Archiv für Mai 2008

Nach dem „Planet Antira“ … kommt der „Planet Antifa“!

Vor nicht all zu langer Zeit ist das Projekt Planet Antifa unter der URL de.Antifa.net an den Start gegangen. Hier werden Feeds von verschiedenen, Bundesweiten Antifa-seiten zusammengefasst, wahlweise auch nach Bundesländern. Lustigerweise geben die Macher_innen in einem Indymedia Artikel den Blogsport Planeten als Inspiration an – dabei ist ihr Projekt dem Planet Antira, der feeds antirassisitscher Initiativen und Nachrichten zusammenfasst, viel ähnlicher. Anyway, sich die Seite zu bookmarken macht Sinn. Den Macher_innen die URL des feeds eurer Antifaseite zu schicken auch. Auch wenn das heisst, dass ihr euch erst einen einrichten müsst.

Lesetip: Doitschstunde

1990 veröffentlichte die Autonome L.u.p.u.s Gruppe den Text „Doitschstunde“, um den damals praktizierten autonomen Antifaschismus zu kritisieren. Jetzt, 18 Jahre später, treffen einige Kritikpunkte immer noch oder wieder auf aktuelle politische Trends der radikalen Linken. Für den Münchner Kontext sind vor allem zwei Gedankengänge interessant, zum einem die Kritik an der Vorstellung vom 4. Reich, zum anderem die scheinbare Symetrie zwischen Nazis und Antifas.

Derzeit redet niemand davon, dass ein 4. Reich oder eine faschistische Machtergreifung unmittelbar bevorsteht. Die Rede vom „Notstand der Republik“, den es zu verhindern gälte um das gute Deutschland der Potsdamer Verträge zu erhalten, enthält aber nach wie vor einige der Fehlanalysen, die auch schon die Rede vom 4. Reich prägten. Der Widerstand gegen besagten Notstand der Republik ist zentrales Thema des Arbeiterbundes für den Wiederaufbau der KPD und der FDJ, die beide z.B. die Kampagne gegen das neue bayerische Versammlungsrecht mitprägen. Die L.u.p.u.s. Gruppe listet einige Brüche und Tendenzen auf, ursprünglich als Belege gegen die These vom 4. Reich – sie taugen aber auch, um die Notstandsrethorik gegen den Strich zu bürsten.

Anderthalb Jahrzehnte vor Autonomen Nationalisten und ähnlichem schrieb die L.u.p.u.s. Gruppe:

Es gibt kaum ein Thema, das so voller Gegen-Rituale, inhaltlicher Umkehrungen und standardisierter Antworten ist, wie der Anti-Faschismus der letzten 10-15 Jahre (»Ausländer raus« – »Nazis raus«; »Rotfront verrecke« – »Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft«; Nazi-Embleme – Antifa-Embleme…).

Darauf aufbauend beschreiben sie, wie solch eine Praxis das falsche totalitarismustheoretische Bild von der guten Demokratie, die zwischen bösen Extremisten aufgerieben wird, bestätigt. Diese Praxis sehen sie als Symptom eines Antifaschismus, der sich …

an sich rechtfertigt. Eine historische Legitimität, die sich aus der scheinbar weltweiten Verurteilung des Nazi-Regimes ergibt, und eben nicht aus den eigenen Handlungen und Wertsetzungen.

Mit dem Verweis auf faschistische Kontinuitäten »borgen« wir uns diese historische Legitimität, anstatt sie selbst zu begründen. Eine Legitimität, die damit mehr auf das »schlechte« bürgerliche/linke Gewissen setzt, als auf die Faszination und Ausstrahlungskraft widerständischen Lebens.

Womit wir wieder bei einem dezentem Trend in der Münchner Linken wären, diesmal bei den Autonomen – der politische Anspruch ist in erster Linie antifaschistisch, und dann weitergehend linksradikal (also antikapitalistisch, antirassistisch, antisexisitsch), und nicht linksradikal und deshalb notwenigerweise auch gegen Nazis. Und, so die These der L.u.p.u.s. Gruppe, ein so bestimmter Antifaschismus funktioniert nicht.

Die L.u.p.u.s. Gruppe hat zum Teil problematische Ansichten. Über die Unterschiede zwischen Faschismus und bürgerlicher Demokratie wischen sie sehr schnell hinweg. Weiter gehen sie nicht auf die Funktion als Stichwortgeber und Anheizer ein, die Faschos im öffentlichen Diskurs haben, und seit Erscheinen des Textes (der älter ist als so manche_r Fascho) hat sich in einigen Regionen ein starke, rechte Hegemonie etabliert. In der Summe wird Faschismus nicht ernst genug genommen, und damit die Notwenidkeit von antifaschistischem Widerstand unterschätzt.
Trotz der erwähnten Fehler ist der Text in zweierlei Hinsicht lesenswert. Zum einen als „historisches Dokument“ über Diskussionen der frühen Neunziger, zum anderem als Anregung, die aktuelle politische Praxis zu reflektieren. Also ab in die Doitschstunde, der Pausengong bimmelt schon.

Die L.u.p.u.s. Gruppe reagierte in ihrem Text „Doitsch-Prüfung“ auf eine Kritik („Schneutzstunde“, nicht online verfügbar, wird aber zusammengefasst) durch einen Antifa-Zusammenhang. Da vermutlich viele die Kritik der Schneutzstunde teilen, ist die Doitsch Prüfung vielleicht auch lesenswert – ihr findet sie in dem Buch Geschichte, Rassismus und das Boot (pdf)

Nachtrag: Die „Doitsch-Stunde“ erschien auch in Buch „Drei zu Eins: Metropolengedanken und Revolution?“. Auch die beiden anderen Beiträge darin, zu den Themen Patriachat und Tripple Opression, sind lesenswert – als inhaltlich gute Texte wie als historisches Dokument der Diskussion in den frühen 90ties.

Do you speak bash?

Nerd Humor vom feinsten – gefunden auf der Mobilisierungsseite zum Camp 08, einer antirassistischen Aktionswoche diesen Sommer in Hamburg: sudo ping -f -i 0 hamburg.

vormerken (ii)

Am 31.05.08 ist die erste, grosse Demo gegen das neue Versammlungsgesetz. Streicht den Termin in euren Kalendern schwarz an, verbreitet ihn weiter und kommt nach München! Militanzverbot? Nix da! Black is beautiful!

Mittenwald

Die Proteste gegen das Pfingsttreffen des „Kameradenkreis Gebrigstruppe“, einer Art Selbsthilfegruppe für alte Nazi-Kriegsverbrecher in den lezten Jahren haben dazu geführt, dass sie ihr Treffen vorverlegen mussten – leidete der Pfingsttourismus in Mittenwald doch unter den linksradikalen, antifaschistischen Demos. Morgen, 3.05.08 gehts los mit den heurigen Aktionen gegen das Treffen. Geben wir ihnen den Rest.