Zum Makss Damage-Lied „Tötet diese antideutschen Hurensöhne!“

Eigentlich müsste es keinen Grund geben, sich hier speziell an Makss Damage und seinem Lied „Antideutsche Hurensöhne“ abzuarbeiten. Das ist so offensichtlich mieser, menschenverachtender Gangster Rap, den nur verschrobene Stalinos ohne Musikgeschmack hören können. Es gibt hunderte ähnlich miese Tracks ohne Stalinismus, die mehr gehört werden, an denen sich Kritik mehr lohnen könnte. Das genau dieses Lied vor ein paar Monaten für einen Aufreger auf diversen linken blogs gut war, liegt denn auch nicht so sehr daran dass der Text, gemessen an sonstigem deutsche Gangster Rap, besonders eklig ist, sondern daran dass sich ein paar Blogger_innen irgendwie angesprochen gefühlt haben. Eine fundierte Kritik war bei diesen Diskussionen leider die Ausnahme – der Text ist so Scheisse, das disqualifiziert sich von selbst, war wohl die Annahme von vielen die dazu geschrieben haben. Ich dachte das auch, und habe mir ein posting dazu gespart.

In den letzten Wochen trug mir mein augedehntes Spionagenetz (dass wie alle Behörden ganz schön langsam ist) zu, dass auch hier, im nördlichsten Dorf Italiens, Leute die ich für politisch zurechnungsfähig gehalten habe den youtube Link weiterempfehlen. Vermutlich stehen die entsprechenden Kandidat_innen nicht hinter jeder einzelnen Vernichtungs- oder Vergewaltigungsandrohung in dem Lied, denken sich aber „Höh höh! Das geht gegen Antideutsche! Höh höh!“

Hier findet also, dank dem beliebten Feindbild Antideutsch, reaktionäre Kackscheisse Eingang in einen gewissen linken Diskurs. Offenbar muss ein paar Genoss_innen genauer erklärt werden, warum ein Text wie dieser gar nicht geht und so ungefähr alle linken Basics über Bord wirft.

Ich würde eher Adolf Hitler, Heinrich Himmler
und Ernst Röhm als euch links nennen!

„Die historischen Nazis waren schlimm, aber ihr seid noch schlimmer“ wäre die harmloseste Lesart. Faktisch sagt Makss Damage hier, dass ihm Nazis politisch näher sind als das Feindbild der Stunde. Dass Nazis als Mass für alles schlechte herhalten, zeigt dass sie an sich kein positiver Bezug sind. Immerhin.

Wer von Euch wird ausgegrenzt und fühlt sich scheiße? […]
Die meisten Antideutschen laufen rum, mit dunklen Brillen,
so als produzieren sie heimlich Kinderpornos in ’nem Hinterhof. […]
Kauf’n sich Hero am Cotti, so wie Endi von Egotronic. […]
antideutsche Hurensöhne!

Sozialdarwinismus pur. Wenn wer schwach ist, ausgegrenzt wird, irgenwie kriminell rüberkommt, Eltern in der Sexarbeit hat oder Drogen nimmt spricht das in den Augen von Makss Damage gegen die Person die hier ausgegrenzt wird, nicht gegen die Verhältnisse. Das ist die Schulhofvariante des CDU und FDP Credos, dass die Armen an ihrer Situation selber schuld sind und gefälligst für ihre schlechte Situation zu büssen haben.

ihr kommt vorbei und kassiert alle von uns Backpfeifen.
Kifferkids packt euer Pfefferspray weg, steckt Messer ein.
Ich warne euch, ab heute wird’s für euch besser sein.

Wie wir von einem konsequenten Dicknussmacker erwarten, besingt Makss damage seine eigene Stärke und Fähigkeit die Gegener_innen zu verkloppen – gemessen an anderen Battle Tracks sogar verhältnismässig moderat. Das hat nichs mit Zurückhaltung zu tun:

… wenn wir euch platttreten wie Kids ihre Kippen […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […] ich hau’ sie mit’nem Hammer tot. Trenn sie mit’ner Sichel durch. […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […]

Ihm geht es nämlich nicht um Kampf, sondern um Vernichtung. Die Gegner_innen dienen nicht als Negativfolie, um die eigene Stärke zu beschwören, sie werden zu Müll erklärt und plattgetreten.

Und ich hau’ sie mit’nem Hammer tot.
Trenn sie mit’ner Sichel durch.
Fick’ erst ihre Mädchen durch!
Ist das nicht verwegen?
Fick’ dann ihre Jungs durch… Warte!
Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?

Zur Vernichtungsphantasie gehört auch sexualisierte Gewalt. Makss Damage findet Vergewaltigung in Ordnung, zur Durchsetzung einer bestimmten Hierarchie. Umgekehrt heisst das, dass er die patriarchalen Hierarchien, die so durchgesetzt werden, auch gut findet. Die Vergewaltigungsdrohung gilt damit nicht „nur“ den Antideutschen, sondern allen Frauen und allen, die nicht als „richtige“ Männer wahrgenommen werden. Das Makss Damage auf klare Geschlechterhierarchien steht verdeutlicht auch die Zeile „Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?“: Die angeblich fehlende Geschlechterdifferenz wird zum Makel erklärt, die antideutschen „Jungs“ werden durch die ihnen angedichetete Mädchenhaftigkeit zusätzlich abgewertet.

Dieser Text verrät mehr über den Autor, als über die „Antideutschen Hurensöhne“. Wenn es nach Maks Damage geht, oder nach irgendwem der sich in dem Text wiederfindet, sieht die Welt so aus: Brutalität ist geil. An Nazis ist irgendwas links, Kriminelle, Ausgegrenzte und Schwache sind selber schuld, das Patriarchat ist voll ok und kann mit sexualisierter Gewalt aufrechterhalten werden. Wer in dieser Ordnung als Feind erscheint, wird nicht einfach bekämpft, sondern entmenschlicht und vernichtet. Dieser Track macht Makss Damage, und die die ihn hören, nicht zu Nazis. Ein brutalisierter Sozialdarwinist ist schon schlimm genug, und zum linkssein gehört etwas mehr als „kein Nazi sein“ – davon abgesehen, dass es mindestens einen handfesteren Nazitrack von Makss Damage gibt. Durch sein restliches Schaffen höre ich mich nicht durch, dazu fehlt mir der Masochismus.

Linke Basics heissen so, weil sie das Fundament einer fortschrittlichen Weltanschauung bilden. Scheinbar sind diese Basics bei manchen dann einfach weg, wenn ein geeignetes Feindbild auftaucht: Manchmal gegenüber Nazis, hier weil es gegen die Antideutschen geht. Das ist erstmal absurd: Einmal weil orthodoxe Kommies genau dann dem Zerrbild, dass Antideutsche (vor allem die Landtideutschen) von ihnen zeichnen entsprechen wenn sie sich über diese echauffieren, ausserdem kriegen die Anti-Ds in München eh nicht mehr gebacken als sich selbst zu karikieren – wozu also die Aufregung?
Nur, wenn ein fortschrittlicher Anspruch (und jeder Musikgeschmack) weg ist, sobald ein albernes Feindbild auftaucht, ist das Problem grösser als Szeneperistaltik. Dann war der Anspruch von vornherein nicht so richtig gefestigt. Wenn ihr Linke seid und dem Kack von Makss Damage was abgewinnen konntet, habt ihr eine Hausaufgabe: Die von mir angerissenen Kritikpunkte ergänzen und weiterentwickeln. Wenn ihr die Welt zum Besseren verändern wollt, anstatt euch an absurden Feindbildern hochzuziehen, ist es das Mindeste, bei sich selbst anzufangen. Wenn euch die Feindbilder wichtiger sind, verpisst euch aus der Linken und geht zum Fussball.

P.s. Ein paar der Beiträge in linken Blogs: Abstrahieren, Im Moment vorbei, Captain Cosmus, Torsun, Willhelm Vandalism, Tous et Rien, Scheckkartenpunk, Tee, Reflexion.
Viele Beiträge blieben bei „Guckt mal, ekliges Lied“ stehen – schade, da so nur die Leute erreicht werden die die Kritk eh teilen. Und natürlich schade, dass es wenig Material für mich zum copy-pasten gab. Die fundierteste Diskussion gabs bei Analyse, Kritik und Aktion, alles Kluge über Hip Hop in diesem Artikel habe ich von Kommentatorin Maggi übernommen.


31 Antworten auf “Zum Makss Damage-Lied „Tötet diese antideutschen Hurensöhne!“”


  1. 1 medium 04. Mai 2010 um 15:27 Uhr

    Danke.

  2. 2 Entdinglichung 04. Mai 2010 um 15:30 Uhr

    zwei kleine Anmerkungen: was die ganze Bandbreite [sic!] von Vernichtungs- und Gewaltphantasien in dem Machwerk von „Makss Damage“ angeht fühle ich mich an die ekelhafteren Varianten von Dancehall/Raggamuffin erinnert, wo es in den Texten auch im wesentlichen um das Ausscheiden/Vernichten des Anderen/Heterogenen geht … ansonsten bricht das Machwerk trotz ideologischer Bezüge mit stalinistischen ästhetischen Mustern und Motiven da letztere immer versuchten einen humanistischen und „edlen“, häufig mit Lichtsymboliken angereicherten Schein aufrechtzuerhalten und gerade nicht brutal daher zu kommen, ästhetisch sehe ich da sehr viel eher Parallelen zu Freikorps-/SA-Gesängen a la „Wetzt die langen Messer“

  3. 3 doesn't mind 04. Mai 2010 um 23:15 Uhr

    Sachlich korrekter Beitrag, mal abgesehen von dem Zerrbild, aber kommst du dir nicht schrecklich dabei vor, das erklären zu müssen? Willst du mit Leuten, denen nicht einnal das klar ist, über tatsächliche politische Fragen diskutieren, bei denen tatsächlich deine Bereitschaft vorhanden sein muss, deine eigene Position auch mal in Frage zu stellen?

  4. 4 Bikepunk 089 04. Mai 2010 um 23:46 Uhr

    @entdingichung: Ohne mich in Gangsta Rap und Battle Rhymes besonders gut auszukennen, glaube ich doch dass die Vernichtungsphantasien genausogut Anleihen von dort sein können.

    @doesn‘t mind: Ob ich mir schrecklich vorkomme? Das ist Politik, Leuten die eine Scheiss Position haben zu erklären warum sie ihre Position ändern sollten, und Leuten die diese Scheisspolitik nicht teilen dabei helfen argumentativ dagegen zu halten. Wir können die Leute ja nicht nur von dort abholen, wo wir stehen. Nicht vergessen, wir reden hier nicht von Nazi-Scheiss – da wäre Gewalt angebracht – sondern von brutalisiertem Kleinbürgertum. Andersrum gefragt, kommst du dir nicht schrecklich vor wenn du zum Grossteil der Leute um dich rum nicht sagen kannst oder willst, wenn sie deiner Meinung nach falsch ticken. Und warum sollte ich Angst davor haben, meine eigene Position in Frage zu stellen?

  5. 5 Nicole 05. Mai 2010 um 7:07 Uhr

    Nein, Lars, bei sowas helfen eher ein paar Schläge in die Fresse.

  6. 6 doesn't mind 05. Mai 2010 um 11:00 Uhr

    @bikepunk: Das war ein Missverständnis, in die Richtung habe ich das nicht gemeint. Die Betonung lag auf dem „müssen“. Selbstverständlich ist es nötig und sinnvoll, zu erklären und zu argumentieren, nur setzt das einen gewissen Grad an Unwissen beim Gegenüber voraus. Oder zumindest die Vorstellung, dass dieses besteht. Das Problem hier ist aber doch, dass der Text des Stücks so offensichtlich ist, dass er keiner Erläuterung bedarf. Wenn du unter eine ganz explizite Tötungs- und Vergewaltigungsphantasie

    „Makss Damage findet Vergewaltigung in Ordnung, zur Durchsetzung einer bestimmten Hierarchie.“

    drunterschreibst, hast du weder zusätzliche Informationen verschafft, noch erklärt, noch argumentiert, sondern nur nochmal hingeschrieben was im Lied ohnehin schon vorkommt.
    Es ist ja sogar so, dass er gerade aufgrund seiner Eindeutigkeit funktionieren dürfte. Warum also sollten Leute deswegen ihre Position wechseln?

    Das wiederum fügt natürlich deiner Einleitung nichts hinzu, du schreibst ja selbst, dass du die Position selbst hattest. Dann machst du meines Erachtens aus dem Schrecken, den es mit sich bringen sollte zu erfahren, dass etwas grundlegendes, was du vorauszusetzen können glaubst, doch nicht vorausgesetzt werden kann, ein Versäumnis deinerseits.

    Will sagen: Du hast nicht immer die Wahl, zu erklären oder nicht. Manche Dinge sind ihrer Beschaffenheit nach unerklärbar. Bzw. erst dann, wenn du dir(!!) auf einer zweiten Ebene versuchst zu erklären, wie es dazu kommt, aber wenn das notwendig ist, besteht Politik schon lange aus Konfrontation.

    Und es gibt ja noch andere Formen der Konfrontation ausser Gewalt. Du könntest zum Beispiel den Schluss ziehen, dass es ein Irrtum war, diese Leute für politisch zurechnungsfähig gehalten zu haben. In einem gewissen Sinn machst du das ja am Ende, insofern also keine so große Kritik, mir kam es nur auf die erklärende Geste an.

    P.S.: Du schreibst vom nördlichsten Dorf Italiens, da bleibt natürlich noch die Möglichkeit dass es sich um Leute handelt, die nur schlecht deutsch sprechen, aber wenn es darum geht, mach keine verdoppelnde Deutung, sondern eine Übersetzung.

  7. 7 Bikepunk 089 05. Mai 2010 um 11:35 Uhr

    @doesn‘t mind: Wir waren alle mal jung, Ich war mal auf einem Konzert der Kassierer. Eigentlich auch ein klares No-Go, eigentlich müsste es überflüssig sein, extra zu erklären was an denen alles Scheisse ist. Eigentlich habe ich mich damals schon für links gehalten. Bei mir hat es ein bisschen gedauert, bis ich das gecheckt habe, das wäre sicher schneller gegangen, wenn auch nicht über Nacht, wenn ich damals irgendwo eine genaue Kassierer Kritik vorgefunden hätte.

    Was ich sagen will ist, unter den Leuten die das hier hoffentlich lesen gibt es sicher welche, die zu verbohrt oder zu cool sind um eine Kritik zu nehmen. Aber die anderen, die einfach unreflektiert sind und die es irgendwann kapieren, die gibt es auch.

    „Nördlichste Stadt Italiens“ ist so eine München-Selbstbeschreibung. Ich schreibe jetzt was zu Makss Damage, weil ich den Eindruck habe dass das lokalpolitisch wichtig ist.

  8. 8 Bikepunk 089 05. Mai 2010 um 11:38 Uhr

    Wieso diskutieren hier eigentlich nur Leute, die bezüglich Makss Damage einer Meinung sind? Hat es den fans die Sprache verschlagen?

  9. 9 Entdinglichung 05. Mai 2010 um 12:10 Uhr

    zum hinkenden Vergleich Makss Damage-Kassierer, bei letzteren, so peinlich und sexistisch diese auch sind, so findet sich immer noch eine gewisse (selbst)ironische Brechung was bei Makss Damage (oder auch bei GG Allin, der auf der Linken auch einige Fans hat(te)) nun überhaupt nicht vorhanden ist

  10. 10 Mariqadu 05. Mai 2010 um 16:43 Uhr

    Wie heißt eigentlich das Original, über das Makss Damage da drüber rappt? Lief letztes Jahr dauernd im Dudelfunk, kann mich aber nicht erinnern von wem das ist. Bei „Kommunisten-Power“ ist es Prodigy mit Invaders must die, bei „Wo ist die Sowjetunion“ Eminem mit Lose Yourself. Vielleicht sollte man einfach mal der RIAA stecken, was da jemand mit den Instrumentalversionen von Stücken ihrer Künstler treibt ;)

  11. 11 warum 05. Mai 2010 um 17:17 Uhr

    warum eierst du eigentlich so rum, wer nun diese makss damage fans sind? mit dem stickwort sdaj in der tag-cloud hast du’s ja eigentlich eh schon verraten. vielleicht reagiert ja jemand, wenn du die kritik auch tatsächlich an diese leute adressierst.

  12. 12 doesn't mind 05. Mai 2010 um 19:35 Uhr

    @bikepunk: Ich wollte auch nicht in Abrede stellen, dass Menschen ihre Ansichten ändern können, allerdings bezweifle ich, dass dies so passiert, wie du es impliziert und anleiten möchtest. Dass eine Kritik ein Anlass sein kann, neu über etwas nachzudenken, ist auch klar, nur ist es meines Erachtens falsch, in einem solchen Fall Uninformiertheit zu unterstellen.

    Ich bin in Sachen „Kassierer“ nicht wirklich bewandert, aber was meinst du denn, hätte in einer Kritik, die dich möglicherweise früher zur Einsicht gebracht hätte, denn drinstehen müssen? Das das, was du aus irgendeinem Grund gut findest, nicht gut ist? Gerade bei Musik liegt es doch nahe anzunehmen, dass die Einsicht aus anderen, sehr viel emotionaleren Gründen versperrt ist. Denn du findest daran ja etwa anziehend, gut, deiner Gefühlslage entsprechend oder was auch immer. Sobald diese emotionalen Gründe mit etwas anderem in Konflikt geraten oder ganz wegfallen, wird die Einsicht automatisch folgen, denn die ist wirklich nicht schwer.
    Und von dem damit einhergehenden Schrecken über sich selbst etwas zu bewahren (als Erinnerung), hilft m.E. beim Verständnis der gesellschaftlichen Konstitution auch von uns selbst enorm und verdient es, Reflexion genannt zu werden.

    Das heisst wiederum nicht, dass eine Makss Damage Kritik unnötig wäre, es kommt nur drauf an, was drin steht. Das Ende deines Eintrags, also die Beobachtung und der Schluss, dass mit dem antisexistischen Bekenntnis etwas nicht stimmen kann bzw. umgekehrt die Antideutschen-Phobie nichts fortschrittliches haben kann, wenn sie zu solchen Feinderklärungen führt, wäre m.E. ein guter Ansatzpunkt für eine Kritik, die die „Ansprüche“ nicht moralisch in den Kategorien Verfehlung und Läuterung expliziert, sondern als Haltungen gegenüber unserer subjektiven gesellschaftlichen Verfassung. Denn auch die Gefühlslagen, die zu den Kassierern oder Makss Damage führen, kommen ja nicht aus dem Nichts.

    Interessant fände ich zum Beispiel die Frage, was hier die Selbstermächtigung für was ist. Also: Darf der Sexismus ausbrechen, weil „gegen Antideutsche“ jedes Mittel recht erscheint? Oder führt umgekehrt die Reflexionsverweigerung in Bezug auf antideutsche Inhalte, also die Abwehr der Kritik an nationaler Identifikation, dazu, dass auch der patriarchale Inhalt der nationalen Identifikation nicht unveräußert bleiben kann?

  13. 13 Melodies of War 05. Mai 2010 um 21:07 Uhr

    „Offenbar muss ein paar Genoss_innen genauer erklärt werden, warum ein Text wie dieser gar nicht geht und so ungefähr alle linken Basics über Bord wirft.“

    Nö, muss wirklich nicht, und ich habe keine Ahnung, was du dir davon für nen Erkenntnisgewinn versprichst. Und wo finde ich diese linken Basics? Stehen die im Kapital oder in der Radikal 2/93? Und wo in den linken Basics ist vermerkt, was ästhetisch klargeht?

    ästhetisch sehe ich da sehr viel eher Parallelen zu Freikorps-/SA-Gesängen a la „Wetzt die langen Messer“

    ist halt auch nicht wirklich ne Kritik.

    Muss man denn an jeder Mülltonne schnüffeln, um dann zu konstatieren, dass sie stinkt? Da mach ich mir doch lieber Gedanken zur Müllkippe.

  14. 14 Bikepunk 089 06. Mai 2010 um 12:06 Uhr

    Ich habe auch kein pädagogisches Konzept, wie Leute die den Scheiss hören zu erreichen sind. Linke Blogger_innen, die sich gegenseitig erzählen das Makss Damage ein Nazi ist gabs schon, das schien mir der falsche Weg und ist auch inhaltlich nicht richtig. Wer den sound und die Texte, aus welchen Gründen auch immer, gut findet, glaubt einfach nicht das er Nazi-Mucke hört, auch wenn die Blogosphäre anderer Meinung ist.

    Irgendeine Form der Konfrontation könnte helfen, könnte auch schaden wenn die Leute da eher zu machen. So oder so spielt sich das nicht im Internet ab, blogs können bestenfalls kluge Texte bieten.

    Ich unterstelle keine Uninformiertheit, ich unterstelle Inkonsequenz und dass nicht alle alles zu Ende durchdenken was sie hören. Da kann es nicht schaden, den Text mal etwas aufzuschlüsseln. Klar: das erreicht auch nur die, die sich darauf irgendwie einlassen, wie immer.

    Leute erreichen wollen ist immer ein Stochern im dunklen. Die einen erwischt du auf einer bestimmten Schiene, die anderen auf einer anderen. Dieser Text ist für Leute geschrieben, die irgendwann mal willig sind, eigene Positionen zu überdenken – was eh Teil eines linken Anspruchs sein sollte.

  15. 15 rhizom 06. Mai 2010 um 12:14 Uhr

    @doesn‘t mind: „antideutsch“ hat doch jetzt mit Antinationalismus, also der Kritik daran, dass Leute sich als „Volk“ imaginieren und ihre Interessen mit denen eines Staates verwechseln, für den sie in Wahrheit nur das biologische Herrschaftsmaterial abgeben, herzlich wenig zu tun. Im Gegenteil, da ist ja regelmäßig ein Staatsidealismus am Werk, der sich nur so gewaschen hat und bei dem Deutschland nie als Beispiel für etwas Allgemeines, sondern immer nur als die schlechte Ausnahme von der guten, republikanischen Norm erscheint.

    Wozu denn sonst die ganze Fahnenschwenkerei? Oder warum glauben die ernsthaft, dass westliche Staaten imperiale Kriege für einen guten Zweck oder im Lebensinteresse ihrer Bürger führen? Weil sie das mit dem Nationalismus verstanden hätten? LOL. Gar nichts haben sie verstanden! Ihr vermeintlicher Antinationalismus besteht allein darin, ihrem „Volk“ die eigene Geschichte nicht verzeihen zu können, was sie aber nicht etwa zu einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber den Kategorien von Volk und Nation anstachelt, sondern nur zu einer permanenten Vergleicherei, in der sie ihren Nationalismus peu à peu auf andere Staaten übertragen.

    Jetzt mal ernsthaft: was soll denn am Sammeln von Bildern israelischer Panzer und IDF-Shirts „eine Kritik nationaler Identifikationen“ sein?

  16. 16 Bikepunk 089 06. Mai 2010 um 16:42 Uhr

    @doesn‘t mind: Wenn Linke Antideutsche hassen, hat das meistens mit deren Parteinahme für die USA oder Israel zu tun (die mal mehr, mal weniger gut verstanden wird), oder mit deren Rassismus, und natürlich auch damit dass sich viele Antideutsche eben nicht die ‚eigene‘ Nation, sondern die Linke als Feind Nr. 1 augesucht haben. Die schenken ihnen wenigstens Beachtung. Dafür ernten Anti_Ds wenig Gegenliebe. Aber Anti-Antideutsche fühlen ich von denen als Linke gedisst, nicht als Deutsche. Wenn du fragst:
    Oder führt umgekehrt die Reflexionsverweigerung in Bezug auf antideutsche Inhalte, also die Abwehr der Kritik an nationaler Identifikation, dazu, dass auch der patriarchale Inhalt der nationalen Identifikation nicht unveräußert bleiben kann?
    Ist meine Antwort ein klares Nein. Meine These ist klar die von der Reflexionsvrweigerung angesichts eines bequemen Feindbildes. Das linke Ansprüche dann über Bord gehen, wenn sich mensch mit anderen tendentiell Linken streitet ist der traurige Treppenwitz dabei.

  17. 17 doesn't mind 06. Mai 2010 um 16:51 Uhr

    @rhizom: Da war doch was. Grübel, grübel.

    http://www.ca-ira.net/verlag/buecher/bruhn-deutsch.html

  18. 18 einwand 06. Mai 2010 um 18:06 Uhr

    „dass die Einsicht aus anderen, sehr viel emotionaleren Gründen versperrt ist“ (dm)

    Emotionen sind keine Schranke für Einsicht, das vertuscht den Inhalt der Gefühle. Die Emotionen von ADs oder auch von deren Widersachern haben beide einen nationalen Grund: Während die einen aus urdeutscher Verantwortung für Israelnationale gehalten werden wollen, ergänzen die AD-Fahnder mit beleidigter Säuberung der (deutschen) Linken. Die sperrigen Gefühle ERGEBEN sich also erst aus verkehrten Einsichten.

    „Reflexionsverweigerung“ (bp)

    ist daher ebenso irreführend. Die „Verweigerung“ einer (bestimmten) Reflexion unterstellt doch, dass bereits eine Reflexion über die Sortierung vonb Argumenten stattfindet. Anders ausgedrückt: Wie oder wem gegenüber soll man denn das Nachdenken verweigern?! Klar, die ERHOFFTE Reflexion bleibt aus, aber dem liegen viele andere Schlüsse zugrunde.

    „bequemes Feindbild“

    trifft auch nicht die aufwändige Pflege von Negativ-Abziehbildern. Feindbilder haben die fantasiefreudige Funktion, einem erfundenen Freundbild die Stange zu halten – symptomatischerweise ist das immer ein nationaler Zusammenhang. Das sollte man nicht bloß als Bequemlichkeit abtun, so als ob die es nicht besser wüssten. Das Anfeinden und Ausgrenzen folgt aus dem Beschluss von Zusammengehörigkeit.

  19. 19 rhizom 07. Mai 2010 um 2:31 Uhr

    Wenn Linke Antideutsche hassen, hat das meistens mit deren Parteinahme für die USA oder Israel zu tun (die mal mehr, mal weniger gut verstanden wird)

    Ich versteh sie komischerweise immer weniger.

    dass sich viele Antideutsche eben nicht die ‚eigene‘ Nation, sondern die Linke als Feind Nr. 1 augesucht haben.

    Mir fällt es auch immer schwerer zu begreifen, wie man „Nationen“ als Feinde haben kann – als ob es solche Kollektivsubjekte wirklich gäbe! Statt die politischen Regulationsweisen von Gesellschaft zu untersuchen und nationale Identitäten als deren Effekte zu beschreiben, spielt man deren Essenzialisierung mit, indem man das nationalistische Geschwätz von den „Deutschen“ als einer durch Kultur, Tradition und Wesensart miteinander verbundenen „Volks- und Schicksalsgemeinschaft“ negativ reproduziert.

    Dabei entgeht einem komplett die Pointe der letzten Jahre: dass der alte völkische Nationalismus sich in einer unumkehrbaren Krise befindet. Die bis Anfang der 90er Jahre aufrechterhaltene Fiktion, dass man die sechs Millionen Nachfahren der „Gastarbeiter“ irgendwann wieder loswerden und zum Zustand einer ethnisch homogenisierten Nation zurückkehren könnte, ist zerplatzt ist wie eine Seifenblase. Mittlerweile haben nämlich 30% der deutschen Bevölkerung entweder einen sog. Migrationshintergrund oder sind mit einer Person verheiratet, die einen solchen Hintergrund hat. In den Großstädten stellt diese post-nationale Minderheit sogar längst die faktische Bevölkerungsmehrheit. Der völkische Nationalismus ist daher nicht mehr durchführbar, und das hat mittlerweile sogar die CDU eingesehen.

    Damit ändern sich aber auch die Ziele des deutschen Staatsrassismus. Es geht jetzt nicht mehr gegen „die Ausländer“ im Allgemeinen, sondern gegen genauer definierte Subgruppen von Migrant_innen, die aufgrund ihres sozial prekären Status als „integrationsunwillig“ markiert und mit amtlichen Disziplinarmaßnahmen überzogen werden. Die Methoden gleichen sich dabei zunehmend den Instrumentarien der Hartz-IV-Gesetze an: ähnlich wie Arbeitslose eine „Eingliederungsvereinbarung“ unterschreiben müssen, um in den Genuss staatlicher Leistungen zu kommen, sollen Nichtdeutsche bald einen „Integrationsvertrag“ mit der Ausländerbehörde unterzeichen, um bei entsprechendem Wohlverhalten vielleicht irgendwann in den Besitz eines deutschen Passes zu gelangen.

    Mit Verweise auf die völkischen Spezifiken des deutschen Nationalismus lässt sich das überhaupt nicht mehr adäquat beschreiben, zumal sich ähnliche Entwicklungen in ganz Westeuropa ereignen. Deutschland hat sich in dieser Hinsicht „normalisiert“, was allerdings kein Grund zur Entwarnung ist.

  20. 20 Miyagi San 07. Mai 2010 um 15:39 Uhr

    Doesn‘ mind ist weit fortgeschritten. Wahre Einsicht kommt von innen. So wie die Frage nach dem Klatschen der einen Hand nicht vom Verstand beantwortet werden kann. Der Pfad zur Einsicht führt nicht über lange Texte.

    Wenn dir Unrecht geschieht, sagte Me-Ti zu Lai-Tu, kämpfe bis aufs Messer, wenn dir aber Recht geschieht, kämpfe nicht. Beobachte deine Stimme, wenn du deine Fehler entschuldigst mit den Fehlern anderer. Ist sie nicht recht hart? Zu den größten Sätzn gehört der Satz „ich schäme mich“. Beinahe jede Stimme, diesen Satz aussprechend, ist gut.

  21. 21 Bikepunk 089 10. Mai 2010 um 9:13 Uhr

    @Einwand

    Feindbilder haben die fantasiefreudige Funktion, einem erfundenen Freundbild die Stange zu halten – symptomatischerweise ist das immer ein nationaler Zusammenhang.

    Makss Damage ist einfach ein unintelligentes Stück deutsche Scheisse. Aber genau in dem Lied, in dem er sich über AntiDs aufregt, deutscht er nicht rum. Wenn das Freundbild zum Feindbild AntiD der nationale Zusammenhang wäre, müsste er das tun. Rumgedeutscht wird bei ihm in mindestens einem anderem Lied, wo dann Holger Burner, Antisexist_innen und Antifas das Feindbild abgeben.
    Nochmal zur Frage von doesn‘t mind:

    führt umgekehrt die Reflexionsverweigerung in Bezug auf antideutsche Inhalte, also die Abwehr der Kritik an nationaler Identifikation, dazu, dass auch der patriarchale Inhalt der nationalen Identifikation nicht unveräußert bleiben kann?

    Dafür gibt es einfach kein Anzeichen, siehe auch oben. Die zwei Aussagen, die sich bei Makss Damage über Antideutsche finden, sind doch: „Die sind für Israel/gegen Palästina“ und „das sind alles verdrogte schwule Mädchen“. Wenn wir der These von Einwand folgen, dass ein Feindbild immer einem Freundbild die Stange hält, dann ist das hier konstruierte Freundbild der Palästinasolidarische Dicknussmacker.

  22. 22 Ernst 13. Mai 2010 um 16:25 Uhr

    Ich muss sagen bis zu diesem Album war ich Tatsaechlich ein Makss Damage Fan, ich fand sein RAF lied oder „Bulle am Boden“ gut. Aber das Neue Album ist einfach nur Menschenverachtend und/oder musikalisch abartig mies (wobei man das von Bulle am Boden vielleicht auch sagen kann, andererseits geht es da eher um den Kampf mit Rechtsradikalen Bullen (was ich persoehnlich nicht verwerflich finde) als um die Hinrichtung von Politischen Gegnern die mir aber immer noch naeher stehen sollten als das System).

    Hoeren kann ich ihn jetzt auch nicht mehr…

    Ich glaube ich kann dem eigentlich nichts weiter hinzufuegen, ausser das ich deien Kritik die bisher beste finde die ich zu diesem Thema gelesen habe…

    Ps. von Kassierern ist die gekoverte Version des liedes „Meine Freiheit, deine Freiheit“ von Georg Kreisler brauchbar…
    (das einzige Lied von denen was geht)

  23. 23 Mensch 11. Juni 2010 um 13:50 Uhr

    wie durch kann man eigentlich sein? he?
    Makks Damage hat einfach nur son krassen hass auf antideutsche das er ein wenig übertreibt, du kannst doch nicht ernsthaft jedes wort auseinandernehmen und dir da irgendein müll zusammen reimen, dass er vergewaltigungen gutheißen und nazis besser finden würde.
    Du checkst den text einfach nicht du vollidiot. Bist wahrscheinlich selbst son antideutscher fascho.
    Antideutsch sein ist faschistisch,rassistisch und sonstiges. Merkt man doch schon wie ihr Menschen in Rassen unterteilt. Mir doch scheißegal obs Juden sind oder nicht. Als obs jetzt andere Menschen wären. Alle sind gleich , und nicht Juden, russen, deutsche oder weißdergeier.Ihr seid rassisten und merkt es nicht einmal .Ihr seid das letzte was man links nennt! Tötet diese Antideutschen…..!

  24. 24 Makks 29. Juni 2010 um 14:38 Uhr

    Wer mich völlig zu Recht scheiße findet und Bock auf vernünftigen Hip Hop hat, geht am Freitag den 2.7. ins Kafe Marat zu Conexion Musical, Johnny Mauser, Captain Gips und indem.
    Die haben übrigens auch ihre eigenen Beats.

  25. 25 Wölfi 27. Juli 2010 um 15:55 Uhr

    Kassierer sollen schlecht sein?-Euch wird schlecht wenn ich euch IN DEN HALS SCHEISSE!!!
    Antideusche werden ab jetzt „Husos“ abgekürzt-TÖTET DIESE HUSOS!!!

  26. 26 Wölfi 27. Juli 2010 um 15:57 Uhr

    Mein Kommentar muss noch moderiert werden? Zensurnazi- ich SCHEISS DIR IN DEN HALS!!!

    Liebe Grüße,
    Peter

  27. 27 sgd 07. Dezember 2010 um 11:21 Uhr

    Makss Damage zu kritisieren und abzulehnen ist durchaus angemessen, gerade wegen seiner sexistischen, schwulenfeindlichen, teilweise sogar antisemitischen Auslassungen. Schade nur, dass das offensichtlich nie ohne Antikommunismus geht. Muss wohl daran liegen, dass außer den Antideutschen anscheinend sich nie jemand die Mühe macht, den Idioten Makss Damage im Internet einer eindeutigen Kritik zu unterziehen. Da tauchen dann immer so Phrasen auf wie „verschrobene Stalinos“, „orthodoxe Kommies“, „Stalinismus“ usw., die allesamt eigentlich dasselbe sind wie MD. Reicht es schon, dass sich jemand auf Stalin beruft, um seiner Gewaltaffirmation Nachdruck zu verleihen, damit er bei der deutschen Pseudolinken als „orthodoxer Kommie“ durchgeht?
    Die allermeisten Kommunisten in Deutschland haben mit Leuten wie Makss Damage nichts am Hut.

  28. 28 SKP 14. Februar 2011 um 14:17 Uhr
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