Archiv für Oktober 2008

Lesenswertes zum Baader Meinhof Komplex

In dem indymedia-Artikel „BMK-Der Film: Ein staatstragendes Schauspiel“ wird dieser m.E. nach ganz gut auseinandergenommen. Zentrale These ist: Stefan Aust sowie die Filmemacher_innen (ausser den Schauspieler_innen) haben die Zeit sehr bewusst wahrgenommen, haben sich aber in den politischen Auseinandersetzungen klar auf Seite des Status quo positioniert. Um diese Entscheidung zu rechtfertigen, müssen die RAF stellvertretend für die gesamte militante Linke nachträglich pathologisiert, dämonisiert und entpolitisiert werden.
Was in dem Artikel nicht zur Sprache kommt, ist das es auch aus einer militanten Linken Kritik an der RAF gab und gibt. Eine solche (die ich nicht komplett online gefunden habe) wird in dem Buch „20 Jahre Radikal“ zitiert (hier, ungefähr Mitte der Seite).
Die Schreiber_innen des Artikel gehen davon aus, dass Ulrike Meinhof, Jan-Carl Rapse, Gudrun Ensslin und Andreas Baader in der Haft ermordet wurden. Eine These, die viele wohl als Verschwörungstheorie abtun würden. Einige Gründe, die klar gegen die These eines Selbsmordes sprechen, fasst Peter Nowak in einem anderem indymedia-Artikel zusammen. Und wer es ganz genau wissen will, kann sich ja den Bericht der internationalen Untersuchungskommision zum Tod von Ulrike Meinhof durchlesen.
Interessant bei beiden indymedia Artikeln ist auch die Diskussion in den Kommentarspalten. Hier schreiben zum Teil Leute, dass der Film, obwohl er eigentlich krasser Schrott ist, andere dazu angeregt hat sich offen mit ’68 und dem folgendem Jahrzehnt inklusive Stadtguerilla auseinanderzusetzen.

p.s. Freiheit für Birgit Hogefeld und Christian Klar!

Link this!

Und übrigens: Für die Aktionen gegen den Naziaufmarsch am 15.11 gibt es mitterweile eine eigene Mobilisierungsseite. Verlinkt sie, vor allem aber: seid dabei wenn die Faschos in München ein Fiasko sondersgleichen erleben.

Mehr Punk!

Das Wochenende ist gesteckt voll mit Konzis: Am Samstag spielen Chefdenker und noch irgendwer im Massmannkeller. Am Sonntag ist dann Punk Matinee im Marat mit den Cobra Skulls (Reno), Empty trashcan beeing kicked (Regensburg) sowie Recent Lies (München). Um 16:00 gehts es schon los!

Lesenswertes zum Scheungraber-Prozess

Seit dem 15.09 läuft vor dem Amtsgericht München der Prozess gegen Josef Scheungraber, der als Offizier der Gebirgsjäger 1944 in Italien ein Massaker an 14 Zivilist_innen befehligt hat, und dafür auch schon vom Militärgericht in La Spezia verurteilt wurde.
Hintergründe des Verfahrens findet ihr bei Aida, sowie in diesem indymedia Artikel. Bei indymedia werden auch die drei Verteidiger des alten NS-Mörders beschrieben:

osef S. wird von drei Anwälten verteidigt, die alle Kontakte zur rechtsextremen Szene haben: Thesen, Stünkel und Goebel.
Goebel arbeitet als Anwalt für die Nazi-Organisation „Stille Hilfe“ und verteidigte schon den Holocaust-Leugner David Irving. Der Rechtsanwalt Stünkel aus Jena vertritt regelmäßig Neonazis in Sachsen-Anhalt. Thesen ist Oberstleutnant der Reserve, hat schon unter Scheungraber gedient und schreibt Leserbriefe für die Junge Freiheit.
Letzterer stellte für seinen Mandanten den Beweisantrag den Bundeswehroberst Klaus Hammel als „militärhistorischen Sachverständigen“ vor Gericht zu hören, da nur ein Mann der selbst gedient habe, diese komplizierten Fragen der Kriegsführung beurteilen könne.
Ob dieser Antrag angenommen wird, hat das Gericht noch nicht entschieden.
Hammel, der heute Autor der Jungen Freiheit ist, soll vor Gericht darlegen, dass Scheungraber als Täter nicht in Frage kommt.

Goebel mit seinen Kontakten zur „Stillen Hilfe“ wird in diesem SZ-Artikel nochmal genauer beleuchtet. Neben Staranwälten der rechten Szene, bei denen icht so ganz klar ist wer die eigentlich zahlt, kann sich Scheungraber auch auf den Rückhalt des „Kameradenkreises Gebirgstruppe“ verlassen, dem er angehört. Nicht zuletzt wegen dieser Funktion als Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher läuft seit 2002 eine Kampagne gegen die alljährliche Gebirgsjägertreffen in Mittenwald.
Der einzige Überlebende des Massakers, der damals 15 jährige Gino M., sagte am 7.10 aus. Pressebericht dazu finden sich in der SZ und in der jungen Welt.
Die Kampagne „Keine Ruhe!“ hat eine umfangreiche, und stets aktualisierte, Linkliste zum Thema.
Die Vergangenheit des Ottobrunner Ehrenbürgers Scheungraber wurde immer wieder von antifaschistischer Seite theamtisiert. 2007 gab es eine kurze Kundgebung auf dem Weg nach Mittenwald, sowie eine Antifademo (Bericht 1, Bericht 2). Noch sitzt Scheungraber in Ottobrunn fest im Sattel, als Reaktion auf all die negative Publicity gab der Ottobrunner CSU-Bürgermeister Thomas Loderer eine Ehrenerklärung für Scheungraber ab. Von anderen Aktionen in Scheungrabers Wohnort, wie z.B. Sprüherein an seinem Haus oder auch an dem von Loderer, ist derzeit noch nichts bekannt.
Die Unterstützung für Scheungraber reicht von seinem CSU-Bürgermeister über den Kameradenkreis und seine als Nazi-Verteidger erprobten Anwälte bis ins Spektrum der „Autonomen Nationalisten“ München, deren Kader (das Fussvolk steht wohl nicht so gerne früh auf) dem alten Nazi-Kriegsverbrecher bei seinen Prozessterminen die Ehre erweisen. Für die münchner AN ist Scheungraber Vertreter der von ihnen glorifizierten Tätergeneration, im Vernichtungskrieg der Wehrmacht sehen sie einen Kampf für die „Freiheit und die Zukunft ihrer Nachfahren.“ Gleichzeitig bietet ihnen dieser Prozess eine seltene Gelegenheit, die Wahnvorstellung von der ach so harten Siegerjustiz zu bedienen. Angesichts der Amnestien und der jahrzehntelangen Verschleppung der Verfahren durch die bundesdeutsche Justiz, angesichts eines gesellschaftlichen Klimas in dem sich die Täter von einst geborgen fühlen können, müssen Nazis Prozesse in denen tatsächlich mal einer der ihren auf der Anklagebank sitzt suchen wie die Nadel im Heuhaufen.
Die AN München und die restliche Fascho-Baggage mobilisieren für den 15.11 zu einem Aufmarsch zum sog. Heldengedenktag (den emsige Antifas übrigens komplett einmachen werden), dabei geht es ihnen um den positiven Bezug zu genau solchen NS-Mördern wie Scheungraber. Beide Themen verknüpft zu behandeln böte sich daher an.

la resistance

kommenden Freitag, 17.10, geben sich unser aller Liblings-Hip Hops ein Stelldichein im Marat. Am Start sind Microphone Mafia, Chaoze One, Lotta C., Call Yah und Anarchist Academy. Das wird gross!

Keine Airbags für das BZÖ!

Heute morgen hatte der Kärntner Nazi-Politker Jörg Haider einen für ihn selbst tödlichen Verkehrsunfall. Der Kärntner Naturbursch legte dabei eine durchaus beachtliche sportliche Leistung hin, gelang es ihm doch aus einem Überholmaneuver heraus direkt einen Überschlag einzuleiten und dann noch mit dem Wagen, ein VW Phaeton, auf den Rädern zu landen. Ob HC Strache da mithalten kann?
haiders karre
Bei seiner Partei BZÖ fehlt mal wieder der Blick fürs sportliche, Generalsekretär Petzner spricht gar von einem „Weltuntgergang“, wärend der Haider Stellvertreter Dörfler beobachtet haben will wie die Sonne vom Himmel gefallen ist.
Für Linke ist Haiders Tod ein Grund, die Sektkorken knallen zu lassen, fehlt doch jetzt ein wichtiges Zugpferd der extremen Rechten in Österreich. Da im BZÖ kein Nachfolger aufgebaut wurde, dürfte diese Partei absehbar gelähmt sein. Schade nur, dass Haider seinen Salto mortale erst nach der Wahl hingelegt hat.

Wir sind keine Jesus-Fans, wir sind Frauen Hooligans!

Yay, das war ein gutes Wochenende … der Aufmarsch von christlicher Fundis und Münchner Nazis wurde durchgehend massiv gestört. Einen guten Bericht findet ihr auf indymedia und der Seite des asab_m, die Crew von Luzi-M ist sich uneins, ob sie die Aktionen und Mobilisierung erfolgreich oder eher gescheitert findet. Angesichts dieser Fülle an Berichten spare ich mir die chronologischer Erzählung und zitiere hier ein paar Highlights aus Berichten und Kommentaren.

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Nachdem die Fundis, wohl wegen der unübersichtlichen Szenerie am Marienplatz auf die Holzkreuze verzichtet hatten konnten sie nur noch einige wenige Pappschilder, so wie ein großes hölzernes Portrait der “Jungfrau Maria” tragen. Dies allerdings zunächst nicht all zu weit, da plötzlich zwei Männer direkt vor dem Holzportrait anfingen, sich zu küssen. Dies ekelte die Christ_innen so sehr, dass sie sich weigerten, die “Jungfrau Maria” an dieser Szene vorbei zu tragen. Statt dessen zogen sie einem der Küsser die Gottesmutter über den Schädel, bis das Paar den Weg frei machte.

Ein autonomer Antichrist findet auf indymedia:

die Mobilisierung gegen diesen 1000-Kreuze-Marsch war auch in dem Sinne ein Erfolg, als dass die linke Szene in München mit einem (durchaus sensiblen) Thema konfrontiert werden konnte, OHNE dass es zu den in der linken Szene in Deutschland leider üblichen Reibereien auf eingefahrenen Schienen a la „PC-Faschisten“ vs „Antifa-Macker“ gekommen ist.

Als alte Meckerziege muss ich natürlich schon anmerken, dass eine Auseinandersetzung mit Sexismus leichter fällt, wenn sich der in absurden Gebetszügen manifestiert, und nicht in den eigenen Binnenstrukturen, Arbeitsteilungen, Beziehungen … trotzdem ist dem Antichristen zuzustimmen – durch die Mobilisierung wurde eine Diskussion aufgemacht, ohne gleichzeitig Gräben aufzuwerfen.
Auf indymedia verteilt ein alter Hase Props:

Bei den actione waren sauviele Leute dabei, die ich sonst nie auf Demos sehe – allein dass ist schonmal cool. Und ganz viele waren von Start bis Ende dabei, aber mit vollem Elan. Trotz Einschüchterungsversuchen und Übergriffen der Cops, trotz dem dass alles lange ging (fast 6 Stunden), und so weiter.
Gerade von Leuten, die sich nicht mit schnöder Regelmässigkeit mit Bullen anlegen, finde ich dass um so beachtlicher. Mad Props to all of you!

Dem will ich mich mal anschliessen.

Und nun zur Wette. Im*moment*vorbei beweist Sportsgeist, und erkennt neidlos an das München mehr gerockt hat. Ich finds gut, dass dieser sportliche Wettkampf nicht in einem nervigem Hickhack endet, und freue mich deshalb ganz besonders über diese Fairness.
Die Wette verloren hat auch nicht Berlin – die gewinnen eher schicke Aufkleber – sondern die Abtreibungsgegner_innen, die sich ernsthaft überlegt hatten ihren Marsch abzublasen, die massivst geärgert wurden und die damit rechnen müssen dass ihre öffentlichen Aktionen öfters von linker Seite gestört werden.

Nazidemo am 15.11

Vormerken: Münchner Nazis planen für den 15.11, den sog. Heldengedenktag, eine Demo. Die wir zu einem totalen Disaster machen werden.

Knocked out in the first round?

Bislang steht es für die Wette gegen Berlin nicht schlecht. Der Laden der LebensschützerInnen wurde entglast, ca. 30 Menschen störten einen Gottesdienst der absurden Fundis. Und die eigentlichen Aktionen kommen erst noch – 14:00 Geschwister Scholl Platz, den Rest erfahrt ihr hier.