Archiv für Februar 2009

Togo-Veranstaltung

Kommenden Mittwoch, 18.02, ab 20:30 im Kafe Marat – Ein Aktivist, der einige Monate in Togo als Deutschlehrer gearbeitet hatte, berichtet über dortige zoziale Bewegungen.

Antifa heisst zweierlei Bündnispolitik

Im aktuellen AIB ist, neben einem Beitrag zur Antifa heisst … Debatte, auch ein Streitgespräch zwischen zwei Kölner Antifagruppen dokumentiert. Die eine hat sich nach der Verhinderung des rassistischen Anti-Islam Konferenz der IL angeschlossen, die andere dem Ums Ganze-Bündnis.

Das Gespräch spannt ganz gut auf, wie verschiedene Positionen zu linksradikaler Bündnispolitik aussehen können, was m.E. nach das lesenswerte daran ausmacht.
Die IL-Gruppe AKKU hat dabei auf gewaltfreie Blockaden, getragen von einem breiten Bündnis gesetzt, und sieht das auch als die richtige Heransgehensweise an:

Der 20. 9. hat gezeigt, dass so eine Bündnisorientierung total erfolgreich sein kann, weil die Bündnispartner sich politisiert und auch radikalisiert haben. Die haben letztendlich Sachen gemacht und mitgetragen, die sie am Anfang strikt abgelehnt hätten. Und letztlich waren das die Leute, die mit uns am vehementesten blockiert haben und am ehesten den Nazis den Weg nach Hause gezeigt haben. Und genau so ein Politisierungsprozess über die Organisierung von Aktionen ist durchaus auch inhaltlich. Auch das Anknüpfen an Heiligendamm oder Blockaden von Naziaufmärschen ist eine inhaltliche Aussage.

Der Antifa AK setzte eher auf eine starke Profil als radikale Linke, und würde wohl Aktionen die über gewaltfreie Blockaden hinausgehen mehr Raum einräumen:

Wir sehen aber noch ein weiteres Problem in Bündnissen mit Akteuren aus der nicht linksradikalen Ecke, welches sich auch im September ganz klar gezeigt hat, nämlich dass in solchen Bündnissen die eigenen linksradikalen Positionen häufig vollkommen verschwinden.
[…]
zum Beispiel die Verklärung des Staates zum neutralen Akteur (ziviler Ungehorsam), vonstatten geht und überhaupt keine linksradikalen Positionen mehr erscheinen. Das hat dann im Nachgang häufig zur Folge, dass die Einbindung von Leuten in die eigenen linksradikalen Strukturen gar nicht mehr möglich ist, da diese keinen Unterschied mehr darin sehen, ob sie bei Antifa, Attac oder DGB organisiert sind. […]
Wir stehen auch für die Intervention ein, wir wollen uns auch die Hände schmutzig machen, glauben aber nicht, dass das über Bündnisoptionen geschehen muss

Unteranderem kritisiert der Antifa AK die Überhöhung der gewaltfreien Blockaden zum nonplusultra der Aktionsformen, was auch schon von anderen nach dem G8 bemängelt wurde:

Es braucht eine Flexibilität in der Wahl der Mittel, die es uns ermöglicht, ohne Scheuklappen die jeweils situationsadäquate Aktionsform anzuwenden. Konkret heißt das für uns im Nachhinein trotz unserer vorherigen Skepsis anzuerkennen, dass BlockG8 wohl die angemessenste, weil massenkompatibelste und symbolisch (und wohl auch materiell) effektivste Handlungsform für die Blockadetage war. Das heißt aber auch reale Differenzen stehen zu lassen und nicht anzufangen nun zivilen Ungehorsam in militantes Agieren umzudichten wie es jetzt zum Teil (siehe Swing-Interview vom 3.07. von Knut(10)) gemacht wird, dementsprechend sollten wir die Blockaden nicht als Zielpunkt sondern als Etappe auf dem Weg zu einer radikalen Massenpraxis begreifen. Denn, nicht nur militantes Agieren kann politisch sinnvoll sein, aber eine Bewegung, in der Begriffe für konfrontatives Handeln zunehmend auf eine non-konfrontative Praxis angewendet werden, befindet sich entweder in einem Prozess der (verbalradikalen) Domestizierung, oder aber die Begriffspolitik spiegelt eine Vereinnahmungs- und Delegitimationsstrategie der Moderaten gegenüber den Radikalen wieder – wir wollen keines von beidem hoffen!

Ziemlich bescheuert äussern sich die AK Leute etwas später im Gespräch, wenn es um Religionskritik geht. Zwar behaupten sie: „Wir haben es im Aufruf sehr deutlich gemacht, dass es kein Wesen des Islams gibt, womit wir uns von allen Kulturkämpfern auch in aller Deutlichkeit verabschiedet haben.“ – aber erst nachdem sie sagen, „dass man eine allgemeine Religionskritik und eine spezifische Islamkritik vertritt“.
Was sich logisch widerspricht, wenn es den Islam an sich, bzw. „ein Wesen des Islam“, nicht gibt, und damit auch keine darin angelegte spezifische Tendenz zum Fundamentalismus geben kann, dann braucht es auch keine spezifische Islamkritik. Im Gegenteil: das herumreiten auf dem Islamismus lenkt davon ab, dass es global einen religiösen Rollback gibt, und innerhalb davon eine Stärkung von fundamentalistischen Strömungen. Das ist in der Analyse erstmal anzuerkennen, und nicht als Problem nur in den migrantischen communities zu verorten, wie es der Antifa AK tut.

p.s.: Wie immer fast den linkspam vergessen! Auch bei revolution wird etwas über das Gespräch diskutiert.

Dresden Mahnwache der Nazis

Weil München als einstige Hauptstadt der Bewegung wenig Anknüpfungspunkte für deutsche Opfermythen gibt, gedenken die Münchner Nazis auch einfach der Dresden-Bombardierung. Heute, 13.02, ab 19:00, auf dem Marienplatz. Als Vorabtreffpunkt wird 18:30, Nordseite des Hauptbahnhofs (Arnulfstr.) angegeben. Nichts wie hin, den Arschköpfen den Abend vermiesen!

Fahnentrolling

Man weiß ja wogegen bzw. gegen welche Fahne(n) sich dieses „Nationalfahnenverbot“ richtet, jahrzehntelang hatte man nämlich offensichtlich kein Problem mit (Pseudo-)Nationalfahnen wie der Kubas, der Sowjetunion, „Palästinas“, „Kurdistans“, des „Baskenlandes“ usw. usf..

So sieht die Standardargumentation von Antideutschen aus, wenn ihnen ihre USA- oder Israelwimpel auf Demos nicht gegeönnt werden. Lustig verblödet, dass das jetzt als Kommentar unter einem Artikel zur Siko auftaucht – wo das Nationalfahnenverbot auch explizit in Hinblick auf Palästinafahnen vermittelt wurde, und mit Israel- oder USA-Fähnlein mal garnicht zur rechnen war.
Aber schreib einen Artikel auf indymedia, in dem Nationalfahnen, bzw. ihre Abwesenheit, nur am Rande erwähnt werden, und irgendwer fühlt sich bemüssigt eine der üblichen Positionen dazu zu trollen.

„Hinter welchen Banner läufst du?“

Eine unbekannte Person zu einem Genossen, am Vorabend der Grossdemo gegen die Siko

„Hinter welchem Banner wirst du morgen laufen?“
„Im internationalistischen Block.“
(kurze Nachfrage und Erklärung dass das der Autonome Block ist, Hinweis auf den Aufruf)
„Seid ihr Kommunisten?“
(überlegt kurz) „Drei Viertel würden sagen ja, praktisch alle würden nachschieben dass sie keinen Bock auf irgendeinen Staat haben.“
„Aber Kommunismus und Staat geht doch eh nicht zusammen!“
„Schon schon, nur die meisten Leute die sich Kommies nennen sehen das anders.“
„Echt?“

Das ein politisch interessierter Mensch die autonome Mobilisierung gegen die Siko komplett verpennt – okay. Aber hinter welchem Mond oder auf welchen blogs holt sich mensch die Politbildung, um einerseits zu wissen das Kommunismus so an sich tatsächlich nicht mir Staat zu machen ist, und gleichzeitig nicht mitzukriegen wie Staatsfixiert viele Kommunist_innen sind?