Lesenswertes zum Scheungraber-Prozess

Seit dem 15.09 läuft vor dem Amtsgericht München der Prozess gegen Josef Scheungraber, der als Offizier der Gebirgsjäger 1944 in Italien ein Massaker an 14 Zivilist_innen befehligt hat, und dafür auch schon vom Militärgericht in La Spezia verurteilt wurde.
Hintergründe des Verfahrens findet ihr bei Aida, sowie in diesem indymedia Artikel. Bei indymedia werden auch die drei Verteidiger des alten NS-Mörders beschrieben:

osef S. wird von drei Anwälten verteidigt, die alle Kontakte zur rechtsextremen Szene haben: Thesen, Stünkel und Goebel.
Goebel arbeitet als Anwalt für die Nazi-Organisation „Stille Hilfe“ und verteidigte schon den Holocaust-Leugner David Irving. Der Rechtsanwalt Stünkel aus Jena vertritt regelmäßig Neonazis in Sachsen-Anhalt. Thesen ist Oberstleutnant der Reserve, hat schon unter Scheungraber gedient und schreibt Leserbriefe für die Junge Freiheit.
Letzterer stellte für seinen Mandanten den Beweisantrag den Bundeswehroberst Klaus Hammel als „militärhistorischen Sachverständigen“ vor Gericht zu hören, da nur ein Mann der selbst gedient habe, diese komplizierten Fragen der Kriegsführung beurteilen könne.
Ob dieser Antrag angenommen wird, hat das Gericht noch nicht entschieden.
Hammel, der heute Autor der Jungen Freiheit ist, soll vor Gericht darlegen, dass Scheungraber als Täter nicht in Frage kommt.

Goebel mit seinen Kontakten zur „Stillen Hilfe“ wird in diesem SZ-Artikel nochmal genauer beleuchtet. Neben Staranwälten der rechten Szene, bei denen icht so ganz klar ist wer die eigentlich zahlt, kann sich Scheungraber auch auf den Rückhalt des „Kameradenkreises Gebirgstruppe“ verlassen, dem er angehört. Nicht zuletzt wegen dieser Funktion als Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher läuft seit 2002 eine Kampagne gegen die alljährliche Gebirgsjägertreffen in Mittenwald.
Der einzige Überlebende des Massakers, der damals 15 jährige Gino M., sagte am 7.10 aus. Pressebericht dazu finden sich in der SZ und in der jungen Welt.
Die Kampagne „Keine Ruhe!“ hat eine umfangreiche, und stets aktualisierte, Linkliste zum Thema.
Die Vergangenheit des Ottobrunner Ehrenbürgers Scheungraber wurde immer wieder von antifaschistischer Seite theamtisiert. 2007 gab es eine kurze Kundgebung auf dem Weg nach Mittenwald, sowie eine Antifademo (Bericht 1, Bericht 2). Noch sitzt Scheungraber in Ottobrunn fest im Sattel, als Reaktion auf all die negative Publicity gab der Ottobrunner CSU-Bürgermeister Thomas Loderer eine Ehrenerklärung für Scheungraber ab. Von anderen Aktionen in Scheungrabers Wohnort, wie z.B. Sprüherein an seinem Haus oder auch an dem von Loderer, ist derzeit noch nichts bekannt.
Die Unterstützung für Scheungraber reicht von seinem CSU-Bürgermeister über den Kameradenkreis und seine als Nazi-Verteidger erprobten Anwälte bis ins Spektrum der „Autonomen Nationalisten“ München, deren Kader (das Fussvolk steht wohl nicht so gerne früh auf) dem alten Nazi-Kriegsverbrecher bei seinen Prozessterminen die Ehre erweisen. Für die münchner AN ist Scheungraber Vertreter der von ihnen glorifizierten Tätergeneration, im Vernichtungskrieg der Wehrmacht sehen sie einen Kampf für die „Freiheit und die Zukunft ihrer Nachfahren.“ Gleichzeitig bietet ihnen dieser Prozess eine seltene Gelegenheit, die Wahnvorstellung von der ach so harten Siegerjustiz zu bedienen. Angesichts der Amnestien und der jahrzehntelangen Verschleppung der Verfahren durch die bundesdeutsche Justiz, angesichts eines gesellschaftlichen Klimas in dem sich die Täter von einst geborgen fühlen können, müssen Nazis Prozesse in denen tatsächlich mal einer der ihren auf der Anklagebank sitzt suchen wie die Nadel im Heuhaufen.
Die AN München und die restliche Fascho-Baggage mobilisieren für den 15.11 zu einem Aufmarsch zum sog. Heldengedenktag (den emsige Antifas übrigens komplett einmachen werden), dabei geht es ihnen um den positiven Bezug zu genau solchen NS-Mördern wie Scheungraber. Beide Themen verknüpft zu behandeln böte sich daher an.