Archiv für Januar 2013

Lenin geht aufs Ganze

Heute noch nichts vor? Dann gibts heute ganz großes Tennis auf20 Seiten mit knapp über 40 Fußnoten. Seit Jahren immer wieder wenn ich betrunken bin das diese ganze Antifas, allen voran UG, Kryptoleninisten sind. Jetzt hat sich wer die Mühe gamcht das tatsächlich zu zeigen.

Aber der Reihe nach: Letzten Sommer veröffentlichte die Bremer Basisgruppe Antifaschismus, Teil des militanten Arms des Gegenstandpunktes, das Papier Der Klassenkampf un die Kommunist*innen. Ein Strategievorschlag.

Meine Kritik an dem Strategiepapier: Da steht nichts drin.

Andere holen weiter aus. Die Bremer_innen schimpfen kurz über Leninist_innen:

Das Verhältnis der Kommunist*innen zum Klassenkampf ist deswegen nicht nur ein Doppeltes sondern auch ein doppelt vertracktes. Erstens sind ihre Interessen von den grundsätzlichen Interessen ihrer Klasse (in den meisten Fällen vermutlich die Klasse der Leute, die zur Lohnarbeit gezwungen sind) nicht getrennt von der Verbesserung der eigenen Lage. Gleichzeitig ist aber nur die praktische Kritik dieser – und damit ihrer eigenen Existenzquelle – Voraussetzung und Bedingung ihrer gesellschaftlichen Befreiung.
Die Leninist*innen haben dieses Problem damit „gelöst“, indem sie eine Trennung zwischen den zu Befreienden und den „Befreier*innen“, zwischen revolutionärem Subjekt und Organisation, gezogen haben. Jeder noch so reformistische Kampf wird so „revolutionär“, wenn er die Stärkung der eigenen Organisation zur Folge hat und die Kommunist*innen tragen „von außen“ das „revolutionäre Bewusstsein“ unter die Leute

Die „Lösung“ der Bremer_innen sieht übrigens so aus das sie für syndikalistische Gewerkschaften in der Produktion sind (finde ich gut), und ähnlich organisierte Strukturen – z.B. Stadtteilzentren in der Reproduktion (finde ich gut) und autonome Gruppen (ich mag autonome Gruppen) als strategische Zentren. Garnicht mal so schlecht als Einleitung in eine Diskussion darüber wie denn dann das Verhältnis aus autonomen Gruppen und z.B. Basisgewerkschaften aussehen kann, oder warum es so wenige von letzteren gibt und was erster tun könnten um das zu ändern. Oder warum das strategische Zentrum genau da sein soll, wo die Menschen nicht um ihre Lebensgrundlagen kämpfen. Aber die spannenden Fragen stellen die Bremer_innen garnicht. Und für meinen ungeschulten Blick sieht ihr Vorschlag stark nach Leninismus in scharz-rot aus.

Andere sind da besser geschult – und so nähern wir uns dem großen Tennis: Die sozialisitische Initiative Berlin, Teil des NAO-Prozesses, hat eine lange und erschöpfende Antwort auf den Vorschlag der Bremer_innen verfasst: Mit Lenin ums Ganze kämpfen! (pdf). Darin weisen sie, wie ich finde recht überzeugend, den Bremer_innen den von ihnen geschmäten Leninismus nach. Großer Unerhaltungswert.

Der Erkenntnisgewinn bleibt allerdings bescheiden: Leninismus heisst Primat der Politik, Ablehung von Geschichtsdeterminismus und ist garnicht so schlimm. Am Ende bleibt das eine Diskussion unter verschieden klugen und ähnlich klugscheisserischen Marx-Nerds, spassig aber politisch zweckfrei. Am Ende ist das grössere Problem der Autonomen nicht unsere inhaltliche Unklarheit, sondern die Unfähigkeit eine Politik mit Bodenhaftung und sozialer Relevanz zu entwickeln: Solange wir gar nichts andere können als „von aussen das revolutionäre Bewusstsein unter die Leute zu tragen“ brauchen wir uns über die Lenin-fans nicht groß zu echauffieren.

p.s. Gestossen bin ich auf diese Perle glaube ich dank Anhraxit aber ich habe keine Ahnung wo genau.

Quellen zum NSU & Alle fahren nach München!

Die antikapitalistische Linke München hat eine umfangreiche Linkliste mit mit Quellen zum NSU zur Recherche veröffentlicht. Und am Samstag vor Prozessbeginn ist in München eine mindestens bundesweite Demo. Kommt alle.

6 Jahre!

Vor 6 Jahren schrub ich meinen ersten Beitrag in diesem blog. Ein Anlass für Eigenlob:

Meine größte Reichweite – im Sinne von Verlinkungen über den Kreis der üblichen linksradikalen blogs hinaus, Google platzierungen und Zugriffszahlen – hatten wohl die postings zu Serkan & Spyridon: eins, zwei, drei und vier.

Unglaublich gelungen war, so finde ich mit nicht geringer noch ungerechtfertigter Arroganz, auch die Städtewette gegen Berlin angesichts der ersten grösseren Mobilisierung gegen einen 1000-Kreuze Marsch in münchen: eins, zwei, drei, vier, fünf.
Im moment vorbei schuldet mir eigentlich immer noch einmal Aufkleber drucken und verteilen, aber ich bin immernoch zu faul welche zu designen.

Zu ihrer Zeit haben die Artikel einer zu Nazi-“Aussteigerin“ wahrscheinlich ein paar Leuten geholfen eine brauchbare Position zu finden: eins, zwei.

Einmal hab ich mich auch daran versucht diverse Texte zu Internationalismus in einem Cut-up zu verhackstücken. Ich finds immer noch gut.

Bloggosphären technisch hat sich in der Zeit einiges verändert. Es gibt weniger individuell oder zumindest Gruppenunabhängig betriebene linksradikale Politblogs. Ich finde das schlecht. In einem blog kann ich schnell, subjektiv oder Detailversessen oder experimentell sein in einer Art und Weise die kein Gruppenprozess zulässt (ausser der bei Luzi-M: eins zwo). Das kannst du auf deiner facebook-pinnwand auch – nur das findet das dann kein Schwein. Schade drum.

Angefangen habe ich diesen blog auch mit dem Anspruch, Antira-Geschichten in der weiteren radikalen/autonomen Linken mehr zu pushen. Hat’s geklappt? Keine Ahnung. Das kann ich jetzt garnicht mehr, weil ich selber garnicht mehr so tief in diesen Geschichten drinstecke. Der Anspruch wäre aber immer noch wichtig: Neben der Brisanz, die der Kampf gegen das europäische Grenzregime und die Ausgrenzung hier immer hatte und hat, kommt dazu das uns als Berufschaot_innen in der BRD im Zuge der Euro-Krise mehr und mehr auf die Füsse fällt wie schelcht wir eigentlich darin sind einen sozialen Widerstand mit Bodenhaftung zu entwickeln. Unter etwas anderen Vorzeichen haben Gruppen wie die Karawane hier schon viel Erfahrungen gemacht, von denen mensch eigentlich profitieren könnte. Dazu vielleicht später mehr.

Apropos „später mehr“: Die Geschichte dieses blogs ist auch eine nicht umgesetzter Ankündigungen – z.B. hier, die Reihe „gute Antiimps dissen schlechte Antiimps“, hat das Ankündigungsstadium nie verlassen, und mein guter Vorsatz von vorletzten Jahr – „wenig bis garnichts was sich auf die bloggosphäre bezeiht, wenig innerlinkes gebashe“ ist das genaue Gegenteil von dem was ich zurzeit hier mache. Ab jetzt schreibe ich nur noch in Sonettform – versprochen.

Zu den Morden in Paris

Eine Sammlung mit statements kurdischer Organisationen zu den Morden in Paris findet ihr bei Efendisizler. Gestern gab es eine Kundgebung vor dem französichem Konsulat, wahrscheinlich nicht die letzte.

Saxophon, Emanzipation und das Elend spätautonomer Theoriebildung

Eine Gruppe „pop.diskurs.kritiq“ (PDK) referierte in der Vorweihnachtszeit im Kafe Marat darüber warum ine Emzipation ohne Saxophon unmöglich sei. „Popdiskurs – allein das Wort schon!“ könnte mensch anmerken, und zu den drängenden Fragen übergehen, die uns die aktuellen Kämpfe stellen. Als loser Zusammenhang, der sich der Auseinandersetzung um (Gegen-)Kultur verbunden fühlt müssen wir allerdings doch einige Anmerkungen machen.

Da weder in der Interim noch auf linksunten ein Papier der Genoss_innen zu finden war, hier nochmal der Ankündigungstext der Veranstaltung:

Mit dem Ende des real existierenden Sozialismus vollzog sich nicht nur der größte geopolitische Wandel seit dem Ende des Zweiten Welkrieges, nein dieses weltpolitische Ereignis steht ebenso im Zusammenhang mit popkulturellen Entwicklungen, die sich auf ihren Ausgangspunk in den frühen 1990er Jahren zurückdatieren lassen. Der von den Scorpions, der popkulturellen Inkorporation des neopreußischen Arbeitsethos` leistungswilliger Subjekte, gepfiffene Soundtrack des „Wind of Change“ (1989) zum Niedergang der Systemkonkurrenz , steht – die These vom Ende derGeschichte antizipierend – paradigmatisch für die Hinausdrängung des Saxophons als populärmusikalisch Sag- und Hörbarem.
Die Ära des bedingungslosen (Auf-)Begehrens in „Urgent“ (Foreigner: 1981), der melancholischen Einladung zur (sexuellen) Regelübertretung eines „Careless Whisper“ (Wham!: 1984), oder der kosmopolitisch-offenen Verheißung von „Englishman in New York (Sting: 1988) scheint vorbei und begraben. Im Lichte dieses Wandels bedeutet die ehemals exaltierte Rolle des Pop-Saxophons nunmehr ein vollständiges Überkommensein, ein Zustand des in ewige Verdammnis zurückgedrängten Artefactums. Diese Marginalisierung entspricht keineswegs einzig popkulturellen
Modeerscheinungen, -verwerfungen, oder -trends, vielmehr muss sie im Zusammenhang der spezifischen, sich gegen das Saxophon richtenden Ressentiments (Stichwort: saxoNOphon) und seiner gesellschaftlichen Bedingungen analysiert werden. Die vielfach als Diskurstrategien ins
Felde gezogenen Anfeindungen des Sax‘ als Artifiziellem und Nicht-Authentischem par excellence, als Überzeichnet-Schwülstigem, überflüssigem Zierrat, bis hin zum Vorwurf seiner sexuellen Uneindeutigkeit, richten ihre Energien letztlich auf das ihm immanente – bürgerliche – Glücksversprechen. Dieses durch sein Spiel im Popsong geäußerte Versprechen von expressiver Individualität in Verschiedenheit, die in seiner Orchestrierung tief verankerte Solidarität, und nicht zuletzt sein Glamour steht im tiefen Gegensatz zu neoliberalen Leistungsimperativen und
Subjektivierungspraktiken.
20 Jahre nach Francis Fukuyamas (1992) Proklamation eines Ende der Geschichte und dem vermeintlich endgültigen Triumph der liberal-kapitalistischen Weltordnung stellt sich aus emanzipatorischer Perspektive dringlicher denn je die Frage nach den utopischen Potentialen des
Saxophons. Die kritische Wiederaneignung dieses Möglichkeitsraumes/punktes kann nur gelingen, wenn gleichsam die Frage nach seiner Radikalisierung gestellt wird.
Keine Emanzipation ohne Saxophon!

Einige kritische Anmerkungen zum gesagten:
Wir vermissen in den Ausführungen von PDK eine klare Bezugnahme zur eigenen Betroffenheit, eine Politik der ersten Person. Statt die eigene Subjektivität ernst zu nehmen üben sich PDK in bürgerlicher Wissenschaft, und versuchen das Saxophon als über allen Sphären schwebendes zu analysieren. Die Konsequenzen dieser je HERRschaftsförmigen Herangehensweise sind überdeutlich, wenn PDK ausgerechnet von einer Flugblattverteilung vor einer Fabrik berichten, dem klassischen Tummelplatz autoritärer Kommunist_innen mit ihrer Stellvertreterpolitik.

Das ist nicht etwa ein Ausrutscher, wie er bei leninistisch gewendeten Antifas öfters vorkommt – die Herangehensweise folgt direkt aus der Theorie von PDK. Hier erscheint das Saxophon in seiner je konkreten Rolle durch den Popdiskurs, der sich bei PDK hinter dem Rücken der beteiligten vollzieht, völlig determiniert. Folglich ist dann Saxophon gleich Saxophon und Pop gleich Pop, die tendentielle – und unbestrittene! – Unsichtbarkeit des Saxophon im Pop dann nur noch Ausdruck der Schweinezyklen, des je krisenhaften „Ein- und Ausatmen“ der Popkultur.

Das ignoriert das Wissen der Kämpfe! Um die tendentielle Unsichtbarkeit, die, um uns das analytische Werkzeug von Kanak Attak zu leihen auch als ein Aspekt der relativen Autonomie des Saxophon verstanden werden kann, zu begreifen benötigen wir das von Beverly Silver entwickelte Konzept des „Fix“ – hier nicht als das kurzlebige High des Junkies, sondern als nicht minder kurzlebige „Reperatur“-Maßnahem der Kapitalseite. So wie das Kapital auf erfolgreiche Kämpfe der Arbeiter_innen mit einem „technischem Fix“ – der Einführung neuer Maschinen, um die Klassenzusammensetzung zu ändern und die Kampfkraft zu schwächen – oder einem „räumlichen Fix“ – Flucht vor Arbeitskämpfen in ein sog. Billiglohnland – reagiert so reagiert der Popdiskurs auf das in B und Es erklingende Befreiungsversprechen des Saxophon mit einer Flucht vor eben diesem.

Während PDK das Wissen der Kämpfe aus ihrem Input zwar ausblenden, mithin aber so etwas wie eine Perpektive aufzeigen, zeigte sich in der Diskussion die Sprach unf Utopielosigkeit des (autonomen) Publikums: Das Elend begann – glauben wir zumindest es war grade etwas laut und schwer zu verstehen – mit einem Vertreter der „critical reed studies“-Fraktion, die immer wieder die reaktionäre Trennung zwischen sog. „Blech-“ und „Holzblasinstrumenten“ reproduziert und autoritäre Sprechverbote fordert. Es ist fast verständlich, das auf diesen moralinsauren Politikstil vom Podium ähnlich moralisch geantwortet wurde: „Du spielst doch selber nicht mehr!“
Ansonsten konnten die Anwesenden nur ihre eigene Verwirrung ausdrücken – „ich find SaxoNophon gut, aber euch auch,“ wenn das Feld nicht gleich komplett autoritären Kommies überlassen wurde – Gegenstandpunkt, SDAJ und der „Arbeiterbund für den Wiederaufbau des Saxophon“ gaben sich ein munteres Stelldichein.

Bei all den Scheindifferenzen, die hier ausgetragen wurden sind sich am Ende PDK und autoritär-kommunistisches Publikum einig in der pseudo-objektiven Herangehensweise, während das autonome Publikum Sprach- und Utopielos zuhört. Nun gilt es, in einen langwierigen politischen Prozess einzutreten und die verschütteten inhaltlichen Basics einer auf reale Kämpfe bezogenen Autonomia wieder zu erlangen. Fragend schreiten wir voran.

Bekennerschreiben bei der TAZ

Die TAZ schreibt über ihre Versuche, Beknner_innenschreiben vor den Bullen zu schützen.