Es geht durch die Welt ein Geflüster

Kürzlich wurde im Marat der Film „es geht durch die Welt ein Geflüster“, in dem aktive der münchner Räterepublik zu Wort kommen, gezeigt, dieser Artikel ist eine grobe Beschreibung des Films und ein Zusammenfassung einiger Statements aus der Diskussion danach. Weil ich nicht mitgeschrieben habe ist das alles etwas unvollständig und ungenau.

Die im Film interviewten Menschen waren zur Zeit der Räterevolution zwischen 12 und 17, sie waren überwiegend in sozialisitschen, kommunisitschen oder syndikalitischen Zusammenhängen organisert. Fast alle der interviewten waren auch nach der Räterevolution noch politisch aktiv, sie sind nicht nur Überlebende der brutalen Niederschlagung derRäterevolution sondern auch der Verfolgung durch die Nazis.
In dem Film berichten sie von der sozialen Situation während des Weltkrieges, vor allem aber von ihren Eindrücken von der Räterevolution und von der Niederschlagung durch die weissen. Insbesondere die Kämpfe am Stachus und im „roten Giesing“ im Mai 1919 werden sehr detailliert geschildert, ebenso die Massenerschiessungen mit denen sich die weissen an den Kämpfer_innen der Roten Armee rächten.

In der Diskussion mit zwei der Macher_innen des Films äusserten diese ihr Bedauern darüber, zu spät angefangen zu haben: Als sie 1988 die Interviews drehten, konnten sich viele der Interviewten nicht mehr an eigentlich spannende Details erinnern – Wie funktionierte die Organisierung der sehr jungen Leute damals? Was wurde auf den Plena geredet? Wie war die Rolle von Frauen in der Räterevolution, insbesondere in der roten Armee? Auch war es schwierig, mit den hochbetagten Genoss_innen eine Diskussion über die autonome Politik der 80er zu führen.
Eine Motivation, Überlebende der Räterevolution zu fragen, war auch die Auseinandersetzung mit dem bewaffneten Kampf. In den 80ern gab es mit RAF und RZ bewaffnete Gruppen, ausserdem gab es massenmilitante Auseindersetzungen vor allem in der Anti-AKW Bewegung. Was hatten Genoss_innen, die unter anderen Bedingungn gekämpft hatten, zu erzählen?

In der Diskussion, die zum Teil etwas anstrengend war weil einzelne Beiträge langatmig, dafür aber ohne Themenbezug waren wurden u.a. folgende Thesen geäussert.
Die entscheidende Spaltlinie verlief in der Räterevolution nicht zwischen USPD, Kommies und Anarchist_innen, sondern an der Frage des Krieges. Die gleiche Fraktion in der SPD, die auch den ersten Weltkrieg unterstützt hatte, war gegen eine weitreichende Revolution und holte Schlussendlich die weissen nach Bayern. Die These war weiter, das eine ähnliche Unterscheidung auch heute aktuell sei – zwischen denen, die ihre Metropolenprivilegien militärisch (oder grenzpolizeilich? – meine Interpretation) abgesichert haben wollen, und denen die soziale Rechte für alle wollen.
Ein Plakat von damals, das auch ausgestellt wurde, trug die Aufschrift „Wir fordern den Kommunismus! (das bedeutet: Alles für alle.)“ – eine der besseren Demoparolen die es so gibt stammt wohl dirket von der Münchner Räterevolution. By the way, hat das wer geknipst?
Viele Errungenschaften, wie das Frauenwahlrecht oder die Abschaffung des Gesinderechts (das Hausangestellte in vielen Punkten ihren Bossen schutzlos auslieferte) stammen aus dieser kurzen Zeit.
Der antikommunisitsch aufgeladene Antisemitismus wurde massgeblich in dieser Zeit propagiert, das Phantasma von der „jüdisch-bolschewistschen“ Weltverschwörung bezog sich im Anfang direkt auf Politiker_innen wie Kurt Eisner oder Gustav Landauer. Massgeblich propagiert wurde es von der Thulegesellschaft, die auch an der Niederschlagung der Räterepublik beteiligt war.
Einige der Überlebenden wurden, z.T. nach KZ-Haft unter den Nazis, auch noch in der BRD verfolgt und sassen auch in der Nachkriegszeit als Kommunist_innen in deutschen Knästen. In den späten 80er Jahren war diese Verfolgung noch so präsent, dass manche nicht mit Klarnahmen im Film vorkommen wollten.

Insgesamt ein spannender Abend, und eine gute Diskussion an der trotz nerviger Einlagen viele Leute lange teilnahmen. Im Laufe des Abends klang auch an, demnächst ein Veranstaltung mit Christina Haug zu machen, die kürzlich ein Buch über die Rolle von Frauen in der Räterevolution geschrieben hat, zu machen. Auch das dürfte interessant werden.