Diverses über Mannichl

Anstatt was eigenem, ein paar lesenswerte Häppchen von anderen. Burkhard Schröder schreibt in der TAZ:

Mannichl ein parteipolitisch unabhängiger Rechter. Seine ordnungspolitischen Ideen entsprechen dem Motto „Law and Order“: Hart durchgreifen, der Staat muss Flagge zeigen, wehrhafte Demokratie. Wer meint, ekelhafte politische Ideen wie die der kackbraunen Kameraden dadurch effektiv bekämpfen zu können, indem man deren Symbole beschlagnahmt oder sogar Hakenkreuzfahnen aus Gräbern ausbuddeln lässt, hat nichts begriffen, ist sich aber des kostenlosen Beifalls der schlicht strukturierten öffentlichen Meinung gewiss. Der Passauer Polizist wird nicht schon dadurch zum politischen Vorbild, weil er Opfer neonazistischer Gewalt geworden ist. Seine Art und Weise, gegen Nazis zu sein, entspricht nur der deutschen Leitkultur: „Melden“, „Durchführen“, „Verbieten“.

Erwähnenswert ist noch, dass Mannichl zu Zeiten des §129-Verfahren gegen die Passauer Antifa Vize-Polizeichef war, und damit sicherlich eine der treibenderen Kräfte darin. Neben inhaltlicher falscher Disse auf die Antifa (scheint so ein Steckenpferd von dem zu sein) schreibt Schröder:

„Niemand in der sogenannten Mitte fühlt sich aufgerufen, das Notwendige zu denken und etwa die deutschen Gesetze gegen Einwanderung und Abschiebeknäste in einen Zusammenhang mit rassistischen Vorurteilen der Bevölkerung bringen. Wer staatlichen und gesetzlich legitimierten Rassismus thematisiert, gerät stattdessen automatisch unter den Generalverdacht des Linksextremismus“

Im NPD-Blog wird die Frage aufgeworfen, was eigentlich das fundamental neue an dem Angriff sein soll:

[Spekulationen] stehen zurzeit hoch im Kurs – und trotz der unklaren Situation wird weiter eifrig über Maßnahmen gegen den Rechtsextremismus debattiert. So auch über die “neue Qualität” der Gewalt, wobei der Begriff Qualität in Zusammenhang mit Gewalt doch etwas unpassend erscheint; lässt sich in Anlehnung an die deutsche Qualitätsarbeit nun auch von neonazistischer Qualitätsgewalt sprechen? Wenn überhaupt wäre eine neue Stufe der Gewalt treffender.

Diese Debatte wird 16 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen geführt, wo der rassistische Mob tagelang tobte und Flüchtlinge verbrennen wollte. Nach 40 bis 140 Todesopfern rechtsextremer Gewalt innerhalb von 18 Jahren. Neu ist, dass die Neonazis in den vergangenen Monaten dazu übergegangen sind, auch gegen Gegner vorzugehen, die stärker sind als sie selbst – die Polizei beispielsweise. Bislang hatten rechtsextreme Schläger vor allem Schwächere im Visier, die gesellschaftlich eine kleine bis gar keine Lobby haben: Flüchtlinge, Obdachlose, Punks.


3 Antworten auf “Diverses über Mannichl”


  1. 1 Entdinglichung 26. Dezember 2008 um 20:44 Uhr

    war Mannichl eigentlich schon an den Ermittlungen gegen Passauer Antifas um 1995 beteiligt, in deren Folge sich u.a. drei GenossInnen das Leben nahmen?

  2. 2 Bikepunk 089 27. Dezember 2008 um 14:54 Uhr

    Wie bereits oben erwähnt, war er meines Wissens nach damals Polizei-Vize in Passau. Und damit sicher an den Ermittlungen beteiligt.
    In ihrer ersten Erklärung zu dem Angriff auf Mannichl geht die aktuelle Passauer Antifa auf die Reopression gegen die Genoss_innen damals nicht ein, auch nicht auf die Rolle die Mannichl dabei vielleicht gepsielt hat.
    In einem aktuellen Aufruf, die Nazis mobilisieren für den 3.1 nach Passau und es soll Gegenaktionen geben wird erwähnt wie sehr die Faschos, die nach der Busse-Beerdigung durch Passaus Innenstadt marodiert sind und Antifaschist_innen angegriffen haben von der Polizei in Ruge gelassen werden. Damit machen sie zumindest die Stilisierung von Mannichl zum Ober-Antifaschisten nicht mit.

  1. 1 Links zu Rechtsextremismus, Mannichl usw « antifa-info landau a.d. isar Pingback am 25. Dezember 2008 um 18:23 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.