Archiv für April 2010

Workshop zu Sex, äh Homophobie in der Linken

Der eingerückte, englischsprachige Teil beschreibt ziemlich exlizit einvernehmlichen Sex. Wer so deutliche Darstellungen nicht mag, liest nach der Einrückung weiter.

He paused before entering me, his cock almost but not quite touching my pussy. „Do you want this?“ he asked, breathily, and waited.

Well, that’s a silly question; I was naked on the bed in front of him, face down ass up and spreading myself open for him, and thirty seconds previous I had been sucking his cock. And it could pass for just dirty talk, blending in rather seamlessly with less consequential questions about do I like his big cock and am I a naughty little slut.

But I liked it because it showed beautifully how easy, and how crucial, explicit enthusiastic consent is.

[…]

I could have said yes. I could have said no. I could have said „hang on, let’s talk.“ I had power over what would happen to me.

[…]

Consent isn‘t just an ugly little prerequisite to sexiness. Consent, breathed out in an „oh yes, oh please yes,“ is in itself sexy.

(pervocracy) Vollkommen absurd, den Bericht zu einem workshop über Homophobie in der Linken auf dem Ladyfest mit hetero-Porno einzuläuten. Was das soll, erkläre ich weiter unten, zunächst zum Workshop:

Der Referent präsentierte einen Überblick darüber was Homophobie ist (inklusive einer Kritik an dem Begriff), über verschiedene homophobe Ideologiefragmente in diversen Linken (Weimarer-Republik Kommies, die die SA schwul finden, Kommies die Homosexualität als kapitalistische Dekadenz abtun). Weiter gings mit einer Beschreibung von Homophobie bzw. Heteronormativität in der heutigen linksradikalen Szene. Weniger ausführlich findet ihr die Beobachtungen auch in diesem Radio-Interview (via). Ich würde den Vortrag grob so zusammenfassen: In der Linken gibt es ein gewisses Bewusstsein was Sexismus und Homophobie angeht, offen homophobe Äusserungen sind eher selten. Wenn sich wer homophob äussert, geht die Person oft davon aus dass eh keine Schwulen in der Nähe sind die sich angesprochen fühlen könnten. Umgekehrt sind manche Genoss_innen in ihrem Redeverhalten extra vorsichtig, wenn sie wissentlich nicht in einer reinen hetero-Runde sitzen. Häufiger als offene, ablehnende Homophobie in der Linken sind Stereotype und Nicht-wissen. In der Diskussion wurde noch benannt, dass das Anstarren schmusender Männer auch eine eher ungemütliche Atmosphäre schafft. Insgesamt ist ein linksradikaler Rahmen nicht einladend für ein coming-out, viele suchen sich dafür ein anderes Umfeld. Und bleiben dann auch von der Szene weg.

In der Diskussion wurde bemängelt, dass der Vortrag nur über die Situation von Männern ging – eine Schwäche, die dem Referenten durchaus bewusst war. Eine lebhafte Diskusssion kam leider nicht zustande – meiner Meinung nach auch deshalb, weil sich die provokant gemeinten Thesen dann doch zu schlüssig und logisch aus dem Vortrag ergaben. Eine davon will ich hier vorstellen:
Heterosexistische Stereotype sind in der Linken präsent, weil es zwar einen linken Diskurs über Sexismus gibt, aber keinen über Sexualität. Unsere Aufklärung holen wir uns, mangels Alternativen, dann doch in Hollywood oder bei Pornos – und lernen dabei den ganzen Mainstream-Scheiss. Früher (die 68er Jahre) hat es mehr linke Auseinandersetzung mit Sexualität gegeben. Da war dann auch viel sexistischer Scheiss dabei, aber immerhin gab es irgendeine Auseinandersetzung.

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich noch zitiere oder schon den Gedanken weiterspinne, wenn ich schreibe dass linker Antisexismus, wie er derzeit praktiziert wird, einer Auseinandersetzung mit Sexualität im Wege steht – nicht weil linker Antisexismus dem Inhalt nach lustfeindlich oder so was wäre, sondern weil die Praxis mit Fettnäpfchen vermeiden und Nichts-falsches-sagen anfängt. Dieses Nichts-falsches-sagen hat einen sinnvollen Kern, nämlich einen sensiblen Umgang mit Äusserungen die anderen zu nahe gehen können. Nichts-falsches-sagen ist aber auch das einfachste antisexistische Lippenbekenntnis für alle, die eine ernsthafte Reflektion vermeiden wollen.

Es gibt noch andere, gute und schlechte Gründe für ein Unbehagen mit linken Sexualitätsdiskursen: Abgrenzung vom Reden über „befreite Sexualität“ und ähnlichem Kommune-1 Quatsch, keine Lust darauf sich von der eh schon anspruchsvollen Szene auch noch da reinreden zu lassen, sich die Beziehung als Rückzugsort vor der anstrengenden Polit-Posse zu erhalten und natürlich die schiere Peinlichkeit, die an dem ganzen Thema dranhängt.

Wie ein Rahmen für solche Diskussionen aussehen könnte wäre ein eigenes Thema. Ein Anfang wären mehr gute Texte dazu im linken Diskurs, mit den entprechenden Diskussionen darüber was in diesem Zusammenhang „gut“ heisst. Ein andere Anfang wäre ein anonymer oder vertraulicher, geschützter Rahmen für direkte Gespräche und einen kollektiven Reflektionsprozess.

Um zu guter Letzt zu erklären, was jetzt der Einstiegsporno in diesem Beitrag soll: Das Zustimmungskonzept wurde in der Diskussion beim workhop als ein praktischer Zugang zu Sexualität erwähnt, spontan viel mir dazu der obige pervocrazy-Artikel ein auf den kurz davor via classless (und etwas herumklicken) gestossen bin. Das Zitat am Anfang ist nicht als Provo gedacht, sondern als Frage: Was ist ok, was ist sagbar in einem linkem Rahmen/Medium? Warum, warum nicht? Braucht es mit solchen Texten einen anderen Umgang als mit Kochrezepten? Will überhaupt irgendwer im politischen Rahmen über Sexualität lesen oder gar reden? Ich bin gespannt auf weitere Fragen.

Feste Feiern wie sie fallen revisited

Vor einiger Zeit hatte ich die Feierlaune, die bei Linken aufkommt wenn deutsche Ssoldat_innen fallen kritisiert. Vor kurzem gab es in Berlin Razzien, eben wegen des Aufrufs, an Tagen an denen Bundeswehrler_innen in Afghanistan sterben am Ehrenmal in Berlin Sekt zu trinken.
feste feiern wie sie fallen
In diesem Zusammenhang wurde wer von der DFG-VK interviewt, und reagiert dabei auch auf die linke Kritik an ihrer Kampagne:

Der Aufruf stieß ja auch in der linken Szene auf geteilte Reaktionen. Was waren denn Ihre Beweggründe?
Die Bundeswehr führt einen ehrlosen Krieg. Sie ist als Besatzungsarmee in Afghanistan einmarschiert und trifft zwangsläufig auf bewaffneten Widerstand. Ihre Aufstandsbekämpfung wird immer brutaler, das haben wir ja beim Massaker vom Kundus-Fluß im letzten Jahr gesehen, wo bis zu 140 Menschen unterschiedslos umgebracht wurden – »vernichtet«, wie Oberst Georg Klein das genannt hat; das Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde ja am gestrigen Montag eingestellt.

Lebensrecht und Sicherheitsgefühl der Afghanen, um die Wortwahl der Staatsanwaltschaft aufzugreifen, werden von der Bundeswehr Tag für Tag verneint. Aber stirbt ein deutscher Soldat, kriegt er seinen Heldenplatz im Ehrenmal. Das ist doch pervers! Wer ohne Not in ein anderes Land einmarschiert, dem sprechen wir jegliche Berechtigung ab, sein Handeln für ruhmreich zu halten.

Die Bundeswehrführung versucht, Soldaten mit öffentlichen Gelöbnissen, der Verleihung von Tapferkeitsmedaillen im Eisernen-Kreuz-Stil und eben mit dem Ehrenmal zu heroisieren. Wenn Politiker fast aller Parteien ständig betonen, daß die Soldaten den Rückhalt der Gesellschaft benötigen, um motiviert und erfolgreich ins Gefecht zu ziehen, sagen wir: Nein, den verdienen sie nicht, sie verdienen nicht Ruhm und Ehre, sondern Verachtung.

Das wird Soldaten aber nicht bekehren.

Nein, aktive Soldaten kaum. Aber eine solche Verächtlichmachung kann vielleicht Jugendliche, davon abhalten, zur Bundeswehr zu gehen. Und schließlich wollen wir Friedensbewegte ansprechen. Denn der Krieg dauert jetzt fast neun Jahre, unsere Aktionsformen aber stagnieren viel zu sehr auf dem Niveau der alten »Friedenszeiten« in den 1980ern. Wir brauchen neue Ideen, neue Kampagnen, und wir alle müssen uns fragen, wie wir die Heimatfront schwächen können.

p.s. Bamm.de, wo wohl der Aufruf auch veröffenticht wurde, ist derzeit nicht online – wohl wegen der Razzien. Als blogbetreiber merk ich mir: Evtl. umstrittene Motive nicht von verwundbaren Sites einbetten. Also entweder auf den eigenen blog hochladen – das schlimmste was passieren kann, ist ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt und die dauerhafte Abschaltung dieses blogs. Alternativ (hab ich aus Faulheit gemacht) kann mensch auch das Bildmotiv von einer Repressionsgeschützten Seite, hier welt.de indymedia, einbinden. Die letzte Alternative wäre es, auf das evtl. strafrechtlich relevante Bild zu verzichten, also Selbstzensur um der Zensur zu entgehen. Und das wäre völliger Blödsinn.

Medien, Sicherheit und Spuren

Bei Medium gibt es zwei interessant Artikel zu den Datenspuren, die beim Gebrauch mancher physischer Medien entstehen. Einmal geht es um Laserdrucker, die Seiten mit fast unsichtbaren Seriennummern- und Zeitstempeln versehen. Beim anderen geht es um die internen Festplatten von Kopierern, die sich merken was so kopiert wurde. An sich ein echter Grund, beim Verschrotten von Kopieren sich der Festplatte extra anzunehmen – auch wenn die meisten Linken Gruppen, Infoläden etc. teuer zu entsorgende Elektrogeräte wie Kopierer sowieso in einer konspirativen Aktion im Wald abstellen, wo kein Bulle oder Nazi nach ihnen sucht. Aber auch handschriftlich gibt es eindeutige Datenspuren, z.B. wenn mensch sich – warum auch immer – einen dieser speziellen Füller mit „Personal Code Ink“ gekauft hat. Darin ist die Tinte chemisch kodiert, und somit jede Unterschrift und Kritzelei eindeutig diesem Füller zuzordnen. Ähnlich im grossen – bestimmte Bilder, wie das, das neulich auf eine Berliner Nazikneipe gemalt wurde, weisen auf bestimmte Werkzeuge hin:
Nazikneipe
Die Expert_innenrunde bei indymedia war sich jedenfalls schnell einig, dass hier ein modifizierter Feuerlöscher zum Einsatz kam. Wer jetzt Lust hat, auch sowas zu bauen und damit sich und die Nachbarschaft einzusauen, guckt sich am besten dieses Video an. Nur Spuren vermeiden, dafür ist das Gerät nicht geeignet.

Ladyfest!

Kommendes Wochenende ist, zwei Jahre nach dem ersten, das zweite Ladyfest in München. Einen Überblick und eine Einstimmung findet ihr bei Luzi-M, deshalb fasse ich mich hier kurz. Gut finde ich, dass mehr inhaltliche Veranstaltungen ihren Weg ins workshopprogramm gefunden haben als das letzte mal. Die Ausstellungen habe ich noch nicht gesehen – bis auf die vielen coolen neuen Aufkleber, mit denen jemand das Marat zugebombt hat. Was das Musikprogramm angeht – hört selbst, hier gibt es einen kleinen Player zum reinschnuppern. Bis in ein paar Tagen!

The Danger of a single Story

Ich tue mich schwer damit, die Veranstaltung 125 Jahre Berliner Afrikakonferenz zusammenzufassen. Stattdessen gibt es ein kleines Filmchen, dass auch Teil des einen Vortrages war: „The danger of a single story“, ein 20 min. kurzer Vortrag von Chimamanda Adichie. Die nigerianische Schriftstellerin erklärt darin relativ prägnant, wie rassistische und andere Stereotypbildung funktioniert, ohne wissenschaftlich zu werden. Als kleine diskurstheoretische Einführung sehenswert, ausserdem scheint sie eine ganz coole Person zu sein:

Was mir noch fehlt, ist der Gedanke, dass wenn mal so eine single story etabliert ist, auch eher Geschichten erzählt werden die diese bestärken. Was auch fehlt, ist dass manche an bestimmten single stories festhalten wollen, und andere Erzählungen schlichtweg nicht wahrnehmen.

Adichie schlägt als Strategie gegen die etablierten single stories vor, mehr verschiedene Geschichten zu erzählen. Das ist, zugegebnermassen, keine neue Idee. Aber eine ganz gute, und eine für die blogs gut geeignet sind. Deshalb will hier zum Abschluss Werbung für drei Projekte machen, die der herrschenden Erzählung über Migration andere Geschichten entgegensetzen:
Jogspace.net ist die Präsenz der Migrant_innen Selbstorganisation Jugeendliche ohne Grenzen, komplett mit eigener blogging-Plattform: planet.jogspace.net. Leider sind viele der Jogblogger_innen etwas inaktiv, mit zwei Ausnahmen. Birds of Immigrants und Schengendanglehier schonmal vorgestellt – sind Kollektivblogs von Flüchtlingen, die sich gerade mit dem europäischem Grenzregime herumschlagen. Kennt ihr ähnliche Versuche, den hiesigen rassistischen Erzählungen etwas entgegenzusetzen? Nur her damit!

PAKT-Selbstverständnis unter der Lupe

Bei medium wird über das Selbstverständnis von PAKT, einer etwa seit letztem Sommer aktiven Gruppe in München, diskutiert.

Und Schwupps.

Mittwoch Abend sprach es sich ja schon rum: Münchens Nazis haben Räume angemietet und wollen ein „Nationales Jugendzentrum“ eröffnen … und sind die Räume laut Aida schon wieder los:

Anwohner_innen, Nachbar_innen und Mitnutzer_innen der Gewerbeimmobile waren a.i.d.a. gegenüber entsetzt über die neonazistische Anmietung und kündigten Proteste an. Geschockt war zunächst auch der von den Neonazis offensichtlich getäuschte Vermieter der Forstenrieder Immobilie nachdem er von Medienvertreter_innen kontaktiert worden war. Das vermietende Immobilienunternehmen zog seinen Rechtsbeistand hinzu und zeigte nur wenige Stunden später Zivilcourage: Der mit dem NPD-Funktionär Roland Wuttke geschlossene Mietvertrag wurde noch am Nachmittag des 14. April 2010 wieder fristlos gekündigt.

Keine Ahnung, wie die auf ca. 80m² ein „Versammlungshaus“ unterbringen wollten. Aber schön dass bei den Faschos, nachdem sie ich nicht mehr im Glaskasten treffen können, wieder Raumnot herrscht. Auch schön, dass 3 Nazikader am gleichen Tag gegenüber ihrer Nachbarschaft geoutet wurden.

No Border

Mit „No Border – Mit dem rassistischem Normalzustand brechen“ hat die r | antifajugend münchen ihren Beitrag zum grossen 30.4 Aufruf-Buffet abgeliefert.

Inhaltlich geht es hier um Rassismus in Schule, Arbeit und Gesellschaft. Die r|am nutzt den 30.4, um sich mal zu einem Thema zu äussern, das im Tagesgeschäft einer Jugendantifa sonst nicht vorkommt. Leider ist das ganze etwas gestückelt, ein roter Faden und etwas mehr Erklärung wie das alles zusammenhängt fehlt mir. Schade insofern, weil Rassismus im kampagnenpolitischen, autonomen Diskurs sonst dann vorkommt, wenn es gegen staatlichen Rassismus geht, oder darum den eigenen Antifaschismus zu begründen – wodurch dann eben Bildungsbereich und Arbeit ausgeblendet werden. Ein Thema also, das etwas mehr Überlegung und auch ein paar mehr Zeilen Text verdient hätte.

Keine halben Sachen!

Der nächste 30.4 Aufruf ist da, vom aka_muc: Keine halben Sachen! Darin wird angerissen, was eine Überakkumulationskrise ist, ohne den Begriff Akkumulation zu verwenden. Die Krise wird so erklärt:

Ein wesentlicher Teil der Waren wird vernichtet um den Marktpreis stabil zu halten, da durch eine Überproduktion das Angebot höher liegt als die Nachfrage, was wiederum den Preis der Waren senkt. Der Markt ist hoffnungslos übersättigt und die dadurch entstandene Überproduktionskrise ist die Ursache von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Lohnarbeiter_innen erhalten für ihre Arbeit einen Gegenwert, der im Endeffekt in 5 Stunden pro Woche erzeugt werden könnte. Der „Rest“ der geleisteten Arbeit sind im momentan bestehenden System die Gewinne der Kapitaleigner (Mehrwert) und die Kosten der Institutionen wie z.B. Steuern an den Staat.

Diese Erklärung geht daran vorbei, dass auch in kapitalistischen Wachstumsphasen, wenn keine Güter vernichtet werden müssen um Preise stabil zu halten, Ausbeutung und Mehrwertabpressung herrschen. Ausserdem geht es hier wohl nur um „Güterproduzierende Arbeit“, reproduktive Tätigkeit wird mal wieder unsichtbar gemacht. Eine genauere Kritik und Erklärung reiche ich vielleicht nach, ansonsten ist die Kommentarspalte offen.

Den Kapitalismus über die Arbeitszeit zu erklären ist also sperrig und ungenau – wenn es um die Utopie einer befreiten Gesellschaft geht, klappt das wieder ganz gut:

Mit einer Verbreitung modernster umweltschonender Produktionsmittel zur Anhebung der Produktivität, der Abschaffung des eigentumbasierten Handels und des Privateigentums an Grund, Boden und Produktionsmitteln könnten wir mit nur 5 Stunden Arbeit pro Woche leben. Und dies ganz ohne jegliche Einbußen bei Luxus und Lebensstandart.

Wir können uns darüber streiten, ob wir nach der Revolution 3 oder 7 Stunden die Woche mit „Tomaten ernten, Kanalisationen reinigen und Wäsche waschen“ (NT) verbringen. Wir müssen uns sicherlich darüber streiten, was gleicher Luxus und Lebensstandart nach dem Kapitalismus heissen – SUVs für alle schon mal nicht, zumindest wenns nach mir geht. Das coole an der 5 Stunden-Woche als Argumentationsmuster ist, dass sie die befreite Gesellschaft ein Stückchen näher in den Fokus und die Vorstellungskraft rückt als die abstrakte Rede davon, dass im Kommunismus sowieso alles ganz anders ist. Um diese Utopie auch sichtbar zu machen, kommt der aka_muc im Bademantel:

Warum ein Bademantel? Der Bademantel ist ein Kleidungsstück, welches Entspannung, Zufriedenheit und Wohlbefinden impliziert! Wir möchten in Zukunft nicht mehr 40 oder mehr Stunden pro Woche unserer wertvollen Zeit an die kapitalistische Produktionsweise verlieren, sondern selbstbestimmt für unsere Bedürfnisse produzieren!

Zur „Bye-Bye Multikulti“ – Veranstaltung in Augsburg

Ende dieses Monats lädt der Infoladen Augsburg Klaus Blees ein, um unter dem Titel „Bye, bye Multikulti – Es lebe Multikulti“ über „falsche Toleranz“ gegenüber dem Islam zu referieren. Dem Einladungstext nach will Blees einen „Rassismus mit antirassistischem Anstrich“ kritisieren. Tatsächlich könnter er da ganz gut bei sich selbst und seinem Zusammenhang, der Aktion 3. Welt Saar, anfangen. Diese veröffentlichte eine Flugschrift mit dem gleichen Titel wie die Veranstaltung. Wir können also davon ausgehen, das Veranstaltung wie Flugschrift einen ähnlichen Inhalt haben – zumal der Referent Mitautor ist – und deshalb interessiert uns auch die Kritik an der Flugschrift, die Achim Bühl in der AK formulierte:

Die VerfasserInnen des Textes zeichnen sich indes nicht nur durch ein hohes Maß an Konfusion, sondern auch durch ein (un)gehöriges Maß an Islamfeindlichkeit aus. Ihre Hauptstoßrichtung ist das „Hätschelkind Islam“. Zunächst einmal ließen sich die VerfasserInnen fragen, wo denn dieses „Hätschelkind Islam“ leben soll? Ihre überraschende Antwort lautet: in Deutschland, mitten unter uns. Nicht nur, dass die AutorInnen u.a. die Toten von Mölln und den Mord an der Apothekerin Marwa S. im Dresdner Landgericht bereits wieder vergessen haben, auch empirische Umfragen zur wachsenden Islamfeindlichkeit in Deutschland, Hass-Blogs wie u.a. die Website Politically Incorrect, die bereits über 30 Millionen BesucherInnen verzeichnet, Demos gegen den Bau von Moscheen, wissenschaftliche Studien, die belegen, wie schwer es für Muslime ist, in „besseren Stadtteilen“ eine Wohnung zu finden sowie für sogenannte „Kopftuchträgerinnen“ in Deutschland einen Arbeitsplatz zu erhalten – all das kennen oder reflektieren sie anscheinend nicht.

Wir halten fest, dass hier jemand über Rassismus und Antirassismus referieren soll, der den real exisiterenden, antimuslimische Rassismus der Mehrheitsgesellschaft leugnet:

Islamfeindlichkeit wird dergestalt betrachtet im Text der Flugschrift überhaupt nicht kritisch thematisiert, weil sie eine „Erfindung Teherans“ sei, eine Chimäre. Keinen einzigen Gedanken verwenden die AutorInnen darauf, sich einmal die durchaus schwierig zu beantwortende Frage zu stellen, wo denn genau die Grenze zwischen einer in einer säkularen Gesellschaft legitimen Islamkritik und einer Islamfeindlichkeit liegt. Für die VerfasserInnen ist die Antwort äußerst einfach, da „Islamophobie“ ein iranischer Kampfbegriff sei, den nur naive Lämmer übernehmen, die man zur Schlachtbank führt.

Bühl benennt auch eine weitere rassistische Argumentationsfigur der Aktion 3. Welt, die konsequente Gleichsetzung von Islam und Islamismus. Unterstellen wir einmal kurz, dass diese Leute sich nicht in den rassistischen Mainstream einreihen wollten – mit der Ausblendung des Rassismus der Mehrheitsgesellschaft, der Konstruktion eines monolithischen Islam als Gegenüber und der Kritik der an einer vermeintlichen Schwäche – „falsche Toleranz“ – der Mehrheitsgesellschaft gegenüber diesem „Anderen“ sind sie genau da.

Wenn diese Leute im Infoladen Augsburg auftreten, werden mal wieder rassistische Positionen in linken Kreisen hoffähig gemacht. So, wie die Augsbuger Szene derzeit beschaffen ist, leider keine Überraschung. Eine Intervention bei der ganzen Bäckerei lohnt sich vielleicht trotzdem. Wer, als Kleinstadtbewohner_in nicht um die Veranstalter_innen herumkommt, profitiert sicher von einer Auseinandersetzung mit antimuslimischem Rassismus – ich lege euch mal diesen Text von der Gruppe Soziale Kämpfe Berlin ans Herz.

Und alle aus Augsburg, die den 30.4 lieber nicht mit rassistischen Trotteln in einem linken Zentrum verbringen wollen, werden an diesem Abend in München mit offenen Armen empfangen und mit lecker Essen, Demos, Getränken und Musik versorgt. Versprochen.