür zu kritisieren was sie tatsächlich vertreten (da gäb’s aus meiner Perspektive genug, und aus Tante Emmas noch mehr) werden ihnen noch ekligere Inhalte untergeschoben um sie um so besser bashen zu können.
Mir fehlt so ein bisschen der Nerf, allen Unterstellungen in Tante Emmas Text nachzugehen, deshalb konzentriere ich mich auf die Sachen, die sich auf das Gegeninformationsbüre beziehen. Hauptsächlich nicht um deren Ruf zu retten, sondern um die Glaubwürdigkeit von Tante Emma zu smashen.

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AD-Polemik, Lektion 1

Ein Paradebeispiel für inhaltlich mau begründete Bewegungsdisse lieferte uns die Kolonialwarenhändlerin Tante Emma hier.
Das Rezept ist denkbar einfach: Mensch sucht sich die, in der eigenen Wahrnehmung, bescheuertesten Zusammenhänge. Hier sind das grob die Gruppen, die sich zum „Ani-G8 Bündnis für eine revolutionäre Perspektive“ zusammengeschlossen haben. Die werden dann zu StellvertreterInnen der kompletten Mobilisierung aufgebauscht, dass auch andere mit anderen Inhalten gegen den G8 mobilisieren wird nicht erwähnt. Stattdessen gibt es eimerweise Disse, immer bezogen auf ein paar Zusammenhänge, die aber doch die ganze mobilisierung meint – „Wenn man mit genug Dreck schmeisst wird schon etwas hängen bleiben scheint die Devise zu sein.“