Ali Shirasi über die Stimmung in der Opposition vor den Wahlen: einmal ein kurzer Bericht über eine Veranstaltung an der Teheraner Polyteschnischen Hochschule Amir-Kabir, einmal über pro-Mussawi Kundgebungen die in der Beschreibung stark an eine reclaim the streets erinnern.
Dabei scheint Mussavi unter den protestierenden nicht der uneingeschränkt beliebte Hoffnungsträger zu sein:
Zweifellos finden sich unter den Protestierenden viele Menschen, die sich erneut der Illusion hingaben, dass die Islamische Republik durch einen Personalwechsel reformierbar sei und so leidenschaftlich für Mousavi, der zumindest den unpopulären Tugendterrorismus herunterzuschrauben versprach, trommelten. Bereits in den Monaten vor dem 12. Juni, haben Studierende immer wieder auf die Verstrickungen Mousavis – als Ministerpräsident zwischen 1981 und 1989 – in die grausigen Verbrechen des Regimes – etwa in die Exekutionen zehntausender Politischer Gefangener – lautstark hingewiesen. Der „Green Bloc“ der (noch) Mousavi-Sympathisanten ist augenfällig nur ein Teil der Protestbewegung, die Farbe Grün ist eher ein Farbtupfer als ein Farbenmeer von Demonstranten.
schreibt cosmoproletarian solidarity, leider ohne Quellenangaben.
Laut einem Bericht auf revolutionary road (wo mensch viele Bilder und Videos findet) sind die mit Abstand am häufigsten gerufenen Parolen „Tod dem Diktator“ und „Nieder mit dem Diktator“, was dafür spricht das hier nicht nur enttäuschte Mussavi-Anhänger_innen unterwegs sind.
In einer vor der Wahl veröffentlichten Erklärung einer Teheraner Busfahrergewerkschaft wird davon abgeraten, sich von irgendeinem Kandidtaten viele Verbesserungen für die Arbeiter_innen zu erwarten, gleichzeitig riefen die Busfahrer_innen dazu auf, soziale Rechte und die Repression gegen die Arbeiter_innenbewegung im Wahlkampf stärker zu thematisieren und von den Kandidaten klare Ansagen dazu einzufordern.
Die Workers-Communist Party of Iran hat vermutlich gerade besseres zu tun, als Texte ins Internet zu stellen. Zwei kurze Aufrufe ordentlich Revolution zu machen, und dem Regime keine Atempause zu lassen, für mehr war wohl noch keine Zeit.
Bislang habe ich im Netz keine zusammenfassende Einschätzung gefunden, vieles spricht aber dafür dass es den Leuten, die jetzt in Teheran und anderen Städten auf den Strassen sind um mehr geht als nur eine verlorene Wahl.
An Soliaktionen in Deutschland ist mir bislang nur eine Kundgebung am gestrigen Sonntag vor der Botschaft in Berlin bekannt, die Workers Communist Party hatte zu Solikundgebungen aufgerufen. Das Konsulat in München jedenfalls ist in der Mauerkirchnerstr. 59, (Oberföhring) falls wer einen unfreundlichen Besuch erwägt.
Zu den radikalemanzipatorischen Anti-Mousavi-Protesten vor dem 12. Juni siehe u.a. hier:
http://shooresh1917.blogspot.com/2009/05/students-grill-moussavi-about-1988.html
http://shooresh1917.blogspot.com/2009/05/on-tuesday-students-of-qazvin.html
Des Weiteren sieht man an den Parolen und Plakaten, etwa bei den hitzigen Protesten an den Teheraner Universitäten seit dem 12. Juni, dass viele der Protestierenden auch Hossein Mousavi als einen Teil des menschenverachtenden Regimes, das unter der „Islamischen Republik“ firmiert, sehen. Siehe hierzu auch das umfangreiche Bild- und Videomaterial von „Revolutionary Road“.
interessanter Text von der Krisis-Homepage zu den Fraktionierungen im Staatsapparat: http://www.krisis.org/2009/unter-dem-allgemeinen-besten-der-iranische-praesident-und-seine-institutionellen-verflechtungen