„Wie ein Schlitzi“

Vor einigen Monaten bat das Hinterland Magazin die Lerser_innen:“Erzählt uns vom Rassismus.“ Die Idee war, einige kleine Anekdoten zu persönlichen Alltagserfahrungen mit Rassismus zu sammeln, und diese in der nächsten Ausgabe verstreut zu veröffentlichen. Cool dachte ich mir, mir ist auch prompt eine eingefallen. Heute morgen lag dann die neue Hinterland im Briefkasten. Den Redaktionsschluss hatte ich wohl verpasst, deshalb gibt es den kleinen Einblick in meine Familie jetzt hier:

Nach langer Zeit mal wieder zu Besuch bei der Oma. Ich hocke vor ihrem Bücheregal und gucke was da so drin steht. Meine Mutter steht hinter mir und wundert sich über meine Sitzhaltung: „Du sitzt wie ein Neger.“ Ich bin erstmal total sprachlos – einmal gibt es gute Gründe, das N-wort aus dem Sprachgebrauch zu streichen, darüberhinaus ist es einfach beknackt die gemeine Kniehocke zu ethnisieren. Mein stets sensibler Bruder fügt hinzu: „… oder wie ein Schlitzi


12 Antworten auf “„Wie ein Schlitzi“”


  1. 1 blabla 18. Februar 2008 um 17:27 Uhr

    Ich kann auch eine zum besten geben….
    Ich war als kleines Kind bei meinem Grosseltern… schätze
    9 Jahre alt oder so…. irgendwo in der Nachbarschaft zogen
    laut Oma grad „die Neger“ ein…. auf meine naive Nachfrage
    was denn an schwarzen Nachbarn das Problem wäre hiess es:
    „Na wenn du das nicht weisst, dann weiss ich auch nicht…“

  2. 2 unwichtig 18. Februar 2008 um 17:35 Uhr

    nur kurz bemerkt: soweit ich das verstehe, wird der begriff „n-wort“ verwendet, um eben zu vermeiden, das n-wort auszusprechen oder auszuschreiben. deswegen irritiert mich ein wenig, wie du das praktizierst.

  3. 3 Bikepunk 089 18. Februar 2008 um 18:24 Uhr

    @unwichtig
    Ich habe das N-Wort einmal ausgeschrieben, damit Leser_innen wissen wovon die Rede ist. Wenn ich statt dessen „N***“ oder eben „N-Wort“ geschrieben hätte wäre das nicht allen so klar gewesen.
    „N-Wort“ bzw. „N***“ statt dem N-Wort im Klartext zu schreiben finde ich schon sinnvoll, wichtiger finde ich es zu erklären warum , und dafür muss der Text aussenrum verständlich sein – daher die irritierende Handhabe meinerseits.

  4. 4 Scharfkritiker 18. Februar 2008 um 18:42 Uhr

    Yeah, bewahrt die N-Wortler vor dem N-Wort:

    http://greschka.blogsport.de/2007/07/04/n-wort/

    Das böseböse Wort nicht auszuschreiben, hilft ganz bestimmt ganz dolle gegen die rassistische Sortierung, die da an den Negern vorgenommen wird.

  5. 5 Bikepunk 089 18. Februar 2008 um 19:18 Uhr

    @scharfkritiker
    Ohne jetzt den von dir verlinkten Artikel nochmal zu lesen, zwei Sachen:
    1., das N-Wort ist beleidigend und abwertend gegenüber schwarzen Menschen (die damit meistens gemeint sind). Ich lege keinen Wert darauf Leute wahllos zu beleidigen, also verwende ich bestimmte Begriffe nicht.
    2., dass es das N-Wort überhaupt gibt, aber keinen entsprechenden Begriff für Weisse, zeigt doch dass es durch die rassistische Sortierung enstanden und geprägt ist. Leuten erklären, warum die Verwendung des N-Wortes nicht ok geht, beinhaltet auch die Erklärung dass da eine rassistische Sortierung vorliegt und dass die nichts mit Natur sondern viel mit Gesellschafft zu tun hat. Damit ist die Auseinandersetzung um rassistisch geprägte Begriffe ein Weg, Leuten zu erklären welche Fehler im Rassismus so stecken.

    Meine Geduld, was Kommentarspaltendiskussionen angeht ist sehr begrenzt. Anders gesagt: Make it short and to the point, or meet the furious onslaught of my Kommentarmoderation.

  6. 6 Bikepunk 089 19. Februar 2008 um 0:43 Uhr

    Die Beiträge von „Deine Mutter“ erschienen nur wegen defekter Kommentarmoderation. Ich hab sie mal gelöscht, weil weitestmöglich offf topic.

  7. 7 Scharfkritiker 19. Februar 2008 um 9:21 Uhr

    Tze, lies halt den Text, da steht, warum Sprachpolitik ein Quatsch ist: weil sich das Wort auf die Sortierung bezieht, WIRD es zum Schimpfwort. Von daher werden auch die P.C.-Begriffe immer wieder zu Abwertungen und dann muss ein neuer P.C.-Begriff her. Aber bis dahin kann man sich ja auf der moralisch sicheren Seite fühlen, wenn man böse böse Worte vermeidet, statt polemisch darauf hinzuweisen, DASS die Leute in dem Laden hier als Neger vorkommen. On point genug?

  8. 8 Bikepunk 089 22. Februar 2008 um 1:02 Uhr

    @scharfkritiker:
    weil sich das Wort auf die Sortierung bezieht, WIRD es zum Schimpfwort“, und einmal zum Schimpfwort geworden markiert es wer in dieser Gesellschaft ausgegrenzt und angegriffen werden darf.
    Sprache gibt nicht einfach wieder, was gesellschaftliche Realität ist, sondern erzeugt diese mit: Wer öffentlich beleidigt werden darf, darf auch geschlagen werden.Deshalb ist Sprachpolitik notwendig, kaum wer ausserhalb einer Uni ist so blöd deshalb nur noch Sprachpolitik zu betreiben.

    p.s.:
    Du warst im spam-filter hängengeblieben, habe ich erst eben bemerkt. SK2 gab eine gefälschte Java-Nutzlast als Grund für das schlechte Karma an, falls dir das weiterhilft.

  9. 9 Bei Interesse: 24. Februar 2008 um 22:55 Uhr

    Doppelvortrag: Sprachlicher Rassismus

    Im ersten Teil des Doppelvortrags über sprachlichen Rassismus soll zunächst der Begriff Rassismus näher definiert und analysiert werden. In dem Vortrag werden die Idee und das Konzept menschlicher Rassen an sich aber auch Formen von Rassismus, die ohne den expliziten Bezug auf die Kategorie Rasse auskommen, kritisiert. Am Ende dieses ersten Teils soll noch die Klärung der Frage nach den Ursachen von Rassismus angeschnitten und auf die Wechselwirkungen zwischen Ideologie und Geselllschaft eingegangen werden.

    Im zweiten Teil soll nun explizit auf sprachlichen Rassismus eingegangen werden, also auf die Arten und Weisen wie Rassismus und Sprache im Zusammenhang zueinander stehen. Hierbei wird Sprache nicht als neutral, sondern als gesellschaftlich und ideologisch determiniert angesehen. Anhand einiger Beispiele soll versucht werden, Funktionsweisen rassistischer Sprache aufzuzeigen. Ein Anstoß zur Vermeidung von und Kritik an rassistischen Sprechweisen ist ein weiteres Anliegen dieses Doppelvortrags. Wie üblich soll bei beiden Vorträgen Platz und Raum für Diskussionen, Kritik und Meinungen bleiben. Beide Vorträge beginnen gegen 21:00.

    Teil 1: 5.3. Mittwochskafe im Kafe Marat
    Teil 2: 6.3. Antifa-Café im Kafe Marat
    Kafe Marat, Thalkirchnerstr. 104/II, München

  10. 10 Scharfkritiker 25. Februar 2008 um 10:00 Uhr

    einmal zum Schimpfwort geworden markiert es wer in dieser Gesellschaft ausgegrenzt und angegriffen werden darf

    Wenn Du zustimmst, dass Rassismus eine Sortierung ist, die den Sortierten das Resultat ihrer Sortierung als (aus) DEREN EIGENSCHAFT (entspringend) zuschreibt, dann ist doch eins schon klar: den auf die gesellschaftlich minderwertigen Positionen Sortierten wird damit auch Minderwertigkeit zugeschrieben. Das findet seinen Widerhall u.a. darin, dass die Bezeichnung von den so Sortierten zum Schimpfwort wird, eben weil es Minderwertigkeit ausdrückt. (So z.B. auch bei Deiner Familie: „Die minderwertigen Neger und Schlitzis können das halt nicht besser, aber Du willst ja wohl nicht so sein wie die, also benimm Dich wie ein anständiger Deutscher!“). Wenn aber die Beleidigung dadurch zustande kommt, dass sie sich auf die Zuschreibung von Minderwertigkeit bezieht, dann kann die Zuschreibung der Minderwertigkeit nicht aus der Beleidigung folgen. Ansonsten wäre das nämlich nix als ein Zirkelschluss.

  11. 11 Bikepunk 089 25. Februar 2008 um 15:12 Uhr

    Als ob immer alles so logisch zugehen würde …

  12. 12 nochschärfer 12. April 2008 um 20:31 Uhr

    „Wenn aber die Beleidigung dadurch zustande kommt, dass sie sich auf die Zuschreibung von Minderwertigkeit bezieht, dann kann die Zuschreibung der Minderwertigkeit nicht aus der Beleidigung folgen.“

    schon mal was von wechselwirkungen gehört?

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