Archiv für Oktober 2008

Support your local Bildungsprotest!

Subjektiv war es auf der heutigen Demo gegen Studiengebühren grandios. Nicht weil die Demo einen besonders tollen Ausdruck hatte, auch nicht weil sie verhältnismässig gross war, das hat nur reingespielt. Aber es macht einfach Spass, zusammen mit einer kleinen lautstarken crew so eine Demo mitzuprägen, und am meisten Spass wenn mensch die Demo dabei nicht eben ernst nimmt. Und besonders ernstnehmbar war die Demo nicht. Klar, der Anlass ist schon richtig. 585 € im Semester, fast ein Hunni im Monat, uns allen fiele besseres ein als dieses Geld den Unis zu schenken.
Aber ein paar Sachen, die da so geäussert wurden waren einfach mal bescheuert. Mein Favorit ist fast der Sprechchor „Das Ergebnis dieser Wahlen, wir wollen nicht für Bildung zahlen.“ Die letzten Wahlen waren ein Erfolg für die FDP, die ist zwar gegen das Rauchverbot, aber sicher nicht gegen Studiengebühren. Inhaltlich katastrophal, aber immerhin nur von wenigen getragen, war das Transpi mit der Aufschrift „Elite = Hartz IV?“. Davon abgesehen, dass „Elite“ in dieser Gesellschaft den Anspruch ausdrückt besonders konkurrenzgeil und rücksichtslos zu sein, impliziert das Transpi auch, dass ALG II für die nicht-Elite durchaus OK und angemessen ist.
Sauer an der Demomoderation sind mir vor allem die Situationen vor der Staatskanzlei und bei der Abschlusskundgebung aufgestossen: Ein Vorredner plärrt via Mikro immer wieder „Auf die Knie! Auf die Knie!“, was die meisten der Studis auch machten. Das ganze sollte eine Synchron-Aufsteh-Choreografie einleiten. Egal zu welchem Zweck, dass sich 2-3000 Leute auf Befehl vor die Staatskanzlei knien spricht nicht für ihre Intelligenz, und etwas vergleichbares habe ich davor bei Demos auch noch nicht erlebt.
Aber, wie gesagt, es ist durchaus gelungen, die Demo ein Stück weit mitzuprägen, und vielleicht ein paar Studis auch etwas zu vermitteln: Es wird zwar selten (ausser von Zecken wie uns) ausgesprochen, aber Studieren hat ausser bei ganz grossen Streber_innen immer auch den Zweck, die Mühlen der Lohnarbeit ein wenig später zu betreten – absolut legitim, und vor diesem Hintergrund sind auch Parolen wie „Für Deutschland keinen Finger krumm! 60 Semester Minimum!“ oder „Wir bleiben unserm Motte treu – Asozial und arbeitscheu!“ auf eine gewisse, nicht immer nur positive, Resonanz bei den Studis gestossen. Wenn Schule oder Studium als eine teilweise Auszeit von einer Vollzeit-Lohnarbeit gesehen wird, macht es übrigens auch Sinn sich darüber Gedanken zu machen wie diese Auszeit konkret aussieht – G8 oder Gesamtschule, Magister- oder Bachelorstudiengang, um jetzt mal bei den ganz gebildeten zu bleiben.
Unter den inhaltlichen Inputs von linksradikaler Seite wurde aber die altbewährte Parole „Bildung für alle, sonst gibts Krawalle!“ am besten aufgegriffen. Durchaus logisch, auf einer Demo unter dem Motte „Kick it like Hessen!“ Dort haben die Studis kluge Dinge getan, wie Bundesstrassen, Autobahnen oder Univerwaltungen besetzen. Der so aufgebaute öffentliche Druck hat in der Auseinandersetzung sicher nicht geschadet.
Aber zurück nach München – wir hatten durchaus Spass, und haben auch als Mini-haufen ein bisschen was rübergebracht. Die nächste Gelegenheit dazu kommt bald – am 12.11 ist Bundesweiter Schulstreik, auch in München sind Aktionen geplant. Nichts wie hin!

demo gg. studiengebühren

Am heutigen Donnerstag, ab 12:00, startet vor der Uni eine Demo gegen Studiengebühren. Hingehen!

Grüsse ins Exil

Ich will mal die Aufmerksamkeit auf zwei Münchner richten, die gerade etwas weiter weg sind. Globaltreter fährt gerade die klassiche Strecke Kairo-Kapstadt, natürlich mit dem Fahrrad. In seinem blog schreibt er über absurde Begegnungen mit steinewerfenden Jugendlichen, vor allem aber über Pannen.
Teacherboy in Sokodé unterrichtet Deutsch in, nun ja, Sokodé, einer Stadt im Norden von Togo, vergleichbar mit Rosenheim. Hier geht es viel um Alltagsbeobachtungen im „transnationalen Raum“ Sokodé:

In migrationswissenschaftlichen Uni-Seminaren geht es ja oefters mal um sogenannte « transnationale Raeume », die durch Migration zwischen den Herkunfts- und Ziellaendern geschaffen werden. Nun, hier in Sokodé schaut’s ganz konkret so aus, dass ich taeglich Leute treffe, die entweder Angehoerige in Deutschland haben oder die selber schon mal in dort gelebt haben – es ist schon erstaunlich, wie viele Leute hier zumindest ein bisschen Deutsch koennen. Von den « Zurueckgekehrten » sind die wenigsten, mit denen ich gesprochen habe, freiwillig wieder hier, sondern sie wurden abgeschoben. Verdammte Scheisse! Einer war nach seiner Abschiebung erstmal laengere Zeit im Knast, ein anderer ist hier gar nicht mehr recht auf die Fuesse gekommen und psychisch durchgeknallt.

Hinter Krieg und Krise

Joachim Hirsch schreibt:

Interessant ist dabei der Zusammenhang von Krise und Krieg. Die Überwindung der großen Depression (im 19. Jahrhundert) hatte einiges mit dem Wettrüsten zu tun, das zum ersten Weltkrieg führte. Die Ergebnisse des zweiten Weltkriegs, nämlich der Aufstieg der beiden Supermächte USA und Sowjetunion führten zu der machtpolitischen Konstellation, die den Fordismus erst möglich machte. Und schließlich hat die Niederlage der USA im Vietnamkrieg wesentlich zum Zusammenbruch des fordistischen Bretton-Woods-Systems der festen Wechselkurse und Kapitalverkehrskontrollen und damit zu dessen Krise beigetragen. Das Debakel, das sie sich im Irak und Afghanistan eingebrockt haben, verweist auf einen ähnlichen Zusammenhang.

Kann wer gute Texte zu den kausalen Zusammenhängen zwischen Krieg und Krise empfehlen?

Pimp your ALG!

Die interventionistische Linke betreibt Service-orientierten Aktivismus:

Haben Sie momentan finanzielle Schwierigkeiten? Sehen Sie sich konfrontiert mit mangelndem Vertrauen in Ihre Zahlungsfähigkeit? Oder herrschen des öfteren kurzfristige Liquiditätsengpässe in Ihrem Geldbeutel? Das alles ist von nun an kein Problem mehr: Jetzt können auch Sie als Arbeitskraftbesitzer/in mit unserer Briefvorlage das Ihnen zustehende Geld beim Finanzminister einfordern.
Einfach ausdrucken, ausfüllen und an den Herrn Finanzminister Steinbrück senden!

„… the Antifa don‘t see this!“

Ein bisschen Gepöbel gegen die Antifa, von einem thüringischen Flüchtlingsaktivisten. Bei aller Provo ist das Argument garnicht so falsch:

You see, in west-Germany, you have lots of Ausländer, and only a few Nazi. In the east, it’s the other way round. So if you stop deportations, you are effectively fighting the Nazi. But the Antifa don‘t see this! They are so focused on their games with the Nazi!

Ein langer Tag, ein bisschen Text?

Am Samstag ist in Berlin der lange Tag des Antimilitarismus, mit einem recht spannendem Programm. Wenn ein paar Leute da hingehen und hinterher etwas zu den einzelnen Veranstaltungen schreiben, fände ich das super. Also macht mal.

Es ist was los.

Der kommende Samstag (das ist der 25.10) wird voll: Das selbstverwaltete Juz Rülps ist akut von Schliessung bedroht, dagegen findet eine Demo statt, die erste in der Geschichte Kirchheims. Treffpunkt: 14:00, S-Bahn Heimstetten. Ein Treffpunkt in München wird sicher die Tage bekanntgegeben. Am Abend ist im Kulturladen Westend eine Veranstaltung über Frauen in der rechten Szene, mit Film & Vortrag. Feiern kann mensch auch: Die FC-Bayern Ultras von der Schickeria machen eine „notte italiona di ska“, mit Konzert und Schnaps im Kafe Kult. Last not least lädt die Antifa Jugend München in den Neokeller, zu billigem Bier und elektronischer Musik mit eigenartigen Namen.

„We in Africa …“

Der christliche Bekannte eines Freundes (oder so ähnlich), begründet seinen Glauben mal mit sehr einfachen Worten. Mir ist nicht klar ist, wie er auf die Idee kommt so selbstverständlich für einen kompletten Kontinent zu sprechen:

In africa, we don‘t have social security. But we have spiritism, and all kinds of religion!

Hinter der Verkürzung steht …

München, 4.10, Kundgebung gegen den 1000 Kreuze Marsch und für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. In einem Redebeitrag heisst es (Hervorhebung von mir):

Gender ist, neben race und dem was mensch verkürzt als Klasse bezeichnen könnte

Andererseits wurden Flugblätter verteilt, auf denen zu lesen war:

Hinter Nation und Gott stehen die Interessen der reaktionärsten und konservativsten Teile des Kapitals

Between a rock and a hard place: Die einen fürchten sich davor, das Kind beim Namen zu nennen. Was spricht denn gegen den Begriff Klasse? Und warum ist der kürzer (verkürzter?) als gender, oder gar race? Problematisch ist es nicht, von Klassen zu reden, sondern den Klassenbegriff auf bestimmte Segmente einzuengen, oder kultisch zu überhöhen. Darüber muss sich mensch mit denen streiten, die diese Fehler machen, anstatt sich zu weigern eine bestimmte Analysekategorie herzunehmen weil andere damit vielleicht Unfug anstellen.
Die anderen sehen im Glauben an das eine oder andere höh‘re Wesen ihrer Klassenkamerad_innen nicht eine nicht unbedingt bewusste, aber aktive Entscheidung eben dieser, nicht das Seufzen der bedrängten Kreatur, die dazu viel Grund hat, sondern nur wie weit diese Entscheidung die Interessen bestimmter Kapitalfraktionen bedient.