Archiv für Mai 2010

Alle fahren nach Nürnberg!

Am Mittwoch den 28. April verletzte ein Nazi aus dem Umfeld des Freien Netz Süd in Nürnberg einen 17-jährigen Antifaschisten so schwer, dass dieser mehrfach wiederbelebt und für mehrere Tage in ein künstliches Koma versetzt werden musste (mehr Infos). Bereits am 8. Mai gingen in Nürnberg deshalb um die 1500 Menschen gegen rechte Gewalt auf die Straße. Für den 29. Mai rufen nun antifaschistische Gruppen zu Großdemos in Fürth und Nürnberg auf. Wir wollen unsere Solidarität mit dem angegriffenen Antifaschisten zeigen und gemeinsam und entschlossen gegen das Freie Netz Süd und alle anderen Nazis in Fürth, Nürnberg, München und überall vorgehen. Deshalb werden wir an diesem Tag von München aus gemeinsam nach Fürth und Nürnberg fahren.
Zugtreffpunkt: 8:30 München Hbf, Gleis 26
Hintergrund-Infos, Aufrufe etc. gibt es unter redside.tk
Demo: 12 Uhr Fürth, Hbf | 14 Uhr Nürnberg, Plärrer
im Anschluss: Antifa-Festival Fight Back in der Desi mit Los Fastidios, Kurzer Prozess, What We Feel uvm.

Dieser Angriff ist sicherlich der schwerste Nazi-Angriff auf einen Antifa in Süddeutschland in den letzten Jahren. Der Angriff ist kein isolierter Vorfall, in den letzten Jahren gab es in Nürnberg Angriffe auf das DKP Büro und einen linken Buchladen oder Farbbeutel gegen die Wohnnungen von Antifaschist_innen. Anti-Antifa ist ein Schwerpunkt der Nürnberger Naziszene.
Mehr als genug Gründe, diesen Samstag nach Nürnberg zu fahren: Als Zeichen der Solidarität gegenüber dem Betroffenen und seinen Freund_innen und Verwandten, als Auftakt für wirksame Aktionen gegen die Nürnberger Faschos.

queer

„Das schöne an dem Begriff ‚queer‘ ist, das ihn jede für sich selbst füllen kann“ hat mir mal jemand gesagt. Allophilia darüber, wie mit dem Label queer ein Übergriff legitimiert wird.

Frohe Prozession

Scheiss auf den Kirchentag! Für den morgigen Donnerstag rufen diverse Freidenker_innen zu einer frohen Prozession auf, dazu „zu demonstrieren, dass ein fröhliches Leben und Denken unabhängig von Religion und Kirche möglich ist.“ Der Aufruf ist etwas nichtssagend, aber vielleicht wirds ja ganz nett.

Staatsbankrott! Staatsbankrott!

»… wenn die Demokraten die Regulierung der Staatsschulden verlangen, verlangen die Arbeiter den Staatsbankrott.« heisst es bei Marx, und wird von den Freundinnen der klassenlosen Gesellschaft zitiert. Ofenschlot liefert ein bisschen Einbettung.

Griechenland

Dieser indymedia-Artikel fasst einige Fakten zu dem tragischen Tod von drei Bankangestellten in Athen zusammen. Für mehr Hintergründe dürften die zwei Veranstaltungen der Karawane interessant sein: Da geht es um Staatsbankrott und soziale Kämpfe, aber auch um die Bemühungen hier ihr Grenzregime zu modernisieren. Vielleicht kommt die Kneipenschlägerei, die einige Maltesische Frontex-Offiziere anzettelten, auch vor.

Nix mit Terminüberschneidung! Dafür Singalong.

Meine Behauptung, die Antira-Demo heute und der Classess-Vortrag würden sich auschliessen, war total falsch. Die Demo war knackig, gut und kurz, mensch hätte es danach sicher noch zum Vortrag nach Dachau geschafft.

Genauso falsch ist meine Behauptng, mensch müsste sich am Donnerstag zwischen Theorie und Organisierung, also zwischen der Krisendiskussion und dem Soziale Kämpfe Plenum, entscheiden. Die Diskussion startet gegen 21:30 (Marat), das Plenum schon um 19:00 (Ligsalzstr. 8) . Zugegeben, da ist wenig Luft zwischen, aber doch genug für den kurzen Weg.

Auch für den Samtstag gibt es eine kleine Korrektur, bzw. Ergänzung. Neben der Antifademo in der Innenstadt und dem Bürgerfest neben der Naziroute gibt es noch eine Kundgebung vor dem Asyllager in der Tischlerstrase, an dem die Nazis vorbeiziehen wollen.

„We‘re not gonna take it!“ ist das Motto der Antifa-Demo, das ist auch der Titel eines Liedes. Wenn auch dieses Video mit dem schnöden ‚Damsel in distress‘ plot nicht ganz unproblematisch ist, hier nochmal zum grölen üben:

Zum Makss Damage-Lied „Tötet diese antideutschen Hurensöhne!“

Eigentlich müsste es keinen Grund geben, sich hier speziell an Makss Damage und seinem Lied „Antideutsche Hurensöhne“ abzuarbeiten. Das ist so offensichtlich mieser, menschenverachtender Gangster Rap, den nur verschrobene Stalinos ohne Musikgeschmack hören können. Es gibt hunderte ähnlich miese Tracks ohne Stalinismus, die mehr gehört werden, an denen sich Kritik mehr lohnen könnte. Das genau dieses Lied vor ein paar Monaten für einen Aufreger auf diversen linken blogs gut war, liegt denn auch nicht so sehr daran dass der Text, gemessen an sonstigem deutsche Gangster Rap, besonders eklig ist, sondern daran dass sich ein paar Blogger_innen irgendwie angesprochen gefühlt haben. Eine fundierte Kritik war bei diesen Diskussionen leider die Ausnahme – der Text ist so Scheisse, das disqualifiziert sich von selbst, war wohl die Annahme von vielen die dazu geschrieben haben. Ich dachte das auch, und habe mir ein posting dazu gespart.

In den letzten Wochen trug mir mein augedehntes Spionagenetz (dass wie alle Behörden ganz schön langsam ist) zu, dass auch hier, im nördlichsten Dorf Italiens, Leute die ich für politisch zurechnungsfähig gehalten habe den youtube Link weiterempfehlen. Vermutlich stehen die entsprechenden Kandidat_innen nicht hinter jeder einzelnen Vernichtungs- oder Vergewaltigungsandrohung in dem Lied, denken sich aber „Höh höh! Das geht gegen Antideutsche! Höh höh!“

Hier findet also, dank dem beliebten Feindbild Antideutsch, reaktionäre Kackscheisse Eingang in einen gewissen linken Diskurs. Offenbar muss ein paar Genoss_innen genauer erklärt werden, warum ein Text wie dieser gar nicht geht und so ungefähr alle linken Basics über Bord wirft.

Ich würde eher Adolf Hitler, Heinrich Himmler
und Ernst Röhm als euch links nennen!

„Die historischen Nazis waren schlimm, aber ihr seid noch schlimmer“ wäre die harmloseste Lesart. Faktisch sagt Makss Damage hier, dass ihm Nazis politisch näher sind als das Feindbild der Stunde. Dass Nazis als Mass für alles schlechte herhalten, zeigt dass sie an sich kein positiver Bezug sind. Immerhin.

Wer von Euch wird ausgegrenzt und fühlt sich scheiße? […]
Die meisten Antideutschen laufen rum, mit dunklen Brillen,
so als produzieren sie heimlich Kinderpornos in ’nem Hinterhof. […]
Kauf’n sich Hero am Cotti, so wie Endi von Egotronic. […]
antideutsche Hurensöhne!

Sozialdarwinismus pur. Wenn wer schwach ist, ausgegrenzt wird, irgenwie kriminell rüberkommt, Eltern in der Sexarbeit hat oder Drogen nimmt spricht das in den Augen von Makss Damage gegen die Person die hier ausgegrenzt wird, nicht gegen die Verhältnisse. Das ist die Schulhofvariante des CDU und FDP Credos, dass die Armen an ihrer Situation selber schuld sind und gefälligst für ihre schlechte Situation zu büssen haben.

ihr kommt vorbei und kassiert alle von uns Backpfeifen.
Kifferkids packt euer Pfefferspray weg, steckt Messer ein.
Ich warne euch, ab heute wird’s für euch besser sein.

Wie wir von einem konsequenten Dicknussmacker erwarten, besingt Makss damage seine eigene Stärke und Fähigkeit die Gegener_innen zu verkloppen – gemessen an anderen Battle Tracks sogar verhältnismässig moderat. Das hat nichs mit Zurückhaltung zu tun:

… wenn wir euch platttreten wie Kids ihre Kippen […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […] ich hau’ sie mit’nem Hammer tot. Trenn sie mit’ner Sichel durch. […] Tötet diese antideutschen Hurensöhne! […]

Ihm geht es nämlich nicht um Kampf, sondern um Vernichtung. Die Gegner_innen dienen nicht als Negativfolie, um die eigene Stärke zu beschwören, sie werden zu Müll erklärt und plattgetreten.

Und ich hau’ sie mit’nem Hammer tot.
Trenn sie mit’ner Sichel durch.
Fick’ erst ihre Mädchen durch!
Ist das nicht verwegen?
Fick’ dann ihre Jungs durch… Warte!
Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?

Zur Vernichtungsphantasie gehört auch sexualisierte Gewalt. Makss Damage findet Vergewaltigung in Ordnung, zur Durchsetzung einer bestimmten Hierarchie. Umgekehrt heisst das, dass er die patriarchalen Hierarchien, die so durchgesetzt werden, auch gut findet. Die Vergewaltigungsdrohung gilt damit nicht „nur“ den Antideutschen, sondern allen Frauen und allen, die nicht als „richtige“ Männer wahrgenommen werden. Das Makss Damage auf klare Geschlechterhierarchien steht verdeutlicht auch die Zeile „Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?“: Die angeblich fehlende Geschlechterdifferenz wird zum Makel erklärt, die antideutschen „Jungs“ werden durch die ihnen angedichetete Mädchenhaftigkeit zusätzlich abgewertet.

Dieser Text verrät mehr über den Autor, als über die „Antideutschen Hurensöhne“. Wenn es nach Maks Damage geht, oder nach irgendwem der sich in dem Text wiederfindet, sieht die Welt so aus: Brutalität ist geil. An Nazis ist irgendwas links, Kriminelle, Ausgegrenzte und Schwache sind selber schuld, das Patriarchat ist voll ok und kann mit sexualisierter Gewalt aufrechterhalten werden. Wer in dieser Ordnung als Feind erscheint, wird nicht einfach bekämpft, sondern entmenschlicht und vernichtet. Dieser Track macht Makss Damage, und die die ihn hören, nicht zu Nazis. Ein brutalisierter Sozialdarwinist ist schon schlimm genug, und zum linkssein gehört etwas mehr als „kein Nazi sein“ – davon abgesehen, dass es mindestens einen handfesteren Nazitrack von Makss Damage gibt. Durch sein restliches Schaffen höre ich mich nicht durch, dazu fehlt mir der Masochismus.

Linke Basics heissen so, weil sie das Fundament einer fortschrittlichen Weltanschauung bilden. Scheinbar sind diese Basics bei manchen dann einfach weg, wenn ein geeignetes Feindbild auftaucht: Manchmal gegenüber Nazis, hier weil es gegen die Antideutschen geht. Das ist erstmal absurd: Einmal weil orthodoxe Kommies genau dann dem Zerrbild, dass Antideutsche (vor allem die Landtideutschen) von ihnen zeichnen entsprechen wenn sie sich über diese echauffieren, ausserdem kriegen die Anti-Ds in München eh nicht mehr gebacken als sich selbst zu karikieren – wozu also die Aufregung?
Nur, wenn ein fortschrittlicher Anspruch (und jeder Musikgeschmack) weg ist, sobald ein albernes Feindbild auftaucht, ist das Problem grösser als Szeneperistaltik. Dann war der Anspruch von vornherein nicht so richtig gefestigt. Wenn ihr Linke seid und dem Kack von Makss Damage was abgewinnen konntet, habt ihr eine Hausaufgabe: Die von mir angerissenen Kritikpunkte ergänzen und weiterentwickeln. Wenn ihr die Welt zum Besseren verändern wollt, anstatt euch an absurden Feindbildern hochzuziehen, ist es das Mindeste, bei sich selbst anzufangen. Wenn euch die Feindbilder wichtiger sind, verpisst euch aus der Linken und geht zum Fussball.

P.s. Ein paar der Beiträge in linken Blogs: Abstrahieren, Im Moment vorbei, Captain Cosmus, Torsun, Willhelm Vandalism, Tous et Rien, Scheckkartenpunk, Tee, Reflexion.
Viele Beiträge blieben bei „Guckt mal, ekliges Lied“ stehen – schade, da so nur die Leute erreicht werden die die Kritk eh teilen. Und natürlich schade, dass es wenig Material für mich zum copy-pasten gab. Die fundierteste Diskussion gabs bei Analyse, Kritik und Aktion, alles Kluge über Hip Hop in diesem Artikel habe ich von Kommentatorin Maggi übernommen.

Direkte Aktionen in München

Auf Schweiz.Indy ist eine Dokumentation über diverse militante Aktionen in München aus dem letzten Jahr erschienen. Luzi-M, wo das ganze wohl auch veröffentlicht werden sollte, findet die Darstellung knapp und eher unpolitisch.

so sorry …

Sorry für das rumgespamme, wegen rätselhhafter Fehlermeldungen das letzte Posting ausversehen 4-mal ins Netz gestellt. Ich hoffe eure Feedreader sind nicht übergelaufen oder so.

Termine, Termine, Singalong!

Die Woche wird voll:
Am morgigen Dienstag referiert Classless Kulla in Dachau über Entschwörungstheorie, besser ist mensch wohl bei der Demo gegen Lagerzwang aufgehoben – eine Landtagsentscheidung über Lagerzwang für Flüchtlinge in Bayern steht bevor, nach dem Essenpaketeboykott geht es nun nochmal darum, viel Druck aufzubauen: Sendlinger Tor, 18:00

Mittwoch Abends im Marat ist dann eine Infoveranstaltung zum Naziaufmarsch am 8. Mai. Dass es für Gegenaktionen praktisch ist, sich in paar Tage vorher nochmal zu informieren, brauche ich ja nicht zu erwähnen.
Infoabend-Flyer

Der Donnerstag bietet wieder die Wahl: Um 19:00 in die Ligalz 8 zum nächsten offenen Treffen zu sozialen Kämpfen, oder später ins Antifa Cafe zur Diskussion mit La Banda Vaga über deren Thesen zur Krise. Für die Diskusion lohnt es sich sicher, die Thesen vorher mal zu lesen.
Update: Die Diskussionsveranstaltung fängt um 21:30 an, es ist also möglich zu beidem zu gehen.

Am Abend drauf lädt dann das Freitagskafe zur „Wer nicht reinfeiert hat verloren“-Party.

Am Samstag startet dann um 14:30 eine Demo gegen den Naziaufmarsch am Rindermarkt, danach geht es raus nach Fürstenried-West zum Nazi-Aufmarsch stoppen – was die Leute die da wohnen eh auch vorhaben, aber mensch kann ja mitmachen. Wo dann abends die Party steigt weiss ich nicht, ihr könnt ja mit Tips ergänzen. Die Antifademo am Nachmittag steht jedenfalls unter dem Motte „We‘re not gonna take it!“ – und das wollen wir dann auch hören: