talkin‘ bout a revolution

Der zweite Aufruf für die Abenddemo am 30.4 ist da. Nachdem sehr szenigen Kurzaufruf des Bündnisses hat die Antifa NT einen sehr szenigen Langaufruf vorgelegt: talkin‘ bout a revolution
talkin' bout a revolution

Langaufruf ist hierbei kein Witz, spontan fällt mir kein Aufruf der letzten Jahre ein der mit einer dermassenen Textfülle daher kommt. Wer hier agitiert werden will, muss schon etwas Fleiss mitbringen. Lang ist der Text aber nicht, weil die NT’s rumschwafeln, sondern wegen der Themenfülle:
Es geht um den ersten Mai, den 30. April und den 29. Februar. Es geht um einen Wissenschaftsbetrieb, der die Verhältnisse betoniert. Es geht um den Realsozialismus. Es geht um Arbeit, und darum was Arbeitsethos mit Antiziganismus zu tun hat, und natürlich wird zum Schluss nochmal erklärt warum Antifa auch heissen muss, um ein ganz anderes Ganzes zu kämpfen.

Zu dem Absatz über den ersten Mai gäbe es mehr zu sagen, ein andermal.
Gut fand ich den Absatz zu Arbeit und Arbeitsethos. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Herleitung von Antiziganismus, die dann gemacht wird, so ganz teile, finde es aber gut wenn ein eher randständiges Thema etwas mehr Raum bekommt. Die Abhandlung zum Wissenschaftsbetrieb – an der ich inhaltlich erstmal nichts auszusetzen habe – wäre im Aufruf gegen einen Soziologie-Kongress vielleicht angebracht, warum das in diesem Demoaufruf drinsteht ist mir total schleierhaft.

Beim Lesen des Aufrufs drängte sich mir schnell das Bild auf, wie die NTs zusammensitzen, Themen für den Aufruf brainstormen, alles ganz locker, konstruktive Atmosphäre und viele Ideen. Und dann soll es ans Streichen und Kürzen gehen, aber blöderweise hat der Genosse den Rotstift vergessen. Sei es wie es sei – ich bin ziemlich zuversichtlich, dass die Demo am 30.4 cool wird, und tatsächlich dazu beitragen kann, neue Stile an linksradikalen Ausdrücken in München zu verbreiten. Wenn das, und ein wo auch immer verbrachter erster Mai, hinter uns liegen, reden wir mal darüber ob es wirklich keine besseren Wege als Aufrufe gibt, um Analyse und Kritik unter die Leute zu bringen.