Antifa heisst: ein Haufen linker basics, eine Portion Militanz, schwerpunktmässig gegen Nazis

Aktuell wird in der linken Bloggosphäre viel und hitzig über den Text „Antifa heisst radikale Gesellschaftskritik“ der Leibziger Antifagruppe LeA diskutiert, im*moment*vorbei hat dazu jede Menge links. Den Text gibt es im akutellen Antifaschistischem Infoblatt AIB, online gibt es ihn bislang wohl nur dank der Scanbemühungen von einblog (als .doc). Entstanden ist das Werk als Beitrag zur Diskussion unter dem Motto „Antifa heisst …“, die seit Sommer `07 im AIB geführt wird.
Um die Diskussion grob verkürzt zusammenzufassen: Die Kampagne NS-Verherrlichung stoppen! (NSVs!) eröffnete die Diskussion mit der These, dass die antifaschistische Praxis in der Krise ist – Rechte Grossveranstaltungen bleiben unwidersprochen, es müsse darum gehen gesellschaftlich zu intervenieren und Kräfteverhältnisse zu verschieben, eine militante Pose sei dabei oft eher im Weg. Die Bestimmung, wann und wo antifaschistisch interveniert wird, richtet sich demnach nicht nach der Frage der politischen Bedeutung eines Nazievents, sonder nach der Frage „wo was geht.“
Die Antifaschistische Linke Berlin ALB antwortet darauf mit dem Text Antifa heisst … Angriff!: Es müsse sehr wohl darum gehen, gesamtgesellschaftlich zu intervenieren – aber dazu kommt es nach Meinung der ALB darauf an, Mobilisierungsfähig zu sein, darauf dass „was geht“. Grossevents mit direktem NS-Bezug haben nach Einsachätzung der ALB weniger Bedeutung als Naziaktionen mit einem direkten Bezug zum Alltag der Leute. Antifaarbeit beinhaltet Arbeit in breiten Bündnissen, die autonome Antifa müsse dabei aber ihr eigenes Profil, die Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft der Nazis entspringen, schärfen.
Die Göttinger Antifaschistische Linke international ALI argumentiert ähnlich der ALB, konkretisiert aber ein paar Punkte in ihrem Text Antifa heißt… zusammen kämpfen, auf allen Ebenen, mit allen Mitteln! Die ALI versteht sich als Teil einer Weltweiten Linken, linksradikale Antifa funktioniert nur in der Einbettung in einen breiten linksradikalen Ansatz. Bündnisse dienen nicht nur der Intervention, sondern sind selber Schauplatz gesellschaftlicher Auseinandersetzungen, die Antifa kann in diese Auseinadersetzungen ihren Aktivismus und ihre Militanz als „Verhandlungsmasse“ einbringen. Wie auch die ALB sieht die ALI linke, antifaschistische Kulturarbeit als wesentlich, weiter benennen sie die Polarisierung zwischen Antideutschen und nicht-Antideutschen als klares Problem für Bündnisse und Mobilisierungen. Die Beiträge von ALI und ALB legen eher über die bestehende Praxis Rechenschaft ab, als Impulse für eine Weiterentwicklung zu geben.
Die LeA schliesslich sieht ein ganz grundlegendes Problem in der Diskussion: Die Wirksamkeit von Anti-Naziaktionen ist kein poliitscher Massstab. In den bishereigen Diskussionsbeiträgen werden die zu mobilisierenden Menschen als Manövriermasse betrachtet, nicht als Genoss_innen. Erst müsse Mensch eine Kritik an der Gesellschaft entwickeln, aus der dann auch eine Kritik an den Nazis folgt, ansonsten kommt Affirmation der bürgerlichen Gesellschaft heraus. Ohne eine solche Gundlage ist die geführte Diskussion nichts als eine Bestätigung der gewohnten Praxis, eine Entwicklung von Strategien damit sinnlos. Diese Diskussion muss von denen geführt werden, die auch praktische (Antifa-)Politik machen, eine Trennung in Theorie- und Praxisgruppen wäre falsch.

Damit, dass es für eine linke Antifaarbeit nicht darum gehen kann, Nazis nur als Abweichung vom demokratischem Normalzustand zu skandalisieren, benennen die LeAs einen wichtigen Punkt.
Meine Probleme mit dem Text fangen da an, wo sie die affirmative Haltung zur bürgerlichen Gesellschaft beklagen, die einge Antifagruppen ihrer Meinung nach einnehmen. Sie machen nämlich nirgends klar, worin präzise diese Affirmation besteht, die sie den anderen Gruppen vorwerfen. Durch die Bündnis- oder Öffentlichkeitsarbeit? Durch die Schwerpunktsetzung auf Nazis? Selber geben sie, anders als die restlichen Diskussionsteilnehmer_innen keinen einblick in ihre Praxis, und nehmen sich dadruch aus der Diskussion raus. Der Mainstream der autonomen Antifabewegung jedenfalls arbeitet zu recht vielen verschiedenen Themen, das berühmte „… mehr als gegen Nazis“ ist eben keine Floskel sondern eine Zustandsbeschreibung, diese thematische Breite ist ja auch Ausdruck einer Kritik, die die ganze Gesellschaft im Blick hat.
Auch auf theoretische Ebene lässt sich die LeA nicht so richtig in die Karten schauen, ihre Kritik an der Gesellschaft umreissen sie nicht viel genauer als ALI oder ALB. Bei mir entsteht der Eindruck, dass die LeA ein allgemeines Theorie- oder Kritikdefizit in der Antifabewegung wahrnimmt, dieses aber nicht so richtig festmachen kann. Ihr Beitrag jedenfalls ist dann auch eher moderierend als inhaltlich.
In der Frage, wie grundsätzlich die Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft ist, haben aber interessanterweise alle vier Beiträge eine Leerstelle gemeinsam, nämlich dass eine emzipatorische Bewegung natürlich auch Teil dieser Gesellschaft ist, und sich entsprechend mit Hierarchien, Sexismus, Klassenverhältnissen etc. untereinander herumschlagen muss. Denn „Wer in Anspruch nimmt, linksradikale Politik zu betreiben, muss sich an linksradikalen Inhalten messen lassen“ (LeA), und die stehen halt nicht nur in Aufrufen, sondern werden gelebt, mal mehr, mal weniger.
Diese Leerstelle überrascht bei der LeA eigentlich am wenigsten, lassen sie doch ihre eigene Subjektivität am weitesten aussen vor:

Wer es mit Gesellschaftskritik ernst meint, muss die Reflexion antifaschistischer Praxis auch von diesem Standpunkt aus vornehmen. Das bedeutet, die Schädigungen, die sich aich aus dem gesellschaftlichen Prozess ergeben, zu skandalisieren und mit der Beseitigung ihrer Gründe auch die Änderung der Gesellschaft selbst ins Auge zu fassen. Das Vorkommen von Neonazis ist dafür eine praktische Hinderung und der Grund für eine reale Schädigung anderer Leute, der ohne Frage auszuräumen ist. Vernünftig ist, sich dafür geeignete Mittel zusammenzusuchen.

Was hier mit „realer Schädigung“ trocken umschrieben wird, ist ein Grund für ziemlich viel Wut, Hass und auch Angst gegenüber der Nazibagagge, wie gegenüber anderen Teilen der bürgerlichen Gesellschaft. Das auszublenden wäre dann gleich die nächste reale Schädigung – wem geht’s schon auf Dauer gut damit, sowas zu unterdrücken? Natürlich sollten wir mit dem Kopf entscheiden, was wir tun und was nicht – aber dabei eben auch so ehrlich sein und anerkennen dass wir nicht ausserhalb der Verhältnisse stehen, die wir bekämpfen.
Theoretisch am nachvollziehbarsten ist für mich noch die Kritik, dass wenn mensch in den Mobilisierungen auf taktische Erfolge gegen Nazis setzt, leicht ein ebenso taktisches Verhältnis zu den mobilisierten Mitstreiter_innen entsteht. Gleichzeitig fällt es mir schwer, diese recht abstrakt formulierte Kritik auf eine konkrete Praxis anzuwenden. Wer wird hier zu Manöviermasse, wie könnte ein anderer Umgang aussehen? Wieder mal hat die LeA nicht viel mehr zu sagen, als eine grundsätzlich kritische Haltung einzufordern.
Die Kernforderung, mehr als nur ein paar gesellschaftskritische basics abzuklären, bevor über antifaschistische Strategien oder Bündnisse geredet wird, ist nicht falsch, aber auch nicht furchtbar originell. Gleichzeitig lässt die LeA wenig über sich selbst durchblicken, der Text könnte genau so auch von einer reinen Theoriegruppe geschrieben worden sein. Damit ist es schwierig, dass was die schreiben auf eine konkrete Praxis runterzubrechen. Für mich neue Impulse für die Antifaarbeit habe ich bei der Lektüre jedenfalls nicht mitgenommen.
Um nochmal zurück zu sonstigen Debatte zu kommen, ALI, ALB und NSVs! habe in ihren Beiträgen klar gemacht, wo sie sinnvolle Schwerpunkte für Antifaarbeit sehen, und warum. Spannend wäre auch die Frage, wie verschiedene Zusammenhänge nach aussen gehende Kampagenen einerseits und Szenepflege bzw. Kulturarbeit anderseits gegeneinander gewichten, sowie die Gewichtung zwischen Antifa und anderen Politikfeldern.
Eine weiteres Thema, das sich durch die ganze Debatte zieht, ist die Mobilisierungsfähigkeit zu verschiedenen Aktionen und Themen. Interessant wäre hier, wie es verschiedene Antifazusammenhänge schaffen, oder zumindest versuchen, Leute nicht einfach zu mobilisieren, sondern in Diskussionen und Vorbereitungen aktiv miteinzubeziehen.

Um diesen langen Beitrag mal zu einem unrühmlichen Ende kommen zu lassen – ein paar der Diskussionen über den gleichen Artikel in anderen blogs waren hart bescheuert oder auch einfach nur ausufernd. Ich habe darauf keinen Bock, wenn ihr Anmerkungen habt haltet sie kurz, themenbezogen und undissig, Mit Zensur in meiner Kommentarspalte habe ich nämlich gar kein Problem.

Nachtrag – Linkspam!
Ein paar der diversen anderen Bloggosphären-Reaktionen auf den LeA-Text. Auf verschiedenen blogs – u.a. Schildkröte, Bauhaustapete und im*moment*vorbei wurde der Text nur angepriesen, bei den beiden letzten entspann sich dann eine zerfaserte, wenig ziehlführende kommentarspaltendiskussion – mir war die Zeit zu schade sie zu lesen. Rockstar hat noch die Kritik, dass die LeA sich für einen neuen „revolutionären Antifaschismus“ starkmacht.


13 Antworten auf “Antifa heisst: ein Haufen linker basics, eine Portion Militanz, schwerpunktmässig gegen Nazis”


  1. 1 Entdinglichung 14. November 2008 um 17:40 Uhr

    letztendlich geht es hier m.E. auch immer um die Spannungsfelder „Teilbereichsbewegung vs. Partei“ und „Massen- vs. KaderInnenorganisation“; wobei die Diskussion darum wie das „mehr als gegen Nazis“ zu füllen ist auch noch zusätzliche Spaltpotentiale beinhaltet … ansonsten ist auch die häufige Herangehensweise, welche von „Antifa“ als von anderen Bereichen zu separierendem Teilbereich ausgeht problematisch, sinnvoller ist es m.E. sich beispielsweise zu fragen, wie mensch z.b. antifaschistische bzw. antirassistische Aspekte in Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit einbindet …

  2. 2 dada 15. November 2008 um 3:48 Uhr

    erfreulich: ein paar antifaschisten entdecken klärungsbedarf hinsichtlich viel beschworener, aber selten diskutierter theoriegrundlagen. denen ist aufgefallen, dass gemeinsame gegnerschaft gegenüber faschisten weder über den inhalt einer beabsichtigten kritik auskunft gibt, noch welche schlüsse daraus zu ziehen sind.

    unerfreulich: das vorhaben sich rechenschaft abzulegen (über eine plausible antifaschistische kritik) wird eingeleitet und kommentiert mit der sorge um das profil der antifa. wenn die zitierten „theoriegegner“ aber die diskussion nicht wollen, sind theoretische gemeinsamkeiten halt ungewiss und damit auch die als „gemeinsam“ unterstellten ziele.

  3. 3 Bikepunk 089 16. November 2008 um 12:51 Uhr

    @dada: Hä?
    @entdinglichung:
    Die Frage „Teilbereichsbewegung vs. Partei“ ist vielleicht sinniger, oder erfasst den Gegenstand genauer, als die Frage „revolutionärer Antifaschismus – ja oder nein.“ Davon abgesehen, dass „Partei“ für mich immer den Versuch impliziert, eine Bundesweite Struktur wie die IL oder die AABO zu haben.
    Die Frage mit Kader_innen- oder Massenorganisation stellt sich m.E. nach in der autonomen Linken nicht so explizit, da hast du doch immer ein breites Spekrum dass von polit-workaholics bis hin zu Leuten die halt zur Demo gehen. Die Kader_innen, wenn du das Wot mal wertfrei verwendest, sind dann halt die, die mehr Energie und Zeit aufbringen und mehr Initiative haben.
    Interessant an deinem letzten Punkt, mit der antifaschistischen/antirassistischen Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit ist, dass der in der bisherigen Debatte garnicht aufkam, da gab es bislang nur antifaschistische Kulturarbeit als breiteren Ansatz. Ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass Autonome nur nach Feierabend interventionsfähig sind – wer hat schon im Betrieb die klritische Masse an linksradikalen Genoss_innen, um auf den Putz zu hauen?

  4. 4 Ostantifa 29. November 2008 um 18:21 Uhr

    Meine Erfahrung ist, dass es verschiedene Typen von Antifas gibt. Die Recherchefreaks, die sich die ganze Zeit nur mit den Nazis beschäftigen und dementsprechend sich aus allem anderen raushalten.
    Dann die MacherInnen, das sind diejenigen, die die Orga schmeißen, die Leute auf Trab halten, die Verbindungen pflegen, Treffen und Bündnisse veranstalten, mails beantworten, Aufrufe recylen um daraus neue Aufrufe zu machen, Pressemitteilungen schreiben, Plakate entwerfen, drucken und kleben, kurz die worcaholics, die oft wenig beliebt sind, aber ohne die noch viel weniger laufen würde.
    Dann gibts die sogenannten Sportis, die suchen auf der Straße die offene Konfrontation mit den Nazis, pflegen teilweise Verbindungen in die Hooliganszene und sind immer da, wenn Stress mit Nazis vorrausgesagt wird.
    Dann gibts eine große Gruppe von Leuten, die sich einfach so in der Antifaszene tummelt, weil sie irgendwie links und gegen Nazis sind und es toll finden von lauter anderen Leuten umgeben zu sein, die so sind wie sie, und alle so tun als hätten sie voll den Plan. Das ist auch die Fraktion, die sich auf blogsport ziemlich breit gemacht hat (ist jetzt nicht unbedingt auf diesen blog bezogen, dazu kenn ich ihn zu wenig ;) ), sich auf Parties die Kante gibt, quasi die Leute, die der Szene ein eigenes gesellschaftliches Innenleben verschaffen, mit all den Problemen die auch die Gesellschaft da draußen hat. Gleichzeitig sind das auch die Leute, die einen großen Teil der Demonstrationsteilnehmer stellen.
    Dann gibts da noch die Theorietypen (sind fast wirklich immer nur Typen) die hochtrabende Texte schreiben, die inhaltlich von den MacherInnen, Rechercheleuten und Sportlern einfach ignoriert werden, und dementsprechend austauschbar mal als Label genommen werden oder auch nicht. Für die Szenehoschis sind die Texte dagegen wichtig, für das identiäre „Wir sind toller als alle anderen“-Gefühl und „wir sind die mit dem Plan“. Auch da ist der Inhalt austauschbar. Heutzutage sollte es möglichst radikal aber auch möglichst folgenlos bleiben, deswegen steht „antideutsch“ gerade hoch im Kurs. Das wird sich in einigen Jahren mit Sicherheit wieder gewandelt haben, dann wird man wieder was anderes gefunden haben, woran man sich hochziehen und nach herzenslust streiten kann. Die eigentliche Antifaarbeit wird sich dadurch strukturell aber nicht ändern, sondern genauso wie heute weiter betrieben werden. Mal mehr oder weniger produktiv, je nachdem wieviel MacherInnen es gerade gibt.

    Das ist so meine kleine subjektive Einschätzung. Deshalb denke ich auch, dass diese Debatte wieder im Sande verlaufen wird, wie alle anderen Debatten vorher auch. Ich bin seit 1999 ungefähr dabei, und mindestens alle 2 Jahre habe ich diese Diskussion erlebt. Erst im Sommer hatte hier die örtliche In-Gruppe zur Diskussion geladen. Das Schema war wieder wie immer, Jungantifas aus den Kleinstädten und Dörfen ringsherum erzählen von ihren wirklich ernsthaften Problemen und die Großstadtantifas lassen sich über ihre eigenen Szeneunzulänglichkeiten aus. Am Ende sind alle wieder so schlau wie zuvor nach Hause gegangen und die Antifas aus der Provinz konnten nur die Erkenntnis mit nach Hause nehmen, dass es alles keinen Sinn hat, und man nach dem Abi so schnell wie möglich zusehen sollte, dass man da weg kommt. Das klingt jetzt alles ziemlich deprimierend, ich habe auch tatsächlich aufgegeben zu glauben, dass diese Szene jemals eine ernsthafte revolutionäre oder emanzipatorische Kraft sein wird, über die ganzen sinnlosen Defintionsmachtdebatten will ich mich hier nicht auch noch auslassen. Mein Weg damit umzugehen ist, einfach Antifaarbeit zu machen, und so wie man es für richtig hält, und dafür aber um so konzentrierter und mit dem Fokus darauf in die Gesellschaft zu wirken. Die eigene Szene muss ich nicht davon überzeugen, gegen Nazis zu sein, das sind sie schon und nebenbei mit Menschen so umzugehen, wie ich es für richtig halte und mit meinen Ansprüchen vereinbaren kann. Dazu brauche ich keine großen langen Erklärungen, die ändern sowieso selten was am Verhalten der Menschen. Wenn dann mal wieder eine größere soziale Bewegunge am Enstehen ist, werde ich mit Sicherheit auch wieder mit aufspringen, aber nur als Mitläufer. Mein Hauptfeld ist nunmal Antifaarbeit, das ist jetzt bei mir fest, und die Zustände hier in Sachsen lassen einem da auch nicht viele Optionen, als „theorielos“ weiter vor sich hinzuwurschteln und die Demokratie zu retten.

  5. 5 Anarcho 07. Januar 2009 um 21:18 Uhr

    Mal ein Zitat, um eines der Probleme diese Szene auf den Punkt zu bringen: „Bei dieser (Info-) Broschüre geht es um Nazis, Kapitalismuskritik hat damit nichts zu tun.“ VerfechterInnen solcher Positionen würde ich gerne mal den Text des Zusammenschlusses mit den drei Buchstaben ans Herz legen, der bestimmt nicht der erste ist, der zu erklären versucht, dass ,,Antifa“ in dem Moment in die Falle tappt, wo sich aller Widerspruch an den vermeintlichen Hauptfeind, die Nazis“ richtet.

    Wenn es denn so wäre, dass organisierte Antifa als straighte Selbstschutzorganisierung gelten würde, ginge ich durch und durch konform. Nach dem Motto: ,,Wir gehen konkrete Bedrohungen durch Neonazis an, damit die Linke in Ruhe das System bekämpfen kann.“ Symptome zu bekämpfen ist an sich nicht revolutionär, das sollte allen Beteiligten klar sein aber in manchen Situationen ist es notwendig, sich zu wehren und auch effektive Gegenwehr muss organisiert werden. Doch außer ,,Scheiss Rechtsrock, scheiss NPD, scheiss Autonome Nationalisten“, formuliert das Groß der menschen im Antifa-Umfeld keine weitere Kritik am Bestehenden. Und selbst das ,,Gegennazissein“ ist bei den meisten nur ein Lippenbekenntnis von vielen, ohne Praxis, nicht einmal dann, wenn Nazis im ,,linken Kiez“ Welle schieben, Menschen und Strukturen angreifen – aber das ist eine andere Diskussion.

    An dem Text der TOP habe ich inhaltlich nicht viel zu beanstanden, dagegen setze ich aber einerseits meine Wahnehmung, dass diese Szene strukturell ziemlich verkorkst ist und andererseits, dass dieser Szenekomplex so schwierig anzugehen ist, dass wohl weder allein eine richtungspolitische Diskussion im AIB, noch allein die persönliche Kritik an einzelnen Individuen oder Gruppendynamiken, zu etwas führen.

    Eine Kritik der personellen/charakterlichen Strukturen unserer Szene kann bei einer richtungspolitischen Debatte nicht außen vor gelassen werden. Oder zumindest fällt mir nichts besseres ein, als solche Analysen, wie von dem Menschen aus Sachsen (Ostantifa), zu stärken. Ansonsten wird es fruchtlos bleiben, eine Richtungsdebatte anzustoßen – da stimme ich dem Sachsen-Menschen genauso zu, wie ich die Charakterisierung des dortigen Szenekosmos auch hier wieder finde. Zuerst dachte ich, er beschriebe die Szene in Berlin…

  6. 6 Anarcho 07. Januar 2009 um 21:26 Uhr
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