Zur „Bye-Bye Multikulti“ – Veranstaltung in Augsburg

Ende dieses Monats lädt der Infoladen Augsburg Klaus Blees ein, um unter dem Titel „Bye, bye Multikulti – Es lebe Multikulti“ über „falsche Toleranz“ gegenüber dem Islam zu referieren. Dem Einladungstext nach will Blees einen „Rassismus mit antirassistischem Anstrich“ kritisieren. Tatsächlich könnter er da ganz gut bei sich selbst und seinem Zusammenhang, der Aktion 3. Welt Saar, anfangen. Diese veröffentlichte eine Flugschrift mit dem gleichen Titel wie die Veranstaltung. Wir können also davon ausgehen, das Veranstaltung wie Flugschrift einen ähnlichen Inhalt haben – zumal der Referent Mitautor ist – und deshalb interessiert uns auch die Kritik an der Flugschrift, die Achim Bühl in der AK formulierte:

Die VerfasserInnen des Textes zeichnen sich indes nicht nur durch ein hohes Maß an Konfusion, sondern auch durch ein (un)gehöriges Maß an Islamfeindlichkeit aus. Ihre Hauptstoßrichtung ist das „Hätschelkind Islam“. Zunächst einmal ließen sich die VerfasserInnen fragen, wo denn dieses „Hätschelkind Islam“ leben soll? Ihre überraschende Antwort lautet: in Deutschland, mitten unter uns. Nicht nur, dass die AutorInnen u.a. die Toten von Mölln und den Mord an der Apothekerin Marwa S. im Dresdner Landgericht bereits wieder vergessen haben, auch empirische Umfragen zur wachsenden Islamfeindlichkeit in Deutschland, Hass-Blogs wie u.a. die Website Politically Incorrect, die bereits über 30 Millionen BesucherInnen verzeichnet, Demos gegen den Bau von Moscheen, wissenschaftliche Studien, die belegen, wie schwer es für Muslime ist, in „besseren Stadtteilen“ eine Wohnung zu finden sowie für sogenannte „Kopftuchträgerinnen“ in Deutschland einen Arbeitsplatz zu erhalten – all das kennen oder reflektieren sie anscheinend nicht.

Wir halten fest, dass hier jemand über Rassismus und Antirassismus referieren soll, der den real exisiterenden, antimuslimische Rassismus der Mehrheitsgesellschaft leugnet:

Islamfeindlichkeit wird dergestalt betrachtet im Text der Flugschrift überhaupt nicht kritisch thematisiert, weil sie eine „Erfindung Teherans“ sei, eine Chimäre. Keinen einzigen Gedanken verwenden die AutorInnen darauf, sich einmal die durchaus schwierig zu beantwortende Frage zu stellen, wo denn genau die Grenze zwischen einer in einer säkularen Gesellschaft legitimen Islamkritik und einer Islamfeindlichkeit liegt. Für die VerfasserInnen ist die Antwort äußerst einfach, da „Islamophobie“ ein iranischer Kampfbegriff sei, den nur naive Lämmer übernehmen, die man zur Schlachtbank führt.

Bühl benennt auch eine weitere rassistische Argumentationsfigur der Aktion 3. Welt, die konsequente Gleichsetzung von Islam und Islamismus. Unterstellen wir einmal kurz, dass diese Leute sich nicht in den rassistischen Mainstream einreihen wollten – mit der Ausblendung des Rassismus der Mehrheitsgesellschaft, der Konstruktion eines monolithischen Islam als Gegenüber und der Kritik der an einer vermeintlichen Schwäche – „falsche Toleranz“ – der Mehrheitsgesellschaft gegenüber diesem „Anderen“ sind sie genau da.

Wenn diese Leute im Infoladen Augsburg auftreten, werden mal wieder rassistische Positionen in linken Kreisen hoffähig gemacht. So, wie die Augsbuger Szene derzeit beschaffen ist, leider keine Überraschung. Eine Intervention bei der ganzen Bäckerei lohnt sich vielleicht trotzdem. Wer, als Kleinstadtbewohner_in nicht um die Veranstalter_innen herumkommt, profitiert sicher von einer Auseinandersetzung mit antimuslimischem Rassismus – ich lege euch mal diesen Text von der Gruppe Soziale Kämpfe Berlin ans Herz.

Und alle aus Augsburg, die den 30.4 lieber nicht mit rassistischen Trotteln in einem linken Zentrum verbringen wollen, werden an diesem Abend in München mit offenen Armen empfangen und mit lecker Essen, Demos, Getränken und Musik versorgt. Versprochen.


1 Antwort auf “Zur „Bye-Bye Multikulti“ – Veranstaltung in Augsburg”


  1. 1 ismail 12. April 2010 um 22:15 Uhr

    In der aktuellen analyse&kritik ist auch ein Artikel zum Thema Islamophobie und Islamismus:
    „Was tun gegen „Islamophobie“? Feindschaft gegenüber Muslimen und die Schwierigkeiten emanzipatorischer Antworten“

    http://kuepeli.blogsport.de/2010/03/24/feindschaft-gegenueber-muslimen-und-die-schwierigkeiten-einer-emanzipatorischen-perspektive/

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