Mein Ladyfest

Ein kleiner subjektiver Rückblick aufs erste Münchner Ladyfest, also auf die zwei Partyabende und zwei inhaltliche Veranstaltungen die ich mitbekommen habe. Einen anderen Bericht über das Fest insgesamt habe ich auf Luzi-M gefunden, von dort aus sind auch Berichte zu einer Stadtführung im Ramen des Festes verlinkt.

Freitach
Los gings für mich – zwengs Zeitmangels – Freitagnacht, nachdem die letzte Band schon längst von der Bühne war. Vom Programm habe ich da nur noch die Auflegerei von riot not diet! und Dj IF (female pressure) mitgekriegt. Ihren Sound können die crews besser beschreiben als ich, die Stimmung an dem Abend war auf alle Fälle nett, viel los war zu der Zeit aber nicht mehr. Eine auswärtige Besucherin beklagte sich über das mangelnde Stehvermögen der münchner Ladies.

Workshopping: Frauenkleider und Männerrunden
Samstagnachmittag wurde ein workshop über die soziale Konstruktion von Geschlecht angeboten. Der Referent gab in etwas unter einer Stunde einen Überblick darüber, was so die Grundannahmen der gender studies sind. Ein paar Thesen und Fragen, die in der Diskussion geäussert wurden, versuche ich mal wiederzugeben. Vieles habe ich nicht im Kopf, am besten gemerkt habe ich mir wahrscheinlich meine eigenen Argumente und die, die mir von anderen besonders griffig vorkamen. Die Widergabe ist eher inhaltlich sortiert als chronologisch.
Es wurde, ziemlich unwidersprochen, festgestellt dass sich Frauen meistens ohne Stress in „Männerklamotten“ in der Öffentlichkeit bewegen können, umgekehrt sei es für einen Mann „sauanstrengend“ in „Frauenkleidern“ auf die Strasse zu gehen. Als Gründe wurden Homophobie genannt, das als „männlich“ konnotiertes Auftreten in vielen Zusammenhängen eher geachtet wird oder als „normal“ gilt, sowie das praktische Kleidung lange Zeit meistens „Männerkleidung“ war (z.B. Hosen mit Taschen, Schuhe in denen mensch sich gut bewegen kann). Ich schreibe Männer- bzw. Frauenkleidung in Anführungsstrichen, weil die Unterscheidung nicht vom Baum gefallen ist sondern gesellschaftlich gemacht wird, und weil dieses Machen ja nur (noch?) teilweise ganz strikt passiert.
Während sich, keine Überraschung, wahrscheinlich alle einig waren dass Geschlechterrollen irgendwie sozial konstruiert sind, gab es klare Widersprüche bei Diskussion darüber was das praktich heisst. Bei der Äusserung eines Teilnehmers, er würde sich nicht als Mann fühlen, wurde zum Teil stark angezweifelt ob sein subjektives Empfinden da so viel ausmacht – eine Teilnehmerin, sinngemäss „Ich kann mich noch so dekonstruiert fühlen, dem Typ der mich in der U-Bahn anmacht ist das egal.“
Weiters wurde noch viel über Männergruppen und deren Sinn- bzw. Unsinnhaftigkeit geredet, die Diskussion gebe ich jetzt nicht wieder.
Allgemein habe ich das Diskussionklima als ganz angenhem empfunden, bei ca 30 Teilnehmer_innen war
auch ohne Moderation eine konstruktive Diskussion möglich. Was mir aber auffiel, war dass vor allem am Anfang der Diskussion deutlich mehr von Männern geredet wurde als von Frauen, obwohl in dem workshop 3/4 Frauen sassen.

Lesung: Hot Topic und Zines
Meine Ladyfestnachmittag ging dann mit der Lesung aus dem Buch „Hot Topic – Popfeminismus heute“, herausgegeben von Sonja Eismann. Sowohl die Rezension im Mädchenblog, als auch die Ankündigung der Herausgeberin, haben mich nur wenig angesprochen. Die zwei verlesenen Artikel waren dann aber gut, und hörens- bzw. lesenswert. Abgeschreckt hatte mich auch das „Pop-“ im Untertitel des Buches, vieles in der Rubrik Popdiskursmumpitz ist in meinen Augen einfach unerträgliches Geschwurbel. Laut Herausgeberin ist dieser Untertitel irgendwelchen Buchhandelsinternen Prozessen geschuldet, die mir wiederum zu kompliziert zum merken waren.
Im unmittelbarer politischen Artikel beschreibt eine Frau, was es für sie konkret bedeutet, dass Abtreibung zum Nicht-Thema in politischen Zusammenhängen und Auseinandersetzungen geworden ist. Der flapsige Spruch einer Freundin und Genossin, „jede vernünftige Linke sollte einmal im Leben abgetrieben haben“, kommt mir seither etwas sinnvoller vor.
Nach der Lesung aus Hot Topic stellten verschiedene Zine-macherinnen das Zine Wesen im allgemeinen vor, und was sie so daran umtreibt.

Saturday night fever
Auch am Samstag habe ich es irgendwie geschafft, fast alle Liveacts zu verpassen – bis auf die spicy tigers on speed. Deren drag-tanz-revue-performance wasauchimmer war ziemlich grossartig und lustig. Weiter ging der Abend mit Auflegerei von Get rid! und Elektro Puzzi, mit Elektropunk und Bartbar.
Samstag abend war entschieden mehr los als am Freitag, und die Stimmung ziemlich ausgelassen. Ein lustiges Gimmick war die Schminkecke und Bartbar, wo mensch sich in verschiedenster Art und Weise stylen konnte. Als eine Erkenntnis des Abends habe ich mitgenommen, das dezente Bärte erstaunlich vielen Leuten stehen – ob jetzt diese Form des drag total Gender-dekonstruierend ist sei mal dahingestellt, Punkt ist das solche Spielereien und Experimente ohne Faschingsalbernheiten gar nicht so oft möglich sind. Abschluss des Abends war noch interaktives rumspringen und Klamottentauschen mit den Spicy Tigers on Speed in der Kneipe, nachdem anderswo schon der Abbau in vollem Gange war.


5 Antworten auf “Mein Ladyfest”


  1. 1 schnulli 10. Februar 2008 um 17:49 Uhr

    “jede vernünftige Linke sollte einmal im Leben abgetrieben haben“ … weil… weil zu blöd um nen gummi herzunehmen oder was?
    Sorry, aber da hängt soviel dran, von der ganzen hormongeschichte bis zu den alarmierenden neuinfektionen mit HIV, dass so was hirnverbranntes etwas mehr erleuterung braucht…

  2. 2 schnulli 10. Februar 2008 um 17:51 Uhr

    sorry.. hab noch vergessen danach zu fragen, wie die genossin und freundin die ethische frage für sich selbst und alle anderen linken so einfach beantwortet…

  3. 3 Bikepunk 089 10. Februar 2008 um 23:50 Uhr

    Ich sage mal wie ich die Bermekung verstehe. Das Abtreibung so ein Nicht-Thema ist – und meiner subjektiven Wahrnehmung nach ist es das – macht eine Entscheidung dafür schwieriger. Wenn Schwangerschaftsabbrüche im persönlichen Umfeld nicht die skandalöse oder verschwiegene Ausnahme sind, sondern etwas was frau bei Bedarf tut, fällt es vielleicht leichter klar über diesen möglichen Umgang mit einer eigenen Schwangerschaft nachzudenken. So sehe ich den Sinn von dem Spruch „Jede Linke sollte …“, selber würde ich das aber garnicht so propagieren. Mir kam der Spruch nach der Lesung einfach weniger beknackt vor als davor.

    Die angerissenen Pro-Gummi Argumente entkräftet das überhaupt nicht, solls auch nicht.

  4. 4 Bikepunk 089 25. Februar 2008 um 18:11 Uhr

    Ein Interview Snippet, dass nochmal auf Schnullis Frage eingeht:

    Die Einforderung einer geschlechtergerechten Arbeitsteilung in der Pflege und Erziehungsarbeit kann durch die selbstverständliche und nicht moralisch verklärte Einforderung des Abbruchs unterstützt werden, da sie Frau emotional weniger erpressbar macht.

    Interview aus die Standard

  1. 1 Ladyfest! « bikepunk 089 Pingback am 19. April 2010 um 17:22 Uhr
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