Archiv für Januar 2009

Fascho Kundgebung wegen Gaza

Am morgigen Freitag, den 9.01, plant die NPD eine Kundgebung auf dem Marienplatz, losgehen soll es um 18:00. Mehr Infos gibts bei Aida, Gegenaktionen sollen stattfinden.

Antifa heisst: ungesunder Selbstzweck

Ein neuer Beitrag zur Antifa heisst … Debatte im AIB ist erschienen, diemal von der Berliner Gruppe TOP: Antifa heisst mehr als Boxen und Bücherlesen.
Die bislang beste Zusammenfassung der bisherigen Debatte gibt es bei mir, zarte Ansätze einer Diskussion des aktuellen Textes findet ihr beim rockstar.
Aber nun zu einer kommentierenden Zusammenfassung des TOP-Textes. TOP selbst stimmen der LEA, die den letzen Text in der Reihe vor ihnen veröffentlicht haben weitgehend zuz, so dass sie sich nur noch bemüssigt fühlen ganz grundsätzlich über Staat und Kapital aufzuklären. Damit füllen sie eine Leerstelle des LEA-Textes, indem eine allgemeine Gesellschaftskritik zwar gefordert, aber noch nichtmal skizziert wurde, ich würde erstmal unterstellen dass beide Zusammenhänge in ihrer Kritik einigermassen nahe beinander sind.
In 6 Sätzen zusammengefasst funktionieren Staat, Kapital und Faschismus laut TOP dabei so: Die einzelnen Subjekte im Kapitalismus sind der Konkurrenz untereinander ausgesetzt, diese dringt in jeden Lebensbereich. Ebenso selbstverständlich wie die kapitalistische Konkurenz ist den Subjekten dabei ihre Rolle als Staatsbürger_in. Menschen verhalten sich als Inhaber_innen allgemeiner Rechte und Pflichten zueinander, die ihnen von einem Staat zu- oder aberkannt werden, der wiederum die Funktion hat die Verwertungsbedingungen seines Kapitals herzustellen. Die Bürger_innen eines Staates sind damit eine „profane, objektive Schicksalsgemeinschaft“ und von der Fähigkeit ihres Staates abhängig sich in der Konkurenz der Standorte zu behaupten, Nationalismus ist die Reflexionsform dieses Wettbewerbes der Staaten. Faschismus ist dann ein mögliches Staatsprogramm, dass auf unmittelbare Herrschaft statt auf komplizierte Vermittlung setzt und verspricht durch schiere Willensakte das Staatsvolk vor den Unwägbarkeiten des Marktes zu schützen. Dieser Faschismus kann von Demokrat_innen nicht richtig kritisiert werden, weil sie das grundsätzliche Ziel desselben – den Erfolg der Nation – teilen.
Auch wenn die TOP erheblich mehr als 6 Sätze braucht, Ideologie kommt in ihrer Faschismusanalyse nicht vor. Patriotismus fusst bei ihnen ausschliesslich auf dem Sein als Staatsbürger_in, Rassismus wird nicht eigens erwähnt und wohl alleine aus dem Nationalismus heraus erklärt, patriarchale Zustände kommen nicht vor.
TOP machen schon klar, dass sie Antifa für sinnvoll halten, wenn sie dafür plädieren „auch jene zum Ziel der Praxis machen, die für eine Verhärtung von Staat und Gesellschaft und die Radikalisierung ihrer alltäglichen Zumutungen einstehen.“ Sie machen nicht klar, in welchen gesellschaftlichen Bereichen eine antifaschistische Intervention Sinn macht, ihre Analyse von den Bürger_innen, die ganz Ideologiefrei für ein anderes Staatsprogramm stimmen gibt da nicht viel her.
Auf strategische Überlegungen verzichtet TOP in diesem Text komplett, stattdessen bieten sie eine knackige, sehr Gegenstandspunkt-inspirierte Kritik an der Bürgerlichen Gesellschaft. Als Selbstdarstellung eines Theoriezusammenhangs ganz nett, in einer Strategiedebatte aber ziemlich deplaziert. Statt ein Gegenstandpunktsflugblatt abzutippen hätten sie mal besser ein paar praktische Konsequenzen aus dieser Analyse benannt, soweit vorhanden. Immerhin sampeln die Genoss_innen ein cooles Zitat von Brecht über Sport, hier wohl bezogen auf Antifaarbeit:

Kurz: ich bin gegen alle Bemühungen, den Sport zu einem Kulturgut zu machen, schon darum, weil ich weiß, was diese Gesellschaft mit Kulturgütern alles treibt, und der Sport dazu wirklich zu schade ist. Ich bin für den Sport, weil und solange er riskant (ungesund), unkultiviert (also nicht gesellschaftsfähig) und Selbstzweck ist.

Antifa als nicht gesellschaftsfähiger Selbstzweck, mit soviel punk kann ich gut leben. Aber hätts dafür 4 Seiten im AIB gebraucht?

Studidemo die zweite – Bericht

Bei Luzi-M gibt es einen Bericht zur Demo gegen Studiengebüren Anfang Dezember, mit einer guten Kritik an Demoorga und -Inhalten. Schade dass der nicht schon früher erschienen ist.

schneeballschlacht

In Leibzig haben sich 150 Autonome eine 2 1/2 stündige Schneeballschlacht geliefert, mus ein Heidenspass gewesen sein. Sollten wir in München tatsächlich nochmal ernsthaft Schnee kriegen machen wir das auch: Spektrenübergreifende, nichtöffentliche Mobilisierung; Westend gegen Alle; Georg-Freundorfer Platz?

Postlinke Popdeppen

68 und die daraus entstandenen linken Bewegungen zu bashen ist derzeit mainstream, da will auch ein Benno, DJ beim Dept. of Volxvergnügen, nicht hintanstehen – und schreibt sich als DJ „Benno ohne Sorge“ auf aktuelle Flyer und Plakate. Was er damit aussagen will ist mir schleierhaft, faktisch sagt er „Morde durch die Bullen muss ich nicht so ernst nehmen wie meine Selbstdarstellung!“

Demo wg. Finanzkrise

Ein bundesweiter Termin zum vormerken: vermutlich am 21.3 (steht noch nicht fest) soll es eine Demo anlässlich der Finanzkrise geben. Ca. 90 Leute aus ca. 30 Gruppen bei einem ersten Vorbereitungstreffen klingt nicht schlecht, das Positionspapier der Gruppe soziale Kämpfe – scheinbar eine relativ treibende Kraft in dem ganzen – liest sich erstmal ganz gut, ist allerdings noch sehr unkonkret. Viel mehr zum Thema gibt es noch nicht, die diversen Gruppen müssen wohl noch alle in die Pötte kommen. Ich bin aber erstmal optimistisch, dass das eine ganz gute Auswärtsfahrt werden könnte.

„… das soll jetzt nicht rassistisch sein“

Im internen Forum der Apfelfront wird über die Liason einer der ihren mit dem Fascho Mike Nwaiser diskutiert. Ein Apfelfrontler schreibt dabei:

verstehen kann ich diese liebe auch nicht, auch naeheren kontakt zum „feind“ verstehe ich nicht wirklich. aber dazu kenne ich einen alles erklaerenden spruch vom kleinen arschloch: frauen sind wie afrikanische stammesdialekte – man versteht sie nicht^^

das soll jetzt NICHT rassistisch gesehen werden.

Die Beteuerung am Schluss ist doppelt verblödet: Einmal kommt das abqualifizieren von afrikanischen Sprachen als per se unverständlich – für wen denn? – aus der Mottenkiste des Kolonialrassismus, egal was der Schreiberling noch anfügt.
Der letzte Satz macht den Kommentar auch unfreiwillig komisch, genausogut könnte da stehen: „das soll jetzt NUR sexistisch gelesen werden“

p.s. Ich weiss, Witze sind besser wenn sie nicht erklärt werden. Aber solchen Mist kommentarlos durchreichen geht halt auch nicht.

The first stone was for Alexis, the rest are for us

Ein paar Texte, geschrieben von Protagonist_innen der Revolte in Griechenland.
A Bedouin anytime! A Citizen never.

Amidst this ludicrous climate of shallow analyses the salaried officials of the psychological warfare point at the revolted, howling: “That’s not democratic, that ignores the rules under which our democracy functions”. We cannot help but momentarily stand speechless in the face of what we would until recently have considered impossible. Even if having the intention to deceive, the bosses of this country have said something true: We despise democracy more than anything else in this decadent world. For what is democracy other than a system of discriminations and coercions in the service of property and privacy? And what are its rules, other than rules of negotiation of the right to own – the invisible rules of alienation?
[…]
The revolt was by definition also a revolt against property and alienation. Anyone that didn’t hide behind the curtains of their privacy, anyone who was out on the streets, knows it only too well: Shops were looted not for computers, clothes or furniture to be resold but for the joy of destructing what alienates us: the spectacle of the product. Anyone who doesn’t understand why someone delights in the sight of a destructed product is a merchant or a cop.

Merry Crisis and a happy new Fear

“Normality” (read: their normality; the capitalist norm of exploitation, misery, repression and death) is what we are standing up against. This is what we do now, what we have always done, yet in these past days it is something that has become clearer than ever (like writen elsewhere: “sometimes, tear gas can make you see better”). There were so many of us now that normality faced a new fear: a fear that it might soon be a normality no more.

These Days are Ours, too
Von eienr Immigrant_innengruppe, wurde von Cafe Morgenland übersetzt.

The children of migrants mobilise en mass and dynamically, primarily through high school and university actions as well as through the organisations of the left and the far left. They are the most integrated part of the migrant community, the most courageous. They are unlike their parents, who came with their head bowed, as if they were beging for a loaf of bread. They are a part of the Greek society, since they’ve lived in no other. They do not beg for something, they demand to be equal with their Greek classmates. Equal in rights, on the streets, in dreaming.

For us, the politically organised migrants, this is a second french November of 2005. We never had any illusions that when the peoples’ rage overflew we would be able to direct it in any way. Despite the struggles we have taken on during all these years we never managed to achieve such a mass response like this one. Now is time for the street to talk: The deafening scream heard is for the 18 years of violence, repression, exploitation and humiliation. These days are ours, too.

These days are for the hundreds of migrants and refugees who were murdered at the borders, in police stations, workplaces. They are for those murdered by cops or “concerned citizens.” They are for those murdered for daring to cross the border, working to death, for not bowing their head, or for nothing. They are for Gramos Palusi, Luan Bertelina, Edison Yahai, Tony Onuoha, Abdurahim Edriz, Modaser Mohamed Ashtraf and so many others that we haven’t forgotten.